Kuratorium hält Jahresversammlung in Hoch-Frangart ?Weniger Geld ? mehr Kreativität?, unter diesen Leitspruch hat das Kuratorium für technische Kulturgüter die Arbeiten und Initiativen im laufenden Jahr gestellt. Angesichts der zahlreichen finanziell aufwendigen und nicht immer gut durchdachten Grossprojekte in Südtirol, wird eine dringende Rückbesinnung auf das ureigene Kreativitätspotential unseres Landes gefordert. Dank der Alltagsschönheit von Natur und Landschaft samt technischen Bauten und Denkmälern konnten in Vergangenheit auch schwere Zeiten überbrückt werden. Ein sensibler Umgang mit diesen Ressourcen, die die kulturellen Wurzeln Südtirols darstellen und zum ?Bedeutungskatalog? unsrer Werteskala zählen, ist heute unerlässlich. Es ist daher dringend notwendig die Augen zu öffnen für die Eigenkreativität und das hohe Landschaftspotential. Abgelehnt werden die Verbauung der letzten Mäander des Eisacks im Zuge von E-Werksprojekten oder andere bauliche Eingriffe in die sensible Landschaft, die offensichtlich nur mehr über Erlebnispfade betretbar ist. Das Kuratorium appelliert mit der gestern einstimmig verabschiedeten Resolution an einen Wertewandel, bei dem das Gleichgewicht zwischen Liebe zur eigenen Umwelt, auch der gebauten, und der Landschaft wieder ins rechte Lot gerückt wird. Besonders attraktive Beispiele sind dank einer vernetzten Volontariatsarbeit sowie verschiedener Kulturpartnerschaften das Pilotmodell für den Bahnhof Klausen (Gemeinde Klausen, RFI, Uni Innsbruck), das Schaukraftwerk Sachsenklemme (Gemeinde Franzensfeste, Stadtwerke Brixen, Berufsschule Brixen u.a.) (Grenze) Brenner Pass ( Uni Innsbruck, Brennerautobahn, M-Preis, Tiwag, Malojer u.a.) und die Technikmeile, die in gesamtheitlicher Form Technikmonumente längs der Südtiroler Fahrradwege sichtbar machen will. Parallel dazu werden ein Radführer sowie eine mehrteilige Sendereihe ?Drehmomente? in Zusammenarbeit mit der Rai erarbeitet.. In Planung befinden sich anlässlich der bevorstehenden 140 Jahre Brenner-Eisenbahn eine Publikation mit Bestandsaufnahme über die Brennerlinie sowie eine umfassende Dokumentation, ebenfalls mit Bestandsaufnahmen, über die die Kellerlandschaft des Weindorfes Girlan. Beide Verlagswerke werden in Partnerschaft mit den Innsbrucker Universitätsprofessoren Horst Hambrusch und Joachim Moroder abgewickelt. Bei der Erschliessung und Aufwertung von besonders interessanten Technikschauplätzen sind alle eingeladen, sich kreativ einzubringen. Ziel ist es, Technikmonumente und ?orte mit nutzungsbezogenem Öffentlichkeitscharakter einer breiten Bevölkerungsschicht nahe zu bringen und die Arbeit auf eine breite, von der Bevölkerung mit Konsens bedachten Basis zu stellen.. Jenseits der herkömmlichen Vorstellungen der schönen Stadt der Burgen und Schlösser sollen auch jene Orte der Technik zugänglich gemacht werden, die den Menschen ein neues Raumerlebnis bieten. Ein weiterer Informationsschwerpunkt war das Interreg-Projekt, bei dem es um Errichtung eines Netzwerkes zur Dokumentation und Nutzung von audiovisuellen Materialien geht. Laut der Projektkoordinatorin Barbara Gabrielli werden derzeit wichtige Ton- und Bildträger ausfindig gemacht, gesichert, inhaltlich erschlossen und einer interessierten breiten Öffentlichkeit wieder systematisch zur Verfügung gestellt. Dieser neue Infopoint ist für Forschung, Weiterbildung und Jugendarbeit ein Gebot der Stunde, aber auch für Museumsarbeit und für Ausstellungsvorhaben sowie für verschiedene Initiativen im Zeichen der öffentlichen Nutzung angesichts der knapper werdenden Budgets. Dabei handelt es sich um ein absolutes Novum, das es in dieser Form in Südtirol nicht gibt. Im Bereich der Zeitgeschichte stößt man auf ein überdurchschnittliches Interesse. Die Südtiroler Zeitgeschichte ist eine absolut tragende Säule der Minderheiten- und Autonomiegeschichte. Das Interesse der Südtiroler Öffentlichkeit am historischen Selbstverständnis darf erfreulicherweise als überdurchschnittlich groß bezeichnet werden. Jüngste Umfragen belegen es (Juni 2006). Dazu kommt, dass die Pionierrolle des Südtiroler Minderheitenschutzes und der Südtiroler Autonomie weit über die Landesgrenzen hinaus ausstrahlt. Beweis dafür sind zahlreiche und vielfältige Ausstellungs- und Forschungsvorhaben in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Erfolgsbeispiel ist der ?Bergfried? im neuen Landesmuseum Schloss Tirol mit innovativer medialer Aufbereitung, aber auch die vom öffentlich rechtlichen Rundfunk seit der Stunde Null des RAI Senders Bozen geförderten Medienprojekte und Zeitzeugenportraits sowie das Schwergewicht der Zeitgeschichte in der Jugend- und Erwachsenenbildung. Die Initiativen und Projekte sind sorgfältig aufeinander abgestimmt, um so Technikkultur und Technikgeschichte zu promoten und dafür ein öffentliches Bewusstsein zu schaffen. Bei der gestrigen Vollversammlung wurde ausserdem der Vorstand für weitere drei Jahre bestätigt. (Klaus Kemenater, Präsident, sowie Wittfrida Mitterer, Heinrich Huber, Martin Christoph v. Tschurtschenthaler, Gernot Rössler und Ugo Sasso).