{"id":183396,"date":"2005-10-12T11:05:40","date_gmt":"2005-10-12T09:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2005\/10\/12\/der-draht-zum-himmel\/"},"modified":"2005-10-12T11:05:40","modified_gmt":"2005-10-12T09:05:40","slug":"der-draht-zum-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2005\/10\/12\/der-draht-zum-himmel\/","title":{"rendered":"Der Draht zum Himmel"},"content":{"rendered":"<p>Fast ein Jahrhundert lang hat S\u00fcdtirol Seilbahngeschichte geschrieben. Grund genug, eine Podiumsdiskussion zum Thema S\u00fcdtirols Seilbahnpioniere zu organisieren, bei der am 31. August 2001 Zeitzeugen im Vereinshaus von St. Leonhard (Abtei) teilnahmen. Mit dem Ausbau des gr\u00f6\u00dften Skikarussels der Welt aus bescheidensten Anf\u00e4ngen hatten Pioniere wie Erich Kostner und Erich Kastlunger neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Sie und andere Pioniere sprachen \u00fcber ihre Erinnerungen, die Aufbruchstimmung der ersten Jahre und ihre Zukunftstr\u00e4ume. Weitere Diskussionsteilnehmer waren Kurt Leitner, Heinz Zeller, Hubert Zuegg und Erich Demetz. <\/p>\n<h1>Der Draht zum Himmel<\/h1>\n<p> Fast ein Jahrhundert lang hat S\u00fcdtirol Seilbahngeschichte geschrieben. Grund genug, eine Podiumsdiskussion zum Thema S\u00fcdtirols Seilbahnpioniere zu organisieren, bei der am 31. August 2001 Zeitzeugen im Vereinshaus von St. Leonhard (Abtei) teilnahmen. Mit dem Ausbau des gr\u00f6\u00dften Skikarussels der Welt aus bescheidensten Anf\u00e4ngen hatten Pioniere wie Erich Kostner und Erich Kastlunger neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Sie und andere Pioniere sprachen \u00fcber ihre Erinnerungen, die Aufbruchstimmung der ersten Jahre und ihre Zukunftstr\u00e4ume. Weitere Diskussionsteilnehmer waren Kurt Leitner, Heinz Zeller, Hubert Zuegg und Erich Demetz.<\/p>\n<p> Neugierig? Dann steigen Sie ein&#8230;<\/p>\n<p>     <strong>S\u00fcdtirols Seilbahnpioniere<\/strong><br \/> Der Film &#8222;Der Draht zum Himmel. Seilbahnen und ihre Erbauer in der Pionierzeit&#8220; von Siegfried Kollmann zeigt wie nachhaltig S\u00fcdtirols Wirtschaftsgeschichte gepr\u00e4gt ist vom Lebenswerk einiger M\u00e4nner, die als Ingenieure an der Entwicklung der Seilbahntechnik ma\u00dfgeblich beteiligt waren, und von Unternehmern, die den Geist der Zeit erkannt hatten. Sie setzten auf den Wintersport und haben Recht behalten. Der Wintertourismus ist heute zu einem wichtigen Faktor der heimischen Wirtschaft geworden.<br \/>     <strong>Freie Fahrt<\/strong><br \/> Atemberaubendes Panorama mit schneebedeckten Zweittausendern, funkelnde Eiskristalle, die sich scharf abheben vom Blau des alpinen Himmels. Schnelle Skifahrer auf der Piste &#8230; und daneben eine hochmoderne, leistungsstarke Aufstiegsanlage. So pr\u00e4sentiert sich heute die alpine Berglandschaft. Das ist auch das Verdienst S\u00fcdtiroler Seilbahnpioniere.<br \/>     <strong>Kreative K\u00f6pfe<\/strong><br \/> Wer waren sie? Diese S\u00fcdtiroler Pioniere, die Neues gewagt haben, technische L\u00f6sungen f\u00fcr einen bequemeren Aufstieg auf den Berg entwickelt haben, die die Wege gebahnt haben f\u00fcr den florierenden Wintertourismus der Gegenwart. Was hat sie dazu bewogen, die alten Bahnen zu verlassen und sich auf unbekanntes Terrain zu begeben?<br \/>     <strong>Technische Entwicklungen<\/strong><br \/> Kaum jemand denkt bei Seilbahnen an Wolkenkratzer. Doch beiden ist eines gemeinsam: Seilbahn und Aufzug im Hochhaus brauchen das Drahtseil, um Personen sicher nach oben zu bringen. Und dieses wurde durch den Bedarf der amerikanischen Cabel Cars (Standseilbahn in St\u00e4dten) und der Aufz\u00fcge in den Hochh\u00e4usern Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und so verbessert, dass schon 1908 die erste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Personenseilbahn der Welt von Bozen nach Kohlern in Betriebe gehen konnte. Heute werden auf S\u00fcdtiroler Berggipfel viele Tausend Menschen mit Seilbahnen sicher und schnell transportiert.<br \/>     <strong>Wirtschaftsmagnet<\/strong><br \/> Die Bergregionen der Alpen waren bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts arme Gegenden, in denen die meisten Menschen vor allem von den geringen Ertr\u00e4gen der k\u00e4rglichen Land- und Viehwirtschaft lebten. Doch Not macht erfinderisch. Einfallsreiche S\u00fcdtiroler hatten erkannt, dass nicht in der Bewirtschaftung, sondern im Fremdenverkehr durch die \u00c4sthetisierung der Berglandschaft die Zukunft lag. Gleichzeitig erm\u00f6glichte die technische Entwicklung der Seilbahnen den bequemen und \u00f6konomischen Material- und vor allem Personenverkehr von der Talsohle zu den Bergd\u00f6rfern bzw. sp\u00e4ter zu den Bergstationen.<br \/>     <strong>Die Filmdokumentation<\/p>\n<p> <\/strong>  {mospagebreak heading=Der Draht zum Himmel&#038;title=Freie Fahrt} <\/p>\n<h1> <\/h1>\n<p>{mosimage}<\/p>\n<p>Seilbahnbau und Wintertourismus<\/p>\n<p> Atemberaubendes Panorama mit schneebedeckten Zweittausendern, funkelnde Eiskristalle, die sich scharf abheben vom Blau des alpinen Himmels. Schnelle Skifahrer auf der Piste &#8230; und daneben eine hochmoderne, leistungsstarke Aufstiegsanlage. So pr\u00e4sentiert sich heute die alpine Berglandschaft. Das ist auch das Verdienst S\u00fcdtiroler Seilbahnpioniere.<\/p>\n<p>{mosimage}{mosimage}{mosimage}<br \/> Der Wintersporttourismus ist zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in den Alpen geworden. Das war nicht immer so. Erst in den 50er Jahren hat man die S\u00fcdtiroler Bergwelt f\u00fcr die Massen zug\u00e4nglich gemacht. Das war m\u00f6glich, weil sich einige S\u00fcdtiroler entschlossen hatten, dem Skifahrer \u201eeine Bequemlichkeit\u201c (Erich Kostner, Seilbahnbetreiber), d.i. Aufstiegsanlagen, zu bauen. Das war der Anfang. Zuerst in den Gebieten, in denen schon vor dem 2. Weltkrieg zaghaft Wintertourismus eingesetzt hatte, und dann auch in anderen hochalpinen R\u00e4umen S\u00fcdtirols. Das gr\u00f6\u00dfte Skikarussell der Welt befindet sich heute hier: Im Dolomiti-Superski (seit 1974) haben sich 12 Talschaften mit 1220 km Piste zusammengeschlossen zu einem unvergleichlich gro\u00dfen und abwechslungsreichen Skigebiet.<br \/> Dem Lebenswerk heimischer Seilbahnerbauer ist das Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter der Provinz Bozen nachgegangen. Bereits im Sommer 2001 hat das Kuratorium zu einer \u201eBegegnung mit den Zeitzeugen\u201c geladen. Im Gadertal, der Wiege des Wintertourismus, kamen dann auch die M\u00e4nner zu Wort, die mitgeholfen haben, den S\u00fcdtiroler Wintersport aufzubauen. Sie revolutionierten die Seilbahntechnik, konstruierten die ersten Aufstiegsanlagen in S\u00fcdtirol, brachten Beschneiungsanlagen ins Land, erfanden den Skipass und errichteten Skigebiete. Die Rede ist von den Seilbahnkonstrukteuren Kurt Leitner, Heinz Zeller, Hubert Zuegg und Luis Zuegg, Hans Trojer, Karl H\u00f6lzl, die Seilbahnunternehmer Erich Kostner, Erich Kastlunger und Erich Demetz. Abschlie\u00dfender H\u00f6hepunkt der Veranstaltung war ein gemeinsamer Ausflug zum auf 2.045 m hoch gelegenen Wallfahrtsort Heiligenkreuz am Fu\u00dfe des Kreuzkofel (Naturpark Fanes, Senes, Braies), der schon 1960\/61 durch einen Lift erschlossen wurde.<\/p>\n<p>   {mospagebreak heading=Der Draht zum Himmel&#038;title=Kreative Kopfe} <\/p>\n<h1>Die Pioniere: Kurzportraits<\/h1>\n<p> Ohne sie m\u00fcssten wir wohl noch heute zu Fu\u00df durch den Schnee stapfen, den Hang im Schwei\u00dfe unseres Angesichts erarbeiten, um dann wohlverdient die schnelle Abfahrt zu genie\u00dfen. Doch sie wussten es besser. Sie erkannten den Geist der Zeit, bemerkten, dass sich viele Skifahrer insgeheim ein bequemeres Nach-Oben-Kommen w\u00fcnschten, stellten sich der unternehmerischen Herausforderung, entwickelten neue technische L\u00f6sungen f\u00fcr den Aufstieg und brachten mit ihrem Lebenswerk nachhaltige Impulse f\u00fcr die heimische Wirtschaft.<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> Hubert Zuegg (geb. 1936 in Lana, gestorben am 6. J\u00e4nner 2003)<br \/>{mosimage} 1975 Schnalstalbahn Kurzras-Grawand- damals mit Kabinen f\u00fcr 80+1 Person die gr\u00f6\u00dfte Italiens und die erste mit zwei Tragseilen pro Kabine. Ingenieurdiplom in Graz, 1954 Eintritt bei Ing. Luis H\u00f6lzl in Meran, ab 1963 eigenes Planungsb\u00fcro f\u00fcr Pendelbahnen, Ski- und Sessellifte. 1975 Schnalstalbahn Kurzras-Grawand- damals mit Kabinen f\u00fcr 80+1 Person die gr\u00f6\u00dfte Italiens und die erste mit zwei Tragseilen pro Kabine. 1967-77 leitet Hubert Zuegg die Italien \u2013 Niederlassung des \u00f6sterreichischen Seilbahnunternehmens Doppelmayer und baut 60 Skilifte und 20 Sessellifte. 1977 bis 2001: Erneuerungen geschichtstr\u00e4chtiger Anlagen wie die Vigiljochbahn oder Seilbahn Meran-Hafling. Letzte Arbeitsschwerpunkte: Programmierung und Bauleitung f\u00fcr die in Italien alle zehn Jahre vorgeschriebenen Generalrevisionen von Aufstiegsanlagen sowie Materialseilbahnen f\u00fcr Schutzh\u00fctten wie \u201eSch\u00f6ne Aussicht\u201c \u2013 und Similaun-H\u00fctte in Schnals, Radlsee-H\u00fctte oder Tribulaun-H\u00fctte.<br \/> Luis Zuegg (geb.1876 in Lana, gest. 1955 in seiner Villa Storietta)<br \/> Er schafft die technischen Voraussetzungen f\u00fcr den \u201eSeilbahnboom\u201c der Zwischenkriegszeit (System Bleichert \u2013 Zuegg). Heinz Zeller, von H\u00f6lzl Seilbahntechnik, im Interview \u00fcber Luis Zuegg, der als \u201eUrvater der Seilbahnen\u201c gilt :<br \/> ((2.00 Min.)) &#8222;Der Ingenieur Zuegg war ein genialer Mann, der in seiner Jugendzeit die Seilbahntechnik revolutioniert hat. Er hat Prinzipien aufgestellt, die heute noch G\u00fcltigkeit haben. Die Seilbahnen werden, was die Mechanik, also Seile, Kabinen, Bremsen, Telefonie und dergleichen, die werden, diese Prinzipien werden heute alle noch eingehalten. Die sind nie wesentlich verbessert worden. Das war eine geniale Leistung. &#8230; wir haben ein Beispiel da bei der Seilbahn Lana-Vigiljoch, die seinerzeit 1912 gebaut worden ist, und f\u00fcr diese Strecke 42 St\u00fctzen gebraucht hat und sp\u00e4ter von Zuegg dann umgebaut worden ist und heute noch so da steht, man hat heute nur mehr vier St\u00fctzen gebraucht.&#8220;<br \/> Er schafft die technischen Voraussetzungen f\u00fcr den \u201eSeilbahnboom\u201c der Zwischenkriegszeit, der mit dem zweiten Weltkrieg ein j\u00e4hes Ende findet. Erst in den 50er und 60er Jahren kn\u00fcpft man wieder an die \u201etechnischen Erfahrungen\u201c der Vorkriegszeit an.<br \/> Luis Zuegg erh\u00e4lt seine Ausbildung zum Ingenieur in Graz, arbeitet ab 1901 als Assistent an der Technischen Hochschule. Nach seiner R\u00fcckkehr 1903 baut er ein 1000 KW-Stromkraftwerk in Lana und plant die 1906 er\u00f6ffnete Stra\u00dfenbahn zwischen Lana und Meran. Zusammen mit seinem Bruder Josef gr\u00fcndet er eine Braunpappenfabrik. Um den Holztransport zu erleichtern, baut Zuegg kurzerhand eine Materialseilbahn. 1912 beendet er den Bau der Seilbahn \u201eLana- Vigiljoch\u201c, die er &#8211; mit Hilfe der im ersten Weltkrieg gewonnenen Erfahrungen im Bau von Materialseilbahnen &#8211; nach den revolution\u00e4ren Techniken umbaut: Ein gespannteres Tragseil verl\u00e4ngert dessen Lebensdauer, die Anzahl der St\u00fctzen konnte reduziert werden und die Fahrtgeschwindigkeit beschleunigt werden (System Bleichert-Zuegg). 1923 baut er die modernste Aufstiegsanlage der Zeit: die Schwebebahn Meran-Hafling. Die \u00fcberaus fruchtbare Zusammenarbeit mit Dr. Ing. Karl H\u00f6lzl beginnt 1926 und dauert bis 1937. 1938 zieht sich der findige Ingenieur Luis Zuegg aus seinem Berufsleben zur\u00fcck.<br \/> Karl H\u00f6lzl (geb. 1901 in Meran, gest. 1971 in Meran)<br \/> {mosimage}1947 nimmt der von ihm im Auftrag von Erich Kostner konstruierte erste kollaudierte Sessellift Italiens auf den Col Alto im Gadertal seinen Betrieb auf. H\u00f6lzl studiert in Graz Ingenieurstechnik, arbeitet von 1926 bis 1937 in der Firma Zuegg mit, die Seilbahnen errichtet wie z.B. die Seilbahnen Meran-Hafling und St. Ulrich-Seiser Alm, um sie dann in Eigenregie zu betreiben. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges stellt die Firma Zuegg ihre T\u00e4tigkeit ein. W\u00e4hrend des Krieges arbeitet H\u00f6lzl als Industriemanager in K\u00f6ln und Berlin. Nach Kriegsende kehrt er nach Meran zur\u00fcck, wo er erfolgreich das Lebenswerk der Br\u00fcder Zuegg weiterf\u00fchrt. Schon 1947 nimmt der von ihm im Auftrag von Erich Kostner konstruierte erste kollaudierte Sessellift Italiens auf den Col Alto im Gadertal seinen Betrieb auf. Der Bau dieser Bahn ist eine Pionierleistung, denn der Ingenieur hat weder mit dieser Technik Erfahrung, auf dem Markt gibt es noch keine geeignete Maschinenelemente und er muss eine entsprechende Werkstatt finden, die Scheiben, St\u00fctzen, Sessel herstellt. Das fehlende Material bezieht er dann aus den Best\u00e4nden der Kriegslager, einen geeigneten Partner findet er bei der Firma Leitner aus Sterzing. Im Interview erinnert sich Erich Kostner an die Arbeitsdisziplin des Ingenieurs, die das gro\u00dfe Verantwortungsbewusstsein des Ingenieurs zeigt. Er muss unter gro\u00dfem Zeitdruck eine Aufstiegsanlage errichten mit deren Technik er noch wenig Erfahrung hat:<br \/> ((6.16 Min.))&#8220;Er war ein sehr strenger Mensch und vielleicht auch ein bisschen nerv\u00f6s. Ich kann mich halt erinnern einmal am selben Tag 11 Mal auf den Col Alt zu Fu\u00df hinaufgelaufen bin. Einmal hat das gefehlt, einmal hat das andere gefehlt, zum Schluss, es war schon ziemlich sp\u00e4t am Abend habe ich noch m\u00fcssen eine Kreide holen, die hat er einfach gebraucht. Und das war das 11. Mal, dass ich hinaufgestiegen bin.&#8220;<br \/> Ab 1948 arbeitet H\u00f6lzl mit der Firma Hans Trojer in Algund zusammen, die sich in den Nachkriegsjahren auf die Produktion von Seilbahnen spezialisiert hat und mit der er zahllose Sessel- und Skilifte realisiert. Die Kooperation mit Hans Trojer endet 1953. Jetzt baut Ing. Karl H\u00f6lzl als alleiniger Generalunternehmer Pendelbahnen, die abgelegene Bergd\u00f6rfer mit der Talsohle verbinden sollten (z.B. V\u00f6ran, M\u00f6lten, Meransen) und ab den 60er Jahren Seilbahnen zu reinen Fremdenverkehrszwecken. Bei der verkehrstechnischen Anbindung der Bergd\u00f6rfer plant er nicht nur die Bahnen, sondern bem\u00fcht sich auch um deren Finanzierung, indem er sich um die Vergabe von Betr\u00e4gen der \u00f6ffentlichen Hand k\u00fcmmert, die den Bau vieler Bahnen erst erm\u00f6glicht. 1967 tritt H\u00f6lzl in den Ruhestand und \u00fcbergibt die Firma dem Neffen Heinz Zeller.<\/p>\n<p> Hans Trojer (geb. 1905 in Algund, gest. 1992 )<br \/> Das Skigebiet Meran 2000 ist das Werk der Trojer AG. Troyer besucht in Innsbruck das Realgymnasium. Mit 21 Jahren \u00fcbernimmt er nach dem Tod seines Vater die Schmiede in Algund. Das ist die Geburtsstunde der Hans Trojer AG, in der Zwischenkriegszeit einzige Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr viele Techniker, die bis 1946 Pumpen und Dreir\u00e4der produziert, sich aber nach Kriegsende auf die Produktion von Seilbahnen spezialisiert. Schon 1946 baut Trojer einen Einmannsesselift auf den Josefsberg bei Meran. Es ist der erste Sessellift in Italien, dessen Kollaudierung aber nicht mehr belegt werden kann. Die Firma Hans Trojer wird in den Nachkriegsjahren zum Marktf\u00fchrer bei der Herstellung von Sessel- und Skiliften. Mit den ca. 200 gebauten Anlagen beliefert Trojer in Kooperation mit Ing. Karl H\u00f6lzl ganz Vinschgau. Die Zusammenarbeit mit Ing. Karl H\u00f6lzl dauert von 1948 bis 1953. Zu Beginn der 60er Jahre nimmt Trojer dann ein Megaprojekt in Angriff: Zusammen mit einer Bozner Baufirma und einem heimischen Gastwirt will er ein eigenes Skigebiet aufbauen: Das Skigebiet Meran 2000 ist das Werk der Trojer AG. Doch das Projekt wird der Firma zum Verh\u00e4ngnis und bringt ihr den Ruin. Heute ist die Firma Trojer wieder eine Schlosserei.<br \/> Einfallsreichtum und technisches Geschick waren in der Nachkriegszeit notwendig, wenn es darum ging, aus nichts einen Sessellift zu bauen: Der Sohn, Sebastian Albert Trojer, erinnert sich an den Bau dieses ersten Sesselliftes auf den Meraner Hausberg. Ob er auch kollaudiert war, l\u00e4sst sich durch Dokumente nicht mehr belegen:<br \/> ((18.17 Min.)) &#8222;Ja, der erste Sessellift auf den Josefberg, das war nat\u00fcrlich ganz ein einfacher Sessellift, die ganzen St\u00fctzten, die da gemacht worden sind, die sind noch alle mit den \u201eranti\u201c, die Kr\u00e4fte au\u00dfen an der St\u00fctze sind noch mit Seilspannungen abgehalten worden und die Rollenbatterien waren praktisch gesagt Panzerrollen, die man dazu verwendet hat. Ja, praktisch gesagt uns hat der Vater immer gesagt, dass unser Lift der erste Lift in Italien kollaudiert war, ja ob noch einige eigens gebaut worden sind? aber als kollaudierter Lift war unser der erste. So hat er uns das immer gesagt und so haben wir das immer auch weiter erz\u00e4hlt.&#8220;<\/p>\n<p> Heinz Zeller (geb. 1936 in Meran)<br \/> {mosimage}Interessanteste Innovation f\u00fcr Seilbahnen mit Doppeltragseilen ist das erstmals am Stilfersjoch verwirklichte Stabilisierungssystem \u201eFunifor\u201c. Der Meraner Seilbahnpionier Karl H\u00f6lzl hatte 1967 Heinz Zeller mit zwei weiteren Mitarbeitern zum Nachfolger bestimmt. Bis 1997 ist er Pr\u00e4sident der Firma H\u00f6lzl Seilbahnbau GmbH in Lana. Seit 2001 Doppelmayer Italia, Bau zahlreicher bekannter Bahnen in S\u00fcdtirol und Trentino sowie im Ausland, beispielsweise 1980: M\u00fchlbach-Meransen, Sexten-Helm, 1981: Piz La Villa, 1983: Plan de Gralba-Piz Sella, 1990: Nebelhorn-Gipfelbahn im Allg\u00e4u, 1982: Zugspitzenbahn mit Panorama Aufzug in Garmisch, 1994: Bregenz Pf\u00e4nder in Vorarlberg, 1995: Pordoipass-Sass Pordoi. Interessanteste Innovation f\u00fcr Seilbahnen mit Doppeltragseilen ist das erstmals am Stilfersjoch verwirklichte Stabilisierungssystem \u201eFunifor\u201c. 2002: Panoramabahn Malcesine-Monte Baldo, mit Kabinen, die sich w\u00e4hrend der Fahrt um die eigene Achse drehen. Heinz Zeller verabschiedet sich:<br \/> ((14.10 Min.))&#8220;Einerseits ist das sicherlich, f\u00fcr mich ist das die letzte Herausforderung gewesen, vor allen Dingen den Auftrag zu bekommen, dieses gro\u00dfe Projekt zu realisieren, andererseits sage ich, hinter mir sind die Jungen, eine junge Truppe, mit denen ich viele Jahre arbeiten durfte und die in der Lage sind also die Tradition fortzuf\u00fchren und ich bin \u00fcberzeugt, dass die genauso sch\u00f6ne Bahnen bauen werden als wie wir sie bisher gebaut haben.&#8220;<br \/> Kurt Leitner (geb. 1936, gest. am 15.09.2004)<br \/> {mosimage}Bei den Lift- und Seilbahnerschlie\u00dfungen der Dolomiten hat die Firma Leitner zun\u00e4chst unter Ernst Leitner sen. entscheidend mitgewirkt. Ausbildung in Bozen und Innsbruck, 1958 Eintritt in das seit 1888 bestehende Familienunternehmen Leitner in Sterzing. Bis 2001 als Pr\u00e4sident t\u00e4tig, ist Kurt Leitner heute Ehrenpr\u00e4sident der Leitner AG. Bei den Lift- und Seilbahnerschlie\u00dfungen der Dolomiten hat die Firma zun\u00e4chst unter Ernst Leitner sen. entscheidend mitgewirkt. Die \u00c4ra von Kurt Leitner stand im Zeichen der internationalen Expansion nach ganz Europa, USA und Asien. 1999 Erwerb des Bereichs Seilbahntechnik von Waagner Biro Wien und Poma Frankreich. H\u00f6chste Popularit\u00e4t errang Leitner mit den Expo Bahnen in Sevilla 1992 und 2000 in Hannover. Weltweit gr\u00f6\u00dftes Leitner-Projekt ist die 2004 in Betrieb genommene 2-Seil-Umlaufbahn Seis-Seiser Alm. Innovatives Projekt: die Minimetro in Perugia. Die Seilbahn wird als st\u00e4dtisches Transportsystem (wieder)entdeckt. Kurt Leitner:<br \/> ((24.58 Min.))&#8220;Wir haben auch in den letzten Jahren einen Trend gesehen, der die Seilbahn auch in den urbanen Bereich hineinbringt. Wir haben in verschiedenen Gro\u00dfst\u00e4dten schon solche Bahnen gebaut und haben vor etwa 15 Jahren bereits begonnen, eine urbanes Transportsystem zu entwickeln.&#8220;<br \/> Als Pr\u00e4sident am 19. Juli 2001 abgetreten, war Kurt Leitner bis zu seinem Tod Ehrenpr\u00e4sident der Leitner AG.<br \/> Erich Kastlunger (geb. 1929 in St. Vigil in Enneberg, gest 26. Februar 2004)<br \/> {mosimage}1978 erster kuppelbarer Sessellift Italiens und 1980 Vollbeschneiung seiner Miara-Piste unter Einsatz von damals noch s\u00fcndteuren Ger\u00e4ten aus Amerika. Ausbildung in Innsbruck, beginnt als technischer Zeichner in Bozen. 1954 Ski- und Bergf\u00fchrerpr\u00fcfung zusammen mit Hans Erlacher, der die Skischule Sankt Vigil 1948 neu aufbaut. Der Skirennl\u00e4ufer Erich Kastlunger er\u00f6ffent ein Sportgesch\u00e4ft und spart sich sein Startkapital als Seilbahnunternehmer zusammen. 1967 baut er den ersten Lift von Enneberg auf den Kronplatz \u2013 der Brunecker Hausberg war seit Weihnachten 1963 durch eine Seilbahn erschlossen. 1973 erreicht er sein Traumziel, das Brunecker Skigebiet mit St. Vigil und Olang zu verbinden. Er war einer der Gr\u00fcnderv\u00e4ter von Dolomiti Superski. 16 Jahre Pr\u00e4sident von Skirama Kronplatz . Immer wieder beweist Kastlunger seinen Sinn f\u00fcr Innovation: 1978 mit dem ersten kuppelbaren Sessellift Italiens oder 1980 mit der Vollbeschneiung seiner Miara-Piste unter Einsatz von damals noch s\u00fcndteuren Ger\u00e4ten aus Amerika.<br \/> Erich Kastlunger:<br \/> ((21.31 Min.))&#8220;Das war sehr kompliziert, weil es in Europa nur drei kuppelbare Sessellifte in Frankreich von der Firma Pomagalski gegeben hat. Und ich habe mir die angeschaut und habe f\u00fcr diese Miara-Piste dann diesen ersten kuppelbaren Sesselift gebaut und der hat sehr gro\u00dfen Erfolg gehabt.&#8220;<br \/> Erich Kostner ( geb. 1929 in Corvara)<br \/> {mosimage}1947 Bau des ersten kollaudierten Sessellifts in Italien auf den Col Alt. Sohn des legend\u00e4ren Bergf\u00fchrers und Hoteliers Franz Kostner, Hotel Posta Zirm in Corvara. 1947 Bau des ersten kollaudierten Sessellifts in Italien auf den Col Alt. Im Interview:<br \/> ((5.10 Min.))&#8220;Wir haben damals ja nicht gewusst, was wir da bauen. Man hat zwar von Sessellift gesprochen, wir haben ja keine Ahnung gehabt, was das ist. Die Vorstellung war, dass da nat\u00fcrlich ein Seil draufkommt auf die St\u00fctzen und ich habe mir gedacht, dass da vielleicht Sessel mit einer Kette aufgeh\u00e4ngt, ich habe an diese wie hei\u00dft diese Einrichtung da, Lunapark, (Karussell im Rummelplatz, Anm. der Red.) gedacht.&#8220;<br \/> 1952 Gr\u00fcnder des Seilbahnverbandes der Provinz Bozen und Gr\u00fcndungsmitglied der Sektion Seilbahnen im italienischen Verband f\u00fcr Transportwesen. 1952 Gr\u00fcnder des Fremdenverkehrsamtes Corvara. Ab 1972 unter den Gr\u00fcnderv\u00e4tern von \u201eDolomiti Superski\u201c. Diesem gr\u00f6\u00dften Skikarussell der Welt ist auch das von Kostner aufgebaute, ganze Hochabtei umfassende Skicarosel Alta Badia angegliedert. Erich Kostner ist als Seilbahn- und Tourismuspionier weit \u00fcber S\u00fcdtirol hinaus bekannt.<br \/> Erich Demetz (geb. 1938 in Wolkenstein)<br \/> {mosimage}1970: Einf\u00fchrung des ersten elektromechanischen Skipasssystems in Italien mit G\u00fcltigkeit f\u00fcr Gr\u00f6den und Seiser Alm. 1963-70 Pr\u00e4sident Skiclub Gr\u00f6den, 1970: Einf\u00fchrung des ersten elektromechanischen Skipasssystems in Italien mit G\u00fcltigkeit f\u00fcr Gr\u00f6den und Seiser Alm. 1970 Technischer Leiter der alpinen Ski-Weltmeisterschaft in Gr\u00f6den, langj\u00e4hriger Pr\u00e4sident des Gr\u00f6dner Weltcup-Komitees. 1970-92 Vizepr\u00e4sident des italienischen Wintersportverbandes. 1975-94 Vorstandsmitgleid des internationalen Skiverbandes FIS, seit 1986 Pr\u00e4sident des FIS Weltcupkomitees als Nachfolger des Weltcupgr\u00fcnders Serg Lang.<\/p>\n<p>   {mospagebreak heading=Der Draht zum Himmel&#038;title=Technische Entwicklungen} <\/p>\n<h1>{mosimage}<\/h1>\n<p>Technische Entwicklungen<\/p>\n<p> Ohne Wolkenkratzer keine Pistenflitzer<br \/> Kaum jemand denkt bei Seilbahnen an Wolkenkratzer. Doch beiden ist eines gemeinsam: Seilbahn und Aufzug im Hochhaus brauchen das Drahtseil, um Personen sicher nach oben zu bringen. Und dieses wurde durch den Bedarf der amerikanischen Cabel Cars (Standseilbahn in St\u00e4dten) und der Aufz\u00fcge Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt und verbessert, dass schon 1908 die erste \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Personenseilbahn der Welt von Bozen nach Kohlern in Betriebe gehen konnte. Heute werden auf S\u00fcdtiroler Berggipfel viele Tausend Menschen mit Seilbahnen sicher und schnell transportiert.<br \/> Das System Bleichert- Zuegg<\/p>\n<p>{mosimage}{mosimage}{mosimage}<br \/> Doch so richtig durchsetzen konnte sich die Schwebebahn erst mit Luis Zueggs revolution\u00e4ren Erfindungen, die die Kosten f\u00fcr den Bau einer Bahn wesentlich senkten: Er erh\u00f6hte die Spannung der Drahtseile. Dadurch bog sich das Seil unter der Last weniger. So brauchte man weniger kostenintensive St\u00fctzen, die Lebensdauer des Drahtseiles wurde verl\u00e4ngert und die Fahrgeschwindigkeit erh\u00f6ht. Diese Technik hat sich bis heute nicht grunds\u00e4tzlich ge\u00e4ndert. Die erste nach diesem Prinzip gebaute Bahn ging 1923 von Meran nach Hafling in Betrieb. In der Zwischenkriegszeit wurden in S\u00fcdtirol zahlreiche Zweiseilpendelbahnen f\u00fcr touristische Zwecke gebaut, die die Tahlsohle mit den h\u00f6her gelegenen Ausflugszielen oder Bergd\u00f6rfern verband.<br \/> Vom Schlitten zum Sessellift<\/p>\n<p>{mosimage}{mosimage}{mosimage}<br \/> F\u00fcr den ab der Jahrhundertwende in Mode kommenden Skisport entwickelte man Schlittenlifte als Aufstiegshilfen. Dabei bef\u00f6rderte ein gro\u00dfer Schlitten 30 bis 40 Personen, der mit einer Seilwinde hochgezogen wurde. Die erste Anlage dieser Art wurde in S\u00fcdtirol 1938 in Corvara und auf der Seiser Alm gebaut. Da sie zu langsam und unhandlich waren, musste man ein anderes Transportsystem entwickeln: Schlepplifte wurden gebaut. Aber der gro\u00dfe Aufschwung des Winterfremdenverkehrs setzte erst nach dem 2. Weltkrieg ein. Jetzt baute man fix geklemmte Ein-Mann-Sessellifte. Oft wurden sie auch in der eigenen Werkstatt aus Wehrmachtsbest\u00e4nden zusammengebastelt. Dar\u00fcber berichtet Sebastian Trojer aus Algund:<br \/> ((18.17 Min.)) &#8222;Ja , der erste Sessellift auf den Josefberg, das war nat\u00fcrlich ganz ein einfacher Sesselift, die ganzen St\u00fctzten, die da gemacht worden sind, die sind noch alle mit den \u201eranti\u201c, die Kr\u00e4ft au\u00dfen an der St\u00fctze sind noch mit Seilspannungen abgehalten worden und die Rollenbatterien waren praktisch gesagt Panzerrollen, die man dazu verwendet hat.&#8220;<br \/> Mehr Komfort und Sicherheit durch kuppelbare Umlaufbahnen<\/p>\n<p>{mosimage}{mosimage}{mosimage}<br \/> Die Geburtsstunde der Sessellifte in Italien leitete Erich Kostner 1947 mit dem Bau des ersten kollaudierten Sesselliftes auf den Col Alt ein. In der Folgezeit boomte der Wintertourismus, der den Bau der Aufstiegsanlagen vorantrieb. Schon 1950 bef\u00f6rderten 12 Einseilbahnen mit st\u00e4ndig am Seil verbundenen Sessel, 2 Standseilbahnen, f\u00fcnf Zweiseilbahnen und 7 Schlepplifte den Skifahrer nach oben. 2001 gab es insgesamt 400 Aufstiegsanlagen in S\u00fcdtirol. Erst in den letzten Jahren ist die Anzahl der gesamten Anlagen stagnierend. Der heutige Trend liegt in der Komfortverbesserung, Erh\u00f6hung der Sicherheitsstandards und Maximierung der F\u00f6rderleistung. So etwa mit dem Bau des ersten kuppelbaren Sesselliftes, der in S\u00fcdtirol von dem Sesselliftbetreiber Erich Kastlunger 1979 auf dem Kronplatz errichtet wurde und dem Passagier das Einsteigen um einiges erleichtert und damit auch die Verletzungsgefahr verringert. Erich Kastlunger erinnert sich:<br \/> ((21.31 Min.)) &#8222;Das war sehr kompliziert, weil es in Europa nur drei kuppelbare Sessellifte in Frankreich von der Firma Pomagalski gegeben hat. Und ich habe mir die angeschaut und habe f\u00fcr diese Miara-Piste dann diesen ersten kuppelbaren Sesselift gebaut und der hat sehr gro\u00dfen Erfolg gehabt.&#8220;<br \/> Kuppelbare Umlaufbahnen mit betrieblich l\u00f6sbaren Klemmen l\u00f6sen seit den 80er Jahren immer mehr Schlepplift und Zweiseilpendelbahnen ab, sodass in der Zwischenzeit gut 40% aller kuppelbaren Anlagen Italiens in S\u00fcdtirol stehen.<br \/> Die Seilbahningenieure waren auch immer um die Verbesserung der Sicherheitsstandards bem\u00fcht. So entwickelt die Firma H\u00f6lzl aus Lana, heute Doppelmayr Italia, in den 90er Jahren das \u201eFunifor-System\u201c, das die Bahn gegen Windst\u00f6\u00dfe unempfindlich macht, weil der Abstand zwischen beiden Tragseilen gr\u00f6\u00dfer ist als die Breite der Kabine. Dieses System wurde beim Bau der Stilfser Joch Bahn angewandt.<\/p>\n<p>   {mospagebreak heading=Der Draht zum Himmel&#038;title=Wirtschaftsmagnet} <\/p>\n<h1>Seilbahnen und Wintertourismus<\/h1>\n<p> {mosimage}<br \/> Impulsgeber f\u00fcr die Wirtschaft<\/p>\n<p> Die Bergregionen der Alpen waren bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts arme Gegenden, in denen die meisten Menschen vor allem von den geringen Ertr\u00e4gen der k\u00e4rglichen Land- und Viehwirtschaft lebten. Doch Not macht erfinderisch. Einfallsreiche S\u00fcdtiroler hatten erkannt, dass nicht in der Bewirtschaftung, sondern im Fremdenverkehr durch die \u00c4sthetisierung der Berglandschaft die Zukunft lag. Gleichzeitig erm\u00f6glichte die technische Entwicklung der Seilbahnen den bequemen und \u00f6konomischen Material- und vor allem Personenverkehr von der Talsohle zu den Bergd\u00f6rfern bzw. sp\u00e4ter zu den Bergstationen.<br \/> Verkehrsmittel Seilbahn<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> F\u00fcr die Bergbev\u00f6lkerung brachte der erste Bauboom (ab 1908) der Zweiseilbahnen eine gro\u00dfe Erleichterung in der Anbindung an das Verkehrsnetz und Wirtschaftstreiben im Tal. Erst die Erschlie\u00dfung durch Stra\u00dfen in den 60er Jahren haben die Seilbahnen zum Teil \u00fcberfl\u00fcssig gemacht. Doch zun\u00e4chst war die Seilbahn ein f\u00fcr Menschen aller Altersgruppen leicht zug\u00e4ngliches und kosteng\u00fcnstiges Verkehrsmittel. Bis vor kurzem wurde aber auch Vieh mit der Seilbahn transportiert, z.B. vom Tsch\u00f6ggelberg zum Bozner Viehmarkt, das, wenn auch widerwillig, seinen Platz in der Seilbahnkabine fand. Das schildert der Maschinist Alfons Alber so:<br \/> ((10.17 Min.)) &#8222;Die Viecher sind alle in einer Kiste gewesen in einer viereckigen. Die ist einen guten Meter breit gewesen und zwei Meter lang und da haben wir die Ochsen hineingetan. Vor der Station haben wir sie aufgelegt und angeh\u00e4ngt, dass sie ja nicht raus sehen und nichts tun k\u00f6nnen und dann haben wir sie die Kabine hinten aufgemacht und dann ist so ein Blech gewesen hinten zum einh\u00e4ngen.&#8220;<br \/> Scikarosel Alta Badia<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> Pioniere waren es dann auch, die den Wintersport zu dem gemacht haben, was er heute ist, n\u00e4mlich Wirtschaftsfaktor Nummer Eins im Alpenraum: Erich Kostner hat schon fr\u00fch erkannt, dass ein Skigebiet ohne ein ausreichendes Netz von Aufstiegsanlagen wenig wert ist, auch wenn es im Herzst\u00fcck der sagenumwobenen Dolomiten liegt. Er beschlie\u00dft also kurz nach Ende des 2. Weltkrieges mit heimischem Kapital im oberen Gadertal ein zusammenh\u00e4ngendes System von Aufstiegsanlagen (Scikarosel Alta Badia) zu errichten. Dazu muss er aber die heimische Bev\u00f6lkerung \u00fcberzeugen:<br \/> ((7.51 Min.))&#8220;Wie ich nach St. Kassian gekommen bin, da habe ich die Bev\u00f6lkerung zusammenrufen lassen und habe die Frage gestellt: Wollt\u2018s ihr diese Einrichtungen gewinnen, ich garantiere euch bis zu Weihnachten mindestens drei Anlagen zu bauen und unter diesen Bedingungen waren sie sich nat\u00fcrlich von vorneherein bewusst, dass sie das wahrscheinlich auf anderem Wege nicht erreicht h\u00e4tten, und deswegen waren sie vollst\u00e4ndig einverstanden und wir sind losgestartet und haben das auch planm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt. &#8222;<br \/> 1966 hat Kostner sein Projekt mit der Erschlie\u00dfung des Piz La Illa abgeschlossen. Der Bau der Seilbahnen ist teuer. Vielen Gastwirten und Bauern zu teuer. Sie k\u00f6nnen das Kapital oft selbst nicht aufbringen. In den fr\u00fchen 50er Jahren gibt es aber Beitr\u00e4ge von der Region, Verdienst des Karl H\u00f6lzl, wie Heinz Zeller berichtet:<br \/> ((9.36 Min)) &#8222;Und gleichzeitig war es, ist es ihm gelungen mit der damaligen politischen F\u00fchrung von der Region das durchzubringen, dass man f\u00fcr diese Bahnen auch erhebliche Beitr\u00e4ge erhalten kann, weil andererseits w\u00e4re es ja nie m\u00f6glich gewesen f\u00fcr diese Bergbauern diese Bahnen zu bauen.&#8220;<br \/> Meran 2000<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> Nur wer ausreichendes Know-how besitzt und Vision\u00e4r genug ist, kann es wagen, ein Skigebiet mit allen Infrastrukturen wie Strom- und Wasserleitungen, Stra\u00dfen usw. aus dem Boden oder besser auf den Berg zu stampfen. Hans Trojer aus Algund wagt es. Seine Schlosserei und Schmiede hat sich seit 1947 auf den Bau von Seilbahnen spezialisiert. Trojer plant zusammen mit einer Bozner Baufirma und einem heimischen Gastwirt Meran 2000. Das Gro\u00dfprojekt wird Trojer zum Verh\u00e4ngnis. Wegen der Wirtschaftskrise m\u00fcssen beide Partner aus dem Gesch\u00e4ft aussteigen. Nur: Trojer hat schon einen Gro\u00dfteil seines Kapitals in das Skigebiet investiert und kann nicht mehr zur\u00fcck. Meran 2000 wird gebaut, kleiner als geplant allen Schwierigkeiten zum Trotz. Sebastian Albert Trojer erinnert sich:<br \/> ((19.38Min.))&#8220;Entweder machen wir das Meran 2000 weiter oder wir lassen das alles &#8211; wir haben dazumal schon gehabt 550 Millionen investiert &#8211; oder lassen wir das alles fallen aber mit dem Fallen lassen w\u00e4re es gar nicht getan gewesen, wir h\u00e4tten alles m\u00fcssen abbauen, was wir aufgebaut haben. Man hat es dann soweit gebracht, dass wir alles abgezahlt h\u00e4tten die Schulden. Dann ist es soweit gekommen, dass die einen Anschlag gemacht haben auf unsere Tragseile und dann haben sie uns nat\u00fcrlich wieder einen R\u00fcckschlag gegeben, wo wir wieder haben m\u00fcssen von vorne wieder anfangen.&#8220;<br \/> Skiweltmeisterschaft in Gr\u00f6den<br \/> In Gr\u00f6den entwickelt sich der Wintersport anders: Unternehmer von au\u00dfen wie der aus Rovigo stammende Gianni Marzola lassen sich hier nieder. Marzola bewirtschaftet den Plan de Gralba und war lange Pr\u00e4sident des Konsortiums Dolomiti Superski. Gro\u00dfen Einfluss auf die Entwicklung des Tales \u00fcben sportliche Wettk\u00e4mpfe aus. Mit der Alpinen Skiweltmeisterschaft 1970 kam der gro\u00dfe Aufschwung. Erich Demetz schildert eindrucksvoll die Auswirkungen auf die Lebens- und Arbeitsweise der Menschen im Tal:<br \/> ((16.15 Min.)) &#8222;Ja das war eine grundlegende Wandlung f\u00fcr das Tal, beispielsweise k\u00f6nnt ich sagen, ich war damals noch Skischulleiter vor der WM, das sind die Skilehrer im Januar noch heimgegangen und haben das Heu gef\u00fchrt und das Holz gef\u00fchrt, sehr viele Betriebe haben einfach zugetan im Januar, weil einfach niemand da war. Und nach der WM hat man eigentlich keine Betten mehr gefunden auch im Januar nicht, es hat kein Januarloch gegeben und nicht nur das, man hat auch die Rolls-Royce nicht mehr z\u00e4hlen k\u00f6nnen auch die Porsche. Diese ganzen Leute sind nach ein zwei Jahren wieder ausgefallen, weil denen war Gr\u00f6den damals noch nicht und heute auch noch nicht gewachsen.&#8220;<br \/> Kunstschnee<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> Ohne Niederschl\u00e4ge kein Schnee, ohne Schnee kein Wintersport. Alle Aufstiegsanlagen m\u00fcssen still stehen. Der wirtschaftliche Ruin f\u00fcr viele Betreiber. In den 70er Jahren kann sich das niemand vorstellen. Dann kommen sie aber doch, die schneearmen Winter. Erich Kastlunger aus St. Vigil hatte bereits eine L\u00f6sung. Er lie\u00df die erste Scheekanone 1980 aus den USA importieren und damit seine Miara-Piste beschneien. Auch dies eine Pioniertat. Heute ist der Wintersport ohne k\u00fcnstliche Beschneiung unvorstellbar. Erich Kastlunger:<\/p>\n<p>{mosimage}<br \/> ((22.10 Min.)) &#8222;Diese Idee stammt eigentlich auch von meiner Mutter. Denn als ich Student war habe ich Skikurs gemacht in St. Vigil und einmal zu Weihnachten war kein Schnee und dann sind wir doch Ski fahren gegangen und da hat sie gesagt\u201c wo geht ihr denn hin Ski fahren\u201c ja dort auf der Almwiese, dort sind 10 cm Reif und dort kann man Ski fahren mit Anf\u00e4ngern geht\u2019s dort zum Ski fahren. Ja, da hat sie gesagt, das ist ein \u201eMords\u201c Gl\u00fcck, weil sie hat gesagt, ich kann mich erinnern, dass einmal im Winter \u00fcberhaupt kein Schnee da war. Den ganzen Winter sch\u00f6nes Wetter und kein Schnee. Und das habe ich mir immer gemerkt und habe mir gedacht, dass kann noch mal passieren und ich kann mir nicht leisten eine Anlage oder mehrere Anlagen zu bauen, die im Winter still stehen. Das geht nicht.&#8220;<\/p>\n<p> Drei gro\u00dfe in St\u00fcdtirol ans\u00e4ssige Unternehmen hat der heimische Wintersport hervorgebracht: Die Firmen Trojer, H\u00f6lzl und Leitner haben eine gro\u00dfe Rolle bei der Entwicklung der Seilbahnen und Seilbahnproduktion gespielt. Sie haben wesentlich dazu beigetragen, die S\u00fcdtiroler Bergwelt f\u00fcr den Wintertourimus zu erschlie\u00dfen. Heute sind zwei von den drei Unternehmen weltweit f\u00fchrend: Die Firma Leitner aus Sterzing und Doppelmayer, mit der die Firma H\u00f6lzl aus Lana fusioniert hat.<\/p>\n<p> In den Alpen werden heute kaum mehr neue Trassen ausgeschrieben. Fast jeder Aussichtspunkt ist jetzt an das Verkehrsnetz Seilbahn angeschlossen, es gibt dort oben nichts mehr zu entdecken. Nur mehr zu bewahren: Die Natur, das Kapital der Alpen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast ein Jahrhundert lang hat S\u00fcdtirol Seilbahngeschichte geschrieben. Grund genug, eine Podiumsdiskussion zum Thema S\u00fcdtirols Seilbahnpioniere zu organisieren, bei der am 31. August 2001 Zeitzeugen im Vereinshaus von St. Leonhard (Abtei) teilnahmen. Mit dem Ausbau des gr\u00f6\u00dften Skikarussels der Welt aus bescheidensten Anf\u00e4ngen hatten Pioniere wie Erich Kostner und Erich Kastlunger neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. 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