Erlebnis Kraftwerk

Energie und Widerstand, ein Technikschauplatz in Bilder Ausstellung in der Lichtkoje im Maschinenhaus des Enel-Kraftwerks in Kardaun Vor rund 400 begeisterten Zuschauern wurde vorige Woche die Technikkathedrale in Kardaun mit Licht, Farben, Musik und historischen Bildern inszeniert. Ein ungewöhnlicher Schauplatz wird damit bis 1.März 2005 effektvoll ins Rampenlicht gerückt. Am Ort der Technik, für viele zum Teil mit einem politischen ?Negawatt? versehen, werden Bilddokumente aus der Ära des Baus der Grosskraftwerke gezeigt, die für ein besonderes Seherlebnis sorgen. Fotos auf Glasplatten der Fotografen Pedrotti und andere Zeitdokumente ? insgesamt an die 300- werden gekonnt in einem Ausstellungsparcours dargeboten, der thematisch und zeitlich die lange verschlossenen Tore der Grossableitungen einem breiten Publikum öffnet. Sichtbar gemacht wird in der Schau unser Alpenraum als Grossarena rascher Veränderungen: Große Investitionen im vorigen Jahrhundert, im Bereich der Wasserkraft, im Verkehrswegebau und im Tourismus führten zu gewaltigen Umwälzungen auf sozialer und kultureller Ebene, die Auslöser für die Suche nach einem neuen Gleichgewicht waren. Die zunehmende Abkehr von der Mechanik und das totale Eintauchen in die Elektronik, bei der durch einfaches Begreifen, Betasten ein an und für sich normaler technischer Ablauf heute nicht mehr nachvollziehbar wird, lässt bisher sichere Bezugspunkte unserer Wahrnehmung entgleiten. Auf der Suche nach Orientierungshilfen trifft man auf Pionierleistungen, die jetzt in einem völlig neuen Licht dastehen. Technikmonumente und ?Schauplätze werden zu Marksteinen einer neuen Technikkultur, die eng mit dem Beziehungsgeflecht von zeitgeschichtlichen, politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Aspekten verwoben sind. Eine Sonderstellung nehmen die Gross-Kraftwerke ein, die Südtirols sensible Kulturlandschaft vielfach übermächtig dominieren und gleichzeitig der hereinbrechenden Industrialisierung, aber auch dem Fortschritt Einlass geboten haben. In verschiedenen Beiträgen werden im Fadenkreuz von Zeitgeschichte und Technikkultur am Beispiel der Technik-Kathedrale von Kardaun, die mit ihren riesigen Druckrohrleitungen das Landschaftsbild einschneidend prägt, der bewegte Zeithintergrund ausgeleuchtet und architekturgeschichtlich interessante Bezüge hergestellt. Einem roten Faden folgend, wird die Ausstellung gestützt durch den von Rai-Koordinator Rudi Gamper präsentierten Film ?Das Eisack-Kraftwerk von Kardaun?, und durch einen zweisprachigen Katalog ?Megawatt&Widerstand?/?Megawatt&Resistenze? (jeweils 300 Seiten), der im Athesia-Verlag erschienen ist. Mit persönlichen Erinnerungen aus der Kindheit überraschte Athesia-Altpräsident Johann Gamberoni, der am nahen Unterganzner-Hof in Kardaun aufgewachsen war: ?Ein langjähriger Wunsch ist heute in Erfülllung gegangen. Aus dem 1937 und in den zwei darauffolgenden Jahren geplanten Schulausflugs im Kraftwerk mit der Gymnasialklasse am Vinzentinum in Brixen, der einzigen, damals deutschsprachigen Oberschule, ist lange nichts geworden. Es braucht eben oft einen langen Atem?. ?Der Bau dieser Kraftzentralen hat im Land teils heftigen Widerstand ausgelöst, vielfach sind heute noch Emotionen damit verbunden?. Gamberoni erinnerte an die Proteste der Grundbesitzer, die ihren Kulturgrund für die Kraftwerksbauten opfern mussten. Im Gedächtnis festgemacht sei auch ein Foto im Lesebuch der Volksschule, auf dem das Kardauner Kraftwerk mit dem Bildtext ?Le opere del regime? abgebildet war. Lebhaft wach seien noch die Berichte des Volksboten, der über die grossen Unglücke aus der Bauzeit des Wassertunnels informierte. Heute zeige sich die Zentrale in einem neuen Licht, das auch dazu beitrage, die persönlichen Gefühle neu zu ?belichten?. ?Mit dem vorliegenden Buch betritt der Verlag neue Wege in Richtung Horizonterweiterung?, meinte Gamberoni, der lange Zeit die geistige Richtung des Verlags mitbestimmt hat. Nicht von ungefähr sei die Wahl des Titels der zweisprachigen Publikation ?Megawatt & Widerstand? /?Megawatt & Resistenze? , bewusst getroffen worden. ?Der Widerstand? habe in der Einzahl, beziehungsweise Mehrzahl unterschiedliche Bedeutungen. Im Technischen sei der Widerstand schliesslich so wichtig wie die Energie. Die vom Kuratorium in Zusammenarbeit mit Enel organisierte Ausstellung bietet erstmals einen Querschnitt durch unerschlossenes Bildmaterial der drei Stromriesen Enel, Edison und Etschwerke, die ? wie auch die Landesabteilung Wasser und Energie- ihre Archive geöffnet haben. Die Ausstellung bleibt bis zum 1.3.05 geöffnet. (Täglich von 9.30 bis 18.30 Uhr ?ausser Weihnachten und Neujahr) Vom Waltherplatz aus führt ein kostenloser Shuttle nach Kardaun und wieder zurück. Ab 7. Jänner gelten folgende Öffnungszeiten: täglich von 9.30 bis 18.30 Uhr ? ausser Sonn- und Montag)