{mosimage} Die Rechnung ist aufgegangen: Das Kuratorium für technische Kulturgüter hat am gestrigen Samstag, 4. Oktober eine kulturpolitische Veranstaltung am Brenner angesetzt, um auf die wertvollen historischen und architektonischen Eigenarten des Grenzorts, sein Potential als Drehscheibe und Verbindungsknoten zwischen Nord- und Südtirol, zwischen italienisch- und deutschsprachigem Raum, aufmerksam zu machen. Und das Interesse war groß, vor allem für die Diskussion um die Zukunft des Brenners. Der Tiroler Landeshauptmannstellvertreter Ferdinand Eberle erinnerte daran, dass die Attraktivität des Brenners vor der Grenzziehung 1918 aus der Kombination Passhöhe und Kurort erwuchs und dass es nun gelte, mittels einer professionellen Analyse zu ermitteln, welche Faktoren für den heutigen Brenner zukunftsweisend seien, ob Wirtschaften oder Wohnen. Jede formulierte Idee, jedes ausgetüftelte Projekt müsse auf die Konsensfähigkeit und die politische Machbarkeit hin evaluiert werden, und zwar auf Gemeindeebene genauso wie auf Länderebene (Provinz Südtirol und Land Tirol). Rasches Handeln ja, um der Entsiedelung am Brenner entgegen zu steuern und um architektonisch wertvolles Kulturgut zu erhalten, aber im Sinne langfristiger Lösungen für den besonderen Grenzort. Zwei Möglichkeiten kamen im Lauf des Nachmittags zur Sprache: der Vorschlag von Hans Wild, Bürgermeister von Franzensfeste, der sich eine feingliedrige Outlet-Variante eines Einkaufortes, untergebracht in der bereits bestehenden historischen Bausubstanz am Pass vorstellen könne – im Sinne einer diffusen pulsierenden Raststätte, und der Vorschlag einer kostengünstigen Beherbergung von Studenten am verkehrstechnisch günstig gelegenen Brenner. Der Vizebürgermeister von Gries am Brenner Helmut Gassebner sprach sich für eine verkehrsberuhigte Zone zwischen dem italienischen Zollhaus und der Polizeikaserne aus. Der neue gewonnen Platz könnte für verschiedentste Initiativen und Marktzwecke ein Anziehungspunkt sein. Die SVP-Senatorin Helga Thaler Ausserhofer sprach sich dafür aus, dass konsensfähige Lösungsansätze und Ideen von der Bevölkerung kommen sollten. Dabei äußerte sie ganz klar ihre Bereitschaft, mit der Staatsverwaltung in Rom zu verhandeln, um die leer stehenden Gebäude am Brenner sinnvoll nützen zu können. Der Vorschlag des Kuratoriums für technische Kulturgüter, zusammen mit der Universität Innsbruck ein Brenner-Bautenglossar herauszugeben, wurde von Bürgermeister Christian Egartner begrüßt, der im Vorfeld der Diskussion eine baldige Verschönerung der urbanistischen Gegebenheiten am Brenner ankündigte. Bozen, 5. Oktober 2003