{"id":183491,"date":"2003-12-10T17:47:00","date_gmt":"2003-12-10T16:47:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2003\/12\/10\/pilotmodell-zur-erhaltung-der-bahnhoefe\/"},"modified":"2003-12-10T17:47:00","modified_gmt":"2003-12-10T16:47:00","slug":"pilotmodell-zur-erhaltung-der-bahnhoefe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2003\/12\/10\/pilotmodell-zur-erhaltung-der-bahnhoefe\/","title":{"rendered":"PILOTMODELL ZUR ERHALTUNG DER BAHNH\u00d6FE"},"content":{"rendered":"<p>Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter schl\u00e4gt sich f\u00fcr Pilotmodell zur Erhaltung der S\u00fcdtiroler Bahnh\u00f6fe Die Bahnh\u00f6fe in S\u00fcdtirol sind keineswegs von regionaler Bedeutung, sondern ein Markenzeichen im zusammenwachsenden Europa. Die Grundidee st\u00fctzt sich darauf, die Identifikation des Bahnhofs mit einfachen Mitteln m\u00f6glichst kompakt zu erhalten und diesen dabei nicht seiner Zeugnisse der Alltagskultur zu berauben Die insgesamt 58 Bahnh\u00f6fe der Strecken Brenner-Bozen \/ Franzensfeste-Innichen \/ Bozen-Salurn \/ Bozen-Meran und Meran-Mals stellen ein einzigartiges Ensemble technischer Bauwerke von europ\u00e4ischem Rang dar, f\u00fcr deren Erhalt S\u00fcdtirol verantwortlich ist. Das Kuratorium setzt sich daher f\u00fcr ein Erhaltungskonzept ein, das diesem einmaligen Baubestand als Ensemble besondere Rechnung tr\u00e4gt. Aktueller Anlass ist die von der Landesregierung beim Landesdenkmalamt angeforderte zus\u00e4tzliche Begr\u00fcndung betreffend die vom Denkmalamt vorgeschlagene umfassende Unterschutzstellung dieses einmaligen Baubestands. Neue Wege zur Erhaltung dieser technischen Kleinodien wurden und werden im Vinschgau in Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Denkmalamt und Kuratorium bereits angestrebt und erprobt. Anlass dazu war die von der Landesregierung nach anf\u00e4nglichem Z\u00f6gern dann doch genehmigte, relativ umfassende Unterschutzstellung interessanter Vinschgauer Bahnhofsstrukturen. Dass dabei auch neue Wege der Bahnhofsnutzungen gesucht werden m\u00fcssen, liegt auf der Hand, denn die \u00c4ra der sogenannten unbemannten Bahnh\u00f6fe (technische Automatisierung mit Stillegung von Fahrdienstleitungen und gewohnter Serviceeinrichtungen) hat keineswegs nur in S\u00fcdtirol neue Fakten geschafft. Daher hat das Kuratorium in einer eigenen Studie bereits erste Vorschl\u00e4ge unterbreitet, wie die bauliche Ausstrahlung der Bahnh\u00f6fe erhalten bleiben sollte und diese als technische Monumente und Kleindenkm\u00e4ler in neuem gesellschaftlichen Kontext des Verkehrs- und Kommunikationszentrums Bahnhof verst\u00e4ndlich und attraktiv gemacht werden k\u00f6nnten. S\u00fcdtiroler Pilotprojekt Die Grundidee st\u00fctzt sich darauf, die Identifikation des Bahnhofs mit einfachen Mitteln m\u00f6glichst kompakt zu erhalten und diesen dabei nicht seiner Zeugnisse der Alltagskultur zu berauben. Das Kuratorium schl\u00e4gt daher vor, typische Elemente wie aufgelassene Fahrkartenschalter und Gep\u00e4cksaufbewahrungen, aber auch andere Erinnerungsst\u00fccke wie Fahrpl\u00e4ne oder Stellwerke z. B. durch Einziehen von vandalensicheren Glasw\u00e4nden zu sichern und anhand von interaktiven Infos in Verbindung mit dem virtuellen Technikmuseum zu erkl\u00e4ren und zu vernetzen. Solche Schaubereiche sollten in den weiterhin \u00f6ffentlich bleibenden Fahrgastr\u00e4umen eingerichtet werden, etwa in Eingangshallen, Wartes\u00e4len, bestehenden Bars, neuen Pubs. Auf diese Weise k\u00f6nnte der gesamte einmalige historische Bahnhofsbestand einen sinnvoll und sensibel auf das jeweilige Bauwerk lokal abgestimmten Schutz erhalten, betont von den baulichen Juwelen Franzensfeste, Bozen, Meran, und Toblach sowie jene in der Erhebung des Kuratoriums aufgelisteten. Warum besonderer Schutz? 1825 fuhr die erste Eisenbahn (Stevenson) in Gro\u00dfbritannien. Bereits 1835 wurde die erste deutsche Eisenbahnstrecke zwischen N\u00fcrnberg und F\u00fcrth eingeweiht und schon 1838 wurde die erste \u00f6sterreichische Bahnstrecke mit Dampfbetrieb von Florisdorf bei Wien nach Deutsch-Wagram er\u00f6ffnet. Acht Jahre sp\u00e4ter wird eine Gesellschaft gegr\u00fcndet, die sich f\u00fcr den Bau einer Eisenbahnstrecke l\u00e4ngs der Linie Venedig-Bassano-Trient-Brenner einsetzen soll. Bereits 1854 beginnen dazu die Arbeiten f\u00fcr die Strecke Verona-Bozen, 1858 wird die Strecke M\u00fcnchen-Innsbruck in Betrieb genommen und in der Rekordzeit von nur drei Jahren wird zwischen 1864 und 1867 die Brennerbahn zwischen Innsbruck und Bozen gebaut, 1871 gefolgt von der Strecke durch das Pustertal. Zehn Jahre sp\u00e4ter entsteht die Verbindung Bozen-Meran und 1906 wird schlie\u00dflich die Linie Meran-Mals durch den Vinschgau er\u00f6ffnet. Damit ist S\u00fcdtirol ? bislang im Schatten der Prosperit\u00e4t des beginnenden Industriezeitalters ? an die damaligen Hauptverbindungen in Europa angeschlossen und kann am wirtschaftlichen Aufschwung teilnehmen: Der Entwicklung des Obst- und Weinbaus im Unterland und im Vinschgau, dem Export von Porphyr in die gesamte K.u.k.-Monarchie und vor allem dem einsetzenden Tourismus kommen die Verkehrsverbindungen durch die Eisenbahn zugute und f\u00f6rdern einen Aufschwung, auf dem unser heutiger Wohlstand beruht. Erstmals in der Geschichte des Eisenbahnbaus wurden auf den genannten Strecken Architekten mit der Errichtung der Bahnh\u00f6fe betraut, die in Anbetracht der kurzen Bauzeiten und der geforderten Wirtschaftlichkeit und Funktionalit\u00e4t Typenbauweisen entwickelten, die je nach Bedeutung der Stationen in der gleichen Formensprache modifiziert eingesetzt wurden. Die Bauweise dieser Bahnh\u00f6fe &#8211; vor allem entlang der Brennerstrecke und im Pustertal ? war neben ihrer architektonischen Qualit\u00e4t so nachhaltig, dass diese Bauten bis in unsere Zeit nicht nur nahezu vollst\u00e4ndig erhalten, sondern auch in gutem Zustand sind und Zeugnis eines au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gestaltungswillens einer neuen Zeit der Technik geben. Die Bahnh\u00f6fe in S\u00fcdtirol sind keineswegs von regionaler Bedeutung, sondern einmalig im zusammenwachsenden Europa. Das verpflichtet!!! Das Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter ersucht daher die Landesregierung, die entsprechenden Entscheidungen zu treffen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kuratorium f\u00fcr Technische Kulturg\u00fcter schl\u00e4gt sich f\u00fcr Pilotmodell zur Erhaltung der S\u00fcdtiroler Bahnh\u00f6fe Die Bahnh\u00f6fe in S\u00fcdtirol sind keineswegs von regionaler Bedeutung, sondern ein Markenzeichen im zusammenwachsenden Europa. 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