{"id":183605,"date":"2007-08-31T13:12:07","date_gmt":"2007-08-31T11:12:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2007\/08\/31\/in-luftige-hoehen-auf-das-vigiljoch\/"},"modified":"2007-08-31T13:12:07","modified_gmt":"2007-08-31T11:12:07","slug":"in-luftige-hoehen-auf-das-vigiljoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2007\/08\/31\/in-luftige-hoehen-auf-das-vigiljoch\/","title":{"rendered":"In luftige H\u00f6hen auf das Vigiljoch"},"content":{"rendered":"<p>95 Jahre Seilbahn Lana-Vigiljoch (1912 ? 2007)<br \/>95 Jahr Jubil\u00e4um<br \/> In diesen Tagen sind es genau 95 Jahre her, dass am 31. August 1912,  die Lana ? Vigiljoch ? Seilbahn feierlich er\u00f6ffnet wurde. Im folgenden Beitrag beschreibt der Heimatkundler Albert Innerhofer aus Lana die Baugeschichte dieser ingenieurtechnischen Meisterleistung.<\/p>\n<p>Mit dieser als eine der ersten Seilschwebebahnen der Welt konnten Einheimische wie G\u00e4ste den Lananer Hausberg, das Vigiljoch, bequem erreichen. Diese Seilbahn galt schon damals als Pionierarbeit sondergleichen und wurde nach den Pl\u00e4nen des damals sehr bekannten Schweizer Bergbahnerbauers Emil Strub aus Z\u00fcrich und des Wieners Dr. Walter Conrad von der Firma Ceretti &#038; Tanfani aus Mailand erbaut. Kurz vor der Inbetriebnahme traten noch M\u00e4ngel an dieser Seilbahn auf, worauf der lokale Seilbahnpionier Dipl.-Ing. Luis Zuegg aus Lana noch technische Umbauarbeiten vornehmen mu\u00dfte. <\/p>\n<p>Aufbruchstimmung herrschte damals allerorts am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Industrie und Technik. Auch in Tirol entstanden nacheinander Elektrizit\u00e4tswerke und mechanische Werkst\u00e4tten und nach der Jahrhundertwende wurden die ersten Bahnen in Betrieb genommen. Gleich mehrere Pioniere der Technik sorgten mit ihren Erfindungen f\u00fcr gro\u00dfes Aufsehen. Auch in S\u00fcdtirol entstanden, so wie im \u00fcbrigen Europa, in jenen Jahre erste Bahnen. So wurde 1867 die Brennerbahn, 1881 die Bozen-Meraner-Bahn, 1898 die \u00dcberetscherbahn und 1903 die Mendelbahn feierlich er\u00f6ffnet. Am 11. August 1906 wurde die Lana ? Meran ? Bahn als erste elektrische Stra\u00dfenbahn in Betrieb genommen. 1906 ging auch die Vintschgerbahn in Betrieb. Am 13. August 1907 wurde die Rittner Bahn feierlich er\u00f6ffnet; ihr 100 Jahr Jubil\u00e4um konnte k\u00fcrzlich gefeiert werden. Auch die Virglbahn nahm ihren Betrieb im Jahre 1907 auf. Im spanischen San Sebastian wurde 1907 weltweit die erste Bergbahn in Betrieb genommen. Es folgten 1908 die erste Seilbahn von Bozen nach Kohlern, die Meraner Stra\u00dfenbahnen nach Forst und Obermais, die Tauferer Bahn und im selben Jahr wurde in Grindelwald in der Schweiz ebenfalls eine Bahn er\u00f6ffnet. Die Guntschnabahn folgte 1912, so wie die Vigiljocherbahn, und 1913 wurde bereits die zweite  Kohlererbahn in Betrieb genommen. 1913 wurde auch die Lokalbahn Lana-Burgstall-Oberlana er\u00f6ffnet. 1916 folgte die Gr\u00f6dnerbahn, 1918 die Fleimstalbahn und 1920 die Dolomitenbahn.<\/p>\n<p>Die bisher gewonnenen Erfahrungen bei der Verwirklichung dieser ersten Seilbahnen wurden in Lana beim Bau der Vigiljochbahn insbesondere durch Dipl.-Ing. Luis Zuegg genutzt. Er konnte bereits vor und w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges Erfahrungen im Seilbahnbau sammeln, war er doch als Landsturmingenieur an der S\u00fcdfront t\u00e4tig gewesen.<br \/>Daher wurde die Vigiljochbahn nach dem neuesten technischen Wissen geplant und ausgef\u00fchrt. Dieses hervorragende technische Werk war die Sch\u00f6pfung eines Konsortiums unter der F\u00fchrung des Rechtsanwaltes Dr. Jakob K\u00f6llensperger aus Lana. Das Grundprinzip dieser Bahn war einfach: \u00fcber ein gespanntes Tragseil liefen die Wagen mittels Rollen und ein Zugseil sorgte f\u00fcr die Fortbewegung der einzelnen Wagen. F\u00fcr den Bau mu\u00dfte zun\u00e4chst eine Hilfsbahn zum Transport der Baumaterialien errichtet werden, galt es doch 400 Tonnen Material f\u00fcr etliche tausend Kubikmeter Betonfundamente f\u00fcr die insgesamt 39 Eisenst\u00e4nder und die Seilbahnstationen an Ort und Stelle zu bringen. Diese Vigiljochbahn hatte eine Gesamtl\u00e4nge von 2210 m und bew\u00e4ltigte einen H\u00f6henunterschied von 1153 m. Die Talstation lag 328 m, die Bergstation 1481 m \u00fcber dem Meeresspiegel. Diese 1912 erbaute Seilbahn zerfiel in zwei Sektionen mit einer Mittelstation in 861 m H\u00f6he, wo die Fahrg\u00e4ste die Seilbahngondeln wechselten. Dadurch konnte die Leistungsf\u00e4higkeit verdoppelt werden, da gleichzeitig vier Wagen fuhren. Alle Seile wurden von der St. \u00c4gyder Drahtseilfabrik geliefert, f\u00fcr das Tragseil wurde das armdicke &#8222;&#8220;Herkulesseil&#8220;&#8220; gew\u00e4hlt. Die 16 Insassen der Gondel durften davon \u00fcberzeugt sein, dass dieses System f\u00fcr ihre Sicherheit gen\u00fcgte. Der Wagen lief mit einer Geschwindigkeit von 6,5 km\/h. In nur 20 Minuten stieg der Schwebebahnwagen 1153 m hoch, wozu im Vergleich ein Fu\u00dfg\u00e4nger drei Stunden brauchte; also war die Bahn neunmal so schnell. Die verschiedenen Seile wurden bei dieser ersten Bahn von insgesamt 39 St\u00fctzen getragen, die alle aus Eisen gebaut und auf stufenf\u00f6rmig tief ins Erdreich gegossenen Betonsockeln montiert wurden. Die H\u00f6he dieser St\u00fctzen schwankte zwischen 4 und 31 m (Langer Hans) und die Drahtspannweite betrug bis zu 238 m. Den elektrischen Strom zum Drehen der Riemenscheiben lieferte das Elektrizit\u00e4tswerk, welches Dipl.-Ing. Luis Zuegg bereits 1903 in der nahegelegenen Gaulschlucht von Lana erbaut hatte. Zwischen den dicken Drahtseilen liefen noch d\u00fcnne Telefondr\u00e4hte, die es dem Schaffner erlaubten, sich mittels eines Signalstabes vom Wagen aus an jedem Punkt der Strecke mit dem Maschinisten zu verst\u00e4ndigen. <br \/>Nach fast dreij\u00e4hriger Bauzeit konnte am 31. August 1912 um 15 Uhr die feierliche Er\u00f6ffnung der Schwebebahn Lana ? Vigiljoch erfolgen. Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch den Obmann <br \/>Dr. Jakob K\u00f6llensperger und der Segnung der Anlage durch Dekan P. Gottfried Pernter O.T., erfolgte die Jungfernfahrt mit den zahlreich erschienenen Ehreng\u00e4sten. Mit einem Empfang und einem reichhaltigen B\u00fcfett im neu errichteten Berghotel und einem Festessen im Gasthof Theiss endete dieser Tag. Sehr viele Schaulustige aus Lana und Umgebung nahmen an dieser Er\u00f6ffnungsfeier teil, um auch Augenzeuge dieses &#8222;&#8220;technischen Wunderkindes&#8220;&#8220; zu werden. Die &#8222;&#8220;Meraner Zeitung&#8220;&#8220; brachte zur Er\u00f6ffnung eine vierseitige Sonderausgabe heraus, und Karl Felix Wolff schrieb 1913  einen sehr umfangreichen F\u00fchrer. Diese neu er\u00f6ffnete Seilschwebebahn auf das Vigiljoch galt von Beginn an als technische Attraktion und fand sofort sehr regen Zuspruch und Zulauf. So benutzten bereits im September 1912 \u00fcber 9000 Fahrg\u00e4ste diese Bahn. In den folgenden Jahren nutzten immer mehr Familien das Vigiljoch als Sommerfrischort und alsbald begann man dort mit dem Bau von zahlreichen Villen. Im Winter wurden Skikurse abgehalten und eine eigene Rodelbahn wurde angelegt. <br \/>  \tDas Vigiljoch und seine Bahn wurden auch beworben. Kein geringerer als der bedeutende K\u00fcnstler Hans Weber-Tyrol erhielt 1914 von der Seilbahngesellschaft den Auftrag verschiedene Bilder zu malen, welche als Plakate und Ansichtskarten gedruckt und in Umlauf gebracht wurden. Sogar eine Schwebebahn-Marsch wurde komponiert. Oberhalb der Bergstation wurde auch ein Sessellift bis in die N\u00e4he des gotischen Kirche zum Heiligen Vigilius gebaut. Neben mehreren Gasth\u00f6fen entstand in unmittelbarer N\u00e4hre der Bergstation nach den Pl\u00e4nen von Architekt Gustav Birkenstaedt ein alpines Berghotel . <br \/>Volle 40 Jahre lang erf\u00fcllte diese Bahn unfallfrei ihren Dienst bis unter der Pr\u00e4sidentschaft von Josef Zuegg in den Jahren 1952-53 der erste gro\u00dfe Umbau nach den modernsten Grunds\u00e4tzen in Angriff genommen wurde. Dabei wurde die Mittelstation aufgelassen und nur mehr vier m\u00e4chtige Eisenbetonst\u00fctzen waren f\u00fcr die Bahnkonstruktion notwendig. Die Fahrzeit betrug nur mehr acht Minuten und die alten, offenen Wagen wurden durch die neuen Aluminiumkabinen der Jenbacher Werke ersetzt. <br \/>Auch im letzten Jahrzehnt wurden immer wieder Erneuerungen an der Vigiljochseilbahn vorgenommen, so die Sanierung der Talstation und der Parkgaragen, der Neubau der Bergstation Sessellift mit Erweiterung des Restaurants, die Generalrevision bei der Seilbahn und beim Sessellift, die Verbesserung des Antriebs durch moderne Riemenscheiben und die Automatisierung; weiters erfolgte die Sanierung der sanit\u00e4ren Einrichtungen, verschiedene Felssicherungsarbeiten wurden vorgenommen und die Spazierwege am Vigiljoch wurden verbessert. Mit stolz kann man heute auf die gut funktionierende Seilbahn blicken und auf das autofreie Erholungsgebiet am Vigiljoch, das Einheimische und G\u00e4ste besonders sch\u00e4tzen. In der Bergstation der Seilbahn ist eine Ausstellung von historischen Ansichtskarten \u00fcber die erste Vigiljochseilbahn zu sehen, die f\u00fcr alle Besucher t\u00e4glich zug\u00e4nglich ist. Um den heutigen Bed\u00fcrfnissen der Fahrg\u00e4ste verst\u00e4rkt gerecht zu werden ist in naher Zukunft eine umfangreiche Modernisierung dieser Vigiljochseilbahn vorgesehen und geplant, wobei auch die zwei Kabinen durch gr\u00f6\u00dfere ersetzt werden sollen.<br \/>Autor: Albert Innerhofer<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>95 Jahre Seilbahn Lana-Vigiljoch (1912 ? 2007)95 Jahr Jubil\u00e4um In diesen Tagen sind es genau 95 Jahre her, dass am 31. August 1912, die Lana ? Vigiljoch ? Seilbahn feierlich er\u00f6ffnet wurde. Im folgenden Beitrag beschreibt der Heimatkundler Albert Innerhofer aus Lana die Baugeschichte dieser ingenieurtechnischen Meisterleistung. 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