Nach mehrjähriger Arbeit am Projekt laden wir jetzt ein zur Einweihung des restaurierten Bahnhofs Klausen. Highlight ist das grosse Bahnquiz, im Brennpunkt die Grödner Bahn, die vor 50 Jahren ihren Betrieb eingestellt hat. Zu gewinnen gibt es Wertkarten der Südtiroler Verkehrsbetriebe. Musikalischer Auftakt: Wiener Schrammelmusik als Hommage an die Frühzeit der Brennerbahn in der k.k. Monarchie. Die Brennerbahn, die 1867 erstmals die Alpen querte, wurde mit einem Low-Budget gebaut, ist jedoch gleichzeitig ein Gesamtkunstwerk ingenieurtechnischer Meisterleistungen. Zahlreiche Hochbauten nach Plänen von Wilhelm v. Flattich zeugen heute noch von aussergewöhnlicher baulicher Qualität, essentieller architektonischer Eleganz sowie vom Einsatz und know how der zum Grossteil aus dem oberitalienischen Raum stammenden Bahnarbeiter. Die Technikjuwele aus der Stunde null sind heute dank ihrer Geschlossenheit ein historisches Erbe, das weltweit ein Unikat darstellt.
Einer dieser Hochbauten ist der Bahnhof Klausen. Das Klausner Bahnhofsgebäude wurde, wie die meisten Bahnhöfe an der Brennerstrecke, aus Grasssteiner Granit gemauert. Für das flächige Mauerwerk wurden Granitsteine in hellerer Tönung verwendet, für die fiktiven Fensterbögen, Sockel, Fenster- und Türumrahmungen hingegen Porphyr. Die befensterten Giebelwände unter dem weit vorspringenden Dach sind in sorgfältig detailliertem Holzwerk ausgeführt. Die baufällige Lokremise mit der ehemaligen Werkstätte, der Wasserstation und den Aufenthaltsräumen der Grödnerbahn (1916) ist heute Restbestand. Charakteristisch für die Bauten ist das an galizische Bahnhöfe erinnernde geschwungene Metall-Dach. Durch den Bau des neuen Fernheizwerks auf dem Gelände zwischen Lokomotivenremise und Bogenviadukt der aufgelassenen Grödnerbahn und Bahnhof Klausen wurde das Technikensemble leider auseinander gerissen. Es steht im Blickkontakt mit dem Kloster Säben.
Nachdem Italien an der Seite der Alliierten in den Ersten Weltkrieg eingetreten war, wurde wegen der Dolomitenfront der schon lange geplante Bau einer dampfbetriebenen Schmalspurbahn (760 mm) ins Grödnertal umgehend in Angriff genommen. Über 6.000 russische Gefangene bauten die Grödnerbahn in der Rekordzeit von knapp 5 Monaten. Die im Februar 1916 fertig gestellte Strecke zwischen Klausen und Plan (östlich von Wolkenstein) blieb bis Mai 1960 in Betrieb.
Der Bahnhof Klausen samt Remise und Viadukt der Grödnerbahn ist ein architektonisches Kleinod mit altösterreichischem Bahnhofsflair.
Die anbrechende Ära der unbemannten Bahnhöfe, die technische Automatisierung mit Stillegung von Fahrdienstleitung, Fahrkartenschalter und weiteren Dienstleistungen hat auch am Klausner Bahnhof neue Fakten geschaffen. Außer den Räumlichkeiten für technische Apparaturen der Bahn stehen sämtliche Räume des Erdgeschosses im Bahnhof für ein Revitalisierungsmodell zur Verfügung, das vom Kuratorium für technische Kulturgüter gemeinsam mit Studenten der Universität Innsbruck ausgearbeitet wurde. Die Grundidee des Revitalisierungskonzepts ist es, die Identifikation des Bahnhofs mit einfachen Mitteln möglichst kompakt zu erhalten und ihn dabei nicht seiner Zeugnisse der Alltagskultur zu berauben sondern damit aufzuwerten.
Typische Elemente wie Fahrkartenschalter, Gepäcksaufbewahrung, Fahrdienstleitung, Glockensignal, Weichenschlüssel, Erinnerungsstücke z.B. Fahrpläne, Zeichnungen und Skizzen aus der Bauphase, mit Hinweis auch auf die historische Grödnerbahn werden hinter eingezogenen vandalensicheren Glaswänden dargeboten und sorgen für altösterreichisches Bahnhofsflair. Erfreulich ist die einstweilige Sicherstellung der ausgedienten Weichenanlage, Stellwerk, elektrischer Schaltanlagen ecc., die den künftigen Schaubereich in den weiterhin öffentlichen Fahrgasträumen und im Außenbereich markant mitgestalten .
Auf interaktiven, vernetzten Projektionsflächen werden Informationen von öffentlichem Interesse, wie Wetterbildkamera, Temperaturen, Verkehrsinfos, Pollenwarndienst, Kurznachrichten in deutscher und italienischer Sprache, lokale Ereignisse und Kulturveranstaltungen sowie Kurzfilme „Drehmomente“ über technische Meilensteine in Südtirol gezeigt. Geplant sind auch Video-Installationen mit starkem zeitgeschichtlichem Bezug, die in Zusammenarbeit mit Klausner Lokalhistorikern erarbeitet werden. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich der ehemalige Relais-Raum, der als Ambiente mit Mehrzweckcharakter genutzt werden kann.
Der im Vorfeld des Bahnhofs bereits vorbildlich restaurierte Gasthof Krone aus der Zeit des k.u.k.-Bahnbaues sowie die Platanenallee – die Bäume wurden vor 150 Jahren gepflanzt- schließen das Ensemble.
Alt wird mit Neu verbunden. Die bauliche Ausstrahlung der Bahnhöfe wird damit erhalten. Sie sollen als Monumente der Technik und Kleindenkmäler im neuen gesellschaftlichen Kontext des Verkehrs- und Kommunikationszentrums „Bahnhof“ verständlich und attraktiv gemacht werden. Das Gebäude soll Ort der Begegnung und Treffpunkt für die Klausner Bevölkerung werden.
Als Teil der Südtiroler Technikmeile, welche über das landesweite Radnetz eine Vielzahl von technischen Kulturdenkmälern verbindet und erlebbar macht, wird der Klausner Bahn