14. Bahnhof Waidbruck

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14. Bahnhof Waidbruck

Waidbruck
1867
Der Bahnhof Waidbruck-Lajen gleisseitig, Nordansicht. Die Südfassade ist dem Vorplatz zugewandt. Der Bahnhofsvorplatz und das Straßen- und Wegenetz bilden einen modernen Verkehrsknotenpunkt. Bushaltestelle, Parkflächen für Autos, Fahrräder und Motorräder wurden geschaffen.

Lage und Baugestalt des Bahnhofs Waidbruck sind topographisch durch die Mündung des Taleinschnitts des Grödner Bachs in das Eisacktal bestimmt. Von hier aus ist der historische Zugang ins Grödner Tal entlang des alten Wegverlaufs möglich. An dieser Stelle entstanden 1928 die ersten Bahnwohnungen, geplant vom damaligen Regime-Architekten Angiolo Mazzoni.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Eisacktal
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
AuftraggeberIn: K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Projektant/Erfinder: Architekt Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Erbauer/Konstrukteur: Karl von Etzel

Während des Baus der Brennerstrecke wurde zunächst ein Aufnahmsgebäude der Klasse IV nach der Typologie des Architekten Wilhelm von Flattich errichtet, mit einem Giebel über dem Mittelrisalit nur strassenseitig. Es erwies sich aber bald als zu klein und wurde um den gleichen Bautyp erweitert, beide Gebäudeteile wurden unter dem gemeinsamen Satteldach mit einem Bauteil verbunden, dass die Achsen eines Mittelrisalites aufweist, jedoch mit den anschließenden Seitenteilen in der Fassadenfläche bündig ist. Im Erdgeschoss befanden sich jeweils das Vestibule mit Kartenschalter und anschließendem Warteraum sowie der Raum des Fahrdienstleiters mit angrenzendem Büro. Im Obergeschoß war jeweils eine 4-Zimmer Wohnung mit Nebenräumen angeordnet.
Das Gebäude wurde ganz in Granit, dem Material aus der nach Süden anschließenden Eisackschlucht bis in die Giebel gemauert. Auch die Lisenen zwischen den Geschossen, die Fenster- und Türumrahmungen sowie die fingierten und bossierten Fensterbögen wurden im gleichen Material ausgeführt. Die weit überstehenden Dachgiebel erhielten hölzerne Schmuckeinsätze – dennoch macht das Gebäude insgesamt einen schlichteren Eindruck, auch durch die durchgehende gleisseitige Dachtraufe.
An das Aufnahmsgebäude schloss sich nördlich ein Werkstattgebäude mit Wasserstation an, ebenfalls in Porphyr gemauert, mit den üblichen Holzverschalungen im Obergeschoss und zwei Wasserbehältern. Dies sind große Reservoirs, aus genieteten Rothschild-Stahlteilen zusammengefügt. Zwischen Wasserstation und Aufnahmsgebäude waren die typisierten hölzernen Toilettenhäuschen mit Pultdach angeordnet. Die Toiletten wurden später in das Aufnahmsgebäude integriert. Ein weiterer typisierter Holzbau wurde als Warenlager nördlich der Wasserstation dicht am Hang errichtet. 1924 wurde südlich des Aufnahmsgebäudes eine Frachtrampe und ein großes, teilweise offenes Magazingebäude erbaut. Es brannte 1941 ab und wurde nicht erneuert. Am südlichen Ende des Bahnhofsgeländes errichtete man ein doppeltes Wärterhaus in Granit direkt oberhalb des Grödner Baches.

Mit dem Aufschwung des frühen Tourismus wurde der ursprüngliche Typenbau durch eine Verdoppelung erweitert. Heute verläuft die Straße nach Lajen und St. Ulrich teilweise auf der Trasse der ehemaligen Grödner Bahn. Die architektonische Typologie und Baugestalt des Bahnhofs Waidbruck zeichnen sich durch funktionale Klarheit aus. Durch die Entscheidung zur Verdoppelung des Grundtypus entstanden getrennte Wartehallen für An- und Abfahrt, jeweils mit Fahrkartenschalter, Büros und Diensträumen für die Fahrdienstleitung. Im Obergeschoss sind, wie bei allen Bahnhöfen dieses Typs, die Dienstwohnungen untergebracht.
Während bei anderen Bahnhöfen wie Schelleberg, Gossensass, Freienfeld und Grasstein Granit für das Mauerwerk verwendet wurde, kommt in Waidbruck eindeutig Bozner Quarzporphyr zum Einsatz. Gemäß dem Bauprogramm des k. k. Südbahnarchitekten Wilhelm von Flattich sah man für die Bahnhofsarchitektur generell Bruchsteine aus der jeweiligen Region vor, hintermauert mit Ziegelsteinen. Der Dachstuhl sollte mit einem deutlichen Überstand konstruiert sein; die Schalungen im Giebelbereich und an den Fassaden der Funktionsgebäude – wie Lagerschuppen und Wassertürme – sollten sichtbar verkleidet sein, im Stil der besseren „Tiroler Häuser“.

Die Funktion des Bahnhofs Waidbruck als Ausgangspunkt für Verbindungen ins Grödner Tal sowie in die entgegengesetzte Richtung nach Barbian, Bad Dreikirchen und Briol ist aus heutiger Sicht, insbesondere im Kontext eines sanften Tourismus, von erheblicher Bedeutung.
Darüber hinaus spielt der Bahnhof weiterhin eine wichtige Rolle im Bereich der modernen Bahntechnik, da hier die Überwachung des 13 km langen Tunnels nach Blumau erfolgt. Der Bahnhof wurde 2008 im Auftrag der RFI durch das Kuratorium für Technische Kulturgüter vorbildlich restauriert – sowohl in seiner Struktur als auch in der Oberflächengestaltung.
Zudem verfügt der Bahnhof über Autoparkplätze, was ihn als Verkehrsknotenpunkt zusätzlich aufwertet. Die Bedeutung eines schienengebundenen Zubringerdienstes – insbesondere für Schüler und Pendler nach Bozen bzw. Brixen – wird hier in vollem Umfang erfüllt.

K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1863 – 1867 von Innsbruck nach Bozen unter Karl von Etzel (gest. 1865) und Achilles Thommen, Wilhelm Pressel, Julius Lott und Wilhelm Hellwag. Fertigstellung: 1867 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke ab Brenner).

Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit: Arch. Franz Wilhelm.

Informationen und Zitate aus:
Wilhelm von FLATTICH, Der Eisenbahn-Hochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K. Priv. Südbahn-Gesellschaft, Wien, Lehmann&Wenzel, ohne Datum.
Elisabeth BAUMGARTNER Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn; Fotos Walter NIEDERMAYER, in: Christoph BERTSCH (Hrsg), Industriearchäologie, Nord-, Ost-, Südtirol und Vorarlberg, Innsbruck, Haymon Verlag 1992, S. 49-77.
Elisabeth BAUMGARTNER; Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990.
Gerhard und Josef DULTINGER, Die Brennerbahn, Gestern – heute – morgen, Thaur/Tirol, Wort und Welt Verlag, 2. Auflage: 1989
Laura Facchinelli, Die Eisenbahn Verona-Brenner, Athesia Bozen 1995
MART Quaderni di architettura, Angiolo Mazzoni – Architetto Ingeniere del Ministero delle Communicazioni, Skira Editore, Milano 2003.
Wittfrieda MITTERER, Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen 1993.

Siehe auch:
Günther ENNEMOSER, La storia di Colle Isarco con particolari riguardi agli anni 1850-1914, tesi di laurea, Padova, 1974/75.
Günther ENNEMOSER; Südtiroler Gebietsführer, Nr.39, Bozen, Athesia Druck, 1984.
Alois TRENKWALDER, Brenner-Brennero, Gemeinde, Gemeinde Brenner-Gossensass (Hrsg.) 1999.
Hans-Jürgen und Carl ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia; 1993.

Auskunftspersonen:
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv.
Rudi PLANK, Vorsitzender des Eisenbahner-Freizeitvereins Dopolavoro FS, Bahnhof Sterzing

Südtirol – Eisacktal
Lajen Nr. 6
I – 39040 Lajen, Fraktion Ried am Ort Waidbruck

Ferrovia Statale FS – Direktion Region Bozen
39100 Bozen
Tel: 0039-0471-976077
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