Südtirols Technikgeschichte hat heute am 12. April einen neuen Höhepunkt erlebt. Nach fast einjähriger Restaurierungsarbeit wurde die historische Eisenfachwerkbrücke heute verlegt. Die Brücke über die Etsch wurde mit dem Bahnhof Lana Burgstall in Sichtachse gebracht. Das Projekt, vom Kuratorium für Technische Kulturgüter angestossen, und in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wasserschutzbauten durchgeführt, ist ein wichtiges Highlight in der Südtiroler Technikmeile. Es handelt sich um ein bedeutsames Technikmonument, das zu den Besonderheiten der Etschlandschaft zählt und daher für Einheimische und Gäste Identifikationscharakter hat.
Die von der Brückenbau-Anstalt Ing. Grindl aus Donauwitz bei Wien gebaute eiserne Fachwerkbrücke ist eine der eindrucksvollsten Kunstbauten der Bahnlinie Bozen-Meran. Mit einem 200 t Kran, sowie zwei weiteren Behelfskränen wurde die Brücke vom Uferdamm, wo sie für die Restaurierung zwischengelagert war, auf die neuen orginal getreu wieder aufgebauten Stützpfeiler gehievt. Die Instandsetzung der Brücke bestand in aufwändigen Korrosionsschutz- und Malerarbeiten, wobei dank der Beratung eines Experten des Deutschen Museums München das Farbdesign eine besonders ansprechende Note erfahren hat. Die ingenieurtechnischen Arbeiten wurden von Jürgen Schäfer und Peter Egger vom Amt für Wasserbauten koordiniert, die gesamte Ästhetik vom rennomierten Südtiroler Designer Thomas Mittermaier. Die in abgesetztem Graubraun gestrichene Brücke wird dank der floururathaltigen Farbe vor UV-Strahlen und Rost besonders geschützt. Die noch ausständige Sichtbarmachung der Brücke bei Nacht wird finanziell von den Gemeinden Lana und Burgstall getragen. Die Gesamtkosten für die Baumassnahme betragen rund eine Million Euro.
Die Brücke wird in den nächsten Wochen begeh- und befahrbar sein.
Das Bauwerk ist für Radfahrer sowie für die Abteilung Wasserschutzbauten der wichtigste Etschübergang zwischen Vilpian und Meran und damit für die Wartungsarbeiten von logistischer Bedeutung. Das gesamte Sanierungsprojekt, das nächstes Jahr fertig gestellt werden wird, umfasst aber nicht nur die die Lösung technischer Probleme, vielmehr wird damit ein vielschichtiger Lebens- und Erholungsraum für Natur und Mensch geschaffen. Radfahrer können sich künftig im „Weidenhaus“ ausruhen, das nach Anleitungen des deutschen Architekten Marcel Kalberer gebaut wird. Markanter Blickfang wird die Lokomotive der historischen Trambahnlinie Lana-Maran sein, die fachgerecht restauriert wird. Hierfür wird noch nach Sponsoren gesucht. Die Grundidee des Projektes von Arch Markus Scherer und Witti Mitterer vom Kuratorium, wird durch eine naturnahe Ausgestaltung der Flussmeile betont.
Gemeinsam werden der Bahnhof Lana-Burgstall, die Eisenfachwerkbrücke, die Lokomotive und das neu geschaffene Naherholungsgebiet ein wertvolles Ensemble bilden. Es ist Teil der Südtiroler Technikmeile, die über das landesweite Radnetz eine Vielzahl von technischen Kulturgütern verbindet und erlebbar macht.
Mit der Einstellung des Bahnbetriebs 1974 verfiel der dreiteilige, kunstvoll genietet und verschraubte Bau zusehends.
Bis 1974 rollte der „“Apfelexpress““, der Obst erster Wahl bis an den Zaren-Hof nach Petersburg brachte, über die Eisenfachwerkbrücke in Burgstall. Die glorreichen Zeiten hatte die Bahnlinie damals aber längst hinter sich. Diese lagen in den ersten Jahren nach der Eröffnung im Dezember 1913, als die Straßenbahn eine wichtige Anbindung zu den Hauptbahnzügen sowohl für Personen, als auch für den Obsttransport darstellte. Die Tram benötigte von Lana nach Meran bei einer Fahrgeschwindigkeit von 25 kmh zirka 20 Minuten.