Aluminium Werk

ArchitekturBozenGewerbezone1930er20. Jahrhundert

Aluminium Werk

Bozen
Das Kopfgebäude von Bozen. Copyright: Monika Franceschini

Das Aluminiumwerk I.N.A. ( Industria Nazionale Alluminio)- Montecatini in Bozen (heute bekannt als Alumix) bildet gemeinsam mit den in denselben Jahren entstandenen Stahlwerken der Gruppe Falck, den Lanciawerken, der Faserplattenfabrik Masonite – Feltrinelli, der Magnesia u. a. die historische „Industriezone Bozen“, welche von der faschistischen Regierung geplant und ausgeführt wurde um aus der Stadt Bozen eine italienische Industriestadt zu machen. Die Industriezone war Teil eines urbanistischen Gesamtkonzepts mit Bauten für öffentliche Einrichtungen, Plätzen, ganzen Stadtvierteln und Arbeiterwohnsiedlungen.

Die Notwendigkeit an einer autarken Produktion der so genannten strategischen Metalle Zink, Magnesium und Aluminium stieg in den 1930er Jahren enorm; die zur Produktion von Aluminium gebrauchte elektrische Energie (für die Produktion von einer Tonne Metall wurden etwa 20.000 Kwh Strom gebraucht ) war in Südtirol reichlich vorhanden, weshalb sich der Standort Bozen für den Aufbau von metallurgischen Werken zusätzlich anbot. Somit verband der politische Wille zur Industrialisierung wirtschaftliche Vorteile – die lokale Nutzung der vorhandenen elektrischen Energie vermied Verluste entlang der Überlandleitungen – mit den Interessen der Italianisierung des Territoriums.

 

DATEN

Sammlung: Architektur
Bezirk: Bozen
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1936
AuftraggeberIn: INA, Industria Nazionale Aluminia e Montecatini
Projektant/Erfinder: Technisches Büro INA, Garboli, Guffanti, Manfredini / Rom

Der Komplex der Aluminiumfabrik in Bozen ist beispielhaft für die moderne Industriearchitektur der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. Rationalität und Funktionalität der modernen Stadt und die Notwendigkeit neue, passende Bauformen zu finden für die industrielle Tätigkeit, führten zu neuen architektonischen Ausdrucksformen, für die der Komplex in Bozen ein wichtiges Beispiel darstellt. Einfache Bauvolumina, essentielle Module in Grundriss und Ausführung sind wichtige Elemente um den rationellen Ablauf des industriellen Produktionsprozesses zu gewährleisten. Der ursprüngliche Komplex, der eine Fläche von 300.000 qm einnahm, wurde bestimmt durch die sechs bis zu 230 Meter langen, parallel verlaufenden Baukörper der Ofenhallen, in denen sich die Elektrolyseöfen zur Gewinnung des Aluminiums befanden. Diese waren nach Norden hin durch zwei höhere transversale Baukörper abgegrenzt, welche die Transformatoren des elektrischen Stroms beherbergten (Transformatorenhallen). Vor diesen großen „Kopfgebäuden“, die den Kern der Produktion räumlich abgedeckten, befanden sich zwei Elektrizitätswerke, in welche der Strom über Hochspannungsleitungen einging. Dieser Produktionskern war umgeben von zahlreichen Nebengebäuden für die Verwaltung, das chemische Labor, die Portierstelle, eine Krankenstation, Umkleideräume, eine kleine Kapelle und eine Mensa. Im hinteren Bereich des riesigen Areals befanden sich eine Direktorenvilla, Angestelltenhäuser, ein Tennisplatz und sogar ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb mit Hühner- und Schweinestall. Außerdem gab es eine eigenen Glaserei, zwei Gießereien, eine Tischlerei, zahlreiche Lager und Magazine für Kupfer, Koks, Pech und Silizium, ein Gebäude für den Abbau des Restmaterials der Öfen, und ein Magazin für die Elektroden. Die verschiedenen Abteilungen des Werks konnten alle Probleme der Wartung der Maschinen innerbetrieblich lösen. In einer ersten Bauphase ist 1936 „Bozen 1“ entstanden mit dem ersten Transformatorenhaus und drei 200 Meter lange Elektrolysehallen mit 306 Öfen. Zusätzlich entstand in dieser Zeit eine Gießerei, Abteilungen für die Vorbereitung der Öfen, für die Anoden, Magazine und Silos für die Rohstoffe und Schlacken und eine Anlage zur Reinigung der aus den Öfen austretenden Gase. Bald wurde das Werk vergrößert – 1939/40 – mit einem zweiten Transformatorengebäude „Bozen 2“ etwas westlicher im Areal und drei weiteren 230 Meter langen Elektrolysehallen mit 160 Elektrolyseöfen von höherer Potenz. In der Nachkriegszeit wurden zwei Produktionslinien von „Bozen 2“ zusätzlich potenziert. Ab den 1960er Jahren begann die lange Zeit der Umstrukturierung des Bestehenden, um sich an neue Anforderungen anpassen zu können. In dieser Zeit wurden die Ofenhallen von „Bozen 1“ und „Bozen 2“ kontinuierlich um- und ausgebaut bzw. für Neubauten abgerissen. So wurden die Hallen von „Bozen 1“ aufgrund der größer werdenden Produktionsöfen gegen Ende der 1960er Jahre durch zwei neue Hallen ersetzt, die den Namen „Bozen 3“ erhielten. In den 1970er Jahren wurde ein Teil der Ofenhallen von „Bozen 2“ abgerissen und an dessen Stelle eine neue Abteilung mit dem Namen „Estrusione“ eingerichtet. Eine fünfte Ofenhalle von „Bozen 2“ wird seit 1987 von der Firma Speedline genutzt, welche Automobilfelgen aus Aluminium produziert. Von 1985 bis 1991 erfolgte die fortschreitende Auflösung der Produktion in den Elektrolysehallen.Außerdem gab es einige Änderungen der Gesellschaftsform: die INA wurde 1951 zur Montecatini, in den 1960erJahren durch die Fusion mit der Edison kam es zur Bezeichnung Montedison. Dann wechselte das Areal mehrfach Besitzer und Namen: von der „Alumetal s.p.a.“ über die „Alluminio Italia s.p.a.“ bis zur „Alumix s.p.a“ 1991, von der der markanteste erhaltene Teil bis heute seinen umgangssprachlichen Namen hat. Im Jahre 1996 ging das Werk an die amerikanische Firma ALCOA (Aluminium Company of America) aus Pittsburgh über und übernahm seit 2001 den Namen „Alcoa Trasformazioni srl“. Nun wird nicht mehr mit dem Rohstoff Aluminiumoxid gearbeitet, sondern man erstellt aus Aluminiumschrott und bereits gegossenen Teilen neue Aluminiumprofile und Leitungen aus Aluminiumlegierungen.

Aluminium wird erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts industriell hergestellt. Das silberweiße Leichtmetall wird aus Bauxit gewonnen. Nach einer langen physikalisch- chemischen Bearbeitung wird es reduziert durch einen elektrochemischen Prozess. Das Bauxit wurde in betriebsinternen Minen der Montecatini in Istrien und S. Giovanni in Apulien abgebaut. In der Fabrik der Montecatini in Porto Marghera wurde aus dem Bauxit in einem thermoelektrischen Werk eine Tonerde aus Aluminiumoxid gewonnen, welche zu 8.500 Tonnen jährlich mit der Bahn nach Bozen gebracht wurde. Das Aluminiumoxid (alumina) wurde in den zahlreichen Öfen in Bozen der Elektrolyse unterworfen um reines Aluminium zu gewinnen. Dieses Verfahren benötigte sehr viel elektrische Energie, welche in Bozen zur Genüge zur Verfügung stand. Mehr als die Hälfte der in Südtirol produzierten Strommenge unterstand in diesen Jahren der Montecatini – Gesellschaft. Der Strom für die Aluminiumproduktion kam zunächst vom Elektrizitätswerk am Grödnerbach und von Marling und später aus der Zentrale in Waidbruck , welche 1936 von der Società Elettrica Alto Adige für die Aluminiumproduktion in Bozen gebaut wurde und nach dem technischen Leiter der Montecatini Claudio Castellani benannt ist.In den beiden großen Transformatorenhäusern von „Bozen 1“ und „Bozen 2“ wurde mit Hilfe der Transformatoren der Marke Siemens und TIBB Wechselstrom in Gleichstrom umgewandelt und an die dahinter liegenden Elektrolyseöfen weitergeleitet. Die Transformatoren befanden sich im unteren Teil des Gebäudes. Im oberen Bereich wurde der Strom in Schalterbatterien gesammelt. Die eigentliche Elektrolyse fand in einem Bad aus Kryolith mit 5% reinem Aluminiumoxid bei einer Temperatur von 950 – 1000 Grad Celsius statt. Das Kryolith als wichtige Schmelzflüssigkeit, welche das Aluminiumoxid löste, wurde im Werk in Bozen synthetisch hergestellt. Die Elektrolysezelle war ein feuerfester Eisenbehälter, dessen unterer Teil aus amorpher Kohle bestand, der mit dem negativen Pol (Katode) eines Gleichstromgenerators in Verbindung stand. Die Anoden (positiver Pol) bestanden aus einer Serie von Elektroden, welche durch Metallgitter miteinander verbunden waren. Die Erhitzung und die gleich bleibende Wärme der Elektrolysezelle wurden durch den durchlaufenden Strom erhalten, welcher das Aluminium sich flüssig absetzen ließ. Das so erzeugte Metall wurde aus den Wannen abgesaugt und in Sammelöfen gelagert um dann in Formen gegossen oder zu Legierungen weiterverarbeitet zu werden.

Das Aluminiumwerk liegt an der Via Volta, jener Straßenachse, welche die Reschenbrücke mit dem Stadtteil Oberauverbindet; leicht erreichbar vom Zentrum, von der Autobahnausfahrt Bozen Süd und vom Zugbahnhof Messe Bozen.

INA, Industria Nazionale Aluminia e Montecatini

Aluminiumwerk Bozen (heute Alcoa)
Voltastrasse
39100-Bozen
Tel: 0471 906230
Webseite: www.alcoa.com