{"id":183398,"date":"2005-10-12T15:00:20","date_gmt":"2005-10-12T13:00:20","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2005\/10\/12\/kulturevent-brenner\/"},"modified":"2005-10-12T15:00:20","modified_gmt":"2005-10-12T13:00:20","slug":"kulturevent-brenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2005\/10\/12\/kulturevent-brenner\/","title":{"rendered":"Kulturevent Brenner"},"content":{"rendered":"<p>Vom 30. August bis zum 1. September 2002 stand der Brenner im Zeichen von Kunst, Kultur und Zeitzeugen-Erinnerungen. &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; nannte sich die grenz\u00fcbergreifende Veranstaltung, bei der K\u00fcnstler, Zeitzeugen und Historiker den Brenner mit seinen Zollh\u00e4usern, Polizeistationen und dem Grenzbahnhof haben aufleben lassen. Rund um das Thema Grenze fanden sich Installationen und Aktionen, historische Filmeinspielungen, F\u00fchrungen und Berichte von Zeitzegen. Gro\u00dfen Zuspruch fand die museale Nutzung der ehemaligen Geb\u00e4ude von Polizei und Zollwache. <\/p>\n<h1>&#8222;KULTUR OHNE GRENZEN&#8220;<\/h1>\n<p>   Vom 30. August bis zum 1. September 2002 stand der Brenner im Zeichen von Kunst, Kultur und Zeitzeugen-Erinnerungen. &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; nannte sich die grenz\u00fcbergreifende Veranstaltung, bei der K\u00fcnstler, Zeitzeugen und Historiker den Brenner mit seinen Zollh\u00e4usern, Polizeistationen und dem Grenzbahnhof haben aufleben lassen. Rund um das Thema Grenze fanden sich Installationen und Aktionen, historische Filmeinspielungen, F\u00fchrungen und Berichte von Zeitzegen. Gro\u00dfen Zuspruch fand die museale Nutzung der ehemaligen Geb\u00e4ude von Polizei und Zollwache.<\/p>\n<p> &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; wurde organisiert vom Kuratiorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter und der Kunstgruppe &#8222;Lurx&#8220;.<\/p>\n<p> Wenn Sie mehr erfahren wollen, dann steigen Sie ein&#8230;<br \/> {mosimage}<br \/> Brennergrenzfahne<br \/> &#8222;Lebendige Rastst\u00e4tte&#8220; kontra Autobahn-Shopping-Center<br \/> Was tun mit Grenz\u00fcberg\u00e4ngen, die ausgedient haben ? S\u00fcdtirol will die traditionellen Einkaufsst\u00e4tten der Brennerregion als &#8222;Lebendige Rastst\u00e4tte&#8220; mit verbesserten Autobahnausfahrten neu beleben. Konkurrenzprojekt in Tirol ist ein neues Autobahn-Shopping-Center am Brenner, das den Investoren ein gutes Gesch\u00e4ft verhei\u00dft.<\/p>\n<p> Italiens Fahne, die &#8222;Tricolore&#8220;, flattert wie eh und je im Brenner-Wind. Aber niemand h\u00e4lt mehr an, um die letzten Lire oder Schillinge auszugeben. Die Grenzkontrollen am Brenner wurden im Zuge des Schengen-Abkommens bereits am 31.M\u00e4rz 1998 abgeschafft. Mit Einf\u00fchrung des Euro am 1. J\u00e4nner 2002 haben die Wechselstuben endg\u00fcltig dichtgemacht. Ohne Grenze ist der Einkaufsort Brenner nicht mehr, was er einmal war. Die Frage, wie es weitergehen soll, scheidet vorerst noch die Geister.<\/p>\n<p> Walter Baumgartner, Landtagsabgeordneter aus dem Eisacktal und langj\u00e4hriger Direktor des S\u00fcdtiroler Kaufleuteverbands, z\u00e4hlt zu den V\u00e4tern des Projekts &#8222;Lebendige Rastst\u00e4tte&#8220;. Dieses Novum sollte den traditionellen Einkaufsm\u00f6glichkeiten im Ort neue Anziehungskraft verleihen, indem man den Brenner besser an die Autobahn anbindet und als &#8222;h\u00f6chstgelegenen Rastplatz Europas&#8220; werbem\u00e4\u00dfig neu lanciert. Das \u00f6sterreichische Konkurrenzprojekt eines neuen Autobahn-Shopping-Centers w\u00fcrde dem Handelsplatz Brenner hingegen das Wasser abgraben und wird daher in S\u00fcdtirol vehement abgelehnt.<\/p>\n<p> Die geographische Lage und geschichtliche Ereignisse haben dem Brenner ihren Stempel aufgedr\u00fcckt. Vielen Millionen Menschen ist dieser alpine Transitschauplatz mit Bahn, Stra\u00dfe und Autobahn auf 1372 Meter Seeh\u00f6he ein Begriff. Die politische Schmerzgrenze von 1918, als S\u00fcdtirol zu Italien geschlagen wurde, hat bis heute emotionale Brisanz. Im Ortsbild ist die bewegte Geschichte noch nachvollziehbar.<\/p>\n<p> Ist es nur nat\u00fcrlich, ausgediente und noch dazu historisch belastete Grenz\u00fcberg\u00e4nge mit dem Bagger von der Landkarte zu l\u00f6schen? Oder sollte man mit besonders markanten Grenzorten bei Neunutzungsprojekten sensibler umgehen, als dies bei Grenzstillegungen und &#8211; schleifungen bisher der Fall war? Auch mit Blick auf die anstehende Osterweiterung stellt sich die Frage nach der Identit\u00e4t von Grenzorten, die als Zeitzeugnisse und Orte der Erinnerung gelten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Museumsideen} <\/p>\n<h1>Innovative Museums-Ideen am Nord-S\u00fcd-Schnittpunkt Brenner<\/h1>\n<p> Das Interreg-III-Projekt einer Technik-Kulturmeile Nord-S\u00fcd unter Nutzung der Fahrradwege nimmt mit einem in der Sachsenklemme geplanten Schau-E-Werks-Projekt erste konkrete Formen an. Ein weiteres Europaprojekt hat sich die Schaffung eines &#8222;Musealen Ortes&#8220; im ehemaligen \u00f6sterreichischen Zollhaus vorgenommen.<\/p>\n<p> {mosimage}Heinrich Schwazer, Kulturpublizist und Chefredakteur der &#8222;Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung&#8220; getraute sich laut zu tr\u00e4umen: Das derzeit in Bozen obdachlos gewordene S\u00fcdtiroler Landesmuseum f\u00fcr Moderne Kunst k\u00f6nnte sich wohl keinen besseren Standort w\u00fcnschen als den Brenner mit jeder Menge freier Kubatur in geradezu idealer Verkehrslage am Schnittpunkt \u00d6sterreich\/Italien\/S\u00fcdtirol?!<br \/> {mosimage}S\u00fcdtirols Kultur-Landesrat Bruno Hosp geh\u00f6rt einer Generation an, die die Brennergrenze noch in aller H\u00e4rte erlebt hat. Um so gr\u00f6\u00dfere Bedeutung misst er grenz\u00fcberschreitenden Europaprojekten zu. Aktuell sind Pl\u00e4ne zur Schaffung eines &#8222;Musealen Ortes&#8220;, nachdem die Gemeinde Gries das ehemalige \u00f6sterreichische Zollhaus vor einem Umbau zu Garagen gerettet hat. Das Museumsprojekt nach dem Motto &#8222;Tirol und S\u00fcdtirol unter einem Dach&#8220; wurde bisher vor allem von \u00f6sterreichischer Seite betrieben. Das innovative Konzept stammt vom S\u00fcdtiroler K\u00fcnstler Peter Kaser in Zusammenarbeit mit Arch. Carla Schorn.<br \/> {mosimage}Franzensfeste macht den Anfang, freute sich B\u00fcrgermeister Johann Wild \u00fcber das Projekt eines Schau-E-Werks am k\u00fcnftigen Fahrradweg in der Sachsenklemme. Studenten der Akademie f\u00fcr Design Bozen (ADB) sowie der Bozner Oberschule f\u00fcr Geometer hatten mit ihren Lehrern entworfen, geplant und das Gel\u00e4nde vermessen. Zum Schau-E-Werk umgestaltet w\u00fcrde das historische Kleinkraftwerk des Hotels Sachsenklemme, das andernfalls abgebrochen werden m\u00fcsste, weil es durch ein neues E-Werk ersetzt wurde. Die Brixner Stadtwerke leisteten Anschubhilfe. Das Sch\u00fclerprojekt wurde von Ing. Fritz Starke professionell betreut und zur technischen Ausf\u00fchrungsreife gebracht. Die Baugenehmigung ist bereits erteilt.<br \/> {mosimage}Der S\u00fcdtiroler Landesrat f\u00fcr Natur und Umwelt, Raumordnung, Wasser und Energie Michl Laimer hatte als erster Politiker an der Spitze dieses gr\u00f6\u00dften technischen Ressorts der S\u00fcdtiroler Landesverwaltung den Br\u00fcckenschlag zur Kultur gewagt. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit konnte Landesrat Laimer am Brenner pr\u00e4sentieren: ein Interreg-III-Projekt des Kuratoriums f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter zur Schaffung einer Technik-Kulturmeile Nord S\u00fcd unter Nutzung des grenz\u00fcberschreitenden S\u00fcdtiroler Fahrradwegenetzes. Projektpartner in Tirol ist Landesrat Ferdinand Eberle. Wissenschaftlich betreut und umgesetzt wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4t Innsbruck unter Leitung des Industriearcheologen Prof. Christoph Bertsch .<br \/> {mosimage}Mit besten W\u00fcnschen im Namen des italienischen Kultur-Landesrates Luigi Cigolla begr\u00fc\u00dfte dessen Vertreter Aldo Boninsegna, (Amt f\u00fcr Italienische Kultur) die Zielsetzungen dieser grenz\u00fcberschreitenden Veranstaltung am Brenner.<\/p>\n<p> Zur Geschichte des Brenner konnten interessante italienische Wochenschauaufnahmen gezeigt werden. Wir danken f\u00fcr die Unterst\u00fctzung durch das italienische Kulturassessorat und durch das Centro Audiovisivi im Trevi-Zentrum, Bozen. Die S\u00fcdtirol betreffenden historischen Wochenschaubeitr\u00e4ge k\u00f6nnen dort von jedermann eingesehen werden.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Kunstevents} <\/p>\n<h1>KUNSTEVENTS<\/h1>\n<p> Das Thema Grenze wurde beim Brenner-Event vom 30.08. bis 01.09.2002 von einer internationalen K\u00fcnstlerschar aufgegriffen. Den Installationen und Aktionen lagen die verschiedensten Assoziationen mit dem Begriff Grenze zu Grunde: von Rauch-Fahnen, die zum Himmel stinken, \u00fcber Schie\u00dfscharten bis zur Schubhaft.<\/p>\n<p> fAHNENFLUCHt = Fahnentext \/ Textfahnen<br \/> In seiner Installation mit dem Namen &#8222;Der Stoff, aus dem die Fahnen sind&#8220; zeigte Matthias Sch\u00f6nweger aus Meran zum Auftakt der Veranstaltung, dass Grenzverschiebungen weitere Grenzverschiebungen bewirken und damit Kriege zur Folge haben. Zu diesem Zweck hatte er sich das Areal im unmittelbaren Blickfeld der italienischen Grenzerkabine ausgew\u00e4hlt. \u00b4<\/p>\n<p>{mosimage} &#8222;W\u00e4hrend die zahlreich eingetroffenen Politiker am Brenner zwischen br\u00f6ckelnden Fassaden noch \u00fcber die Segnungen der aufgehobenen Schlagb\u00e4ume und ihre eigene Schmugglervergangenheit schwadronierten, laborierte ein paar Meter weiter der Meraner K\u00fcnstler Matthias Sch\u00f6nweger schon eifrig an der Demontage der Sonntagsreden. Im Schatten des &#8222;Fungo&#8220; (italienische Grenzabfertigung) leerte er seinen Rucksack mit Tirolensien, Peitschen und einem Haufen Kriegsspielzeug aus Plastik aus.<br \/> Rund um seinen Russenflohmarkt baute er kleine Elektrokocher auf, legte sich einen Messmantel um und segnete seine Soldaten mit reichlich Weihrauch. Danach verheizte er sie buchst\u00e4blich und unter grauenhaftem Gestank und ebenso s\u00fc\u00dfen Heimatkl\u00e4ngen von einem 60er-Jahre-Grammophon auf den hei\u00dfen Herdplatte.&#8220;<br \/> &#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;&#8230;Heinrich Schwarzer, Kulturpublizist<\/p>\n<p> {mosimage}<br \/> ..w\u00e4hrend der Aktion<br \/> Schubhaft<br \/> &#8222;Im August 2000 bat mich die Arge-Schubhaft das Thema Schubhaft und das Anliegen der Menschen in Schubhaft k\u00fcnstlerisch zu thematisieren. Damit begann f\u00fcr mich eine intensive Zusammenarbeit mit der Arge-Schubhaft und den Menschen, die ich in der Schubhaft im Polizei-Gefangenenhaus Innsbruck besuchte. Seit dem 6. September 2001 besetze ich f\u00fcr Menschen in Schubhaft \u00f6ffentliche Orte des Staates und installiere meine mobilen Transporter: Zelte, Plakate und ein Wohnmobil. Diese erkl\u00e4re ich zu Schutzr\u00e4umen vor Verfolgung, Vertreibung, Vergewaltigung, Ermordung, Haft, Zensur, Verschleppung, Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Ausweglosigkeit. Es sind flexible Schutzr\u00e4ume, die subversiv immer und \u00fcberall einsatzbereit sind. Sie schleuse ich u.a. in &#8222;Niemandsl\u00e4nder&#8220; ein, in sogenannte Schnittstellen, die zwischen den Grenzen unterschiedlicher Systeme liegen. Diese bewusst gesetzten und erkl\u00e4rten Freir\u00e4ume stehen den Gef\u00e4ngniszellen der Institutionen gegen\u00fcber.&#8220; &#8230; so der K\u00fcnstler Franz Wassermann zu seinem Werk.<br \/>{mosimage}Der Brenner als Staatsgrenze zwischen Italien und \u00d6sterreich bildet eine solche Schnittstelle.<br \/> Im ehemaligen italienischen Zollhaus mit Blick auf das \u00f6sterreichische &#8211; beide H\u00e4user sind seit der Absetzung der Grenzkontrollen innerhalb der europ\u00e4ischen Union zwar ohne Funktion, wohl aber gebaute Zeugen der wechselvollen Geschichte des Grenzortes &#8211; verkehrte Franz Wassermann innen und au\u00dfen, schaffte symbolisch in den vormaligen B\u00fcros einen Schutzraum f\u00fcr Schubh\u00e4ftlinge und setzte die Zollbeamten &#8222;an die Luft&#8220;.<br \/> F\u00fcr einige Tage wurden drei Schreibtische und weitere Fundst\u00fccke aus den B\u00fcror\u00e4umlichkeiten nach drau\u00dfen gestellt und im Schutz des Hauses wurde eine Zeltstadt aus gebrauchten LKW-Planen errichtet. Dieses Material erinnerte an die Art und Weise wie Schubh\u00e4ftlinge ins Land kommen. Eine Ironie der Realit\u00e4t war der Schriftzug &#8222;Willkommen im Olympia-Schigebiet&#8220;, den Wassermann auf einer der ihm zur Verf\u00fcgung gestellten Planen vorfand.<\/p>\n<p> Aus Ghettoplastern dr\u00f6hnten \u00fcberlaut Interviews mit Betroffenen. Menschen, die in Schubhaft genommen werden, haben nichts verbrochen. Sie werden in ihrer Heimat politisch oder ihrer Religion wegen verfolgt oder haben aus einer wirtschaftlichen Katastrophe heraus ihr Land verlassen m\u00fcssen. Ist man sich dieser Situation bewusst, erscheinen die Begriffe &#8222;Ehre&#8220;, &#8222;Freiheit&#8220; und &#8222;Vaterland&#8220;, die der K\u00fcnstler auf den drei Schreibtischen im Freien angebracht hatte, provokant.<\/p>\n<p> Schubh\u00e4ftlinge haben das alles verloren. Zudem standen und stehen diese W\u00f6rter als Motto f\u00fcr kriegerische Auseinandersetzungen. Wassermann hatte diese drei &#8222;Slogans&#8220; von einem Denkmal vor der Universit\u00e4t Innsbruck abfotografiert.<br \/> Detailinformationen \u00fcber das gesamte Projekt Schubhaft finden Sie unter http:\/\/www.mylivingroom.org<br \/> GRENZENLOS<br \/> Der in M\u00fcnchen lebende Ekkeland G\u00f6tze f\u00fchrte mit seinem Werk &#8222;Grenzenlos&#8220; den Norden und den S\u00fcden zusammen. &#8222;Grenzenlos&#8220; ist Teil eines Terragrafie-Projekts, f\u00fcr das der K\u00fcnstler Erde von verschiedenen Orten der Welt in einem grafischen Verfahren unter immer gleichen technischen Bedingungen auf Papier druckt &#8211; G\u00f6tze will so ein vollst\u00e4ndiges Abbild der Erde schaffen.<\/p>\n<p> &#8230;was bleibt ist die Erinnerung<\/p>\n<p>{mosimage} In der Grenzerkabine (&#8222;fungo&#8220;) baute der M\u00fcnchner Valentin Goderbauer seine Installation &#8222;was bleibt, ist die Erinnerung&#8220; auf. F\u00fcr ihn war der Brenner auch in Zeiten, an denen dort noch Passkontrollen stattfanden, keine &#8222;richtige&#8220; Grenze, sondern eher eine Klimascheide, und zwar nicht nur im meteorologischen Sinn. In seiner Installation stellte Goderbauer Material zusammen, das im und um den &#8222;fungo&#8220; liegen geblieben ist: u.a. EURO-Kellen, gusseiserne Heizk\u00f6rper in Schwarz-rot-gold und Badet\u00fccher in Gr\u00fcn-wei\u00df-rot.<\/p>\n<p> Er selbst zu seiner Installation<br \/> &#8222;Der Brenner war und ist ja f\u00fcr einen Deutschen, der in der N\u00e4he von M\u00fcnchen lebt, der Grenz\u00fcbergang schlechthin nach Italien. Nur habe ich ihn nie richtig als Grenze empfunden, wie zum Beispiel Kehl \/ Strassburg oder Grenz\u00fcbertritte am Flughafen. Es fehlen irgendwie deutliche Eigenschaften. Kein breiter Fluss oder ein dicker Streifen Niemandsland mit Grenzt\u00fcrmen, keine pl\u00f6tzliche \u00c4nderung der Sprache&#8230; F\u00fcr mich war und ist der Brenner eben mehr ein Tor zum S\u00fcden, zum Kurzurlaub in ein freundlicheres Klima und anders herum wieder der \u00dcbergang nach Hause, wo der Sommer dann auch schon zu Ende ist. Und tats\u00e4chlich hat es immer geregnet und war ein paar Grad k\u00e4lter, wenn man den Brenner passiert hat und durch \u00d6sterreich &#8222;geflogen&#8220; ist. So ist dieser Grenz\u00fcbergang vom Gef\u00fchl her ein deutsch \/ italienischer. Wie gesagt, vom Gef\u00fchl her. In \u00d6sterreich wird keine Pause gemacht, erst zum Caf\u00e9 in Italien wird angehalten, wenn der Geschmack und das &#8222;Klima&#8220; stimmen. Daher verstehe ich den Brennerpass eher als Klimascheide (nicht nur meteorologisch), denn als Staatsgrenze&#8220;.<\/p>\n<p> Zu Valentin Goderbauers ironischer Installation im &#8222;Fungo&#8220; &#8211; wie die italienische Grenzerkabine mit ihrer weit auskragenden \u00dcberdachung im Volksmund genannt wird &#8211; schrieb Heinrich Schwazer in der &#8222;Neuen S\u00fcdtiroler Tageszeitung&#8220;:<\/p>\n<p> &#8222;Er zeigte im &#8222;Fungo&#8220; eine Erinnerungsarbeit aus Heizradiatoren in den deutschen Nationalfarben und gr\u00fcnwei\u00dfroten Badet\u00fcchern, die unterm Dach zum Trocknen ausgeh\u00e4ngt waren. Botschaft: \u00d6sterreich gab es in der bundesdeutschen Touristenperspektive nicht und am Brenner beginnt der Strand&#8230;&#8220;<\/p>\n<p> LURX, &#8222;SADOBRE&#8220; UND &#8222;SCALINI 84 STUFEN&#8220;<br \/> {mosimage}K\u00fcnstler, die selbst in der Brennerregion leben, zeigten ihre Werke in einer Gemeinschaftsausstellung des Vereins LURX.<\/p>\n<p> Der in Berlin lebende S\u00fcdtiroler Toni Bernhart stellte eine akustische Performance mit dem Titel &#8222;Sadobre&#8220; vor. Ein Live-Teil und vorproduzierte Einspielungen flossen bei der Veranstaltung zusammen, um die &#8222;ortsspezifische Atmosph\u00e4re&#8220; des Brenner zu vermitteln.<\/p>\n<p> Unweit des Grenz\u00fcbergangs wurde von Peter Kaser und Hans Winkler der Kunstort &#8222;scalini 84 stufen&#8220; angelegt. Die beiden haben einen Wasserfall und eine ehemalige Bunkeranlage, deren Schie\u00dfscharten auf den Brenner zielen, in ihr Projekt eingebaut, zu dem der S\u00fcdtiroler Krimi-Autor Kurt Lanthaler seine literarische Installation 2001 beitrug.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Programm}<\/p>\n<h1>und was es sonst noch gab&#8230;<\/h1>\n<p> Grenz\/Erfahrungen, eine filmische Zeitreise f\u00fchrten die Geschichte des Grenz\u00fcberganges in Filmdokumenten vor, darunter historische Wochenschauaufnahmen vom Treffen Hitler-Mussolini am 18. M\u00e4rz 1940. Projiziert wurde auf die Fassade der italienischen Polizeikaserne.<\/p>\n<p> Alltagsgeschichte, Grenzer erinnern sich<br \/> Ehemalige italienische und \u00f6sterreichische Zollbeamte, Grenzpolizisten und Eisenbahner erz\u00e4hlten von ihrem Dienst am Brenner. Das verlassene italienische Zollhaus bot ein eindrucksvolles Ambiente f\u00fcr diese Zeitzeugenberichte.<\/p>\n<p> Wie sich der Alltag am Grenzbahnhof abspielte, f\u00fchrte der italienische Eisenbahner-Freizeitverein bei einem Schnuppertag vor. Au\u00dferdem konnten die Besucher den am Brenner immer noch obligaten Lokwechsel miterleben.<\/p>\n<p> Musik<br \/> Ein Open Air an der ehemaligen Staatsgrenze bildete am Freitag, 30. August, den Auftakt zum Brenner-Event. Live-Musik, Unterhaltung und k\u00fcnstlerische Einlagen wurden von der Sterzinger Gruppe Juvenilia geboten.<br \/> Tags darauf luden Alex Trebo und Bruno Zucchermaglio zu einem Musikprojekt ein, das ebenfalls um das Thema Grenze kreiste.<\/p>\n<p> &#8222;Brennerw\u00fcrstel&#8220; und &#8222;pasta e fasoi&#8220;<br \/> Der Halt beim W\u00fcrstelstand ist f\u00fcr Brenner-Liebhaber genauso selbstverst\u00e4ndlich wie ein Teller pasta und ein Glas Wein, bevor die Reise weitergeht. Die Wirte und Kaufleute vom Brenner servierten ihre Spezialit\u00e4ten zum Selbstkostenpreis. Organisiert wurde dieses ganzt\u00e4gige B\u00fcffet vom italienischen Alpenverein CAI.<\/p>\n<p> F\u00fchrung auf den Spuren des historischen Brenner-Tourismus<br \/> Die Veranstaltung endete am Sonntag, 1. September, mit einer Tour auf den Spuren des historischen Panorama- und Badetourismus am Brenner. Die Ausblicke dieses &#8222;Tores zum S\u00fcden&#8220; erlebte man entlang der inzwischen stillgelegten Eisenbahnstrecke von anno 1867. Der Lokalhistoriker G\u00fcnther Ennemoser leitete diese F\u00fchrung mit abschlie\u00dfendem Besuch von typischen Brenner-Gasth\u00e4usern im Hinterland der Grenze.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Kino am Brenner} <\/p>\n<h1>Polizeikaserne als Kinoleinwand<\/h1>\n<p>{mosimage} Am Samstag, den 31. August 2002, wurden auf eine Wand der ehemaligen Polizeikaserne Fernsehberichte und Wochenschaubeitr\u00e4ge projiziert. Dadurch wurde die Geschichte des Ortes filmisch wiederbelebt und von den Anwesenden diskutiert.<\/p>\n<p> Die Moderation teilten sich Elisabeth Baumgartner, ORF- Moderator Joseph Kuderna und Paolo Mazzucato, Programmchef der RAI.<\/p>\n<p> {mosimage}Karolina Bruno, langj\u00e4hrige Dolmetscherin der italienischen Finanzpolizei, schilderte einen ihrer &#8222;k\u00e4ltesten&#8220; Eins\u00e4tze: vom Silvesterball hatte man sie im Abendkleid zum Dienst auf die Strasse geholt.<\/p>\n<p> Martin Kaufmann, Filmclub Bozen, und Helmut Grossup, Cinematograph Innsbruck, erz\u00e4hlten vom &#8222;Kultur-Schmuggel&#8220;: wegen unzureichender gesetzlicher Voraussetzungen konnten deutschsprachige Filme in S\u00fcdtirol lange Zeit nur gezeigt werden, indem die Spulen heimlich \u00fcber den Brenner gebracht wurden.<\/p>\n<p>{mosimage} Landeshauptmann Luis Durnwalder &#8211; am Mikrophon von Elisabeth Baumgartner &#8211; hatte mit heiteren Enth\u00fcllungen zu selbsterlebten kleinen Schmuggelaff\u00e4ren die Lacher auf seiner Seite. Von links nach rechts: Ferdinand Plattner, langj\u00e4hriger Gemeindearbeiter am Brenner; B\u00fcrgermeister Christian Egartner; Rudi Plank, Pr\u00e4sident des Eisenbahner-Freizeitvereins und langj\u00e4hriger Gemeinderat; Josef Pitterl, ehemaliger \u00f6sterreichischer Zollbeamter und ORF-Moderator Josef Kuderna.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Zollhauser und Grenzareale} <\/p>\n<h1>Zollh\u00e4user und Grenzareale werden zur Kulturmeile<\/h1>\n<p> Eine Ausstellung der Gruppe &#8222;Lurx&#8220;, Musik, Literatur und Zeitzeugen-Erinnerungen teilten sich den Grenz\u00fcbergang Brennerstaatsstra\u00dfe einen Tag lang mit den Autofahrern. Die Polizei erteilte Weisung, im Schrittempo zu fahren.<\/p>\n<p> {mosimage}Eine von Alex Trebo intonierte Klangwolke schwebte \u00fcber dem Grenzareal an der Brennerstaatsstra\u00dfe. Bruno Zucchermaglio bestritt den textlichen Teil dieses Musikprojekts, zu dem die Gruppe Lurx geladen hatte. Entlang des Sicherheitsstreifens in der Stra\u00dfenmitte waren Zuh\u00f6rerb\u00e4nke aufgestellt &#8211; ein ganz ungewohntes Bild !<br \/> {mosimage}Kultur-Landesrat Bruno Hosp und Frau Inga in Begleitung von B\u00fcrgermeister Christian Egartner vor der Arbeit &#8222;Grenzen-lous\u00b4n&#8220; des K\u00fcnstlerduos &#8222;Kraxentrouga Artbrothers&#8220;, alias Armin Mutschlechner und Luis Seiwald. Der dialektale Titel ihrer Fotomontage ist ein Wortspiel: Mit dem Kopf auf den Geleisen versuchten die K\u00fcnstler die vielgepriesene Grenzenlosigkeit zu erlauschen. Das ern\u00fcchternde Ergebnis der K\u00fcnstler-Lauschaktion lautete &#8211; so Heinrich Schwazer: &#8222;&#8230;.dass auch am Brenner trotz aufgehobener Schlagb\u00e4ume ein real existierendes Grenz-Gef\u00fchl \u00fcberlebt hat&#8220;.<\/p>\n<p> No-Future-Stimmung in einer alpenl\u00e4ndischen Groteske fand sich in diesem Gem\u00e4lde von Damir Luksic, w\u00e4hrend Karl Volgger in seiner Struktur aus Papier auf Eisen die Geometrie der Leere des B\u00fcrotrakts im ehemaligen italienischen Zollhaus auf den Punkt brachte.{mosimage}<br \/> {mosimage}Der S\u00fcdtiroler Peter Kaser, heute in Gossensass zuhause, ist zugleich Gr\u00fcndungspr\u00e4sident der Gruppe Lurx und k\u00fcnstlerischer Entdecker des Brenner. Mit seinen K\u00fcnstlerprojekten am Brenner hat Peter Kaser bis nach Berlin aufhorchen lassen, wo er lange als Filmausstatter und freischaffender K\u00fcnstler gearbeitet und gelebt hat. J\u00fcngstes und aufwendigstes Kaser-Projekt am Brenner ist der &#8222;Kunstort mit Wasserfall und Bunkeranlage&#8220; sowie mit einer literarischen Installation von Kurt Lanthaler.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Am Bahnhof} <\/p>\n<h1>Grenzbahnhof Brenner, Treffpunkt f\u00fcr Eisenbahnfreaks und Familientipp<\/h1>\n<p> Die Einladung des Eisenbahnerfreizeitvereins \/ Dopolavoro ferroviario zum &#8222;Schnuppertag&#8220; wurde ein voller Erfolg. Pr\u00e4sident Rudi Plank verstand es, Geschichts- und Eisenbahninteressierte ebenso zu fesseln wie die Kinder, die einmal einen Lokwechsel oder die Fahrt einer Verschublok miterleben durften.<\/p>\n<p> {mosimage}Von der Verschublok sind die Buben und ihre V\u00e4ter gleicherma\u00dfen angetan. Rudi Plank wei\u00df, wovon er spricht &#8211; er hatte selbst jahrzehntelang am Brenner als Eisenbahner und Fahrdienstleiter gearbeitet. Unter den Zuh\u00f6rern ist der Vater von zwei Kindern und Chefredakteur des Wochenmagazins FF Hans Karl Peterlini, der als Eisenbahnerkind an den Brenner pers\u00f6nliche Erinnerungen hat, und Hans Schmieder mit Frau Germana aus Innichen, wo ebenfalls kulturelle Nutzungsvorschl\u00e4ge f\u00fcr den Grenzbahnhof zur Diskussion stehen.<\/p>\n<p> {mosimage}Besuch im Stellwerks-Turm am Brenner, hier f\u00fchlt man sich wie die Fluglotsen am Tower. Dieses Zwei-Mann-Team regelt den gesamten grenz\u00fcberschreitenden Bahnverkehr. Wer hier am Schalthebel sitzt, mu\u00df deutsch und italienisch, aber auch die Bahnverkehrs-Reglements beider L\u00e4nder gleich gut beherrschen.<\/p>\n<p> Schilderung von einem Teilnehmer (Mag. Sepp Baumann):<br \/> Unter dem Motto &#8222;Eisenbahner laden zum Schnuppertag&#8220; stand die vom Pr\u00e4sidenten des Eisenbahner-Freizeitvereins\/Dopolavoro ferroviario organisierte und gef\u00fchrte Begehung und Begegnung mit dem Bahnhof Brenner.<\/p>\n<p> Treffpunkt war um 15.00 Uhr am Gleis 7 des Bahnhofes, bei dem sich mehr als 30 interessierte Personen einfanden. Beim Publikum handelte es sich um Kinder, Frauen, M\u00e4nner, S\u00fcdtiroler, S\u00fcdtirolerinnen, Nordtiroler, Nordtirolerinnen, Italiener, Italienerinnen. Das allein bezeugte schon das grosse Interesse an dieser F\u00fchrung und Begegnung mit diesem historischen Ort.<\/p>\n<p> Rudi Plank erz\u00e4hlte in seiner unnachahmlichen Art von der Geschichte des Bahnhofes, von den Alltagssorgen der dort besch\u00e4ftigten Menschen im Zeitablauf, vom Wandel in der Bedeutung des Bahnhofes, von den Wetterkapriolen, vom Besch\u00e4ftigungsr\u00fcckgang der Bediensteten, von der Automatisierung, von den Weichenschauflern, von den Toten w\u00e4hrend des 2. Weltkrieges, von der st\u00e4ndigen Bedrohung des Bahnhofes durch eine m\u00f6gliche Hangrutschung und den daf\u00fcr vorgesehenen Sicherheitsmassnahmen, von den Notwendigkeiten der Lokwechsel, von der Zusammenarbeit zwischen FS und \u00d6BB, vom Leben miteinander, von der Erfordernis von Passierscheinen, von den gemeinsam organisierten Festen und Feiern, von der H\u00e4rte der Arbeit, vom S\u00fcdf\u00f6hn, von den Schneeh\u00f6hen einst und jetzt, vom Zusammenhalt untereinander, vom Arbeiten und Leben auf dem Brenner usw. Man h\u00e4tte Rudi Plank noch stundenlang zuh\u00f6ren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p> Nach der Besichtigung des Stellwerkes mit den dort installierten technischen Einrichtungen und der damit verbundenen M\u00f6glichkeit, den Brenner sozusagen auch von &#8222;oben&#8220; als Ganzes zu betrachten, fand der H\u00f6hepunkt des Schnuppertages statt. Es wurde die wirklich einmalige M\u00f6glichkeit geboten, auf einer Verschublokomotive mitzufahren und dabei Begriffe wie &#8222;abstossen&#8220;, und &#8222;verschieben&#8220; unmittelbar kennenzulernen. Die Fahrten fanden dabei sowohl auf \u00f6sterreichischem sowie italienischem Hoheitsgebiet statt. Ein f\u00fcr alle Beteiligten grossartiges Erlebnis, das ewig in Erinnerung bleiben wird.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Zeitzeugen berichten} <\/p>\n<h1>Wie man am Brenner lebte<\/h1>\n<p> konnte man bei einer Diskussion mit Zeitzeugen, die von Paolo Mazzucato und Elisabeth Baumgartner gef\u00fchrt wurde, erfahren.<br \/> Die Teilnehmer waren Primo Sieff, ein geb\u00fcrtiger Trentiner, der den Brenner als Bub noch zu Zeiten des Mussolini-Regimes erlebt hatte; Karoline Bruno, die bei der Finanzpolizei als \u00dcbersetzerin t\u00e4tig war und einige Anekdoten erz\u00e4hlen konnte; der langj\u00e4hrige \u00f6sterreichische Z\u00f6llner Josef Pitterl der einst auf die Pirsch gegangen war, um trickreichen Wein- und Lederjackenschmugglern das Handwerk zu legen; der Gemeindearbeiter Ferdinand Plattner, der Lokalhistoriker und Brenner-Experte G\u00fcnther Ennemoser sowie Daniel Steckholzer, der als langj\u00e4hriger Angestellter des italienischen Automobil-Clubs ACI wei\u00df, welche &#8222;Goldgrube&#8220; der Brenner f\u00fcr Italien war.<\/p>\n<p> {mosimage}<br \/> Vor der Diskussion fand eine F\u00fchrung durch den Wohntrakt des italienischen Zollhauses statt, welche gut besucht war.<br \/> Das Geb\u00e4ude, 1933 erbaut, war immer schwer zu beheizen gewesen, erinnerte sich der Gemeindearbeiter. Und so mancher, der aus dem S\u00fcden Italiens an die n\u00f6rdliche Grenze versetzt worden war, litt unter Heimweh und unter dem rauen Klima.<br \/> {mosimage}Nur noch ein Schaff im Bad und ein paar Teller in der K\u00fcche erinnern an die einstigen Bewohner.<br \/> {mosimage}{mosimage}<br \/> Zeitzeugeninterview vom 23.08.02:<\/p>\n<p> Interviews mit Karoline Bruno, Rudi Plank, Ferdinand Plattner und Daniel Steckholzer<br \/> Karoline Bruno:<br \/> .. im Zusammenhang mit dem Brenner interessiert mein pers\u00f6nliches Leben \u00fcberhaupt niemanden. Ich bin K\u00e4rntnerin und vor 40 Jahren hier hergekommen, 50 werden das bald.<br \/> Ich habe es leichter gehabt mit der Problematik der Grenze, weil ich selbst aus einem zweisprachigen Gebiet komme. Ich komme zwar aus Klagenfurt, aber dieses ganze Schlamassel mit der Zweisprachigkeit habe ich schon fr\u00fch mitbekommen. Da war ich zwar noch sehr jung, habe es aber von Eltern und Grosseltern durch Erz\u00e4hlungen mitbekommen.<\/p>\n<p> &#8230;1965 bin ich zum Brenner gekommen, vorher war ich italienweit unterwegs. \u00dcbersiedelt nach Italien bin ich in den 57er Jahren, ab 53 habe ich teilweise in Italien gearbeitet und weiters in Deutschland.<br \/> Meine Aufgabe ist die des Dolmetschers; in dieser Qualit\u00e4t bin ich auch am Brenner gelandet und habe da am Brenner gearbeitet.<\/p>\n<p> ..Ich habe in schon sehr jungen Jahren die Ausbildung gemacht, musste allerdings wie ich nach S\u00fcdtirol gekommen bin, meine Matura nachholen, die wurde ja nicht anerkannt in Italien f\u00fcr den Staatsdienst, in den ich eingetreten bin.<br \/> Sehr wohl f\u00fcr die S\u00fcdtiroler, die in Innsbruck studierten, das war schon dazumal dieses Paket, wodurch die Anerkennung gestattet wurde, nicht aber von anderen \u00f6sterreichischen Bundesl\u00e4ndern. Also wer in Wien oder Graz studierte, musste die Pr\u00fcfungen nachmachen.<\/p>\n<p> ..Ich hab nicht das Dolmetschinstitut gemacht, ich hab die Oberstufe gemacht und in der Schulzzeit schon Englisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch gelernt und dann mich weiter ausgebildet, aber nicht das Dolmetschinstitut.<\/p>\n<p> ..Ich habe nach Italien geheiratet, bin dann zun\u00e4chst in Rom gewesen, dann in Italien gelandet und dort hat es dann eine Stellenausschreibung f\u00fcr Dolmetscher gegeben. Daran habe ich teilgenommen und habe diesen Wettbewerb gewonnen und bin dann von Meran an den Brenner versetzt worden.<\/p>\n<p> ..Richtig, mein Mann hat die Versetzung nach mir bekommen. Wir sind nicht gerne von Meran an den Brenner. Ich kann mich noch gut erinnern: Es war April, in Meran war bl\u00fchender Fr\u00fchling. Ich war mit einem leichten Tailleur bekleidet, nat\u00fcrlich dazumal mit hohen St\u00f6ckelschuhen, bin am Brenner angekommen, ausgestiegen und der Schnee ging mir bis zu den Knien. Daraufhin bin ich nach Meran zur\u00fcck und hab gesagt: \u201eAn den Brenner kriegts ihr mich nie!\u201c<br \/> ..Und dann bin ich doch am Brenner gelandet und hier geblieben, nun schon seit 37 Jahren. (seit 1965) Aber es ist ein Zeichen daf\u00fcr, dass man so schlecht am Brenner nicht lebt, wie man es immer wieder unterstreicht.<\/p>\n<p> ..Ich habe am Brenner oberhalb der Bank gewohnt, zwei-, dreimal habe ich den Wohnort ge\u00e4ndert. Das sind auch heute noch Sozialwohnungen. Private Wohnungen gibt es am Brenner keine. Die der Gesch\u00e4ftsleute halt, aber kaum privater Wohnungsmarkt. Alles Eisenbahner und Sozialwohnbauten.<\/p>\n<p> ..An und f\u00fcr sich lebte ich mich \u00fcberall rasch ein. Ich hab nie Heimweh und lebe mich \u00fcberall rasch ein. Das ist kein Problem f\u00fcr mich. Ich habe damals in der Finanzkaserne gelebt und gearbeitet \u2013 der Kontakt war haupts\u00e4chlich mit diesen Leuten. Das waren hunderte junge Leute. Mit der Bev\u00f6lkerung hatte ich Kontakt durch meine beiden Kinder, die dazumal in die Schule gingen. Da kriegt man rasch Kontakt mit anderen Eltern.<\/p>\n<p> ..Die Finanzkaserne war die, wo jetzt die Polizei drin ist, die im S\u00fcden. Das war noch das alte Geb\u00e4ude, das scheinbar 1819 gebaut worden ist, wenn ich mich richtig entsinne. Dazu h\u00e4tte ich sogar einen Bildband, wo ein paar Aufzeichnungen drinnen sind, den k\u00f6nnte ich ihnen mitbringen, damit sie ihn durchsehen.<\/p>\n<p> ..Ich glaube 1986 ist die alte Kaserne abgerissen worden. Mitte der 80er Jahre. Wenn ich mich nicht t\u00e4usche, dann 1982\u2026<\/p>\n<p> ..Mein Mann war auch Finanzbeamter. Mein \u00e4lterer Sohn war nach dem Milit\u00e4rdienst Zollbeamter und der J\u00fcngere ist bei der Polizei.<br \/> Ja, der \u00c4ltere hat in auf der Autobahn gearbeitet. Der J\u00fcngere war zuerst bei der Polizei, hat dort seinen Milit\u00e4rdienst absolviert und ist dann ins ACI \u2013 B\u00fcro.<\/p>\n<p> \u2026.Ich glaube der Steckholzer David war der, der am l\u00e4ngsten beim ACI gearbeitet hat. Wann hat die Autobahn aufgemacht? Ich glaube 1972\u2026<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner ..Ich bin Gemeindearbeiter gewesen fast 30 Jahre da am Brenner. Meine t\u00e4gliche Arbeit war die Stra\u00dfenreinigung, der ganze Verkehr ging ja \u00fcber den Brenner, haupts\u00e4chlich mit LKWs.<br \/> 1968, am 01. April, habe ich angefangen zu arbeiten. Die LKWS sind auf der Staatsstra\u00dfe \u00fcber den Brenner gefahren. Nachts war das richtig st\u00f6rend, weil im Dorf drinnen bei der Kontrolle die \u201eFinanzer\u201c alles registrieren mussten, ob die Ware verzollt ist oder nicht.<\/p>\n<p> ..Weil die Stra\u00dfe eine leichte Steigung hat, sind wir in der Nacht vom starken Motorenl\u00e4rm immer aufgewacht. Das war sehr belastend. Ich habe 200 Meter weiter dahinten gewohnt, dort wo die Gemeinde ist, neben der Kirche.<\/p>\n<p> DER VERKEHR<br \/> Karoline Bruno:<br \/> ..Wir haben immer in einer blauen Wolke gelebt, das war sogar innen in den H\u00e4usern. Man konnte die Fenster nicht einmal \u00f6ffnen, denn die Fahrzeuge, die Schwerfahrzeuge, sind oft stunden- und tagelang am Brenner gestanden. Sie mussten durch die tiefe Temperatur auch immer den Motor laufen lassen und das hat zu einer totalen Luftverpestung gef\u00fchrt. Das war dazumal schlimmer als heute mit der Autobahn, obwohl der Verkehr um das Zehnfache angestiegen ist.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> ..Die Motoren mussten durchaus arbeiten und verursachten dadurch st\u00e4ndig diese Auspuffgase. Trotz der leichten Luftbewegung, die es am Brenner immer gibt, war die Ortschaft in eine Abgaswolke eingeh\u00fcllt.<\/p>\n<p> ..Ich habe 10 Meter neben der Strasse gewohnt und es gab hier ganz einfache Fensterverglasungen, sie waren noch n\u00e4her. Da hat niemand protestiert, es war selbstverst\u00e4ndlich. Man hat einen neuen Parkplatz geschaffen und eine gro\u00dfe Beleuchtung drin: \u201eAh wunderbar, wie das gut beleuchtet ist jetzt!\u201c<br \/> Niemand dachte daran, dass er immer mehr w\u00e4chst und immer st\u00e4rker und gr\u00f6\u00dfer wird. (Anm.: der Verkehr)<\/p>\n<p> ..Eine (Anm.: gro\u00dfe) Arbeit war auch die Reinigung in der Ortschaft. Jeden Tag auf der Strasse reinigen und haupts\u00e4chlich in dem LKW-Parkplatz. Da hat man alles gefunden und zusammenr\u00e4umen m\u00fcssen, dass es etwas sauber ist. Das war viel vom Arbeitstag, der nur bei der Reinigung draufgegangen ist und auch viel Geld.<\/p>\n<p> ..Die (Anm.: Lkw-Fahrer) mussten in ihren Kabinen drinnen schlafen, weil es zuviel kostete in einem Gasthaus. Jeder hat gehofft, dass die Zollabfertigung schnell ginge und trotzdem haben sie sehr viele Stunden lang oder halbe Tage und l\u00e4nger gewartet, bis sie weiterfahren konnten.<\/p>\n<p> ..(Anm.: der Stau )Das kann sein. Als noch der Schelleberg funktioniert hat \u2026das war ein Riesenproblem. Im Winter haben die LKWs es nicht geschafft und dann hat eine Firma mit ihren Lkws, die beladen waren und Ketten hatten, den Abschleppdienst geleistet und haben die LKWS \u00fcber die Steigung heraufbef\u00f6rdert und dasselbe auf der \u00f6sterreichischen Seite und sicher sind da zum Teil auch Staus entstanden, wenn da einer wieder quer stand und nicht weiterkam, dann dauerte das eine Zeitlang bis der wieder an Ort und Stelle sicher stand\u2026<\/p>\n<p> ..Damals gab es noch einen Markt in der Ortschaft Brenner, und da waren die Verkaufsst\u00e4nde links und rechts von der Strasse, dass manchmal die LKW ab und zu jemanden etwas \u201emitgenommen\u201c haben (= irgendwie mit dem LKW in die Marktst\u00e4nde rein gefahren sind), was ja ganz nat\u00fcrlich war\u2026 und die Marktreinigung war gewaltig! Die ging in die Nachtstunden hinein bis Mitternacht manchmal\u2026 Wir hatten einen Dreiradler, auf dem wir die Sachen aufluden und da wurden Kartone \u00fcber Kartone weggef\u00fchrt, da hatten sie einen Verkaufsstand, der einen Hocker \u00fcberlassen hat von zwei Kubikmeter\u2026<br \/> Unglaublich, wie das zuging hier\u2026<\/p>\n<p> DER SCHNEE<\/p>\n<p> Karoline Bruno<br \/> ..Im Winter kamen die riesigen Schneemassen dazu, denn dazumal waren die Winter ja viel strenger und alles viel st\u00e4rker beschneit auch.<br \/> Der Winter ist im Oktober losgegangen und hat im Juli aufgeh\u00f6rt. Man sagt am Brenner gibt\u2019s zehn Monate Winter und zwei Monate ist es kalt \u2026<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> Das ist schon schwierig&#8230; Wenn man nur den Frischschnee hernimmt, dann sind es meistens sicher ein paar Meter, aber der feste Schnee ist ein Meter, eineinhalb Meter oder so\u2026<br \/> Der frische Schnee war einige Meter hoch, wenn man den frischen gemessen h\u00e4tte\u2026 Es gab Ausnahmeerscheinungen\u2026 wie 1950 \/ 51, da waren es vielleicht sogar 10 Meter\u2026<\/p>\n<p> Herr Plank:<br \/> 18 Meter und 31 cm! 1951 war der strengste Winter im letzten Jahrhundert. Bei der Bahn wurde das immer aufgeschrieben und gemessen &#8230; Das war das Extremste und da war die Eisenbahn 14 Tage lang gesperrt.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner<br \/> ..1975, als die gro\u00dfen Lawinen herunterkamen, hatten wir sehr viel Schnee. Am Ostermontag fr\u00fch da waren 90 cm Schnee, morgens. Da gab es sechs Lawinentote in Brennerbad und die Autobahn war blockiert. Der gesamte Lkw-Betrieb rollte dann wieder \u00fcber die Brenner-Staatsstrasse f\u00fcr ungef\u00e4hr drei Wochen. Die Autobahn hatte nicht mehr den Mut, f\u00fcr den Verkehr die Fahrspur frei zu geben. Es gab ja auch keine Lawinenverbauung.<\/p>\n<p> ..Ich hab dann dem B\u00fcrgermeister Egartner zu verstehen gegeben, dass die Gefahr jetzt vorbei sei. Ich wollte es auch anhand einer Abfahrt \u00fcber den Hang mit den Skiern beweisen. Wir sind zu Dritt mit dem Hubschrauber hoch geflogen und herunter gefahren. Unten haben die von der Autobahn gewartet und haben geschaut, wie es uns ergehen w\u00fcrde. Ich hatte verstanden, der Berg bringt jetzt keine Gefahr mehr, das wollte ich damit beweisen, weil ich mein Leben ja auch nicht ganz unbedacht weg werfe. Ich habe mich sicher gef\u00fchlt, da herunter zu fahren.<br \/> Mit der \u00d6ffnung der Autobahn hat man trotzdem etliche Tage noch gewartet. Man hatte vorher nicht den Mut gehabt, aus Sorge, es k\u00f6nnte noch eine Lawine da abgehen.<\/p>\n<p> ..Wichtig war es, dass die LKWs wieder auf die Autobahn fuhren und der Verkehr wieder da durch ging. Man hat 14 Tage vorher die Toten begraben und zwei Tage nach dem Begr\u00e4bnis, hat die offizielle Abschiedsfeier stattgefunden: In diesen drei Wochen hatte man wieder diese Riesenbelastung gef\u00fchlt. Wenn der ganze Verkehr durch die Ortschaft so weitergegangen w\u00e4re, w\u00e4re das f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung nicht zumutbar gewesen.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Ich kann mich erinnern, als die Autobahn er\u00f6ffnet wurde, hat man in dem Jahr zirka hunderttausend Schwerfahrzeuge gez\u00e4hlt, statistisch. Binnen zehn Jahren ist man schon \u00fcber eine Million mit Schwerfahrzeugen gekommen.<br \/> Es war ein j\u00e4hrlicher Zuwachs von etwa 10 Prozent. Ich glaube die Autobahn hat es gebraucht.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner<br \/> Ja, aber f\u00fcr die Restaurants war sie weniger gut, die hatten Sorge, dass ein LKW-Fahrer nicht mehr einkehrt. Die Gasth\u00e4user haben sicher viel weniger gearbeitet. Als die LKWS hier gestanden sind, haben die Fahrer hier gegessen und getrunken. Damals hat man schon geglaubt, der Brenner k\u00f6nne nicht \u00fcberleben\u2026 aber das Lied geht heute noch gleich weiter.<\/p>\n<p> DIE VISUMPFLICHT<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> Ich wei\u00df nicht ob (Anm.: die Visumspflicht 1968) noch aktuell war, die Anfangszeit hat man schon sehr stark gesp\u00fcrt, viel weniger Leute sind hergekommen auf den Brenner, es war gang und g\u00e4be\u2026<\/p>\n<p> .. 68 war es nicht mehr. Wie lange das war, daran kann ich mich nicht erinnern, aber ich kann mich sehr gut erinnern, damals war ich noch ledig. Das war Ende der F\u00fcnfzigerjahre. Es sind viele Leute hierher gekommen, um Wein zu kaufen in Flaschen, wir haben Flaschen gebracht und die Gasth\u00e4user haben diese F\u00e4sser im Keller gehabt mit Pumpanlagen und meine Frau war die Bedienung in der Bar, und da habe ich oft, wenn es besonders eilig war, auch ich diese H\u00e4hne bet\u00e4tigt.<br \/> Ich habe es kaum geschafft, so viele Menschen haben Wein gekauft.<br \/> Der Wein und Mortadella sind nach \u00d6sterreich gegangen.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..F\u00fcr die Grenzbewohner waren zwei Liter erlaubt, die anderen durften f\u00fcnf Liter mitnehmen. Die Grenzbewohner konnten ja jeden Tag alle zwei Stunden da vorbei kommen.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> ..Aber ich kann mich an einen Fall erinnern, da habe ich einen Liter Wein mitgenommen, den wollte ich nicht verzollen, und dann habe ich ihn in der Manteltasche innen getragen und bin aufs \u00f6sterreichische Zollamt: \u201eWas zu verzollen?\u201c \u201eNein!\u201c Und dann gehe ich so mit etwas Schwung raus, der Mantel geht etwas auf, und er sieht die Flasche und ich musste sie damals verzollen, so streng war das damals.<br \/> Heute kann man mit allem fahren, und wir leben dennoch. So kleinlich war das damals, so genau\u2026 wegen einem Liter!<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Andererseits von \u00f6sterreichischer Seite hat man immer versucht, Mandarinen, Butter und Bananen mitzubringen und auch die waren begrenzt.<br \/> Zigaretten nat\u00fcrlich auch, die waren damals viel billiger in \u00d6sterreich. Aber es war auch mit der Butter, Margarine, Saccharin und Gasanz\u00fcndern so.<br \/> ..Eine Episode, daran kann ich mich erinnern, da war einmal ein Priester am Brenner, und der hat sich in \u00d6sterreich f\u00fcnf Kilo Bananen gekauft und durfte damit nicht auf italienische Seite. Er hat sich kurzerhand ins Niemandsland gesetzt und binnen einer Stunde f\u00fcnf Kilo Bananen verspeist. Ich war dazumal bei der Finanzpolizei und diese Episoden hat man da mitbekommen. Im Niemandsland war es nicht strafbar.<\/p>\n<p> DER SCHMUGGEL<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> Na, ich habe mich aus den Schmuggelsachen raus gehalten. Damals wurde viel Rindvieh, besonders K\u00e4lber, \u00fcber die Grenze lebend geschmuggelt. Aber ich war nie beteiligt daran.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Nachts, am ber\u00fchmten Schmugglerpfad oberhalb der Autobahn.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> ..Vom Griesbergerhof auf italienischer Seite sind sie dann \u00fcber den Sattelberg, die Wechselalm, und von dort aus weiter mit einem motorisierten Transport per Traktor oder Auto. Das war sehr rentabel. Die Preise waren in \u00d6sterreich f\u00fcr Rindvieh viel geringer, als da auf der italienischen Seite.<br \/> Dann gab es auch eine Zeit, wo ganz Versierte die K\u00e4lber im Kofferraum und im Pkw transportiert haben. Die wussten halt auch, wann die richtige Zeit daf\u00fcr war, wann die Z\u00f6llner etwas m\u00fcde waren. Das war genau dann, wenn ein Schmuggler das Kalb r\u00fcbergebracht hatte. Dann hat er seine Schicht verdient und hat sich nicht anstrengen m\u00fcssen.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Die haben oft Aufgriffe gemacht und dazu habe ich eine nette Episode: eines Nachts wurden 14 Milchk\u00e4lber beschlagnahmt und in der Kaserne hatte man keinen Platz, also gab man sie in die Garage. In der Garage war auch ein Teil des Archivs und am Morgen darauf hatten die K\u00e4lber das ganze Archiv gefressen gehabt. Das waren die Zust\u00e4nde in den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> ..Da kann ich mich auch an etwas erinnern. Das Jahr wei\u00df ich nicht mehr, nur dass die Polizei auch Kontrollen gemacht hat am Berg oben. Ich bin J\u00e4ger und im Fr\u00fchjahr habe ich Spielh\u00e4hne gez\u00e4hlt bei der Balz am Sattelberg oben. Kurz vorher hat uns der Aufseher gesagt, er hat jetzt zweimal einen Hund am Berg gesehen und er glaubt, es sei ein wilder Hund. Und dann gehe ich hinauf, der Mond hat ein bisschen geschienen und es war etwas d\u00e4mmerig, pl\u00f6tzlich stand vor mir ein Hund. Ich hatte einen Stock. \u201eSo, jetzt Ferdinand, jetzt musst du dich wehren!\u201c sagte ich zu mir selbst. Dann nahm ich den Stock und habe auf den Hund eingeschlagen. Er lie\u00df ab. Pl\u00f6tzlich sah ich einen Schatten n\u00e4her kommen, Menschen mit Maschinenpistolen. Ich hatte Angst, die Z\u00e4hne haben nur so geklappert. Ich konnte vor Angst nicht mehr reden. Es waren Z\u00f6llner, die da oben gewartet haben. Sie haben vielleicht geschlafen, aber der Hund hat mich schon wahrgenommen. Ich musste mich ausweisen, ich sagte, dass ich ein J\u00e4ger vom Dorf bin. Das war der gr\u00f6\u00dfte Schock meines Lebens, sonst f\u00fcrcht ich mich nicht so schnell, aber damals bin ich sehr erschrocken.<br \/> Ich hatte gedacht, ich h\u00e4tte dem Hund schon ziemlich wehgetan, weil ich ihn doch erwischt habe. Das waren italienische Z\u00f6llner, da war ein deutschsprachiger dabei, den ich gut gekannt habe, der Zingerle Hubert war das.<\/p>\n<p> ..Ich bin 1997 in Pension gegangen mit 1. J\u00e4nner. Ein Jahr vor Fall der Grenze.<br \/> Damals, als Grenze aufgehoben wurde, haben sie uns interviewt. Der ORF und andere. Sie haben gefragt, wie wir jetzt empfinden. Mir gef\u00e4llt das ziemlich gut, mir ist so was lieber, es ist wie wenn ich von der K\u00fcche in die Stube ginge, wenn ich von Italien nach \u00d6sterreich gehe. Und dann haben sie das tats\u00e4chlich gesendet, das hat ihnen scheinbar gut gefallen.<br \/> Und wir haben den Grenzabbau sehr nett gefeiert drau\u00dfen in dem Zelt weit \u00fcber Mitternacht hinaus, da war ein sch\u00f6nes Feuerwerk, ein gro\u00dfes und man sieht es geht so auch ohne weiteres, wenn man auch vorher dachte, es gehe unm\u00f6glich. Aber trotzdem, es sind schon einige Jahre vergangen, es geht recht gut, scheint mir.<\/p>\n<p> ILLEGALE GRENZ\u00dcBERSCHREITUNGEN<\/p>\n<p> ..Wenn ich zur F\u00fctterung &#8211; da beim Wolf unten, das ist schon einige Kilometer weiter unten &#8211; zur Alm aufgestiegen bin, habe ich fast jedes mal wieder frische Spuren gesehen. Da waren starke Bewegungen, die \u00fcber die gr\u00fcne Grenze gegangen sind. Aber inzwischen hat das vollkommen aufgeh\u00f6rt, diese Grenz\u00fcberquerungen zu fu\u00df. Heute funktioniert das per Auto oder Bahn.<br \/> ..Die Polizei kontrollierte lapidar. Sie war st\u00e4ndig unterwegs, auf dem Abschnitt Gossensass \u2013 Brenner begegnete man immer wieder einem oder zwei Polizeiautos. Auch jetzt ist die Kontrolle auf der Strasse sehr stark. Ich habe nicht viel mitbekommen von den Vorf\u00e4llen 1997.<br \/> ..Der Pfarrer war hilfsbereit dem N\u00e4chsten gegen\u00fcber, die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden waren sehr streng. Man musste ein Visum haben, um weiterzukommen und bei manchen war wirklich das Geld f\u00fcr das Visum nicht da. Die Fl\u00fcchtlinge wurden festgehalten, ohne Betreuung, keinen warmen Platz, keine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit; das waren schon sehr extreme F\u00e4lle. Letzte Anlaufstelle war der Pfarrer, der einerseits die Gesetze zu beachten hatte, andererseits dem Prinzip der christlichen N\u00e4chstenliebe folgte.<\/p>\n<p> ..Die \u00d6sterreicher waren strenger, sie hielten sich eher an die Gesetze. Sie sind nordl\u00e4ndisch und sehen das wesentlich strenger als wir hier im S\u00fcden.<\/p>\n<p> ..Na, ich habe eher geahnt, dass ein Transport nachts r\u00fcber ist. Da ist ein Bach, und da waren manchmal oder \u00f6fters so St\u00f6cke, die man beim Gehen benutzt und ich dachte, wie kommt das eigentlich, da muss doch ein Transport \u00fcber die Grenze gehen, wahrscheinlich war das dann der Sprengstoff, der hier \u00fcber die Grenze transportiert worden ist, aber ich kann dazu nichts sagen und habe mich auch nie so sonderlich daf\u00fcr interessiert .. das war ganz was Gef\u00e4hrliches!<\/p>\n<p> ..Die St\u00f6cke haben sie nachts gebraucht, um leichter zu gehen. Das k\u00f6nnte so gewesen sein, ich habe mich gewundert, warum die da drin in dem Bach schwimmen, aber jetzt\u2026 woher und wohin, das k\u00f6nnte dort gewesen sein.<\/p>\n<p> ..(Anm.: Bei der Feuernacht) Bei uns ist nicht viel passiert, die Kasernensprengung in Steinalm, aber das, dachten wir, sei ein Unfall in der Kaserne selber gewesen. Der Tr\u00e4ger hat gesagt, er hat die gesehen: Die hatten Handgranaten und verschiedene Munition und er hat Instruktionen gegeben, dann ist er gleich weg, und bald darauf gab\u2019s eine Explosion. Vielleicht war es eher ein Unfall als Terrorismus.<\/p>\n<p> ..Ich hatte einen Hof in Pacht, zwei km weiter s\u00fcdlich vom Brenner, bis 1957 war ich dort. Seit zw\u00f6lf Jahren bin ich am Gossensass.<\/p>\n<p> ..Wegen der 61er Nacht, habe ich nichts mitbekommen und habe mir keine Sorgen gemacht, dass das wirtschaftlich Auswirkungen haben k\u00f6nnte.<br \/> ..Ich bin Jahrgang `37 und ich hatte unter Mussolini keine Erinnerungen. Als der Krieg fertig war, hat meine Mutter zu mir gesagt, was mir lieber ist: Ob er nun fertig sein oder weitergehen solle und ich habe gesagt, er soll fertig sein. Und sie sagte: \u201eJa, jetzt ist er fertig!\u201c<br \/> Daran kann ich mich erinnern, ich war 8 Jahre alt, 1945. Sonst wei\u00df ich wenig. Ich wei\u00df, dass sie bombardiert haben, und einmal sind die Flugzeuge \u00fcber den Brenner rein geflogen. Mein Vater hat einen Luftschutzkeller gebaut etwas oberhalb des Hauses, 20 Meter dr\u00fcber. Der war im Erdreich und gut abgedeckt und man h\u00f6rte es krachen und damals ist der Brenner bombardiert worden.<br \/> Die Unterf\u00fchrung, wo der Bahnhof war, (Anm.: da gab es bei der Bombardierung) ungef\u00e4hr 20 Tote, Eisenbahner, Bev\u00f6lkerung, wollten dort in Schutz gehen.<br \/> ..Ich wei\u00df, dass deutsche Milit\u00e4rs gekommen sind und mein Vater hat gesagt, das sei zum Teil noch bewaffnet waren. \u201eLasst die Waffen und geht nicht weiter.\u201c Unter der Eisenbahn gab es eine Unterf\u00fchrung, wo ein Bach drunter durch ging und da haben sie Gewehre und Munition weggeworfen, damit sie weg sind.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Die Tante Midl hat mir erz\u00e4hlt, dass der Wehrmachtsverband seinerzeit in der Finanzkaserne war, aber mehr wei\u00df ich nicht, ich wei\u00df nur dass Frauen am Brenner dort hinein zur Arbeit gingen.<\/p>\n<p> Ferdinand Plattner:<br \/> ..Die R\u00fcckwanderer kamen h\u00e4ufig, fast jede Nacht ein paar Leute. In einem Stall haben sie die Nacht verbracht, und eine M\u00f6glichkeit gesucht, wie sie weiterkommen sollten. Auch die R\u00fcckf\u00fchrungen, die es gab, wurden von den Einheimischen \u00fcbernommen und ein bestimmtes St\u00fcck wurden sie weiter begleitet.<\/p>\n<p> `45 hat es stark geschneit, und sie haben nicht bombardiert. Wo unser Hof war, da war ein Lastenzug, der von deutschen Milit\u00e4rs bewacht wurde. Wenn Bomben fielen, rannten die Milit\u00e4rs schnell weg, weil anscheinend war dieser Lastenzug voll mit Munition.<\/p>\n<p> ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN ITALIENISCHEN UND \u00d6STERREICHISCHEN BEH\u00d6RDEN<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..wechseln und \u201ccarta verde\u201d, diejenigen, die das nicht hatten. Die, welche hereinkamen, kamen wegen des Benzins, weil sie verdienten, sie zahlten viel weniger, die Touristen.<br \/> am Eingang hat man sich nur mit den Touristen besch\u00e4ftigt, auch mit dem Geldwechseln, da hat man gut verdient.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> Ich wollte da noch etwas zuf\u00fcgen. Also wir, die Ordnungskr\u00e4fte &#8211; ich war Finanzbeamter -, haben nicht verstanden, warum \u00d6sterreich so sehr auf die \u201ecarta verde\u201c pochte, weil viele waren sowieso versichert, aber die \u00d6sterreicher haben immer nur nach der \u201ecarta verde\u201c gefragt. Das war f\u00fcr uns nicht immer ganz klar, warum das so durchgef\u00fchrt wurde.<br \/> ..Diese Arbeit war wie eine Schaukel. Es gab Offiziere, die geistig offen waren und deshalb waren die Beziehungen immer freundlich und aktiv, aber es gab auch welche, die reserviert waren und schon da begannen die Beziehungen k\u00e4lter zu werden, und das dauerte dann wieder eine ganze Zeit lang.<br \/> ..Auf pers\u00f6nlicher Ebene waren die Beziehungen immer ausgezeichnet, ich habe eine \u00f6sterreichische Frau, spreche etwas deutsch und deshalb hatte ich es auch noch leichter, Beziehungen zu kn\u00fcpfen. Nur als wir nach \u00d6sterreich gingen, waren wir etwas, wie soll ich sagen, nicht sch\u00fcchtern, aber wir waren wirklich im Ausland, etwas, was heute nicht mehr passiert.<\/p>\n<p> ..Es gab eine Zeit, die ich w\u00fcrde die \u201eTop-Zeit\u201c nennen, und zwar zur H\u00f6hepunkt des Terrorismus, als wir oder die \u00f6sterreichischen Beamten Fu\u00dfballturniere in \u00d6sterreich veranstalteten, in Kufstein. Das war immer sehr lustig, alle zusammen waren wir wirklich gl\u00fccklich \u00fcber die Beziehungen zwischen den \u00d6sterreichern und uns. Nicht nur die Finanz-Wag, sondern auch die Gendarmerie, die mehr als einmal an den Turnieren teilgenommen hat, waren mehr als h\u00f6flich.<\/p>\n<p> ..Es gab eine gewisse Zusammenarbeit, auch mit der Grenzpolizei, auch das internationale Weihnachten: Das war ein riesiges Fest, das man nicht am 25., sondern aus Dienstgr\u00fcnden vorher machte. Da war der Pfarrer Osebio Jori, der der Begr\u00fcnder und Initiator dieser Veranstaltung war. Ab 1953 bis zum heutigen Tag, bis 1992 glaube ich, gab es das Fest. Es wurde in der Brennerkaserne durchgef\u00fchrt, manchmal sind wir auch irgendwo anders hin. Es war wirklich ein gro\u00dfes Fest!<br \/> Es fing mit der Messe von Pater Jori an, die in der Kaserne stattfand und sp\u00e4ter dann von seinem Nachfolger Giorgio Valentini. Dann gab es ein Mittagessen, das von weit weg kam und zwar aus Trient, vom Monte Bondone. Anschlie\u00dfend gab es die offiziellen Reden, die immer \u00fcber die Zusammenarbeit, die Br\u00fcderschaft, die Freundschaft gingen. Es kamen auch die Schweizer, die \u00d6sterreicher nat\u00fcrlich, und es ging dann weiter von zehn Uhr morgens bis acht Uhr abends. Zum Schluss verabschiedete man sich, mit dem Versprechen sich n\u00e4chstes Jahr wieder zu treffen.<\/p>\n<p> ..Unser Hauptanliegen war es, keine Terroristen \u00fcber die Grenze zu lassen, besonders hier am Brenner. 1961 bei der Steinalm gab es drei Tote und vielleicht 15 Verletzte. Deshalb war eben dieses das Hauptanliegen, aber nat\u00fcrlich ging es bei den Kontrollen auch um den Schmuggel vor allem von K\u00fchen. Wir haben sehr viele von diesen sequestriert. Aber es ging auch um Zigarettenschmuggel, weil der Grenzschmuggel, den gab es immer. Am wichtigsten war die Terrorismusbek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p> ..In der Zeit der Anschl\u00e4ge waren die Kontrollen viel st\u00e4rker, viel genauer, und dann entspannte sich die Situation ein bisschen. Hier an der Grenze zum Brenner gab es keine Autobahn, sie haben vom Glicksberg geschossen, in Richtung Finanzbeamte, an einem solchen Sonnentag wie heute, wir haben den Terrorismus tats\u00e4chlich erlebt.<br \/> ..Und dann konnten die Finanzbeamten in dieser Zeit nicht alleine raus gehen, sie mussten immer zu zweit oder zu dritt raus und zu einer bestimmten Zeit zur\u00fcck sein. Diese Kontrollen waren wichtig, der Brenner war damals ein gro\u00dfer Ort mit 800-900 Einwohnern, die Milit\u00e4rleute, die Finanzbeamten, die Polizei, die Carabinieri, Paramilit\u00e4rs, und dann auch der Geheimdienst, und deshalb gab es eine gro\u00dfe Pr\u00e4senz damals.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer<br \/> ..Wir hatten immer eine riesige Kolonne (Anm.: beim ACI), vor allem als es noch keine Autobahn gab, es gab viele Menschen. Ich habe 36Jahre gearbeitet, vom 01.06.62 bis 01.06.98.<\/p>\n<p> ..Schlimm war es, als die Wechselstation wegkam, die Steuern die bezahlt werden mussten, da gab es viel Arbeit, und dann langsam gab es nichts mehr.<\/p>\n<p> ..Das Haus wurde vor einem Jahr ungef\u00e4hr geschlossen f\u00fcr immer. Die Zentrale war hier und alles wurde von dr\u00fcben hierher gebracht und dann wurde langsam dr\u00fcben alles abgez\u00e4unt auf der Autobahn.<\/p>\n<p> ..Wir hatten damals 62 nach der Feuernacht wenig zu tun, wir haben nicht gelitten. Der Tourismus hat auch nicht gelitten.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> ..Der Tourismus ist mehr oder weniger gleich weiter gegangen.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Die deutschen Touristen haben ja nichts gewusst.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> ..Es gab ja Holl\u00e4nder und alles M\u00f6gliche.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..Die kamen ja auch aus China und \u00fcberall her, aus Japan und \u00e4hnliches mehr.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Es kamen 27 Mio. Touristen \u00fcber den Brenner und das j\u00e4hrlich. Das sind nicht wenige. Damals, als noch die Lire existierte. Heute werden es auch mehr sein, sie fahren \u00fcber den Brenner. Ich wollte noch hinzuf\u00fcgen, dass die radikalste Ver\u00e4nderung aber erst seit J\u00e4nner dieses Jahres stattfand, als der Euro eingef\u00fchrt wurde, weil vorher war der Brenner ein Ort, wo die Menschen herkamen um auf dem Markt etwas zu machen, wegen dem Schilling, wegen der deutschen Mark, aber mit dem Euro sind die Preise angeglichen worden und deshalb hat der Markt auch nicht mehr diese Funktion von einst.<\/p>\n<p> ..Ich m\u00f6chte sagen, dass es keine gute Verwandlung ist, das ACI \u2013B\u00fcro wurde geschlossen, die B\u00fcros wurden geschlossen, aber ich selbst bin sehr froh \u00fcber den Euro, um das klar zu sagen.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..Alles ist teurer geworden,<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Ja, aber das verdanken wir nur den Spekulationen, die den Wert des Euros um die H\u00e4lfte reduziert haben. Ich habe letztes Jahr Obst gekauft, das hat 900 Lire gekostet &#8212; dieses Jahr kostet sie einen Euro, also mehr als 100 % teurer!<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..Der ACI war sehr wichtig f\u00fcr das Dorf, sehr wichtig. F\u00fcr den Tourismus auch, denn der Abschleppdienst ist sehr wichtig. Der Brenner war eine enorme Gesch\u00e4ftsstelle f\u00fcr den Automobilklub Italien.<br \/> ..Jedenfalls haben sie sehr viel Geld gemacht. Es gab 30 bis 40 Studenten die die Treibstoffkarten, die damals jeder haben musste, entwertet haben.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Abgesehen von dieser Treibstoffkarte gab es auch die Kontrolle durch die Finanzbeamten. Sie kontrollierten, auf der Treibstoffkarte, welches Auto aus Italien raus fuhr und welches rein.<br \/> ..Der ACI gab 25 Personen eine fixe Arbeit, und dann gab es noch die Saisonarbeiter, die auch nicht wenige waren. Es war ein Ort, der vielen Familien Arbeit aus dem Hochpustertal Arbeit gab.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..Man hat den Tourismusaufschwung in allererster Linie auf den Stra\u00dfen bemerkt, weil es viel mehr Stau gab. Als es keine Autobahn war, da gab es einen Stau bis Franzensfeste im Ausgang. Auf Innsbrucker Seite f\u00fchrte der Stau bis nach Innsbruck und dann am Karfreitag 72 kam endlich die Autobahn.<br \/> ..Wir sind da r\u00fcber und haben sie aufgemacht, das war ein Massenansturm schon am ersten Tag, wir waren gut ausger\u00fcstet. Das Haus war immer Zweigstelle.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Unsere Landsleute hatten einen gro\u00dfen Vorteil durch den Tourismus. Als man die Autobahn er\u00f6ffnete, gab es am Brenner einen halben Streitfall, weil gesagt wurde, dass durch die Er\u00f6ffnung der Autobahn niemand mehr hierher kommt.<br \/> Ich m\u00f6chte auch noch eine Sache unterstreichen: Brenner ist ein Name, der in ganz Europa bekannt ist. Der Ort ist wichtig f\u00fcr Italien und f\u00fcr diese T\u00e4ler hier. Nach der Autobahner\u00f6ffnung kamen wirklich weniger Menschen hierher, aber auf der anderen Seite, diejenigen die damals die Bundesstra\u00dfe machten, waren genau gleich, sie fuhren auch geradeaus und fertig, weil der Tourist sein Ziel erreichen will. Sp\u00e4ter kamen die Touristen auch zur\u00fcck, der Markt am Brenner war immer gut besucht, und das haben wir bis vor kurzer Zeit gesehen. Es gab auch Sachen, wie den Absturz der Lira: dadurch wurden viele H\u00e4ndler zu Million\u00e4ren.<\/p>\n<p> ..Die, die hier wohnen, kommen vor allem aus dem Veneto, wenige kommen tats\u00e4chlich von hier, sie sind von \u00fcberall her, die H\u00e4ndler.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..1964\/65 hat meine Frau den Wettbewerb gewonnen und wurde hierher an den Brenner versetzt. Wir h\u00e4tten auf ihre Arbeit verzichten k\u00f6nnen, aber wir haben die Koffer gepackt und sind im Mai 1965 hierher, nat\u00fcrlich darauf hoffend, dass wir ein Haus finden. Wir haben nichts gefunden; heute gibt es 38 leer stehende Unterk\u00fcnfte, die teilweise von Pakistani und anderen Ausl\u00e4ndern bezogen wurden, aber damals gab es kein Loch.<\/p>\n<p> ..Ich musste nach Gossensass, in eine Unterkunft dort von der Kaserne und blieb dort einige Monate und dann wurde endlich eine Wohnung frei. Wir sind in die Kaserne am Brenner gezogen, und wir mussten jedes Mal, wenn meine Frau einkaufen ging, die Einkaufst\u00fcten zeigen, weil man konnte ja nie wissen, es h\u00e4tte ja auch jemand eine Bombe in die Tasche legen k\u00f6nnen, damit sie in der Kaserne explodiert.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Wenn man zum Einkauf ging, dann musste man die Einkaufstausche \u00f6ffnen und der Beamte hat sich angesehen, was da drin war, ob das jetzt eine Melone oder sonst was war\u2026<\/p>\n<p> ..Ich habe den Brenner nicht gekannt, jedes Mal hat\u2019s geschneit, dann kam ich nach Brenner um mich vorzustellen, und bin dann nach Meran zur\u00fcck zu meinem Mann und habe gesagt \u201eAm Brenner nie!\u201c \u201eAber wir m\u00fcssen ja, wenigstens ein paar Jahre\u201c, und daraus sind 40 Jahre geworden.<br \/> Man hat sich dann eingelebt, es waren Familien da, viele, es gab viele Vorteile, man hat gut gelebt. Es gab ein gutes Miteinander, die Kinder haben ihre Wurzeln geschlagen, die sind eingefleischte S\u00fcdtiroler.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Wir kamen von Meran, aber vorher waren wir im Passeiertal gewesen, wir haben keine Probleme zwischen Italienern und Deutschen festgestellt. Das war immer so, es war eine Insel, die Pfarre von Brenner geht auch auf die \u00f6sterreichische Seite \u00fcber.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> Das internationale Weihnachtsfest, von dem haben wir das ganze Jahr gezehrt und wir haben dadurch alle Autorit\u00e4ten pers\u00f6nlich kennen gelernt. Wir haben immer einen Gespr\u00e4chspartner gefunden, in \u00d6sterreich oder Deutschland, das hat Freundschaften gebracht.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> \u201eZoll, Polizei, Finanz und andere \u00f6ffentlich Institutionen, wie z.B. Eisenbahn, Automobilklub, und andere \u00f6ffentliche \u00c4mter, die Gemeinde, die hier t\u00e4tig waren, haben sich bei diesem Fest getroffen. Dreimal war es in Deutschland \u2013 in Bayern &#8212; einmal in \u00d6sterreich und einmal in Italien. Da waren Zirog und Ladurns die Hausberge, drau\u00dfen waren es der Kaiserkogel, der wilde Kaiser und einmal war es auch in St. Anton, wo es stattgefunden hat.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> Es gab immer eine rege Teilnahme. Es war schlecht, drau\u00dfen zu bleiben. Eine Nicht-Teilnahme wurde tats\u00e4chlich bemerkt.<br \/> Auch nach 61 wurden die Fu\u00dfballspiele gemacht, bis ins Jahr 1966, als noch der Capitano Passini t\u00e4tig war.<\/p>\n<p> Karolina Bruno:<br \/> Nach dem vermutlichen Attentat, das ist ja nie klar gewesen, ist f\u00fcr zwei Jahre dieses internationale Weihnachtsfest nicht abgehalten worden. Auch im Gedenken an die Toten und an die Verletzten. Danach ist es wieder aufgenommen worden, weil man die Notwendigkeit des j\u00e4hrlichen Treffens erkannt hat.<br \/> Wir haben die Feuernacht im Passeiertal erlebt, wir waren dazumal in Moos im Passeiertal. Da hat er bessere Erinnerungen als ich.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Wir waren eben in Moos und wir haben morgens die Nachrichten erhalten, was passiert war, denn damals gab es kein Fernsehen. 1961, am 13. Juni, bzw. in der Nacht vom 11 auf den 12 Juni haben wir die Nachricht erhalten, dass ich wei\u00df nicht wie viele Sprengk\u00f6rper auch im Passeiertal hochgegangen sind.<\/p>\n<p> ..Es gab Momente als jemand, der mit einer \u00d6sterreicherin verheiratet war, auf bestimmte Weise behandelt wurde. Aber das war nur ganz kurze Zeit, weil sp\u00e4ter wurden diese Zweifel behoben. Man kann nicht die Familie in diese Sachen hineinziehen. Wer Terrorist sein will, soll es sein, aber wer ein ehrlicher Mensch ist.<\/p>\n<p> Rudi Plank: Es gab einige die wirklich verschlossen waren.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> Wir hatten zum Gl\u00fcck keinen solchen Fall. Ich kam 1957 nach S\u00fcdtirol. Es gab noch das Visum aber es hat nicht lange gedauert, nur in einem Jahr brauchte man ein Visum.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> Mit dem hatten wir nichts zu tun, wir haben es nicht wahrgenommen.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> ..Das war eigentlich Aufgabe der Carabinieri. Weder Finanzpolizei noch ACI hatten damit etwas zu tun, weil die Grenzkontrolle haben auf der Nationalstra\u00dfe die Carabinieri durchgef\u00fchrt, sp\u00e4ter dann an der Autobahn hat das die Polizei, die Grenzpolizei \u00fcbernommen.<br \/> Die Finanz hatte nicht den Pass kontrolliert, au\u00dfer sie wollten das Auto und die gesamte Person kontrollieren, da wurde dann nat\u00fcrlich der Pass auch kontrolliert, aber ansonsten.<br \/> Der Finanzbeamte hat bestimmte Stichproben gemacht, gewisse Kontrollen, die normale Passkontrolle wurde von den Carabinieri durchgef\u00fchrt. Nat\u00fcrlich dann auch das Visum, der Visumstempel.<\/p>\n<p> WOHNEN AM BRENNER<\/p>\n<p> Karolina Bruno:<br \/> ..Es waren alle Wohnungen bewohnt, auch die Dachb\u00f6den. Der Gro\u00dfteil der Milit\u00e4rs, ob das jetzt Carabinieri, Finanzer oder Polizei waren, waren Junggesellen. Es waren einige Familien, in der Finanz waren wir die einzigen, aber es waren sehr viele Eisenbahnerfamilien da. Schon allein der Fall, dass es einen Kindergarten, eine Volksschule und eine Hauptschule gegeben hat, war wichtig. Die sind mittlerweile abgeschafft, es gibt noch einen Kindergarten aber dank der pakistanischen Kinder, sonst w\u00e4ren nicht gen\u00fcgend Kinder am Brenner, um den Kindergarten offen zu halten.<\/p>\n<p> ..Sie (Anm.: die Milit\u00e4rs) waren nat\u00fcrlich nicht begeistert, am Brenner zu kommen. Meistens waren es Leute aus dem S\u00fcden, die diese Wetterverh\u00e4ltnisse \u00fcberhaupt nicht kannten, au\u00dferdem durften sie seinerzeit nicht nach \u00d6sterreich. Milit\u00e4rs durften nicht ins Ausland.<br \/> ..Man hat sich gegenseitig besucht, besonders durch die Kinder sind viele Kontakte aufgekommen. Es gab auch mehr Veranstaltungen im Ort, es gab gemeinsame Abendessen, sogar Tanzunterhaltungen.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Im \u201eDopolavoro\u201c wurden Kinovorstellungen f\u00fcr Kinder veranstaltet, f\u00fcr deutsche\/italienische\/gemischtsprachige Kinder. Also gab es auch kulturell eine sehr lebendige Atmosph\u00e4re. Es gab die POLfront, den CAI, den Verona Club, die Feste veranstaltet haben f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung, vor allem f\u00fcr die Kinder. Dem Eisenbahner-dopolavoro haben wir diesbez\u00fcglich viel zu verdanken, das muss man sagen.<\/p>\n<p> DIE GESCH\u00c4FTSLEUTE<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> ..Die hatten 24 Stunden offen, die mussten putzen, \u2026. Das sind Vergangenheiten, die sind nicht unmittelbar in der Zeit nach dem Krieg, auch wenn diese nat\u00fcrlich auch wichtig sind, aber das sind Geschichten, die sind 65-69 passiert, bis die Autobahn auftat. Der erste gro\u00dfe Einbruch am Brennerort war mit Er\u00f6ffnung der Autobahn, nicht mit dem Euro. Die arbeiten heute noch besser als wie jedes andere Gesch\u00e4ft.<\/p>\n<p> ..(Anm.: Die Autobahner\u00f6ffnung war ein Einbruch,) weil mit der Autobahn auf der Nationalstra\u00dfe 70% weniger Verkehr war. Der Schwerverkehr war weg, aber auch der andere Verkehr hat sich zu 70 % auf die Autobahn verlagert.<br \/> Fr\u00fcher hatte jeder Italientourist noch 3000 oder 2000 Lire und hat das haupts\u00e4chlich als M\u00fcnzgeld am Brenner verbraucht, und wenn er faule Trauben gekauft hat! Er hat einen Liter Wein gekauft und hat sich irgendwie vom Geld befreit. Und dann kam eine lange Zeit, wo es diese Schecks gab, 500 Lire, 200 Lire, 150 Lire, das war reines Klopapier, die musste er hier lassen, sonst h\u00e4tte er sie wegwerfen m\u00fcssen, das war die gro\u00dfe Einnahme von Gesch\u00e4ftsleuten am Brenner, das muss man auch sagen.<\/p>\n<p> ..Ein einheimischer B\u00fcrger der Gemeinde Brenner dem w\u00e4re es zu schlecht gewesen dort ein W\u00fcrstelstand aufzumachen. Da kamen welche von ausw\u00e4rts, die hatten gerade mal einen Nylonsack, und haben am Brenner einen W\u00fcrstelstand er\u00f6ffnet, und haben sich mit 3, 4, 5hundert Millionen vor 20 Jahren, dann ein Haus gebaut. Das sind Sachen, die tats\u00e4chlich hier passiert sind.<\/p>\n<p> ..Ein Einbruch war auch der Fall der Grenze, also 1998, wo der Brenner wieder an Wichtigkeit verloren hat. Was ist passiert: Autos fahren immer noch gleich viele vorbei, aber die Leute sind abgewandert. Z\u00f6llner, Finanzer, Carabinieri, die sind alle abgezogen worden. Auch bei der Eisenbahn mit ihrer ganzen Reformierung und Technologie hat es einen gro\u00dfen Abbau der Arbeitsstellen gegeben.<\/p>\n<p> ::Jetzt sind am Brenner 150 Leute weggezogen. Ich z\u00e4hle jetzt die, die kurzfristig hier waren nicht mit. Damals wurde dann nat\u00fcrlich weniger eingekauft, und dann kam noch zus\u00e4tzlich der Euro und logischerweise am Brenner , wenn es vorher ein Handelsdorf war, fast wie Samnaun, wenn da 10 Leute rein gekommen sind, dann konnte man 15 rauswerfen, weil dann kamen die n\u00e4chsten 20 ..<\/p>\n<p> .. Heute ist es ein normaler Ort mit normalen Gesch\u00e4ften, wo sie umdenken m\u00fcssen und nicht mehr den ganzen Ramsch und den ganzen Schmarren verkaufen k\u00f6nnen. Heute m\u00fcssen sie mehr auf Qualit\u00e4t schauen, auf den Kunden eingehen und ein klein wenig dem Aufmerksamkeit schenken und ihn nicht wie den letzten Dreck behandeln, aber es ist immer noch ein Gesch\u00e4fts-Ort. Fr\u00fcher haben sie die Nylons\u00e4cke in die Bank getragen.<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> Fr\u00fcher haben sie das Geld in die M\u00fclls\u00e4cke hineingetan und dann in die Bank getragen und nicht selbst gez\u00e4hlt, das musste die Bank machen.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> Es leben nur wenige von denen noch, teilweise sind sie abgewandert, teilweise gestorben.<\/p>\n<p> DER BRENNER UND DAS GELD<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> \u2026Es gab einen Witz, der im Spiegel erschienen ist, das den Brenner wie eine Kuh darstellte: An dieser Kuh hingen mehrere Personen dran, der Brenner wird ausgen\u00fctzt, gemolken wie eine Kuh und das ist war, denn das ganze Geld was hier verdient wurde, wurde nicht am Brenner ausgegeben und deshalb ist der Brenner bis heute so wie er ist. Wenn irgendjemand investiert h\u00e4tte, dann\u2026, aber der Gro\u00dfteil dessen, was am Brenner verdient wurde, wurden in die Toskana gebracht, an den Gardasee, etc. etc. Dieser Witz hat soviel schlechte Laune verbreitet, dass\u2026.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Ich bin nie weggezogen vom Brenner, ich habe nach wie vor meinen Wohnsitz am Brenner und schlafe im benachbarten Haus. Am Brenner wollten wir eigentlich nicht bleiben und in Sterzing fanden wir keine Wohnung. Wir haben uns immer vorgenommen, wenn wir in Pension gehen, wollen wir in ein w\u00e4rmeres Gebiet, aber ist es halt nicht.<br \/> ..Es ist eine Geisterstadt, in dem Moment wo die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen. Am Tag ist immer etwas Bewegung, besonders an Samstagen und Sonntagen, es kommen doch ziemlich viele von Innsbruck und vom Mitttal herauf, aber eine Geisterstadt wird\u2019s nach 18 Uhr .. Da finden sie keine Menschenseele mehr am Brenner. In den 60er 70er Jahren hatten die Gesch\u00e4fte bis neun Uhr ge\u00f6ffnet. Das Leben hat weiter pulsiert.<\/p>\n<p> ..Mir geht nichts ab in N\u00f6slach. Die Kinder haben die Schule in Sterzing besucht und einer ist nach wie vor am Brenner t\u00e4tig beim ACI, der andere beim Zollamt in Franzensfeste, wohnt aber in Brixen.<br \/> ..Sie sagen, sie hatten eine sch\u00f6ne Jugend gehabt am Brenner, und sie merken es schon sie hatten gute Erinnerungen an ihre Kindheit, es waren damals so viele Familien da, unz\u00e4hlige,<br \/> und die Kinder sind skigefahren, das war der einzige Sport, den sie durchf\u00fchren konnten, damals war der Zirog noch ge\u00f6ffnet, das war ihr Hausberg sozusagen,<\/p>\n<p> Daniel Steckholzer:<br \/> ..Ich f\u00fchle mich am Brenner wie zu hause. Ich bin immer gern am Brenner gewesen. Das Leben ist mehr oder weniger \u00fcberall gleich, mir gefallen die Leute, mir passt es am Brenner. Ich bin fast 40 Jahre da gewesen und dann ist es eine Gewohnheit. Die Sterzinger sagen \u00fcberall nur nicht am Brenner, aber wenn man da fast aufgewachsen ist, dann ist das kein Problem.<br \/> ..Sterzing \u2026 nach 19 Uhr ist in Sterzing auch nichts mehr los. Das ist mehr oder weniger das moderne Leben, das hat das moderne Leben mit sich gebracht, das Fernsehen und alles miteinander, die Leute sind dann lieber zu hause am Abend vielleicht. In Sterzing ist es im August voll, aber wenn man im September nach sieben Uhr nach Sterzing geht, dann ist es fast leer.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> Das ist das Klima, es ist kalt hier.<\/p>\n<p> DIE ZUKUNFT<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> ..Es geht darum, unseren Verwaltungs-Autorit\u00e4ten verst\u00e4ndlich zu machen, was sie am Brenner machen sollten, aber nicht in 10\/12 Jahren, sondern das, was sie in kurzer Zeit machen sollten. Sie reden zwar von gigantischen Programmen aber niemand legt Hand an, weil der Brenner nicht in Konkurrenz zu Sterzing steht, dar\u00fcber m\u00fcssen wir uns im Klaren sein, es sind zwei verschiedene Sachen. Der Brenner muss aus eigener Kraft leben, aber leider hat das niemand verstanden.<\/p>\n<p> ..Es ist die Gleichg\u00fcltigkeit der Verwaltung, weil in letzter Zeit viele in der Gemeinde waren, die den Brenner nicht besonders sympathisch betrachteten. Ich hoffe, dass in Zukunft etwas ge\u00e4ndert wird. Und es ist nicht notwendig, dass sie uns erz\u00e4hlen, dass es gro\u00dfe Projekte gibt, die dann vielleicht irgendwann realisiert werden. Es ist wichtig zu zeigen, wie der Brenner ist und das m\u00f6chte ich am liebsten dem B\u00fcrgermeister sagen, was er sich erwartet.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> ..Also der Brenner war, ist und wird ein guter Arbeitsplatz bleiben, ein Handelsplatz, klein oder gro\u00df, das h\u00e4ngt von dem politischen Geschick ab, was am Brenner in Zukunft gemacht wird, oder was man machen will. Viel wird von den B\u00fcrgern abh\u00e4ngen, also die Gesch\u00e4ftsleute, die am Brenner ans\u00e4ssig sind, sie k\u00f6nnen nicht verlangen, dass diejenigen, die am Brenner arbeiten diesen Ort neu strukturieren, aber Ich sehe nicht so schwarz. Es gab schon vor 20\/25 Jahren so Ideen, bzw. Gehirngespinste, wo man aus dem Brenner \u00e4hnlich Samnaun eine zollfreie Zone machen wollte, aber das sind Illusionen, die weggefallen sind, daran braucht man jetzt nicht mehr zu denken. Aber der Brenner ist immerhin der h\u00f6chste Grenz\u00fcbergang Europas, es ist die Nord\/S\u00fcdstrasse und ich sehe im Brenner immer noch Zukunft, d.h. auf jeden Fall Arbeitspl\u00e4tze, nicht unbedingt Wohnqualit\u00e4t. Man muss vielleicht aufpassen, wer in Zukunft am Brenner die Geschicke leitet, und auch aufpassen, wer in Zukunft am Brenner wohnt, wer wird diese noch leeren Wohnungen besetzen, man soll nicht pessimistisch sein.<\/p>\n<p> ..Na, es ist sehr sch\u00f6n, dass alle jene, die an der Grenze sind oder an der Grenze wohnen, oder noch arbeiten, dass heute nach \u00d6sterreich gefahren werden kann ohne stehen zu bleiben, Ausweise herzeigen zu m\u00fcssen und ohne Kolonne. Auch wenn die Grenze aufgehoben ist, auch wenn alles Europa ist, Brenner wird immer ein Grenzort bleiben und wenn es das nicht mehr ist, dann ist es eine Wettergrenze, eine Wetterscheide.<\/p>\n<p> Karoline Bruno:<br \/> ..Es ist trotzdem eine Grenze die immer, auch in den vergangen Jahrzehnten verbindend war.<\/p>\n<p> Rudi Plank:<br \/> Es war immer eine Sprachbarriere, hat immer eine Grenzfunktion gehabt, nur die Wichtigkeit kam dadurch, dass S\u00fcdtirol zu Italien kam, das ist ja ganz logisch, dass da die Grenzelemente unterschiedliche Wurzeln geschlagen haben, aber Grenze war es bei den R\u00f6mern schon.. also wenn er nicht die Grenze war, dann hat er die Menschen an die Grenze gef\u00fchrt.<\/p>\n<p> Signor Bruno:<br \/> Ich k\u00f6nnte zu den anderen Sachen noch eine kleine Episode hinzuf\u00fcgen. 5 bis 6 Jahre her hat Giro d\u2019Italia den Brenner \u00fcberquert, und hier kam Gino Bartali an, eine gute Seele, der als Spitze des Giro, am Brenner angehalten hat, fragte: Wo sind die Autorit\u00e4ten hier am Brenner? Wir sind alle hier. Sie haben sogar vergessen, dass der Giro hier vorbeif\u00fchrt.<\/p>\n<p> Plank: Ja, das war 92\/93, als der hier vorbeif\u00fchrte. Das ist 10 Jahre her&#8230; <\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Presseecho} <\/p>\n<h1>Was die Presse schrieb<\/h1>\n<p> <strong>Wochenzeitschrift FF &#8211; Nr. 36 &#8211; 2002 von Georg Mair<\/strong><\/p>\n<p> Es gilt, dem Landeshauptmann in den Arm zu fallen. Denn der Landeshauptmann will abrei\u00dfen lassen. Der B\u00fcrgermeister vom Brenner auch. Wenn es schon keine Grenze mehr gibt, so soll auch nichts mehr an sie erinnern. Schon gar nicht das Geb\u00e4ude des Zoll oder der Polizei. Lokomotiven, Kontrollstationen, Kammern der Staats-macht sind Dinge, die nicht un-bedingt sch\u00f6n sind, aber daf\u00fcr Geschichte(n) erz\u00e4hlen. Das \u201eKuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter\u201c hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf diese Dinge aufzupassen. Der Kunstverein \u201eLurx\u201c hat am Brenner Kunst im Sinn, das \u00f6sterreichische Zollhaus soll gar f\u00fcr Veranstaltungen dienen. Wenn man diese Dinge, diese Geb\u00e4ude so einfach vernichtet, entsteht eine Leere im Kopf und im Raum. Am Grenz\u00fcbergang am Brenner beispielsweise, wo heute die Autos kaum mehr verlangsamen, w\u00fcrde eine freie Fl\u00e4che im Wind entstehen. Das w\u00e4re dann der Platz f\u00fcr die \u201elebende Grenze\u201c, die der Landeshauptmann im Kopf hat und die vor allen den Gesch\u00e4ften dienten, die fr\u00fcher einmal die gr\u00f6\u00dften waren. \u201eHeute\u201c, so hei\u00dft es, \u201em\u00fcssen die Gesch\u00e4ftsleute sich schon auf die F\u00fc\u00dfe stellen.\u201c<\/p>\n<p> Grenze im Gerede. Am vergangenen Wochenende war der Brenner fast wie fr\u00fcher. Weil auf der Autobahn sich der Verkehr staute, nahmen die Reisenden die Bundesstra\u00dfe, die Parkpl\u00e4tze waren voll. Und bedienten sich am Obststand und in den Gasth\u00e4usern, von denen man keine Versorgung mit kulinarischen K\u00f6stlichkeiten erwarten kann.<br \/> Jedenfalls ist es so, dass der Brenner wieder im Gerede ist und das ist nicht zuletzt ein Verdienst der Kunst. Am vergangenen Wochenende bearbeiteten K\u00fcnstler und ein paar Menschen, die sich f\u00fcr solche Orte begeistern, die Grenze. Matthias Sch\u00f6nweger aktionierte alternativ-patrio-tisch, Franz Wassermann stellte sein Projekt \u201eSchubhaft\u201c vor, mit dem auf das Los von Exilanten aufmerksam gemacht wurde.<br \/> Ins italienische Zollhaus hatten ein paar K\u00fcnstler (Armin Mutschlechner, Luis Seiwald, Robert Engl, Karl Volgger, Jo-hannes St\u00f6tter,&#8230;) ihre Werke hineingestellt, ohne auf den Ort zu achten.<br \/> Der M\u00fcnchner Valentin Goderbauer bew\u00e4ltigte den Brenner privat, aber im Dialog mit dem Raum. In seiner Installation mit drei Heizk\u00f6rpern und drei Handt\u00fcchern versinnbildlicht der Brenner den ersten Halt, wenn man von M\u00fcnchen aus nach Italien f\u00e4hrt, durch Tirol f\u00e4hrt man durch, so schnell es geht.<br \/> Am Samstagabend fuhr dann auch noch der Dichter Toni Bernhart zu den Kl\u00e4ngen von Dirk Schwibbert durch die Berge. \u201eGott f\u00e4hrt in einem Auto mit Schweizer Kennzeichen \u00fcber die Alpenp\u00e4sse.\u201c Eine Performance, die listig (Kunst)Grenzen aufhob und sich vor schnellen Antworten h\u00fctete.<br \/> Das italienische Zollgeb\u00e4ude am Brenner ist ein verlotterter Ort, und der \u201eFungo\u201c, in dem sich die Polizisten und Zollbeamten w\u00e4rmten, ist der richtige Ort f\u00fcr Kunstausstellungen. Im oberen Stockwerk des italienischen Zollgeb\u00e4udes liegen alte Matratzen, stehen K\u00fchlschranke offen, Tapeten wellen sich von den W\u00e4nden und unter dem Teppichboden zeigt sich der Est-rich. Im Dachgeschoss hatten die Z\u00f6llner sogar einen Schie\u00dfstand. Davon gibt es keine Spur mehr, es scheint, als h\u00e4tten die Menschen hastig diesen Ort verlassen.<\/p>\n<p> Verlotterte Orte. Dabei ist das Zollgeb\u00e4ude ein Ort, \u00fcber dem heute noch der Angstschwei\u00df liegt.<br \/> Gew\u00f6hnliche Menschen mussten sich darin ducken. In die oberen Stockwerke f\u00fchrt eine schmale T\u00fcr. Durch die gelangte, wer oben wohnte. Manch einer erinnert sich heute noch zornig daran, wie er vor den Z\u00f6llnern Schlange stand. Ein \u00e4lterer Mann sagt: \u201eLasst mich schnell hinein, ich will noch einmal meine Kammer sehen.\u201c Ein anderer erinnert sich an die Verdammungen, die in diesem Geb\u00e4ude ausgesto\u00dfen No. 36 \/ 5. September 2002 wurden: \u201eWenn all die Fl\u00fcche in Erf\u00fcllung gegangen w\u00e4ren, w\u00fcrde heute in S\u00fcdtirol \u201eEin Tirol\u201c regieren.\u201c Man kann sich schon vorstellen, wie der eine gefilzt und der andere durchgewinkt wurde. Auf der \u00f6sterreichischen Seite achteten die Zollbeamten auf die Figur der Frauen. \u201eSie kamen meistens schlank an und gingen mollig wieder heim\u201c, sagt ein ehemaliger Grenzer, der sieben Jahre mit seiner Familie am Pass oben wohnte und \u201esieben Jahre lang kein Fenster aufmachen konnte\u201c.<br \/> Die Innsbrucker kamen, als es die Grenze noch gab, zum Einkaufen auf die italienische Seite und wollten halt nicht alles verzollen. Die Grenzer gin-gen in der Mittagspause hin\u00fcber und spionierten den Kunden nach: \u201eWir wussten somit, wer eine neue Lederjacke gekauft hat.\u201c Die Geschichte ist eine Anekdote. Die Zeitzeugen erz\u00e4hlen lieber lustige Dinge von Schmugglern. Und auch, wenn es jemand gern h\u00e4tte, hat keiner auf den Hitler und den Mussolini am Brenner aufgepasst. Seitdem es die Grenze am Brenner nicht mehr gibt und dort nur mehr illegale Ausl\u00e4nder angehalten werden, gedenkt man dauernd der Grenze. So, als w\u00e4re mit dem Verlust der Grenze auch das Verbindende zwischen Nord- und S\u00fcdtirol verloren gegangen. Oder wie Kollege Florian Kronbichler es formulierte: \u201eJetzt gibt es nichts mehr, was Tirol verbindet.\u201c<br \/> Georg Mair<br \/> Wochenzeitschrift FF FF No. 36 \/ 5. September 2002<br \/> ff: Wie haben Sie sich mit dem Thema der Kulturtage \u201eKultur ohne Grenzen\u201c auseinander gesetzt?<br \/> Armin Mutschlechner: Luis Seiwald und ich haben eine Arbeit mit dem Titel \u201eGrenzenlous\u2018n\u201c pr\u00e4sentiert: Eine Fotoarbeit, wo zwei Menschen den Kopf auf die Schienen legen.<\/p>\n<p> Sie fanden nicht nur lobende Worte\u2026<br \/> Es war so viel Politprominenz anwesend, dass die Stimme kursierte, dass das Kuratorium f\u00fcr die n\u00e4chsten Landtagswahlen anwesend sei.<\/p>\n<p> Und die k\u00fcnstlerische Qualit\u00e4t?<br \/> Eher schwach. Nicht alle Mitglieder des Vereins Lurx, der das Event organisierte, haben sich mit dem Thema de Grenze auseinander gesetzt. Im Gegenteil, manche haben die Veranstaltung f\u00fcr eine Ausstellung genutzt und sich noch aufgeregt, dass sie die h\u00e4sslichsten R\u00e4ume bekommen haben.<\/p>\n<p> Bilder, die also mit dem Thema nichts zu tun hatten?<br \/> Diese Bilder k\u00f6nnte man an jedem beliebigen Ort der Welt aufh\u00e4ngen. Die Qualit\u00e4t der Bilder tut dabei nichts zur Sache, es hat mich nur ge\u00e4rgert, dass sich einige \u00fcberhaupt keine M\u00fche gegeben haben. Das war so gesehen ein billiger Weihnachtsbazar. Jeder Hobbymalverein macht eine bessere Ausstellung.<\/p>\n<p> Alles misslungen also?<br \/> Doch, gelungen war es schon. Ich habe mich nur ein wenig ge\u00e4rgert. Und bei der Diskussion im Verein Lurx wurde ebenfalls festgestellt, dass einiges ein bisschen schiefge-laufen ist. a<\/p>\n<p> GRENZE \/ Kultur &#8211; (02.09.2002 &#8212; Dolomiten)<\/p>\n<p> &#8222;Den Brenner auf den Kopf gestellt&#8220;<br \/> Viel Politprominenz bei &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; &#8211; Nur wenige Besucher<\/p>\n<p> Brenner (ge) &#8211; Was das &#8222;Multimediale Kulturereignis&#8220; am Brenner vergangenes Wochenende darbot, w\u00e4re vor Schengen wohl nicht denkbar gewesen: In jenen Zollhausr\u00e4umen, wo reisende B\u00fcrger oft scharfen Kontrollen unterzogen wurden, stellten nun internationale K\u00fcnstler ihre Kunstwerke aus.<br \/> Bei der Er\u00f6ffnung der Brenner-Kulturtage am Samstag sah man viel Politprominenz, jedoch wenig Volk. Gekommen waren Regierungskommiss\u00e4r Giustino di Santo, der Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle, die Landesr\u00e4te Bruno Hosp und Michl Laimer, die Landtagsabgeordneten Martha Stocker und Walter Baumgartner. Landeshauptmann Wendelin Weingartner und Landesrat Luigi Cigolla gaben Gr\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p> Die B\u00fcrgermeister von Brenner und Gries am Brenner, Christian Egartner und Willi Sch\u00f6pfer, freuten sich \u00fcber dieses &#8222;Kulturevent&#8220;. Landeshauptmannstellvertreter Eberle und Bruno Hosp erinnerten an unliebsame Kontrollen, die ihnen die Durchreise am Brenner erschwerten. Landesrat Laimer erinnerte an das Interreg-Programm &#8222;Technische Kulturmeile Nord-S\u00fcd&#8220;.<\/p>\n<p> Dann f\u00fchrte Heinrich Schwazer in die Kunstinstallationen in den ehemaligen Zollh\u00e4usern ein. Die Kunst erm\u00f6gliche &#8222;live&#8220; die dramatischen \u00c4nderungen am Brenner zu erleben, der Grenzort d\u00fcrfe nicht nur Konsumtempel, sondern auch offen f\u00fcr andere Ideen sein.<\/p>\n<p> Am Nachmittag berichteten in einem Zollhaus-Unterdachraum Zeitzeugen \u00fcber das Gesch\u00e4ftsleben am Brenner in den vergangenen Jahren, w\u00e4hrend der Eisenbahnfreizeitverein in das Bahnhofsgeschehen Einblick gew\u00e4hrte. Beim Freilicht-Kino stellte Durnwalder seine Ideen \u00fcber die Zukunft des Brenners vor (siehe auch Bericht auf Seite 10). Am Sonntag f\u00fchrte Gemeindechronist G\u00fcnther Ennemoser Interessierte durch die wechselvolle Brenner-Geschichte, wobei historische Schaupl\u00e4tze aufgesucht wurden.<\/p>\n<p> &#8222;Mit allen Mitteln zu bek\u00e4mpfen&#8220;<br \/> Durnwalder gegen Autobahn-Rastst\u00e4tte auf Nordtiroler Seite &#8211; &#8222;W\u00e4re Tod der D\u00f6rfer&#8220; Bozen (lu) &#8211; Schon 2003 k\u00f6nnte laut Landeshauptmann Luis Durnwalder mit den Arbeiten zur Umgestaltung des Brennerpasses begonnen werden. Pl\u00e4ne der \u00f6sterreichischen Autobahngesellschaft Asfinag, auf Nordtiroler Seite nahe dem Brenner eine Autobahnrastst\u00e4tte zu errichten, &#8222;m\u00f6chten wir mit allen Mitteln bek\u00e4mpfen. Denn das w\u00e4re der Tod aller Ortschaften am Brenner&#8220;, betont Luis Durnwalder.<br \/> Die Machbarkeitsstudien zur Brenner-Umgestaltung auf S\u00fcdtiroler und Nordtiroler Seite seien ausgearbeitet. &#8222;Die Einigung mit der Brennerautobahn-Gesellschaft zur Errichtung zweier Ausfahrten am Brenner bereits unter Dach und Fach. Es wird dabei auch ins Auge gefasst, dass die Ausfahrten breit genug f\u00fcr Busse sind&#8220;, erkl\u00e4rt Durnwalder. Die Zukunft des Brennerpasses kam am Wochenende auch bei den Kulturtagen am Brenner zur Sprache (siehe Bericht S. 13).<\/p>\n<p> L\u00e4ngs der Autobahn am Brenner sollen nur eine kleine Bar, Toiletten und ein Informationsstand Platz finden. Zudem ist die Aufstellung der Plessi-Dreiecke, die Blickfang bei der Weltausstellung in Hannover waren, am Platz, wo sich derzeit das Restaurant befindet, bereits beschlossen.<\/p>\n<p> Und es scheint, als h\u00e4tten die Pl\u00e4ne der Asfinag, auf Nordtiroler Seite des Brenner l\u00e4ngs der Autobahn eine gro\u00dfe Rastst\u00e4tte zu bauen, die Umstrukturierungsvorhaben beschleunigt. &#8222;Auch die Nordtiroler Gemeinden nahe dem Brenner sind gegen dieses Vorhaben. Bisher habe ich nur geh\u00f6rt, dass Ferdinand Eberle f\u00fcr dieses Rastst\u00e4tten-Projekt w\u00e4re. W\u00fcrde dieser Plan verwirklicht, gingen die D\u00f6rfer am Brenner kaputt. Das w\u00e4re der Ruin, nicht nur f\u00fcr den Brenner, sondern auch f\u00fcr Gries am Brenner. Ich habe mich in dieser Angelegenheit bereits mit Wendelin Weingartner abgesprochen&#8220;, so Durnwalder.<\/p>\n<p> Brenner-Dorf soll demnach zu einer lebenden Rastst\u00e4tte werden. Das Umstrukturierungsprojekt wird zwischen 20 und 30 Mio. Euro kosten. Geplant seien u. a. ein gro\u00dfer Kinderspielplatz, ein kleines Brennerpass-Museum.<\/p>\n<p> Der n\u00e4chste Schritt, der dieser Tage gesetzt wird, sind die Verhandlungen mit dem Staat, der Finanzwache, der Polizei usw. wegen der vielen leerstehenden Geb\u00e4ude und Kasernen. &#8222;Diese verlotterten Geb\u00e4ude, die nicht mehr gebraucht werden, sollen abgebrochen werden&#8220;, erkl\u00e4rt Durnwalder, der das Fortkommen des Brenner-Projektes auch von der Z\u00fcgigkeit der Verhandlungen abh\u00e4ngig macht. &#8222;Notfalls m\u00fcssen wir den Abbruch verf\u00fcgen&#8220;, so Durnwalder. Als 1998 die Schlagb\u00e4ume am Brenner entfernt wurden, hatte er betont, dass in zehn Jahren die Ortschaft Brenner umstrukturiert sein wird. &#8222;Das werden wir einhalten&#8220;, so Durnwalder.<br \/> Kaufleuteverband: 04.09.2002 &#8211; Stellungnahme<\/p>\n<p> F\u00fcr &#8222;nat\u00fcrliches Einkaufen&#8220;<br \/> Unterst\u00fctzung f\u00fcr Projekt &#8222;Rastst\u00e4tte Brenner&#8220; Bozen &#8211; Der Verband f\u00fcr Kaufleute und Dienstleister begr\u00fc\u00dft das Vorhaben des Landes, das Projekt &#8222;Lebende Rastst\u00e4tte Brenner&#8220; durchzuf\u00fchren, damit &#8211; wie Landeshauptmann Durnwalder meinte &#8211; &#8222;die D\u00f6rfer am Brenner nicht kaputt gehen&#8220;. Laut Aussendung wolle der Verband &#8222;Revitalisierungsprojekte&#8220; dieser Art jederzeit unterst\u00fctzen.<br \/> Das Vorhaben der Landesregierung best\u00e4rke den von S\u00fcdtirol eingeschlagenen Weg, den Einzelhandel in den Ortszentren zu f\u00f6rdern und zu unterst\u00fctzen. F\u00fcr den Verband f\u00fcr Kaufleute und Dienstleister sei die Aufwertung des ehemaligen Grenzortes ein wichtiges Anliegen, wobei die &#8222;Revitalisierungsprojekte&#8220; die vollste Unterst\u00fctzung erhalten werden. Die Kaufleute und Dienstleister vor Ort wollen ihren Beitrag dazu leisten und die Umsetzung aktiv mitgestalten.<\/p>\n<p> Der Verband spricht sich daf\u00fcr aus, am Brenner unter anderem einen Informationsschalter in Kombination mit dem Angebot S\u00fcdtiroler Markenprodukte einzurichten. Durch die Realisierung der Autobahn-Ausfahrt w\u00fcrden der bestehende Ortskern und die Strukturen unterst\u00fctzt. So kann dort ein nat\u00fcrliches Einkaufszentrum entstehen, betont der Verband f\u00fcr Kaufleute und Dienstleister.<\/p>\n<p> NORDTIROL \/ Projekt (1) &#8211; (06.09.2002)<\/p>\n<p> Brenner-Rastst\u00e4tte vor Realisierung Nordtirol: Projekt f\u00fcr Zollamtsplatz schon in Umsetzungsphase &#8211; Bank, Kiosk, Restaurant<br \/> Innsbruck (bl\/hof) &#8211; Auf Nordtiroler Seite des Brenners soll eine Rastst\u00e4tte errichtet werden &#8211; sehr zum \u00c4rger von Landeshauptmann Luis Durnwalder. Das Projekt ist aber bereits in der Umsetzungsphase. Mit den ersten Bauarbeiten soll bereits 2003 begonnen werden. &#8222;Unser Hauptanliegen ist, dass am Brenner genaue Kontrollen erfolgen&#8220;, versucht Nordtirols Landeshauptmann Wendelin Weingartner die Wogen zu gl\u00e4tten.<br \/> Zur Erinnerung: Landeshauptmann Luis Durnwalder hatte sich in den &#8222;Dolomiten&#8220; strikt gegen eine Autobahn-Rastst\u00e4tte auf Nordtiroler Seite ausgesprochen (siehe auch untenstehenden Bericht). Nun wird aber doch ein umfassenderes Projekt verwirklicht, wie von Seiten der Alpenstra\u00dfen AG best\u00e4tigt wird.<\/p>\n<p> Im Einvernehmen mit dem Bundesland Tirol und dem \u00f6sterreichischen Stra\u00dfenbetreiber Asfinag wurden verschiedene Varianten f\u00fcr eine Nachnutzung des Zollamtsplatzes auf Nordtiroler Seite der Brennerautobahn gepr\u00fcft. Variante &#8222;1b&#8220; wird nun realisiert, pr\u00e4zisiert der Techniker und Abteilungsleiter bei der Alpenstra\u00dfen AG in Innsbruck, Martin Kirchmair.<\/p>\n<p> Wichtigstes Projekt dieser Variante ist eine st\u00e4ndige moderne Verwiegem\u00f6glichkeit f\u00fcr die Lkw, die von S\u00fcdtirol nach Nordtirol einreisen. &#8222;Hier brauchen wir auch einen entsprechenden Stauraum, damit es keinen R\u00fcckstau bis in den Grenztunnel gibt&#8220;, erg\u00e4nzt Kirchmair. Nach der Verwiegung wird eine Parkfl\u00e4che f\u00fcr jene Lkw ben\u00f6tigt, die von der Exekutive wegen zu hoher Beladung bzw. bei zugleich festgestellten technischen M\u00e4ngeln herausgeholt werden.<\/p>\n<p> Weiters wird ein &#8222;kommerzieller Teil&#8220; geschaffen. Errichtet wird eine Tankstelle mit zwei Lkw- und vier Pkw-Zapfs\u00e4ulen und ein Tankstellen-Shop. Hinzu kommen Parkpl\u00e4tze, ein Kiosk, eine Bankstelle, ein Infoschalter und ein Restaurant samt Toilettenanlagen. &#8222;Das ist ein Konzept, wie es in \u00d6sterreich bei gr\u00f6\u00dferen Parkpl\u00e4tzen mit Tankstellen \u00fcblich ist&#8220;, meint Kirchmair. Vorgesehen ist auch eine direkte Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberquerung der Autobahn. F\u00fcr jene Lkw, die Richtung S\u00fcden fahren, wird es bis zum 1. J\u00e4nner 2004 eine weitere Kontrollstelle geben. Um das bis dahin eingef\u00fchrte Lkw-RoadPricing \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen, wird es vor dem Grenz\u00fcbertritt nach Italien eine elektronische Mautkontrolle geben.<\/p>\n<p> Zum Ablaufplan: &#8222;Wir gehen jetzt in die detaillierte Planungsphase \u00fcber und erstellen einen Ausschreibungsplan&#8220;, sagt Kirchmair. Mit den Bauarbeiten wird im Jahr 2003 begonnen. Rund sieben Millionen Euro sind f\u00fcr das Projekt veranschlagt, das phasenweise bis 2004 realisiert werden soll.<br \/> NORDTIROL \/ Projekt (2) &#8211; (06.02.2002)<\/p>\n<p> &#8222;Innsbruck kann es noch verhindern&#8220;<br \/> Durnwalder: Werde mit Weingartner dar\u00fcber reden &#8211; &#8222;Rastst\u00e4tte w\u00e4re Ruin f\u00fcr D\u00f6rfer&#8220;<\/p>\n<p> Bozen\/Innsbruck (hof) &#8211; &#8222;Nach meiner Auffassung kann der Bau der Rastst\u00e4tte verhindert werden &#8211; wenn Innsbruck es wirklich will&#8220;, ist Landeshauptmann Durnwalder \u00fcberzeugt. Das Land Tirol k\u00f6nne das Projekt noch immer zur\u00fcckziehen. Er werde deshalb mit dem Nordtiroler Landeshauptmann Wendelin Weingartner noch einmal dar\u00fcber reden.<br \/> Landeshauptmann Luis Durnwalder (im Bild) wei\u00df, dass die Pl\u00e4ne zur Realisierung der Rastst\u00e4tte bereits weit gediehen sind. Trotzdem wird er sich weiterhin vehement gegen das Projekt stemmen. &#8222;Es w\u00fcrde den Tod des Brenners bedeuten &#8211; auf beiden Seiten&#8220;, ist Durnwalder \u00fcberzeugt. Niemand w\u00fcrde mehr ausfahren und in den D\u00f6rfern einkehren, wenn es bereits an der Autobahn eine Rastst\u00e4tte gibt, wo man in Gastlokalen, Restaurants und in einem Einkaufsbereich alles bekommt.<\/p>\n<p> Auch habe es keinen Sinn, auf der einen Seite im Rahmen des Interreg-Programmes Geld auszugeben f\u00fcr die Valorisierung des Brenners, und auf der anderen Seite ein Rastst\u00e4tten-Projekt zu verwirklichen. Durnwalder erinnert weiters daran, dass es auch auf Nordtiroler Seite Gegner des Projektes gibt &#8211; zum Beispiel die Gemeinde Gries am Brenner.<br \/> Neue S\u00fcdtiroler Tageszeitung<br \/> Fr 30.8.2002 Nr. 173<\/p>\n<p> Brenner, Kultur ohne Grenzen<\/p>\n<p> Ein Gespenst geht um in den grenzenlosen K\u00f6pfen: der Brenner. Er geistert durch Konzeptpapiere von Politikern und erscheint unversehens in Pl\u00e4nen von Strukturplanern. Doch was tun mit einem Ort, der auf dem M\u00fcll der Geschichte gelandet ist? Um diese Frage kreist die dreit\u00e4gige Veranstaltung &#8222;Brenner, Kultur ohne Grenzen&#8220;. Zeitzeugen, K\u00fcnstler und Historiker werden die Geschichte des Brenner in einem vom Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter und dem Kulturverein Lurx organisierten, multimedialen Event noch einmal Revue passieren lassen.<\/p>\n<p> Von Heinrich Schwazer<\/p>\n<p> Gr\u00fcnde f\u00fcr Nostalgie g\u00e4be es zuhauf. Der kleine Grenzverkehr an der &#8222;Unrechtsgrenze&#8220; &#8211; die S\u00fcdtiroler kauften dr\u00fcben Bananen und Benzin, die Tiroler deckten sich h\u00fcben mit Pirellipatschen, Mortadella und Kalterersee Spezial ein &#8211; hat den Wohlstand des Wipptals auf beiden Seiten jahrzehntelang gesichert. Damals erforderte der Kick, ungefilzt \u00fcber den Brenner zu kommen, eine bestimmte Intelligenz der Anpassung an die Beamtenmentalit\u00e4t, jetzt gen\u00fcgt eine gewisse Vorsicht vor der Radarfalle. Heute \u00fcber den Brenner zu fahren ist wie \u00fcber die eigene Schulter durch die Scheibe einer zugeschlagenen T\u00fcr zur\u00fcckzuschauen. Seit Italien und \u00d6sterreich am 31. M\u00e4rz 1998 mit dem Inkrafttreten des Schengen-Abkommens die Grenzkontrollen am Brenner aufgehoben haben, ist der einst gef\u00fchlskontaminierte Ort in einem Jenseits der Leidenschaften beheimatet. Die Zollh\u00e4user und die Polizei-Amtsr\u00e4ume rund um den Schlagbaum sind seitdem verwaist. Seine politische Symbolkraft und auch einen Gro\u00dfteil seiner wirtschaftlichen Bedeutung hat der Brenner v\u00f6llig eingeb\u00fc\u00dft. Nach Abzug der &#8222;Grenzer&#8220; lebt in der Ortschaft nur noch eine Handvoll Menschen. Trotz der optimistischen Aufrufe nach dem Fall der Schlagb\u00e4ume &#8211; &#8222;jetzt w\u00e4chst zusammen, was zusammengeh\u00f6rt&#8220; &#8211; leben die Menschen weiterhin ganz heimisch auf der einen oder anderen Seite. Und noch immer ist es hier weniger als anderswo ein Problem, von au\u00dferhalb zu kommen, ein Zugezogener zu sein, ein Fremder. Das waren hier irgendwann die meisten selbst. Die Aufhebung der Grenze schafft die Grundlage f\u00fcr eine neue Konzentration auf diesen Ort, und einmal mehr wirken K\u00fcnstler als Vorhut. Der Geschichts-M\u00fcll wird zum Rohstoff der Kunst, aus dem Weggeworfenen wird Neues und Eigenes. Nicht aus nostalgischen Gr\u00fcnden, nicht als Klage \u00fcber einen Verlust, sondern als Ausdruck k\u00fcnstlerischer Ortsergreifung, in dem auch die Wiederkehr des Entsorgten mitgedacht ist. Mit Blick auf den bevorstehenden Fall der EU-Ostgrenzen, der weitere Schlagb\u00e4ume \u00fcberfl\u00fcssig machen wird, lassen K\u00fcnstler, Zeitzeugen und Historiker den Brenner mit seinen Zollh\u00e4usern, seinen Polizeistationen und seinem Grenzbahnhof am Wochenende vom 30. August bis zum 1. September 2002 noch einmal aufleben.<\/p>\n<p> Geboten werden Kunstaktionen, F\u00fchrungen, Zeitzeugenberichte, historische Filmeinspielungen, Musik, Information und Unterhaltung. Veranstalter des grenz\u00fcbergreifenden multimedialen Kultur-Events, das zur Aufwertung der Brennerregion beitragen will, sind das Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter (Bozen), die Gruppe &#8222;Lurx &#8211; Verein f\u00fcr Kunst und Kultur am Brenner&#8220; und die Gemeinde Brenner Gossensa\u00df in Zusammenarbeit mit anderen ehrenamtlichen Kultureinrichtungen und \u00f6ffentlichen Institutionen. In ihrer kulturellen Intention kn\u00fcpft die Veranstaltung an das Interreg-Projekt &#8222;Technische Kulturmeile Nord\/S\u00fcd&#8220; an, f\u00fcr das am Brenner der offizielle Startschuss fallen wird. Ein weiteres Interreg-Projekt sieht die Schaffung eines musealen Ortes im ehemaligen \u00f6sterreichischen Zollhaus unter dem Motto &#8222;Tirol und S\u00fcdtirol unter einem Dach&#8220; vor.<\/p>\n<p> Das Programm<\/p>\n<p> Kunst und K\u00fcnstler an der ehemaligen Grenze<br \/> &#8222;Schubhaft&#8220; nennt sich das Kunstprojekt des Tirolers Franz Wassermann in den einstigen Amtsr\u00e4umen der italienischen Staatspolizei mit Blickkontakt zum \u00f6sterreichischen Zollhaus. Die dort ausgestellten Terrografien von Ekkeland G\u00f6tze aus M\u00fcnchen sind mit Erde aus dem Norden und dem S\u00fcden gearbeitet. Valentin Goderbauer, M\u00fcnchen, hat sich f\u00fcr seine Installation &#8222;Was bleibt, ist die Erinnerung&#8220; die Grenzabfertigungskabine ausgesucht, wo noch heute anl\u00e4sslich au\u00dferordentlicher Ereignisse wie dem G8-Gipfel Personalausweise und P\u00e4sse kontrolliert werden. Der S\u00fcdtiroler Aktionsk\u00fcnstler Matthias Sch\u00f6nweger hinterfragt die Symbolik der Grenzen in seiner Arbeit &#8222;Der Stoff, aus dem die Fahnen sind&#8220;. Die Gruppe &#8222;Lurx &#8211; Verein f\u00fcr Kunst und Kultur am Brenner&#8220; stellt sich mit einer Gruppenausstellung vor. Bei der akustischen Performance &#8222;Sadobre&#8220; im ehemaligen \u00f6sterreichischen Zollhaus flie\u00dfen der Live-Vortrag eines Textes und vorproduzierte Einspielungen ineinander. Autor ist der aus S\u00fcdtirol stammende und in Berlin lebende Toni Bernhart. Die verschiedenen Inputs \u00fcberlagern sich bei diesem Experiment mehrfach, die Ton- und Klangregie liegt bei Dirk Schwibbert aus Berlin. Unter dem Titel &#8222;scalini 84 Stufen&#8220; laden der S\u00fcdtiroler Peter Kaser (der auch das Plakat des Kulturevents entworfen hat) und Hans Winkler aus Berlin an einen Kunstort rund um einen Wasserfall und eine ehemalige Bunkeranlage. Hier ist au\u00dferdem eine literarische Installation von Kurt Lanthaler (2001) zu sehen. Der Meraner Franz Pichler er\u00f6ffnet am 21. September um 16.00 Uhr im Rahmen von &#8222;scalini 84 stufen&#8220; eine Installation unter dem Titel &#8222;anschluss-coincidenza&#8220;. Grenz\/Erfahrungen, eine filmische Zeitreise Filmclub Bozen und Cinematograph Innsbruck f\u00fchren die Geschichte des Grenz\u00fcberganges in Filmdokumenten vor, darunter historische Wochenschauaufnahmen vom Treffen Hitler-Mussolini am 18. M\u00e4rz 1940. Projiziert wird auf die Fassade der italienischen Polizeikaserne.<\/p>\n<p> Alltagsgeschichte: Grenzer erinnern sich Ehemalige italienische und \u00f6sterreichische Zollbeamte, Grenzpolizisten und Eisenbahner erz\u00e4hlen von ihrem Dienst am Brenner. Das verlassene italienische Zollhaus, das einem Auffangparkplatz weichen soll, bietet ein eindrucksvolles Ambiente f\u00fcr diese Zeitzeugenberichte. Wie sich der Alltag am Grenzbahnhof abspielt, f\u00fchrt der italienische Eisenbahner-Freizeitverein bei einem Schnuppertag vor. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Besucher den am Brenner immer noch obligaten Lokwechsel miterleben.<\/p>\n<p> &#8222;Brennerw\u00fcrstel&#8220; und &#8222;pasta e fasoi&#8220;<br \/> Der Halt beim W\u00fcrstelstand ist f\u00fcr Brenner-Liebhaber genauso selbstverst\u00e4ndlich wie ein Teller pasta und ein Glas Wein, bevor die Reise weitergeht. Die Wirte und Kaufleute vom Brenner servieren ihre Spezialit\u00e4ten zum Selbstkostenpreis. Organisiert wird dieses ganzt\u00e4gige Buffet vom italienischen Alpenverein CAI.<\/p>\n<p> Musik<br \/> Ein Open Air an der ehemaligen Staatsgrenze bildet am Freitag, 30. August, ab 18.00 Uhr den Auftakt zum Brenner-Event. Live-Musik, Unterhaltung und k\u00fcnstlerische Einlagen werden von der Sterzinger Gruppe Juvenilia geboten. Tags darauf laden Alex Trebo und Bruno Zucchermaglio zu einem Musikprojekt ein, das ebenfalls um das Thema Grenze kreist.<\/p>\n<p> F\u00fchrung auf den Spuren des historischen Brenner-Tourismus<br \/> Die Veranstaltung endet am Sonntag, 1. September, mit einer Tour auf den Spuren des historischen Panorama- und Badetourismus am Brenner. Die Ausblicke dieses &#8222;Tores zum S\u00fcden&#8220; erlebt man entlang der inzwischen<br \/> stillgelegten Eisenbahnstrecke von anno 1867. Der Lokalhistoriker G\u00fcnther Ennemoser leitet diese F\u00fchrung mit abschlie\u00dfendem Besuch von typischen Brenner-Gasth\u00e4usern im Hinterland der Grenze.<\/p>\n<p> Familientipp<br \/> 31.8.02, ab 15.00 Uhr, Schnuppertag am Bahnhof Brenner, angeboten vom Eisenbahnerfreizeitverein\/Dopolavoro ferroviario zum Kennenlernen des Alltags am \u00f6sterreichisch-italienischen Grenzbahnhof auf \u00fcber 1.300 Seeh\u00f6he,<br \/> u.a. mit: Blick in die Fahrdienstleitung, Besuch im Stellwerks-Turm, Lokwechsel, der wegen des unterschiedlichen Stromsystems \u00d6sterreich\/Italien noch immer obligat ist, Demonstrationsfahrt einer Verschublok &#8230; Gef\u00fchrt wird in Gruppen von 15.00 bis 20.00 Uhr, Eltern haften f\u00fcr ihre Kinder.<br \/> Ausk\u00fcnfte: Eisenbahnerfreizeitverein\/Dopolavoro ferroviario, Pr\u00e4sident Rudi Plank<\/p>\n<p> Brennergrenze (Computerprint von Peter Kaser): Der einst gef\u00fchlskontaminierte Ort ist heute in einem Jenseits der Leidenschaften beheimatet<br \/> Neue S\u00fcdtiroler Tageszeitung<br \/> Dienstag, 3. September 2002 &#8211; Nr. 175\/10. Jg.<\/p>\n<p> Am Brennerstrand<br \/> Br\u00f6ckelnde Fassaden, Schmugglervergangenheiten und Plastiksoldatenmassaker: Zum Wochenende trafen<br \/> sich am Brenner Politiker und K\u00fcnstler um \u00fcber die Zukunft des Ortes nachzudenken.<\/p>\n<p> Von Heinrich Schwazer<\/p>\n<p> Kunst kann sich nur zwecklos n\u00fctzlich machen und meist ist auf sie kein Verla\u00df. W\u00e4hrend die zahlreich eingetroffenen Politiker am Brenner zwischen br\u00f6ckelnden Fassaden noch \u00fcber die Segnungen der aufgehobenen Schlagb\u00e4ume und ihre eigene Schmugglervergangenheit schwadronierten, laborierte ein paar Meter weiter der Meraner K\u00fcnstler Matthias Sch\u00f6nweger schon eifrig an der Demontage der Sonntagsreden. Im Schatten des &#8222;Fungo&#8220; leerte er seinen Rucksack mit Tirolensien, Peitschen und einen Haufen Kriegsspielzeug aus Plastik aus. Rund um seinen Russenflohmarkt baute er kleine Elektrokocher auf, legte sich einen Messmantel um und segnete seine Soldaten mit reichlich Weihrauch. Danach verheizte er sie buchst\u00e4blich und unter grauenhaftem Gestank und ebenso s\u00fc\u00dfen Heimatkl\u00e4ngen von einem 60er-Jahre-Grammophon auf den hei\u00dfen Herdplatten. Sch\u00f6nwegers Plastiksoldaten-massaker beim vom Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter und dem Wipptaler Kunst- und Kulturvereins Lurx organisierten Brennerevent &#8222;Brenner, Kultur ohne Grenzen&#8220; vom vergangenen Wochenende war<br \/> nicht der einzige k\u00fcnstlerische Kontrapunkt zu der seit dem Schengen-Abkommen gebetsm\u00fchlenhaft behaupteten Grenzenlosigkeit Europas. Auch der Tiroler K\u00fcnstler Franz Wassermann entlarvte mit seiner Installation &#8222;Schubhaft&#8220; das zur Festung umgebaute grenzenlose Europa. Mit notd\u00fcrftigen Zelten, Plakaten und toppschildern errichtete Wassermann, der seit 2001 \u00f6ffentliche Orte in \u00d6sterreich f\u00fcr Menschen in Schubhaft besetzt, in einem Zubau zu den Amtsr\u00e4umen der italienischen Staatspolizei mit Blickkontakt zum \u00f6sterreichischen Zollhaus, einen symbolischen Schutzraum vor Verfolgung, Vertreibung, Vergewaltigung, Mord oder wirtschaftlicher Ausweglosigkeit. Ironischer ging es Valentin Goderbauer aus M\u00fcnchen an. Er zeigte im &#8222;Fungo&#8220; eine Erinnerungsarbeit aus Heizradiatoren in den deutschen Nationalfarben und gr\u00fcnwei\u00dfroten Badet\u00fcchern, die unterm Dach zum Trocknen ausgeh\u00e4ngt waren. Botschaft: \u00d6sterreich gab es in der bundesdeutschen Touristenperspektive nicht und am Brenner beginnt der Strand. Wunderbar sarkastisch brachte das K\u00fcnstlerduo &#8222;Kraxentrouga Artbrothers&#8220;, vulgo Armin Mutschlechner und Luis Seiwald, den Befund auf den Punkt, dass auch am Brenner trotz aufgehobener Schlagb\u00e4ume ein real existierendes Grenz-Gef\u00fchl \u00fcberlebt hat. In einer Fotoarbeit mit dem dialektalen Titel &#8222;Grenzen-lous\u00b4n&#8220; lauschen die beiden mit dem Kopf auf den Geleisen der &#8222;Grenzenlosigkeit&#8220; nach. In den restlichen Arbeiten war von der schmerzhaften Ruptur, die diesen Ort von seiner Geschichte trennt, wenig zu sp\u00fcren. Ekkeland G\u00f6tze aus M\u00fcnchen zeigt im \u00f6sterreichischen Zollhaus seine Terragrafien, mit denen er auf sehr poetische Weise die unterschiedlichen kulturellen, geologischen oder politischen Bedeutungen der Orte in eine objektiven Form zu bringen versucht. Die monochromen Bl\u00e4tter, deren Erden er am Amazonas und in den USA entnommen hat, h\u00e4ngen auf einer W\u00e4scheleine und k\u00f6nnen nur durch die Fenster betrachtet werden. Wer um das Geb\u00e4ude herumgeht, begibt sich quasi auf eine Reise von Norden nach S\u00fcden. Wenig bis gar nicht haben sich die K\u00fcnstler der lokalen K\u00fcnstlergruppe vom Verein Lurx mit den konkreten Gegebenheiten des Brenners auseinandergesetzt. Karl Volgger, Johannes St\u00f6tter, Robert Engl , Damir Lukic, Pepi Seidner und Christoph Volgger benutzten die R\u00e4ume schlicht als Galerie. Als Hinweis, dass es im Wipptal wenig bis keine Gelegenheiten zum Austellen gibt, mag das gen\u00fcgen, aber mehr als Dekoration war das nicht. Eine verpasste Gelegenheit.<\/p>\n<p> Was bleibt vom Brennerevent? Die Erkenntnis, dass nach dem Grenzsterben von der Grenze die Grenzkultur bleibt, die ihrem musealen Charakter nur durch Events entgehen kann? Der Politik dauert der Abschied von der Grenzfolklore sowieso schon zu lang und man entwirft bereits &#8222;lebendige Rastst\u00e4tten&#8220;. Die Erinnerungsarbeit bliebe damit der immobilen Hinterlassenschaft. Sofern sie<br \/> \u00fcberlebt.<br \/> Neue S\u00fcdtiroler Tageszeitung<br \/> Mi 4.9.2002 Nr. 176<\/p>\n<p> Schmuggler unter sich<br \/> Ein bisschen Nostalgie nach der Grenze hat die Grenzenlosigkeit doch noch \u00fcbrig gelassen &#8211; zumindest die Nostalgie nach dem Adrenalinsto\u00df beim Schmuggeln. Seit dem Schengen-Abkommen ist von diesem Kick bekanntlich nur mehr die Furcht vor der Radarfalle \u00fcbrig geblieben und bei den ehemaligen Grenzg\u00e4ngern die Lust, alte Schmugglergeschichten zu erz\u00e4hlen. Die ideale Gelegenheit daf\u00fcr bot das Brennerevent vom vergangenen Wochenende und diese wurde von den zahlreichen Politikern auch weidlich genutzt. Von Landesrat Bruno Hosp, \u00fcber Michl Laimer bis Ferdinand Eberle outeten sich alle freim\u00fctig als ehemalige Kleinschmuggler.<br \/> \u00d6sterreichische Medien<br \/> Kronenzeitung vom 31.8.2002-09-13<\/p>\n<p> Internationale K\u00fcnstlerschar stellt heute und morgen in den Ex-Zollh\u00e4usern aus<\/p>\n<p> Grenze um Grenzen zu verschieben<\/p>\n<p> Der Brenner &#8211; Symbol der Trennung von Nord- und S\u00fcd, Tor zu Italien und mittlerweile Geschichte und Grenzruine. Um diesen besonderen Ort wieder etwas in den Mittelpunkt zu stellen, inszeniert der Verein LURX heute und morgen ein sehenswertes Kultur-Event. An der Grenze soll Kunst helfen, (geistige) Grenzen zu verschieben.<br \/> Das Zusammenspiel der verschiedenartigsten Bauten und seine Geschichte machen das besondere Flair des Brenners aus. Aber niemand wei\u00df, was mit diesem besonderen Ort geschehen soll. &#8222;Auch wir bieten keine L\u00f6sungen an&#8220;, gesteht Initiator Peter Kaser, K\u00fcnstler aus Gossensass und Pr\u00e4sident des Vereines LURX, &#8222;aber wir wollen, dass man ein wenig \u00fcber die Situation sinniert, im positiven Sinn&#8220;.<br \/> Internationale K\u00fcnstler &#8211; vom Dresdner Ekkeland G\u00f6tze \u00fcber den M\u00fcnchner Valentin Goderbauer bis zum Innsbrucker Franz Wassermann und dem Meraner Matthias Sch\u00f6nweger &#8211; zeigen in den seltsam wirkenden R\u00e4umlichkeiten ihre Arbeiten. Das Event steigt heute und morgen &#8211; die Ausstellung von Ekkeland G\u00f6tze ist einen Monat zu sehen.<\/p>\n<p> SL. Ruef<br \/> Bezirksblatt vom 4. September 2002 &#8211; Tamara Kainz Seit das Schengen-Abkommen 1998 in Kraft getreten ist, ist aus den ehemals florierenden Handels- Wirtschafts- und Verkehrstummelplatz Brenner ein relativ ruhiger Ort geworden. Einen Beitrag daf\u00fcr, dass das Grenzdorf nicht &#8222;ausstirbt&#8220; liefern jetzt Kulturinitiativen des n\u00f6rdlichen und s\u00fcdlichen Wipptals. Unter dem Motto &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; oder &#8222;Senza Confini&#8220; wurden vergangenes Wochenende Kulturinstallationen in den ehemaligen Zollh\u00e4usern er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p> K\u00fcnstler, Zeitzeugen und Historiker versuchen also, den Brenner mit seinen Zollh\u00e4usern, seinen Polizeistationen und seinem Grenzbahnhof wieder aufleben zu lassen. Veranstalter des grenz\u00fcbergreifenden, multimedialen Kultur-Events, das zur Aufwertung der Brennerregion beitragen soll, sind das Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter (Bozen), die Gruppe &#8222;Lurx &#8211; Verein f\u00fcr Kunst- und Kultur am Brenner&#8220; und die Gemeinde Brenner Gossensass in Zusammenarbeit mit dem Leader+ Verein Wipptal.<\/p>\n<p> Brenner soll revitalisiert werden<br \/> Leader + Beauftragter Mag. Josef Baumann erwartet sich von dieser Neuheit so einiges: &#8222;Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass man auf diesem Areal mehrmals j\u00e4hrlich Kulturveranstaltungen durchf\u00fchrt. Das Einzugsgebiet ist meiner Meinung nach ein gro\u00dfes. Es reicht von Innsbruck bis Bozen. Der Brenner soll mit derartigen Projekten belebt und revitalisiert werden.&#8220; Der offizielle Startschuss ist also gefallen, namhafte K\u00fcnstler stellen bereits einige ihrer Exponate in den Zollh\u00e4usern aus. Unter riesigem Medieninteresse haben auch zahlreiche Politiker ihre Unterst\u00fctzung und Anerkennung f\u00fcr dieses Kulturprojekt bekundet.<\/p>\n<p> Grenzen aus dem Kopf verbannen.<br \/> LH-Stv. Ferdinand Eberle, italienische Landesr\u00e4te sowie die B\u00fcrgermeister Christian Ehgartner (Brenner-Gossensass) und Willi Sch\u00f6pfer (Gries) &#8211; sie alle waren sich einig: &#8222;Die Ausstellungsr\u00e4ume bilden eine Bereicherung f\u00fcr den Grenzort. Man muss endlich lernen, ohne Grenzen zu leben, diese Richtung ist also die richtige und ein erster Schritt, die Grenze aus dem Kopf zu verbannen.&#8220;<\/p>\n<p> Der Meraner Aktionsk\u00fcnstler Matthias Sch\u00f6nweger sorgte auch am Brenner f\u00fcr Aussehen. Sein inhaltsreiches &#8222;Projekt&#8220; anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung nannte sich &#8222;Fahnenflucht&#8220;.<\/p>\n<p> Bezirksblatt vom 28.08.2002 KULTUR ohne GRENZEN<br \/> Am 30.8., 31.8. und 1.9. 2002 findet am Grenz\u00fcbergang Brenner ein multimediales Kulturevent statt, bei dem der Regionalentwicklungsverein Wipptal als Veranstaltungstr\u00e4ger beteiligt ist.<br \/> Was nun mit Grenz\u00fcberg\u00e4ngern, die ausgedient haben? Mit Inkrafttreten des Schengen-Abkommens haben Italien und \u00d6sterreich am 31.8.1998 die Grenzkontrollen am Brenner aufgehoben. Die Zollh\u00e4user sind seitdem verwaist. Warum sie nicht als Veranstaltungsort der etwas anderen Art verwenden.<br \/> &#8222;Schubhaft&#8220; nennt sich das Kunstprojekt von Franz Wassermann in den Amtsr\u00e4umen der italienischen Grenzpolizei, Ekkeland G\u00f6tze aus M\u00fcnchen stellt dort seine Terrografien aus. Er hat sich f\u00fcr seine Installation &#8222;Was bleibt, ist die Erinnerung&#8220; die Grenzabfertigungskabine ausgesucht, der Aktionsk\u00fcnstler Matthias Sch\u00f6nweger hinterfragt die Symbolik der Grenzen in seiner Arbeit &#8222;Der Stoff, aus dem die Fahnen sind&#8220;, uva.<br \/> Die Kunstaktionen werden vom Historiker Hans Heiss, vom Kulturpublizisten Heinrich Schwazer und von der Kunstkritikerin Edith Schlocker pr\u00e4sentiert.<br \/> Die Veranstalter freuen sich auf zahlreiche Besucher.<br \/> Donnerstag, 29.08.2002 CHRONIK KURIER 10<br \/> von Isolde Zwerger<br \/> Was tun mit Grenz\u00fcberg\u00e4ngen die ausgedient haben? Mit In-Kraft-Treten des Schengen-Abkommens wurden am 31. M\u00e4rz 1998 auch die Grenzkontrollen am Brenner aufgehoben. Seither -nach Abzug der \u201eGrenzer\u201c &#8211; leben in der Ortschaft nur noch eine Hand voll Menschen. Das soll sich aber bald \u00e4ndern &#8211; auch wenn es nur f\u00fcr ein Wochenende ist.<br \/> MULTIMEDIALER EVENT Vom 30. August bis zum 1. September wollen K\u00fcnstler, Zeitzeugen und Historiker &#8211; auch mit Blick auf den bevorstehenden Fall der EU-Ostgrenzen &#8211; den Brenner mit seinen Zollh\u00e4usern, Polizeistationen und dem Grenzbahnhof noch einmal aufleben lassen.<br \/> F\u00fcr den multimedialen Kulturevent \u201eKultur ohne Grenzen \/ Cultura senza Confini\u201c hat eine internationale K\u00fcnstlerschar das Thema Grenze aufgegriffen und wird nun am kommenden Wochenende mit Installationen und Aktionen die verschiedensten Assoziationen bei den Besuchern wecken.<br \/> Dass Grenzverschiebungen immer weitere Grenzverschiebungen und damit Kriege zur Folge haben, will etwa der Meraner Matthias Sch\u00f6nweger &#8211; zum Auftakt der Veranstaltung &#8211; mit seiner Installation \u201eDer Stoff, aus dem die Fahnen sind\u201c zum Ausdruck bringen.<br \/> \u201eSCHUBHAFT\u201c Der Innsbrucker Franz Wassermann pr\u00e4sentiert sein Projekt \u201eSchubhaft\u201c: Seit dem 6. Dezember 2001 besetzt er &#8211; symbolisch &#8211; f\u00fcr Menschen, die sich in Schubhaft befinden, \u00f6ffentliche R\u00e4ume. Aber auch Ekkeland G\u00f6tze, Valentin Goderbauer und Toni Bernhart setzen k\u00fcnstlerische Signale.<br \/> Peter Kaser und Hans Winkler haben den Kunstort \u201escalini 84 stufen\u201c angelegt. In dieses Projekt haben die beiden K\u00fcnstler einen Wasserfall und eine ehemalige Bunkeranlage, deren Schie\u00dfscharten auf den Brenner zielen, mit eingebaut. Der S\u00fcdtiroler Krimi-Autor Kurt Lanthaler will &#8211; mit einer literarischen Installation &#8211; dazu eine Br\u00fccke schlagen.<br \/> Bevor am Samstag um 10.30 Uhr die Veranstaltung offiziell er\u00f6ffnet wird, darf bereits am Freitag ab 18 Uhr mit einem Open Air, Graffiti-Kunst und Buffet gefeiert werden.<br \/> Tiroler Tageszeitung<br \/> Aufwertung des Brenners<\/p>\n<p> Wie kann der Brenner aufgewertet werden?<\/p>\n<p> BRENNER (ea). Darum ging es am Wochenende in einer Veranstaltung am Brenner, organisiert vom S\u00fcdtiroler Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter und der Kunstgruppe Lurx. Vor allem eine museale Nutzung der ehemaligen Geb\u00e4ude von Polizei- und Zollwache wird immer wieder angeregt. So soll laut Willi Sch\u00f6pfer, B\u00fcrgermeister von Gries a.Br., im Rahmen eines EU-Projekts im \u00f6sterreichischen Zollhaus ein Museum f\u00fcr Moderne Tiroler Kunst eingerichtet werden. LHStv. Ferdinand Eberle und der S\u00fcdtiroler Kultur-LR Bruno Hosp betonten ihre Hoffnung, die beiden Brenner-Gemeinden m\u00f6gen noch enger zusammenwachsen.<\/p>\n<p> 2002-09-01 19:47:54<br \/> Tirol Online Der verwaiste Brenner als musealer Ort<br \/> \u00dcber M\u00f6glichkeiten einer Aufwertung der verwaisten Grenze machte man sich im Rahmen einer Kulturveranstaltung am Brenner Gedanken.<\/p>\n<p> Von ELMAR AUSSERER<\/p>\n<p> BRENNER. Nach dem Inkrafttreten des Schengen-Abkommens haben \u00d6sterreich und Italien am 31. M\u00e4rz 1998 die Grenzkontrollen am Brenner aufgehoben. Die Gemeinde Brenner ist seitdem in eine Art Dornr\u00f6schenschlaf versunken. Ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung am Brenner ist abgezogen, und die Zollh\u00e4user und Amtsr\u00e4ume der Polizei rund um den Schlagbaum sind seitdem verwaist.<\/p>\n<p> Kultur ohne Grenzen<\/p>\n<p> Der Brenner Wochenmarkt, fr\u00fcher ein fixer Termin f\u00fcr die Grenzg\u00e4nger aus Nordtirol, f\u00fchrt seit der Euro-Einf\u00fchrung ein Schattendasein. Der Wein und die \u00c4pfel, welche die Italienurlauber am Grenz\u00fcbergang mit den letzten Lire-Scheinen ausgegeben haben, kosten heute in Innsbruck gleich viel wie am Brenner. Die politische Symbolkraft der &#8222;Unrechtsgrenze&#8220; ist heute fast unsichtbar geworden.<br \/> Das Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter aus S\u00fcdtirol und die Kunstgruppe &#8222;Lurx&#8220; haben am vergangenen Samstag und Sonntag in einer grenzen\u00fcbergreifenden Veranstaltung &#8222;Kultur ohne Grenzen&#8220; am Brenner das Thema Grenze noch einmal aufgegriffen und auch Anregungen f\u00fcr eine m\u00f6gliche Aufwertung der Brennerregion gegeben. Schon seit Jahren wird dar\u00fcber diskutiert, wie man die ehemaligen Geb\u00e4uden der Polizei- und Zollwache nutzen kann.<\/p>\n<p> Erinnerungen<\/p>\n<p> Vor allem eine museale Nutzung der Geb\u00e4ude wurde immer wieder angeregt. So soll laut Willi Sch\u00f6pfer, BM von Gries am Brenner, im Rahmen eines Interreg-II-Projekts im aufgelassenen \u00f6sterreichischen Zollhaus ein Museum f\u00fcr Moderne Tiroler Kunst eingerichtet werden. Noch nicht so ausgereift sind die Pl\u00e4ne hingegen f\u00fcr das aufgelassene Zollhaus auf italienischer Seite. Ein Abriss ist des v\u00f6llig verwaisten Hauses wird daher immer wahrscheinlicher.<\/p>\n<p> Die Zeit vor der Beseitigung des Schlagbaumes beschrieben Zeitzeugen wie der \u00f6sterreichische Gemeindearbeiter Josef Pitterl und der italienische Kaufmann Primo Sief. Ihre zum Teil wehm\u00fctigen Erinnerungen w\u00fcrzten sie mit einigen am\u00fcsanten Anekdote. In den ehemaligen Zollgeb\u00e4uden waren Kunstinstallationen von Franz Wassermann, Ekkeland G\u00f6tze und der Wipptaler Kunstgruppe &#8222;Lurx&#8220; eingerichtet.<br \/> Ein Happening von Matthias Sch\u00f6nweger vor dem ehemaligen italienischen Zollh\u00e4uschen, der Kriegsspielzeug verbrannte, lenkte die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Urlauber auf sich.<\/p>\n<p>    {mospagebreak heading=Lebendige Rastatte?&#038;title=Weitersurfen} <\/p>\n<h1>Das Brennerevent im Internet:<\/h1>\n<p> Die Seite rund um die Veranstaltung: Brennerevent online<br \/> Das Echo der Presse war enorm &#8211; hier gehts zu den Artikeln: Was die Presse schrieb<br \/> Die beteiligten K\u00fcnstler und Partner: http:\/\/www.hallo.com\/brennerevent\/partner.htm<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 30. August bis zum 1. 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