Wasserspeicher am Bozner Bahngelände demoliert

Der Verbreiterung der Bahnunterführung am Bozner Verdiplatz wurde der Wasserturm aus den 1930iger Jahren geopfert. Der alte Wasserbehälter am Bahnareal an der Loreto-Brücke ist seit wenigen Tagen aus dem gewohnten Stadtbild verschwunden. Bei genauerem Hinschauen macht auch das ungeübte Auge einen überdimensionalen Schutthaufen aus. Die Betonkonstruktion, auf und auf in Grau, mit verwaschener Aufschrift Bolzano/Bozen hat 80 Jahre lang die Süd-Einfahrt des Bozner Bahnhofs gekennzeichnet. Der Wasserturm musste der neue Bahnunterführung weichen, die den Bozner Verdiplatz mit der Mayr Nusser-Straße verbindet. Der Wasserturm diente dem Auftanken der Lokomotiven auf der Durchfahrt durch Bozen. In einem Rundschreiben der Staatsbahnen vom 26.9.1939 (N.L.5/15/94559) wurden für den Bau dieser Wasserbehälter klare Vorgaben gemacht. ? Die Wassertürme, die zu den höchsten und weithin sichtbaren Stilelementen der Bahnhofsareale gehören, dürfen im Zuge der Verschönerung und ästhetischen Verbesserung aus architektonischer Sicht nicht vernachlässigt werden. Sollten neue Wassertürme gebaut werden, müssen die architektonischen Normpläne herangezogen werden, die von den Staatsbahnen eigens hierfür erarbeitet wurden.?
Auch der Bozner Wasserturm trug diesen Plänen Rechnung.
Die Silhouette des Wasserspeichers war einer der Bezugspunkte und Orientierungshilfen am Bahnhofsgelände, das immer mehr von Masten, Stangen, Säulen, Leitungen, Kabelgewirr und Signalen besetzt ist.
Da die Wasserspeicher ja heute ihre ureigene Funktion des Auftankens der Dampf-Loks verloren haben, sind sie als Industriedenkmal zum Bedeutungsträger geworden. Die Stadtentwicklung fordert vielfach einen hohen Zoll an Baudenkmälern. Dabei könnte oft durch kreative Lösungsansätze das Ausradieren von Erinnerungsträgern vermieden werden. Bozen ist um ein Stück Bahn-Geschichte ärmer geworden. Zugreisende werden sich bei der Südeinfahrt in den Bahnhof daran gewöhnen müssen und nach anderen ?Gedächtnisstützen? Ausschau halten.