{"id":183555,"date":"2005-10-07T10:08:00","date_gmt":"2005-10-07T08:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2005\/10\/07\/grenze-brenner-pass-ausstellung-im-adambraeu-in-innsbruck\/"},"modified":"2005-10-07T10:08:00","modified_gmt":"2005-10-07T08:08:00","slug":"grenze-brenner-pass-ausstellung-im-adambraeu-in-innsbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2005\/10\/07\/grenze-brenner-pass-ausstellung-im-adambraeu-in-innsbruck\/","title":{"rendered":"Grenze-Brenner-Pass Ausstellung im Adambr\u00e4u in Innsbruck"},"content":{"rendered":"<p>In einer Gemeinschaftsarbeit des Archivs f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck und des Kuratoriums f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter wird nun erstmals das Bauensemble rund um den ehemaligen Schlagbaum thematisiert. Der Brenner ist ein Ort von internationaler Bedeutung. Bekannt ist er nicht nur als der meist befahrene Alpenpass sondern auch als eine der vormals schwierigsten Grenzen Europas. In einer Ausstellung, einer Gemeinschaftsarbeit des Archivs f\u00fcr Baukunst und des Kuratoriums f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter, wird erstmals das Bauensemble rund um den ehemaligen Schlagbaum thematisiert. Die Entstehungsgeschichte des Geb\u00e4udeensembles an der sogenannten Schicksalsgrenze von 1918 und der Ver\u00e4nderungsprozess des Grenzortes bis zur Aufhebung der Kontrollen durch das Schengener Abkommen 1998 werden im politischen und kulturellen Kontext dargestellt. Historische und aktuelle Fotografien, Pl\u00e4ne und Dokumente geben Einblick in eine Alltagskultur jenseits von gewohnter Allt\u00e4glichkeit und Normalit\u00e4t. \u00dcber den Brenner waren schon im Mittelalter Kaiser und K\u00f6nige zur Kr\u00f6nung nach Rom gezogen. Die Zolleinnahmen aus dem Warenverkehr bereicherten zuerst die Grafen von Tirol und dann die Fugger. Die Brenner-Eisenbahn von 1867 bewirkte den m\u00e4chtigen Aufschwung des Fremdenverkehrs, Gossensa\u00df und der Brenner lockten mit einem mond\u00e4nen Badebetrieb bereits zu Zeiten der \u00f6sterreichischen Monarchie ein prominentes Publikum an, von Henrik Ibsen bis Richard Strauss und Franz Lehar. Nach dem Ersten Weltkrieg fielen S\u00fcdtirol und der Brenner an Italien: Die Annexion wurde mit dem Frieden von Saint Germain 1919 endg\u00fcltig besiegelt. Der neue Grenzstein wurde im Oktober 1921 enth\u00fcllt. Aus der friedlichen und idyllischen Passlandschaft wurde der Brenner zu einem Ort von strategischer und politischer Bedeutung. Die unter dem Mussolini-Regime entstandenen Grenzbauten wurden nach den S\u00fcdtiroler Sprengstoffanschl\u00e4gen vom Juni 1961, als am Brenner auch zeitweise eine Visumpflicht f\u00fcr einreisende \u00d6sterreicher verh\u00e4ngt wurde, zur Grenzbastion mit massiver Polizeipr\u00e4senz hochger\u00fcstet. Erst die Lockerung der Kontrollma\u00dfnahmen in den siebziger Jahren beg\u00fcnstigte einen Boom der Brennerm\u00e4rkte mit Lebensmitteln und Billigwaren. Der Transitraum, ein beliebter Haltepunkt und florierender Warenumschlagplatz, hat sich mit der Fertigstellung der Autobahn 1972 als Tor zum S\u00fcden bei Millionen von Reisenden eingepr\u00e4gt. Der Grenzabbau und die Einf\u00fchrung des Euro in der Europ\u00e4ischen Union haben die Jahrhunderte alte Zoll-, Tausch- und Verkehrsstation am Brenner lahm gelegt, L\u00e4den und M\u00e4rkte haben ihre ehemalige Anziehungskraft verloren. Der Bau des Brennerbasistunnels wird voraussichtlich auch den Bahnhof zum regionalen Haltepunkt degradieren. Der durch die Brennerbahn einst florierende H\u00f6henkurort Brennerbad hat l\u00e4ngst seine touristische Bedeutung verloren. Die Einwohnerzahl ist auf ein Zehntel gesunken. Derzeit vermittelt der Brenner einen trostlosen Eindruck inmitten der spektakul\u00e4ren Hochgebirgslandschaft am Alpenhauptkamm. Dieser ?Unort? Brenner ist heute eine St\u00e4tte, die nicht mit anderen anonymen Bauzonen, Verkehrszentren und Gewerbegebieten zu vergleichen ist. Die Vergangenheit des Brenners liefert gen\u00fcgend Argumente sich behutsam und sorgf\u00e4ltig auch um seine Zukunft zu k\u00fcmmern. Der denkmalpflegerische Sonderfall ?Geschichtsort? ist nicht nur im Ensembleschutzgedanken gut verankert, es kommt ihm auch in einer allgemeinen Kulturdebatte ein Stellenwert zu, den man mit Gedenkst\u00e4tte und Erinnerungsort zu beschreiben hat und den es zu einem seri\u00f6sen Fortbestand zu verhelfen gilt. Die Ausstellung im Archiv f\u00fcr Baukunst in Innsbruck will mit der Dokumentation den geschichtstr\u00e4chtigen Ort im Bewusstsein der \u00d6ffentlichkeit verankern. Die unterschiedlichen Bauten reichen vom Lokschuppen aus dem 19. Jahrhundert und der Milit\u00e4rkaserne aus den zwanziger Jahren bis zur Kirche und zur Autobahn-Zollstation der sechziger und siebziger Jahre. Die k\u00fcnftige Funktion und Gestalt der Bauten und der Landschaft am Brenner mit seiner herben Romantik wird eine erfolgversprechende Zukunft haben, wenn die Planungen von einem umfassenden kulturellen und wirtschaftlichen Ansatz getragen werden. Grenze-Brenner-Pass Eine Ausstellung des Archivs f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck und des Kuratoriums f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter im Archiv f\u00fcr Baukunst, im Adambr\u00e4u Lois Welzenbacher Platz 1 6020 Innsbruck 7. Dezember 2005 ? 31. J\u00e4nner 2006 Di-Fr 11.00-18.00, Sa 11.00-17.00, Do 11.00-21.00 Uhr www.uibk.ac.at\/c\/c8\/c822\/archiv-fuer-baukunst\/ www.technikmuseum.it Parallel zur Ausstellung in Innsbruck werden Plakate mit Fotografien von Christof Lackner auf den Rastst\u00e4tten der Brennerautobahn von Brenner bis Modena gezeigt. Als Publikation erscheint: (Grenze) Brenner-Pass mit einem vollst\u00e4ndigen Bautenglossar Hrsg. von Wittfrida Mitterer, Athesia-Verlag Bozen mit Beitr\u00e4gen von Othmar Barth, G\u00fcnther Ennemoser, Ettore Frangipane, Umberto Gandini, Rainer Graefe, Horst Hambrusch, Magdalena Weingartner H\u00f6rmann, Herlinde Menardi, Wittfrida Mitterer, Roland Riz, Hugo Senoner, Gunther Waibl.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer Gemeinschaftsarbeit des Archivs f\u00fcr Baukunst der Universit\u00e4t Innsbruck und des Kuratoriums f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter wird nun erstmals das Bauensemble rund um den ehemaligen Schlagbaum thematisiert. Der Brenner ist ein Ort von internationaler Bedeutung. Bekannt ist er nicht nur als der meist befahrene Alpenpass sondern auch als eine der vormals schwierigsten Grenzen Europas. 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