{"id":183473,"date":"1999-11-30T00:00:00","date_gmt":"1999-11-29T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/1999\/11\/30\/die-geschichte-der-kohlererbahn\/"},"modified":"1999-11-30T00:00:00","modified_gmt":"1999-11-29T23:00:00","slug":"die-geschichte-der-kohlererbahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/1999\/11\/30\/die-geschichte-der-kohlererbahn\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Kohlererbahn"},"content":{"rendered":"<p>In Zusammenarbeit mit den f\u00fchrenden Firmen im Bahnsektor untersuchte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Gastwirt Josef Staffler aus Bozen verschiedene M\u00f6glichkeiten, um Kohlern mit dem Bozner Talkessel zu verbinden.<br \/>Bereits im Jahre 1900 legte die \u00f6sterreichische Firma Roessemann &#038; K\u00fchnemann ein Projekt f\u00fcr eine Einseil-Umlaufgondelbahn vor. Im darauffolgenden Jahr wurde der Bau einer Standseilbahn er\u00f6rtert, ein Projekt, das schlussendlich wegen zu hoher Kosten nicht verwirklicht werden konnte. Im Mai 1905 genehmigten die Beh\u00f6rden die Errichtung eines elektrisch betriebenen Lastenaufzugs f\u00fcr den Transport von Material, nicht aber von Personen. Die Firma Haase und Sohn aus Graz lieferte daf\u00fcr 10 h\u00f6lzerne Portalst\u00fctzen und einen 45 PS starken  Elektromotor. Erst nach weiteren m\u00fchevollen Versuchen, die Beh\u00f6rden von einer Schwebebahn f\u00fcr Personen zu \u00fcberzeugen, erfolgte die Genehmigung des Projektes im J\u00e4nner 1907. Die erste Kohlererbahn wurde von der Simmeringer Maschinen und Waggonbau Fabrik Ag unter der Leitung von Ing. Haas verwirklicht. Mit dieser neuartigen Bahnverbindung sollten 6 Personen im Pendelbetrieb den H\u00f6henunterschied von 795 m zwischen Bozen und Kohlern bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p> Bevor die neue Aufstiegsanlage f\u00fcr den Personenverkehr freigegeben wurde, verlangte die Bezirkshauptmannschaft Bozen  weitere gezielte Sicherheitsvorkehrungen und eine Fangvorrichtung, die im Falle eines Zugseilbruches die Gondel auffangen sollte.<br \/> Nach Erf\u00fcllung der Auflagen, wurde am 27. Juni 1908 die weltweit erste Seilschwebebahn von Bozen nach Kohlern f\u00fcr fahrtauglich befunden und am 29. Juni 1908 f\u00fcr den Personenverkehr er\u00f6ffnet. <\/p>\n<p> \u00c4hnlich wie die Bahn wurden 1908 auch die Stationsvorrichtungen der Materialseilbahn in einem Umbau den Anforderungen der Personenseilschwebebahn angepasst. Pl\u00e4ne dieser Konstruktionen sind nicht mehr auffindbar. Erhalten geblieben sind hingegen die von Fr. Pranghofer (1907) gefertigten Planzeichnungen f\u00fcr eine Berg- und eine Talstation der Kohlererbahn, die jedoch unverwirklicht geblieben sind.<br \/> Fotografien der Stationsgeb\u00e4ude belegen, dass die Wagenhalle der Berg- und der Talstation jeweils durch ein geneigtes Pultdach abgeschlossen war und somit ein wichtiges architektonisches Gestaltungselement sp\u00e4terer Stationsgeb\u00e4ude aufwies.<\/p>\n<p> Der beliebten Kohlererbahn war kein langes Gl\u00fcck beschieden. Das k. u. k.-Eisenbahnministerium, dem die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Seilschwebebahnen \u00fcbertragen worden war, forderte neue Sicherheitsauflagen. Aus diesem Grund wurde nach nur zwei Jahren am 1. Oktober 1910 der Betrieb der Kohlererbahn und auch der des Gasthofes Kohlern wieder eingestellt. <\/p>\n<p> Es spricht f\u00fcr die unternehmerische Weitsicht des Betreibers, dass er auf diese amtliche Verf\u00fcgung weder mit behelfsm\u00e4\u00dfigen Sicherungsma\u00dfnahmen noch mit Resignation reagierte, sondern eine neue Bahn mit deutlich h\u00f6herer F\u00f6rderleistung in Auftrag gab. Bereits zu Beginn des Jahres 1911 wurde ein von der Firma Bleichert &#038; Co entwickeltes Bahnprojekt genehmigt und Mitte April desselben Jahres mit den Bauarbeiten begonnen. Dabei leistete die noch stehende und funktionst\u00fcchtige ?alte Kohlererbahn? wertvolle Hilfe als Materialseilbahn.<br \/> Im Zuge dieser Bauarbeiten wurde die Talstation ca. 150 m nach unten verlegt und in dem von Architekt August Fingerle entworfenen Stationsbau untergebracht. Obwohl die neuerrichtete Bahn bereits im Sp\u00e4tsommer 1912 betriebsfertig gewesen w\u00e4re, folgten umfangreiche Pr\u00fcfungen durch das Eisenbahnministerium, das bei dieser Gelegenheit neue Vorschriften f\u00fcr Seilschwebebahnen festgesetzt hatte und somit von Josef Staffler weitere Sicherheitsvorkehrungen forderte. Als auch die zuletzt geforderten Auflagen erf\u00fcllt waren, f\u00fchrte das Eisenbahnministerium eine Reihe von Testfahrten durch, um Richtwerte f\u00fcr die Ausarbeitung von technischen Vorschriften f\u00fcr Seilschwebebahnen zu ermitteln. Nach der abschlie\u00dfenden polizeilich-technischen Besichtigung durch den Stadtmagistrat von Bozen konnte die zweite Kohlererbahn am 10. Mai 1913 den Fahrbetrieb aufnehmen.<\/p>\n<p> Die Stationsgeb\u00e4ude der 1912 errichteten Zweiseilpendelbahn wurden nach Entw\u00fcrfen des in M\u00fcnchen geborenen und seit 1906 in Bozen ans\u00e4ssigen Architekten August Fingerle erbaut. Nachdem Gustav Birkenstaedt mit den 1912 vollendeten Stationsgeb\u00e4uden der Vigiljochbahn einen funktionalen Prototypen geschaffen hatte, war Arch. Fingerle als n\u00e4chster mit der neuen Bauaufgabe konfrontiert. Es galt, eine den technischen Anforderungen entsprechende L\u00f6sung zu finden und diese in ein ansprechendes \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild zu kleiden. <\/p>\n<p> Wertanalyse:<br \/> Die Geschichte der Kohlererbahn zeigt beispielhaft die rasante Entwicklung der technischen und sicherheitstechnischen Standards: Erinnerte die erste Kohlererbahn noch weitgehend an eine f\u00fcr den Personentransport adaptierte Materialseilbahn, so war die ca. 3 Jahre sp\u00e4ter projektierte zweite Kohlererbahn eine in allen Details weiter ausgereifte Zweiseilpendelbahn mit innovativen Sicherheitsvorrichtungen.<\/p>\n<p> Das alpine Landschaftsbild verlangte nach einer Anpassung der Bahntechnik an das steile Gel\u00e4nde und f\u00f6rderte somit eine Entwicklung, die in direkter Linie von der klassischen Eisenbahn zur Personenseilschwebebahn f\u00fchrte. Die in den Jahren 1907\/08 entstandenen Bergbahnen um Bozen (Ritten und Guntschnaberg) markieren wichtige Entwicklungsschritte dieser bahntechnischen Eroberung des Steilgel\u00e4ndes. <br \/> So meisterte etwa die im Jahre 1907 er\u00f6ffnete Rittnerbahn (von Bozen nach Oberbozen und Klobenstein) im Abschnitt von Bozen nach St. Magdalena mit Hilfe eines Zahnstangengetriebes eine durchschnittliche Steigung von 22,2%. Deutlich gr\u00f6\u00dfere Steigungen konnten drahtseilgezogene Standseilbahnen, die das Prinzip des Gegengewichts nutzten, \u00fcberwinden. <br \/> So bew\u00e4ltigte die ebenfalls im Jahre 1907 in Betrieb genommene Standseilbahn von Bozen zur Virgl eine maximale Steigung von 70%. Doch erst das Prinzip der Seilschwebebahn, wie es mit der Kohlererbahn im Jahre 1908 begr\u00fcndet worden ist, vereinte entscheidende Vorteile in einem System: Seilschwebebahnen erlaubten gr\u00f6\u00dfere Freiheiten bei der Wahl der Bahntrasse, sie kamen ohne den kostspieligen Unterbau einer Standseilbahn aus und boten durch ihre Distanz zum Gel\u00e4nde einen weitaus besseren Schutz gegen Steinschlag und Lawinen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Zusammenarbeit mit den f\u00fchrenden Firmen im Bahnsektor untersuchte der gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Gastwirt Josef Staffler aus Bozen verschiedene M\u00f6glichkeiten, um Kohlern mit dem Bozner Talkessel zu verbinden.Bereits im Jahre 1900 legte die \u00f6sterreichische Firma Roessemann &#038; K\u00fchnemann ein Projekt f\u00fcr eine Einseil-Umlaufgondelbahn vor. 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