{"id":183567,"date":"2006-02-06T13:24:00","date_gmt":"2006-02-06T12:24:00","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2006\/02\/06\/der-brenner-hat-als-kollektiver-gedaechtnisort-ein-recht-auf-einen-wuerdigen-fortbestand\/"},"modified":"2006-02-06T13:24:00","modified_gmt":"2006-02-06T12:24:00","slug":"der-brenner-hat-als-kollektiver-gedaechtnisort-ein-recht-auf-einen-wuerdigen-fortbestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2006\/02\/06\/der-brenner-hat-als-kollektiver-gedaechtnisort-ein-recht-auf-einen-wuerdigen-fortbestand\/","title":{"rendered":"Der Brenner hat als kollektiver Ged\u00e4chtnisort ein Recht auf einen w\u00fcrdigen Fortbestand."},"content":{"rendered":"<p>Dank der grossen Nachfrage soll die in Innsbruck gezeigte Ausstellung (Grenze) Brenner Pass auch nach Bozen kommen.<br \/>\n  Wie sehr der Brenner als Ged\u00e4chtnisort aber auch als Ort der kollektiven Erinnerung in der \u00d6ffentlichkeit verankert ist, kam gestern w\u00e4hrend der Ausstellungs-Finissage von (Grenze) Brenner Pass zum Ausdruck. Im vollbesetzten Saal im Adambr\u00e4u in Innsbruck, dem neuen Architekturarchiv der Baufakult\u00e4t, folgten Besucher aus S\u00fcd-, Nordtirol und dem Raum Bayern der R\u00fcckblende und Vorschau von Nationalratspr\u00e4sident Andreas Khol, der mit dem Brenner sehr pers\u00f6nliche Erfahrungen verbindet, sowie den spannenden Darstellungen des historischen und politischen Brenners von Michael Gehler, Zeitgeschichtler an der Uni Innsbruck. Einleitend ging Gehler auf die Vernetzung des \u201eDauerbrenners\u201c Brenner mit dem historischen Symbol f\u00fcr Tirol ein, um dann vertiefend mit pointierten wie unabh\u00e4ngigen Urteilen den Ged\u00e4chtnis- und Erinnerungsort im Sinne Pierre Noras \u201elieux de m\u00e9moire\u201c scharf zu stellen. Den Ged\u00e4chtnisort Brenner definierte Gehler als einen geographischen Raum, der semiotisiert wird. Dabei werde der Ort mit den f\u00fcr ein kollektives Ged\u00e4chtnis wichtigen Symbolen aufgeladen, die positive oder negative Wertung aufweisen. Die Italiener w\u00fcrden mit dem Brenner durchaus den Gewinn, den wirtschaftlichen Erfolg und die geografische Vernetzung assoziieren, w\u00e4hrend die deutschsprachige Bev\u00f6lkerung Verlust, Abriegelung, Trennung empfinde. Ged\u00e4chtnisorte sind nicht nur an einen Raum, einen Zeitabschnitt und einen eingegrenzten Personenkreis gebunden, sondern sie \u00fcberschreiten diese und sind oft historische Verl\u00e4ngerung in die Zukunft. Gehler stellte auch Vergleiche an mit anderen Ged\u00e4chtnisorten so das Siegesdenkmal in Bozen oder das Berg Isel Denkmal in Innsbruck. Die Ausstellung (Grenze)- Brenner Pass trage zur Schaffung eines neuen offenen Bewusstseins f\u00fcr St\u00e4tten kollektiver Erinnerung bei, dem sich auch bisher nicht verbundene gesellschaftliche Gruppierungen zu n\u00e4hern beginnen, stellte Gehler fest. Kuratorium und Architekturarchiv haben mit der Dokumentation und Erfassung des architektonischen Kernensembles wesentlich dazu beigetragen, dass ein bislang unaufgearbeitetes Thema endlich aus einem neuen Blickwinkel betrachtet wird. F\u00fcr Nationalratspr\u00e4sident Khol habe der Brenner nach wie vor fast traumatische Bedeutung. In Gossensa\u00df, wenige Kilometer vor dem Brenner erlebte er in einem Bunker in der N\u00e4he des Platzhofes das Kriegsende und die vorr\u00fcckenden amerikanischen Panzer. Nachdem der aus S\u00fcdtirol ausgewiesener Vater 1946 schwarz \u00fcber die Grenze gegangen war, wurden ein Jahr sp\u00e4ter die Schwester und er selbst von den Carabinieri den \u00f6sterreichischen Gendarmen im Niemandsland dem auf der anderen Seite wartenden Vater \u00fcbergeben. Khol erinnerte sich auch an die sp\u00e4ter legend\u00e4ren Fahrten zum Brennermarkt: \u201eBrennerpatschen\u201c, \u201eCacciatori\u201c, Riesenpfirsiche, Krawatten, Pullover, Doppelliter Rotwein, sp\u00e4ter das Visum nach den Ereignissen der 60-er Jahre. \u201eHeute ist alles nur mehr Erinnerung \u2013 die Europ\u00e4ische Union hat den Brenner entzaubert, dem Brenner seine Bedeutung genommen, in einer neuen europ\u00e4ischen Landeseinheit, und das ist gut so\u201c, brachte Khol den Ist-Zustand auf den Punkt. Die gut besuchte Ausstellung (Grenze) Brenner-Pass hat in Innsbruck jetzt ihre Tore geschlossen, aber nicht f\u00fcr immer. Die Schau, die in ihrem Ausstellungsparcours ausstrahlungsstark den Brenner an der Kaiserstrasse bis hin zum Wirtschaftseldorado in den Siebzigerjahren und dem Grenzr\u00fcckbau nach Schengen beleuchtet, wird bereits Ende M\u00e4rz in Bozen auf zahlreiche Anfragen hin erneut Besucherpublikum anzulocken. Dies k\u00fcndigte w\u00e4hrend der Begr\u00fcssung zu Beginn der Finissage Rainer Graefe vom Institut f\u00fcr Baugeschichte und Denkmalpflege an. Mit der Veranstaltung, durch die Wittfrida Mitterer vom S\u00fcdtiroler Kuratorium f\u00fcr technische Kulturg\u00fcter gef\u00fchrt hatte, wurde nochmals, auch anhand von historischem Filmmaterial aus dem r\u00f6mischen Filmarchiv \u201eIstituto Luce\u201c und dem amerikanischen Kriegsarchiv von College Park eine thematische Vertiefung geboten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dank der grossen Nachfrage soll die in Innsbruck gezeigte Ausstellung (Grenze) Brenner Pass auch nach Bozen kommen. Wie sehr der Brenner als Ged\u00e4chtnisort aber auch als Ort der kollektiven Erinnerung in der \u00d6ffentlichkeit verankert ist, kam gestern w\u00e4hrend der Ausstellungs-Finissage von (Grenze) Brenner Pass zum Ausdruck. 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