{"id":183390,"date":"2003-10-05T12:42:00","date_gmt":"2003-10-05T10:42:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2003\/10\/05\/nachdenken-ueber-den-brenner\/"},"modified":"2003-10-05T12:42:00","modified_gmt":"2003-10-05T10:42:00","slug":"nachdenken-ueber-den-brenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2003\/10\/05\/nachdenken-ueber-den-brenner\/","title":{"rendered":"Nachdenken \u00fcber den Brenner"},"content":{"rendered":"<p>{mosimage} Heute auf den Tag genau vor genau 63 Jahren, am 4. Oktober 1940 sch\u00fcttelten sich Hitler und Mussolini am Bahnhof Brenner auf Gleis sieben die Hand. Am morgigen Sonntag werden sich hier vier Minister einfinden, um den Wahlkampf in S\u00fcdtirol anzuheizen. Heute bot dieser Schauplatz durch die Teilnahme zahlreicher G\u00e4ste und Zeitzeugen neue Impulse f\u00fcr die Zukunft des Grenzorts, der seit dem Inkrafttreten des Schengen-Abkommens 1998 von einem in den 70er Jahren noch dicht bev\u00f6lkerten, pulsierenden Grenzort (ca. 1500 Einwohner) zu einem 300 Seelen Dorf geschrumpft ist. Im Pfarrsaal der neuen Brenner Pfarrkirche Maria am Wege mitten im Dorfzentrum lie\u00df man mit originalen Filmdokumenten des Istituto Luce, mit Filmbeitr\u00e4gen der Rai-Journalistin Sandra Bortolin \u00fcber den Alltag am Brenner, mit pers\u00f6nlichen, teils sehr bewegenden Erz\u00e4hlungen und Anekdoten aus der Pfarrchronik die Vergangenheit des Brenners Revue passieren. Das Evozieren vieler heiterer und auch tragischer Bilder vom Brenner zeigte eine einzigartige Pfarrei, die in Europa ihres gleichen sucht . Das kirchengeschichtliche Unikat, dem Teile der \u00f6sterreichischen Gemeinde Gries am Brenner angeh\u00f6ren, ist eine Folge der Grenzziehung nach dem ersten Weltkrieg von 1918. Den Akzent auf das grenz\u00fcberschreitende Zusammenspiel und Mitwirken dies- und jenseits der Grenze setzten in ihren Statements der B\u00fcrgermeister der Gemeinde Brenner, Christian Egartner, der \u00f6sterreichische Kollege der Gemeinde Gries am Brenner, Willi Sch\u00f6pfer, wie dessen Stellvertreter, Helmut Gassebner. Die Grenze hat freilich Spuren hinterlassen, architektonisch genauso wie solche im Kopf, doch gerade am intensiven Pfarrlebens erkennt man, dass das Verbindende \u00fcber die k\u00fcnstlichen Trennungen siegt. Beispiele daf\u00fcr sind der internationale und mehrsprachige Kindergarten, der grenz\u00fcberschreitende Seniorenclub, der r\u00fchrige Verein des Freizeitvereins der Eisenbahner und des CAI. War der Vormittag dem Aufrollen der Pfarrchronik und der historisch markanten Ereignisse des Brenners gewidmet, so befasste man sich am Nachmittag mit dem Grenzort als Schauplatz menschlicher Schicksale, Endstation und Neuanfang f\u00fcr Familien wie jene der Durakovic. Den 1992 als bosnische Fl\u00fcchtlinge an der Brennergrenze zur\u00fcckgewiesenen Fl\u00fcchtlingen, Isetta Durakovic mit ihren zwei kleinen T\u00f6chtern, verhalf der damalige Grenzpfarrer Hugo Senoner zu einer neuen Existenz. Er besorgte ihnen die n\u00f6tigen Papiere f\u00fcr eine Zusammenf\u00fchrung mit ihrem nach M\u00fcnchen gefl\u00fcchteten Mann. Der charismatische Brenner-Pfarrer Hugo Senoner (1990-1997 am Brenner) sparte nicht mit pers\u00f6nlichen Erfahrungsberichten und Kommentaren und pl\u00e4dierte f\u00fcr eine Lancierung des Brenners als Symbol europ\u00e4ischer Einheit. Vor der kunsthistorischen F\u00fchrung durch die St. Valentinskapelle , erstmals 565 vom r\u00f6mischen Reiseschriftsteller Venantius Fortunatus urkundlich erw\u00e4hnt, bot der Lokalhistoriker und Gemeindechronisten G\u00fcnther Ennemoser Einblick in die Geschichte des Orts Brenner, der an der Kaiserstrasse erstmals unter der Herrschaft der Grafen von Tirol den Transitzoll kassierte. Besonderes Ambiente und Flair f\u00fcr Ausw\u00e4rtige hatte die Begehung des f\u00fcr Kunstzwecke adaptierten Kriegsbunker, wo Peter Kaser das Projekt 84 Treppen vorgestellt hat. Bei der Zeitzeugenbegegnung am Nachmittag zeichneten markante Brenner- Pers\u00f6nlichkeiten wie Rudi Plank, ex-Eisenbahnerchef, Ferdinand Plattner, pensionierter Gemeindeangestellter und eingefleischte Brenner-Kenner, Messnerin Waltraud Steger Joppi und ehemaliger Kindergartendirektor Gianfranco Cornella jenes kleinmaschige Gef\u00fcge nach, das f\u00fcr die Alltagskultur am Grenzort so typisch ist. Was aber am meisten die Gem\u00fcter bewegt, ist die Zukunft, die Aussichten eines historisch besonderen Dorfs auf der Suche nach Neuorientierung und neuer Identit\u00e4t. Und dieser Aspekt wurde in einer Abschlussdiskussion mit Starg\u00e4sten, dem Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle, SVP-Senatorin Helga Thaler-Ausserhofer, den B\u00fcrgermeistern von Brenner, Christian Egartner, Gries am Brenner Helmut Gassebner und Franzensfeste Hans Wild, dem Tiroler Lichtk\u00fcnstler Dieter Bartenbach und dem Publikum hei\u00df debattiert. Die Fragen: Abriss oder Neunutzung des bestehenden historischen architektonischen Gef\u00fcges, die Suche nach z\u00fcndenden Ideen f\u00fcr eine wirtschaftlich rentable und politisch vertretbare, auf Konsens aufbauende L\u00f6sung scheinen nicht einfach. Doch der Wille, den Brenner als Ort der Rast, der Einkehr, der Zusammenkunft, des Durchzugs an der wichtigsten Transitstrecke Europas neu zu beleben, ist eindeutig da. Ansatzweise wurden einige Vorschl\u00e4ge angedacht, die allerdings in einer fachkompetenten Runde vertieft werden sollen: Studentengarconieren in dem verkehrsm\u00e4ssig optimal angebundenen Dorf, ein Handelsplatz als Outlet-Variante, oder ein museales K\u00fcnstlerdorf. Auf jeden Fall eine Sanierung des architektonischen Kernensembles und eine Neunutzung, die diesen einzigartigartigen Ort mit neuem Leben f\u00fcllen soll. Das Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter plant in n\u00e4chster Zeit in Zusammenarbeit mit der Uni Innsbruck ein Bautenglossar herauszugeben, das eine Erhebung des historischen Bestands am Brenner und Diskussionsgrundlage zugleich sein will. Brenner, 4. Oktober 2003 {mosimage} {mosimage}<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>{mosimage} Heute auf den Tag genau vor genau 63 Jahren, am 4. Oktober 1940 sch\u00fcttelten sich Hitler und Mussolini am Bahnhof Brenner auf Gleis sieben die Hand. Am morgigen Sonntag werden sich hier vier Minister einfinden, um den Wahlkampf in S\u00fcdtirol anzuheizen. Heute bot dieser Schauplatz durch die Teilnahme zahlreicher G\u00e4ste und Zeitzeugen neue Impulse [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_templately_pack_id":"","_templately_imported_at":"","_templately_source":"","_templately_import_session_id":"","ocean_front_end_style_editor":"no","ocean_post_layout":"","ocean_both_sidebars_style":"","ocean_both_sidebars_content_width":0,"ocean_both_sidebars_sidebars_width":0,"ocean_sidebar":"","ocean_second_sidebar":"","ocean_disable_margins":"enable","ocean_add_body_class":"","ocean_shortcode_before_top_bar":"","ocean_shortcode_after_top_bar":"","ocean_shortcode_before_header":"","ocean_shortcode_after_header":"","ocean_has_shortcode":"","ocean_shortcode_after_title":"","ocean_shortcode_before_footer_widgets":"","ocean_shortcode_after_footer_widgets":"","ocean_shortcode_before_footer_bottom":"","ocean_shortcode_after_footer_bottom":"","ocean_display_top_bar":"default","ocean_display_header":"default","ocean_header_style":"","ocean_center_header_left_menu":"","ocean_custom_header_template":"","ocean_custom_logo":0,"ocean_custom_retina_logo":0,"ocean_custom_logo_max_width":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_width":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_width":0,"ocean_custom_logo_max_height":0,"ocean_custom_logo_tablet_max_height":0,"ocean_custom_logo_mobile_max_height":0,"ocean_header_custom_menu":"","ocean_menu_typo_font_family":"","ocean_menu_typo_font_subset":"","ocean_menu_typo_font_size":0,"ocean_menu_typo_font_size_tablet":0,"ocean_menu_typo_font_size_mobile":0,"ocean_menu_typo_font_size_unit":"px","ocean_menu_typo_font_weight":"","ocean_menu_typo_font_weight_tablet":"","ocean_menu_typo_font_weight_mobile":"","ocean_menu_typo_transform":"","ocean_menu_typo_transform_tablet":"","ocean_menu_typo_transform_mobile":"","ocean_menu_typo_line_height":0,"ocean_menu_typo_line_height_tablet":0,"ocean_menu_typo_line_height_mobile":0,"ocean_menu_typo_line_height_unit":"","ocean_menu_typo_spacing":0,"ocean_menu_typo_spacing_tablet":0,"ocean_menu_typo_spacing_mobile":0,"ocean_menu_typo_spacing_unit":"","ocean_menu_link_color":"","ocean_menu_link_color_hover":"","ocean_menu_link_color_active":"","ocean_menu_link_background":"","ocean_menu_link_hover_background":"","ocean_menu_link_active_background":"","ocean_menu_social_links_bg":"","ocean_menu_social_hover_links_bg":"","ocean_menu_social_links_color":"","ocean_menu_social_hover_links_color":"","ocean_disable_title":"default","ocean_disable_heading":"default","ocean_post_title":"","ocean_post_subheading":"","ocean_post_title_style":"","ocean_post_title_background_color":"","ocean_post_title_background":0,"ocean_post_title_bg_image_position":"","ocean_post_title_bg_image_attachment":"","ocean_post_title_bg_image_repeat":"","ocean_post_title_bg_image_size":"","ocean_post_title_height":0,"ocean_post_title_bg_overlay":0.5,"ocean_post_title_bg_overlay_color":"","ocean_disable_breadcrumbs":"default","ocean_breadcrumbs_color":"","ocean_breadcrumbs_separator_color":"","ocean_breadcrumbs_links_color":"","ocean_breadcrumbs_links_hover_color":"","ocean_display_footer_widgets":"default","ocean_display_footer_bottom":"default","ocean_custom_footer_template":"","ocean_post_oembed":"","ocean_post_self_hosted_media":"","ocean_post_video_embed":"","ocean_link_format":"","ocean_link_format_target":"self","ocean_quote_format":"","ocean_quote_format_link":"post","ocean_gallery_link_images":"on","ocean_gallery_id":[],"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-183390","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-senza-categoria-it","entry"],"acf":[],"rttpg_featured_image_url":null,"rttpg_author":{"display_name":"Kuratorium","author_link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/author\/kuratorium\/"},"rttpg_comment":0,"rttpg_category":"<a href=\"https:\/\/curatorium.it\/it\/category\/senza-categoria-it\/\" rel=\"category tag\">Senza categoria<\/a>","rttpg_excerpt":"{mosimage} Heute auf den Tag genau vor genau 63 Jahren, am 4. Oktober 1940 sch\u00fcttelten sich Hitler und Mussolini am Bahnhof Brenner auf Gleis sieben die Hand. Am morgigen Sonntag werden sich hier vier Minister einfinden, um den Wahlkampf in S\u00fcdtirol anzuheizen. Heute bot dieser Schauplatz durch die Teilnahme zahlreicher G\u00e4ste und Zeitzeugen neue Impulse&hellip;","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183390","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=183390"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/183390\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=183390"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=183390"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/curatorium.it\/it\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=183390"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}