{"id":183638,"date":"2008-08-26T11:44:25","date_gmt":"2008-08-26T09:44:25","guid":{"rendered":"http:\/\/kuratorium.local\/2008\/08\/26\/alois-negrelli-von-moldelbe-geb-1799-fiera-di-primiero-gest-1858-wien\/"},"modified":"2008-08-26T11:44:25","modified_gmt":"2008-08-26T09:44:25","slug":"alois-negrelli-von-moldelbe-geb-1799-fiera-di-primiero-gest-1858-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/curatorium.it\/it\/2008\/08\/26\/alois-negrelli-von-moldelbe-geb-1799-fiera-di-primiero-gest-1858-wien\/","title":{"rendered":"Alois Negrelli von Moldelbe (geb. 1799 Fiera di Primiero, gest. 1858 Wien)"},"content":{"rendered":"<p>Seine Schulbildung erhielt Negrelli in Feltre und z\u00e4hlte dort zu den besten Sch\u00fclern, wobei er vor allem durch seine mathematischen und zeichnerischen F\u00e4higkeiten brillierte. 1809, im Zuge der Napoleonischen Kriege verlor die ehemals wohlhabende Gutsbesitzerfamilie Negrelli aus Fiera de Primiero (heute S\u00fcdtirol) ihr gesamtes Verm\u00f6gen. Nur ein kaiserliches Stipendium sicherte die weitere Schulbildung und 1818 konnte Negrelli zun\u00e4chst als unbesoldeter Praktikant, sp\u00e4ter als Ingenieur in den Dienst der k.k. Baudirektion f\u00fcr Tirol und Vorarlberg treten. Besonders gef\u00f6rdert wird er von seinem Vorgesetzten und Freund Josef Duile, der als versierter Baupraktiker auf Schutzwasser-, Stra\u00dfen- und Br\u00fcckenbau spezialisiert war.Nach drei Jahren wurde er nach Wien berufen, um sich mit dem Br\u00fcckenbau in Eisen auseinanderzusetzen. \u00dcber Anton Ritter von Gerstner lernt Negrelli 1825 den Eisenbahnbau kennen. Nach Tirol zur\u00fcckgekehrt, begleitet er Josef Duile nach Bregenz, um an der Rheinregulierung mit zuarbeiteten und endlich die verheerenden Hochwassersch\u00e4den einzud\u00e4mmenDaran anschlie\u00dfend folgen f\u00fcr Negrelli wichtige Jahre in der Schweiz, zun\u00e4chst in St.Gallen, wo er als Stra\u00dfen- und Wasserbau-Inspektor arbeitet, dann, ab 1835, in Z\u00fcrich, wo er die Oberleitung s\u00e4mtlicher st\u00e4dtischer Bauten \u00fcbernimmt und Br\u00fccken in Z\u00fcrich und Basel entwirft. Auf Studienreisen nach England, Frankreich und Belgien sammelt er die neusten Erkenntnisse auf ingenieurtechnischem Gebiet, die in einem Bericht \u00fcber das Eisenbahnwesen niedergelegt werden. In diesem Aufsatz, der zum Standardwerk des Eisenbahnbaus avancierte, trat Negrelli f\u00fcr die ausschlie\u00dfliche Verwendung der Dampflokomotive ein. \u00dcber diese Theorie hinaus, setzte er die gewonnenen Erfahrungen in der Planung der ersten Schweizer Eisenbahnlinie von Z\u00fcrich nach Basel in die Praxis um.<br \/>\n <span style=\"\"color: #000000\"\"><br \/>\n <\/span><br \/>\n  Negrelli und die Tiroler Eisenbahnen Vom Eisenbahnverein Innsbruck beauftragt, erstellte Negrelli 1838 kostenlos ein \u201cGutachten \u00fcber den Zug einer Eisenbahn von Innsbruck bis an die k\u00f6niglich-baierische Grenze unter Kufstein\u201d. Dieses Projekt sollte erst ab 1853 durch Carl Ghega ausgef\u00fchrt werden.Schon 1840 kehrte Negrelli auf Anfrage der Kaiser-Ferdinand-Nordbahnen nach \u00d6sterreich zur\u00fcck und widmete sich als Generalinspektor dem Bau der Bahnstrecke Olm\u00fctz-Lundenburg. Kurze Zeit sp\u00e4ter wird auf kaiserlichen Beschluss eine Generaldirektion f\u00fcr Staatsbahnen eingerichtet und Negrelli zum Generalinspektor f\u00fcr die n\u00f6rdlichen Staatsbahnen, sein Kollege Ghega zum Generalinspektor f\u00fcr die s\u00fcdlichen Staatsbahnen berufen.Nach den revolution\u00e4ren Ereignissen von 1848 und 1849 wurde die Generaldirektion aufgel\u00f6st und Negrelli nach Italien entsandt. Mit gro\u00dfem Einsatz baute Negrelli die zerst\u00f6rte Eisenbahn-Infrastruktur wieder auf, womit er den milit\u00e4rischen Nachschub f\u00fcr Graf Radetzky im Kampf gegen die sardischen Truppen sichert. F\u00fcr seine Verdienste um das Kaiserreich erh\u00e4lt Negrelli den Orden der Eisernen Krone und tr\u00e4gt von nun an den Adelstitel Ritter von Moldelbe. Ein kaiserliches Dekret weist ihm den Chef-Posten der Ober-Baudirektion des lombardisch-venezianischen K\u00f6nigreichs mit Sitz in Verona zu. In dieser Funktion vervollst\u00e4ndigt er 1851 das dortige Eisenbahnnetz mit den Linien Verona-Mantua und Mestre-Treviso. Zu diesem Zeitpunkt sind die Vorarbeiten zur Linien Verona-Trient-Bozen schon seit einem Jahr im Gange und im Juni 1854 kann mit den Bauarbeiten unter Negrellis Leitung begonnen werden. Der Bau dieser Strecke fordert Negrellis Fachkenntnisse und Organisationsf\u00e4higkeiten heraus. Felsmassive mussten im Bereich der Berner Klause und am Fu\u00dfe des Bozner Kalvarienberges, beim Virgl, weggesprengt und an manchen Stellen die Etsch verlegt werden. Die Trasse musste Ger\u00f6llhalden von Bergst\u00fcrzen bei San Marco bei Mori \u00fcberwinden und bei Lavis und Salurn S\u00fcmpfe durchqueren. Dem nicht genug galt es noch den Bau imposanter Eisenbr\u00fccken zu meistern. Mit 100 Metern Spannweiten wird die Etsch bei Gm\u00fcnd und mit 89 Metern Spannweite bei San Michele \u00fcberwunden. Letzten Endes werden die Herausforderungen gemeistert, sodass f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter im M\u00e4rz 1859 die Linie Verona-Trient und im Mai 1859 die Linie Trient-Bozen dem Verkehr \u00fcbergeben werden konnte.   Negrelli und der Suezkanal Die Idee einer Verbindung des Indischen Ozeans und des Mittelmeers mittels eines Kanals, faszinierte und besch\u00e4ftigte Negrelli schon seit 1836 als er noch in der Schweiz besch\u00e4ftigt war. Als Gesandter \u00d6sterreich engagierte sich Negrelli erfolgreich bei der 1855 gegr\u00fcndeten \u201cInternationalen Kommission f\u00fcr den Suezkanal\u201d. Mit seinen Vorschl\u00e4gen zum Bau eines schleusenlosen Kanals konnte er die gesamte Kommission \u00fcberzeugen.Im August 1857 ernennt der Vizek\u00f6nig von \u00c4gypten Negrelli zum \u201cVorstand der technischen Oberleitung des Suezkanal-Unternehmen\u201d. Ein Jahr sp\u00e4ter -kurz vor dem Spatenstich des Bauwerkes- beendete der pl\u00f6tzliche Tod Negrellis seine Arbeit an dem ehrgeizigen Projekt. Fortan gelang es dem franz\u00f6sischen Ingenieur Ferdinand de Lesseps an der Spitze der Kanalbaugesellschaft, sich selbst als Urheber des Kanalbaus zu stilisieren. Bei der Er\u00f6ffnung des Suezkanal 1869 l\u00e4sst er sich als Held Frankreichs feiern.Erst durch einen Gerichtsprozess 1890 konnte Negrellis Tochter Marie Grois die Urheberschaft ihres Vater an den Kanalpl\u00e4nen beweisen. Es kam jedoch zu keinem endg\u00fcltigen Schiedsspruch, weshalb Negrelli bis heute im Schatten von Lesseps steht.<br \/>\n <span style=\"\"color: #000000\"\"><br \/>\n Quelle: &#8222;Eisenbahnpioniere&#8220; aus &#8222;Weichen und Wahrzeichen&#8220;, Athesia Verlag, 2007<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seine Schulbildung erhielt Negrelli in Feltre und z\u00e4hlte dort zu den besten Sch\u00fclern, wobei er vor allem durch seine mathematischen und zeichnerischen F\u00e4higkeiten brillierte. 1809, im Zuge der Napoleonischen Kriege verlor die ehemals wohlhabende Gutsbesitzerfamilie Negrelli aus Fiera de Primiero (heute S\u00fcdtirol) ihr gesamtes Verm\u00f6gen. 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