Im Rahmen des zweitägigen Symposiums (30.und 31. 8.2012), das den Spuren von Ingenieur Josef Riehl, nachgegangen ist, fand gestern in Gais ein Runder Tisch statt, bei des um die Tauferer Bahn ging, einem der Vorzeige-Projekte des vor 170 Jahren in Bozen geborenen Technikpioniers und Unternehmers.
In einer qualifizierten Teilnehmerrunde wurde neben historischen Highlights vor dem Hintergrund der laufenden Diskussion über die Attraktivität der Ferienregion Pustertal auch die Reaktivierung der Tauferer Bahn angesprochen. Allen voran hat Landesrat Hans Berger, wie es sicher auch der Visionär Riehl getan hätte, eine Machbarkeitsstudie angeregt. In diesem Sinne habe sich kürzlich die Landesregierung ausgesprochen. Demnach soll die konkrete Möglichkeit einer Reaktivierung aus touristischen Überlegungen und um die lokale Mobilität sinnvoll zu bedienen, unter der Voraussetzung der neuen Gegebenheiten, geprüft werden. Prof. Hans Hinterhuber und Hans Peter Leiter aus Bruneck haben als Nachfolger der nunmehr aufgelösten Gesellschaft der Tauferer Bahn die 1908 angefallenen Baukosten in Höhe von 1,3 Milionen Kronen zitiert, was einem heutigen Gegenwert von grob geschätzten 30 Millionen Euro entsprechen würde. Tourismusexperte Alois Kronbichler verwies auf den hohen Attraktionswert einer Bahnverbindung für die Ferienregion, wonach die äussere Landschaft in der inneren Landschaft, auf emotionaler Ebene, ihre Entsprechung findet. Aus der Sicht des Kuratoriums vertreten durch Arthur Scheidle und Witti Mitterer, macht es Sinn, wertvolle Bauten und Objekte zu dokumentieren und in Wert zu setzen, handelt es sich doch um jene Identifikationspunkte, die das Besondere unsrer Region ausmachen und mit denen sich Gäste wie auch die Bevölkerung identifizieren.
Die von Riehl gebaute und teilweise vorfinanzierte Bahn verlief damals in einer sehr einfachen und ohne Kunstbauten geplanten Trassierung mitten durch die Ortschaften des Tauferer Tals und war damit eine wunderbare Serviceeinrichtung für den Nahverkehr. Da es sich um eine kombinierte Bahn in der selben Spurbreite wie die Pustertaler Bahn handelte, wurden sowohl Personen als auch Güter transportiert, die mühelos den Anschluss an das europaweite Eisenbahnnetz hatten. Daran erinnerten auch Toni Innerhofer, Alt-BM von Sand in Taufers, Werner Schröter vom Tiroler Bahnarchiv aus Innsbruck und Walter Weiss, Präsident der Freunde der Eisenbahn.
Sehr stimmungsvoll war auch der Rahmen, in dem der Runde Tisch abgewickelt wurde. Unter strömendem Regen inmitten eines Maisfelds bei Gais auf der ehemaligen Trasse der Bahn hatte der Gaiser Bauer Alois Hellweger eigens eine freie Fläche eingemäht, die von Christian Gartner und Alois Brugger mit Holzspäne ausgelegt und begehbar gemacht wurde.
Der in Bozen geborenen Unternehmer und Ingenieur Josef Riehl (31.8.1842 – 17.2.1917) wird derzeit auch mit einer Ausstellung im Innenhof von Landhaus 2 in Bozen gewürdigt. Seine Bauten sind im Grossraum der k.k. Monarchie verstreut und haben heute nach wie vor nichts von ihrer Strahlkraft eingebüsst. Das Symposium, anlässlich des 170. Geburtstags von Riehl, und des 100 Jahr-Jubiläums der von ihm erbauten Karwendelbahn, soll die Leuchtturmprojekte in ihrer historischen, wirtschaftlichen und ingenieurtechnischen Dimension darstellen und deren jetztzeitliche Nutzung hinterfragen.