27. Bahnhof Töll

27. Bahnhof Töll

Partschins
1906
Bahnhof Töll nach der Sanierung

Im Jahr 2012 wurde die historische Haltestelle Töll Brücke aufgelassen und durch den Neubau der Haltestelle Töll ersetzt. Der moderne Funktionsbau bedient sowohl den Schienenverkehr als auch den Busbetrieb. Direkt angrenzend befinden sich Radabstellplätze und sanitäre Anlagen, wodurch die Haltestelle zu einem intermodalen Verkehrsknotenpunkt ausgebaut wurde.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Partschins
Für Publikum zugänglich: Ja
Inbetriebnahme: 01.07.1906 bis 02.06.1991
AuftraggeberIn: Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Projektant/Erfinder: Bauausführung durch das Wiener Lokalbahnamt. Entwurf Hochbauten unter der Leitung von Baurat Konstantin Ritter von Chabert

Wie alle historischen Bahnhöfe entlang der Vinschger Bahnstrecke wurde auch der Bahnhof Partschins-Töll vom Wiener Lokalbahnamt unter der Leitung von Baurat Konstantin Ritter von Chabert nach einem einheitlichen, funktional und gestalterisch sorgfältig durchdachten Entwurf errichtet. Die Hochbauten der Vinschger Bahn bilden in ihrer Gesamtheit ein in Europa einzigartiges Ensemble einer vergangenen Epoche – ein eindrucksvolles Zeugnis technischer Innovation und architektonischer Gestaltungskraft der Jahrhundertwende

Von Marling bis Töll sind es 6,852 km. Dazwischen befinden sich drei Tunnel, der Marlingertunnel (598 m), der Josefsbergtunnel (581,5 m), eine Steinschlaggalerie (80 m) und der Tölltunnel (684 m). 150 m Höhenunterschied mussten überwunden werden. Der Bahnhof Töll liegt jenseits der Etsch ca. 1,5 km von der Ortsmitte Partschins entfernt – nur über eine sehr befahrene Kreuzung und die Etschbrücke erreichbar Für Anfahrt und Parken ist jedoch genügend Fläche vorhanden.
Das Aufnahmsgebäude geht von einem T-förmigen Grundriss aus. Der erdgeschossige Seitenflügel unter einem Satteldach nahm den Warte- und Schalterraum auf. Gleisseitig wurde eine hölzerne Loggia mit einem flachen Satteldachteil und einem Pultdachteil angeordnet. Der Zugang erfolgte strassenseitig unter einem hölzernen Vordach. Der zweigeschossige Querbau, ebenfalls unter einem Satteldach, diente für zwei Wohnungen der Bahnbediensteten. Das Gebäude wurde in verputztem Mauerwerk mit bossierten Lisenen und feinen Profilen ausgeführt. Die Giebelseiten der Obergeschosse des zweigeschossigen Bauteils strukturierte eine Fachwerkkonstruktion mit einem schön detaillierten hölzernen Balkon auf der Südseite. Die Giebelseite des eingeschossigen Bauteils wurde holzverschalt. Fenster- und Türen wurden mit kräftigen Lisenen gefasst und der Wohnteil erhielt bossierte Eckrisalite. Ein freistehendes, gemauertes und verputztes Toilettenhäuschen ergänzte das Aufnahmsgebäude. Westlich des Aufnahmsgebäudes wurde unter einem Satteldach ein relativ kurzes Lagergebäude – wiederum als reine Holzkonstruktion – auf einem Natursteinsockel errichtet. Es wies nur einen geschlossenen Lagerraum mit weit überkragenden Dachvorsprüngen auf. Südwestlich hinter dem Lagerschuppen wurde ein Wasserturm unter einem Satteldach errichtet. Er war ebenfalls gemauert und verputzt sowie mit dekorativen Profilierungen und Einfassungen der Zugänge versehen. Nach dem Übergang der Vinschgauerbahn an die italienische FS errichtete diese östlich hinter dem Lagergebäude einen klobigen Wasserturm aus Sichtbeton.

Um 1900 sollte die Architektur bürgerliche Werte repräsentieren und dem Reisenden das Gefühl vermitteln, am „richtigen Ort“ anzukommen. Die bewusst repräsentative Gestaltung verlieh dem technischen Verkehrsmittel Eisenbahn eine entsprechend überzeugende Ausdrucksform. Zusätzlich zur funktionalen Vielfalt der einzelnen Gebäudeelemente auf dem Gelände des Bahnhofs Töll bestechen heute insbesondere die gepflegten Grünanlagen und die vorbildliche Bauunterhaltung. Das Bahnhofsgebäude von Partschins-Töll stammt aus dem Jahr 1906. Im Zuge der Umbauarbeiten im Jahr 2004 wurden das freistehende Toilettenhäuschen sowie die hölzerne Lagerhalle abgebrochen. Beide Wassertürme blieben erhalten: Der ältere stammt noch aus der Zeit der k. k. Monarchie und kann heute besichtigt werden; der neuere, später errichtete Turm ist derzeit ungenutzt. Der Bahnhof Töll liegt in unmittelbarer Nähe zum Vinschger Radwanderweg und bietet einen direkten Anschluss an die Seilbahn nach Aschbach. Nur wenige Meter entfernt, entlang des Radweges in Richtung Mals, befindet sich der Kornmaschinen-Technikschauplatz, der an die landwirtschaftliche Technikgeschichte der Region erinnert.

Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Heutige Eignerin: Infrastruktur: Land Südtirol / Gebäude: Land Südtirol, bis 2034 Nutzungskonzession für die Gemeinde Partischins

Informationen und Zitate:
Bestandsaufnahme Vinschgerbahn durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesverwaltung, Abtlg. Denkmalpflege unter dem Abtlg. Direktor Dr. Helmut Stampfer, Bozen, 2000
Carmen MÜLLER; Meran-Mals, Vinschgau – auf den Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke folio-, Verlag Wien Bozen, 2001
Hans WIESER, Bevor die Lok dreimal pfeift… – Gedanken zur Vinschgerbahn, Videodokumentation RAI Bozen
Elisabeth BAUMGARTNER, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990
Wittfrieda MITTERER Hrg., Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen, 1993
Hans-Jürgen und Carlo ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia, Bozen, 1993
Nutzungskonzepte für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth BAUMGARTNER, Koordination: Wittfrieda MITTERER; Kuratorium für Technische Kulturgüter; Bozen, 2002

Auskunftspersonen:
Dr. Klaus KEMENATER, Geschäftsführer der STA, Bozen
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv

Südtirol – Vinschgau
Bahnhofstr. 2
I-39020 Partschins / Töll

STA (Infrastruktur)
Gerbergasse 60
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-312811
Webseite: http://

SAD (Fahrbetrieb)
Italienallee 6/N
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-450111
Webseite: http://