04. Bahnhof Freienfeld

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04. Bahnhof Freienfeld

Freienfeld
1867
Bahnhofsvorplatz

Freienfeld liegt – wie schon aus seinem Namen abzuleiten ist – in einem freien Feld. Ein sanfter Hang erstreckt sich zwischen der Brennerstaatsstraße und dem Ufer des Eisacks. Die Bahntrasse verläuft zunächst am linken Flussufer, bevor sie bei Grasstein den Eisack quert. Die Lage und Baugestalt des Bereichs rund um den Bahnhof von Freienfeld werden heute vor allem durch das Bahnhofsgelände sowie den Gasthof mit Hotel, Restaurant und der historischen Veranda aus dem Jahr 1922 geprägt.

Im Jahr 1928 wurden die Gemeinden Trens, Stilfes und Mauls zur neuen Gemeinde Freienfeld zusammengelegt. Diese Mehrdörfergemeinde mit ihren unterschiedlichen historischen Sied-lungskernen steht nun vor bedeutenden Veränderungen: In den kommenden Jahren wird sie von einer neuen Verkehrsinfrastruktur tangiert, welche die bauliche Entwicklung sowie das Wege-, Rad- und Straßennetz grundlegend neu definieren wird.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Eisacktal
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Inbetriebnahme: 1867
AuftraggeberIn: K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Projektant/Erfinder: Architekt Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Erbauer/Konstrukteur: Karl von Etzel

Ursprünglicher Baubestand:
Schon die Römer besiedelten diesen Teil des Eisacktales, durch den die römische Straße führte. Sie überquerte den Eisack um über das heutige Stilfes um das Sumpfgebiet im Talgrund nach Vipitenum zu umgehen. 1928 wurden die ursprünglich selbstständigen Gemeinden Trens, Stilfes und Mauls zur Gemeinde Freienfeld zusammengeschlossen. Beim Bau der Eisenbahn stieß man im Talgrund wegen des sumpfigen Untergrundes (700 ha). auf große Schwierigkeiten, da man – um den Wasserhaushalt nicht zu stören – auf einen Damm verzichten musste.. Nach dem Bau der Bahnlinie begann ab 1875 die Kultivierung des Gebietes für die Landwirtschaft. Gleichzeitig begann auch hier der Fremdenverkehr.
1867 wurde ein Aufnahmsgebäude vom Typ IV gebaut, sehr kompakt, aus der Typenserie von Bahnhofsbauten entlang der Brennerlinie des Architekten Wilhelm von Flattich. Es hatte über dem Eingang mit zwei Fensterachsen darüber zum Bahnhofsvorplatz einen Mittelrisalit mit Giebeldach, das jedoch gleisseitig nicht wiederholt wurde. Die platzseitige Gliederung zeichnete sich dort nur durch bossierte Mauerwerksrisalite in der gleichen Ebene der Fassade unter durchgehender Traufe ab. Seitlich des Mittelrisalites war jeweils nur eine Fensterachse angeordnet. Dadurch ergaben sich zum Bahnsteig hin vier gleichmäßig aufgeteilte Fensterachsen. Die Giebelseiten waren bis in die Spitze gemauert, hatten dort ein rundes Fenster und nur auf der Nordseite darunter drei schmale Fenster im 1. Obergeschoß für die Wohnung. Das ganze Gebäude wurde in Grassteiner Granit gemauert und weist in den Giebelspitzen der Dachüberstände schön gearbeitete Holzdetails auf.
Südlich des Hauptgebäudes sah man, wie meist üblich, einen hölzernen Magazinbau vor. Gegenüber dem Bahnhof entstand ein Hotel mit Resaurant.
1928 wurden die Anlagen zur Güterabfertigung mit zwei Geleisen und einem südlichen Anbau an das Aufnahmsgebäude für ein elektromechanisches Stellwerk ausgebaut. Gleichzeitig wurde ein Plan genehmigt, der den Ausbau der Flächen entlang der Strecke zwischen Freienfeld und Sterzing als wichtigen Militärbahnhof vorsah. Es umfasste ein Bündel von fünf Richtungsgeleisen, eine Laderampe, eine Drehscheibe für Lokomotiven, ein Bürogebäude und ein weiteres für 4 Wohnungen. Diese Anlage wurde in den dreißiger Jahren ständig erweitert und umfasste schließlich fünf Laderampen, elf Gleisstränge und zahlreiche Militärbaracken. Im Krieg wurde diese ausgedehnte Einrichtung das Ziel zahlreicher Bombenangriffe, die zur völligen Zerstörung führten. Nur der kleine kompakte Bahnhof aus Granit überstand alles.
Ebenfalls im Jahre 1928 wurden vom Architekten Angiolo Mazzoni entlang der Staatsstraße östlich des Bahnhofsgeländes dreigeschossige Wohnblocks für die Mitarbeiter der FS errichtet.

K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1863 – 1867 von Innsbruck nach Bozen unter Karl von Etzel (gest. 1865) und Achilles Thommen, Wilhelm Pressel, Julius Lott und Wilhelm Hellwag. Fertigstellung:1867 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke ab Brenner).

Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit: Arch. Franz Wilhelm.

Informationen und Zitate aus:
Wilhelm von FLATTICH, <em>Der Eisenbahn-Hochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K. Priv. Südbahn-Gesellschaft</em>, Wien, Lehmann&Wenzel, ohne Datum.
Elisabeth BAUMGARTNER <em>Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn</em>; Fotos Walter NIEDERMAYER, in: Christoph BERTSCH (Hrsg), <em>Industriearchäologie, Nord-, Ost-, Südtirol und Vorarlberg</em>, Innsbruck, Haymon Verlag 1992, S. 49-77.
Elisabeth BAUMGARTNER; <em>Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol</em>, Innsbruck, Haymon, 1990.
Gerhard und Josef DULTINGER, <em>Die Brennerbahn, Gestern – heute – morgen</em>, Thaur/Tirol, Wort und Welt Verlag, 2. Auflage: 1989
Laura Facchinelli, <em>Die Eisenbahn Verona-Brenner</em>, Athesia Bozen 1995
MART Quaderni di architettura, <em>Angiolo Mazzoni – Architetto Ingeniere del Ministero delle Communicazioni</em>, Skira Editore, Milano 2003.
Wittfrieda MITTERER, <em>Zeitzeichen der Technik</em>, Edizione Raetia, Bozen 1993.

Siehe auch:
Günther ENNEMOSER, <em>La storia di Colle Isarco con particolari riguardi agli anni 1850-1914</em>, tesi di laurea, Padova, 1974/75.
Günther ENNEMOSER; <em>Südtiroler Gebietsführer</em>, Nr.39, Bozen, Athesia Druck, 1984.
Alois TRENKWALDER, <em>Brenner-Brennero, Gemeinde</em>, Gemeinde Brenner-Gossensass (Hrsg.) 1999.
Hans-Jürgen und Carl ROSENBERGER, <em>Die Eisenbahnen in Südtirol</em>, Athesia; 1993.

Auskunftspersonen:
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv.
Rudi PLANK, Vorsitzender des Eisenbahner-Freizeitvereins Dopolavoro FS, Bahnhof Sterzing

Südtirol – Eisacktal
Bahnhofstraße
I – 39040 Freienfeld

Ferrovia Statale FS – Direktion Region Bozen
39100 Bozen
Tel: 0039-0471-976077
Fax: 0039-0471-313786
Webseite: http://www.trenitalia.it