Das historische Technikjuwel der Grödnerbahn, bestehend aus ehemaliger Lokomotivenremise und Viadukt, ist in seiner ursprünglichen Geschlossenheit nicht wieder zu erkennen
Das historische Technikjuwel der Grödnerbahn, bestehend aus ehemaliger Lokomotivenremise und Viadukt, ist in seiner ursprünglichen Geschlossenheit nicht wieder zu erkennen. Zwischen die architektonisch besonders reizvolle Bahnhofslandschaft von Klausen hat sich ein Fremdkörper geschoben.Der in dem für die Grödner Bahn typischen Baustil errichten, heute teilweise baufälligen Lok-Schuppen und das Bogenviadukt, auf dem die Grödner Schmalspurbahn bis 1960 über das Lajener Ried bis nach Plan gedampft ist, wurden durch den neuen Grossbau des Fernheizwerks erbarmungslos auseinander gerissen. Der Nutz-Bau beherrscht den gesamten Raum des Bahnhofsareals. Der so kostbare Grund in der Ebene, der gerade in dem von Staatsstrasse, Autobahn und Zug durchquerten Eisacktal absolute Mangelware ist, hätte weit kreativeren Funktion zugeführt werden können. Das von der Sel mit Zustimmung von Gemeinde und Land errichtete Fernheizwerk ist sogar Ergebnis eines geladenen Wettbewerbs. Energie- und Umwelteffizienz sind zwar ein Gebot der Stunde, aber nicht auf Kosten wertvoller Kulturgrund-Ressourcen und attraktiver Freizeitmöglichkeiten. Ein Fernheizwerk, eigentlich ein Technik-Bau, hätte sich eine bessere technisch-architektonische Lösung im Einklang mit dem sensiblen Umfeld verdient. Der Grossbau hätte z.B. unter Tag, unterhalb des schräg angrenzenden Berghangs untergebracht werden können. Schade, dass das Thema Bauen im Kontext , das eben auf Gesamtlösungen abzielt, immer noch nicht von den Entscheidungsträgern wahrgenommen wird. Das Technikensemble am Klausner Bahnhof hat eine tiefe Narbe erhalten. Das Kuratorium bemüht sich seit einiger Zeit das Bahnambiente aus der Stunde Null der Brennerbahn als Visitenkarte der Stadt aufzuwerten und mit neuen Funktionen zu erfüllen. Die baulichen Zeugnisse der Grödnerbahn, die in der Rekordbauzeit von nur 4,5 Monaten unter Einsatz 3500 russischer Kriegsgefangener provisorisch fertig gestellt und am 6. Februar 1916 eröffnet wurde, sind in dem Zusammenhang ein typisches Kennmerkmal für den Klausner Bahnhof.