75. Die Dolomiten- (Ampezzaner) Bahn

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75. Die Dolomiten- (Ampezzaner) Bahn

1914
Die Dolomitenbahn Toblach–Cortina–Calalzo wurde als Kriegsbahn zu Beginn des Ersten Weltkrieges erbaut. Ab 1921 wurde sie für den Personentransport genutzt, bis zur endgültigen Schließung im Jahre 1963. Im Bild eine Zuggarnitur am Dürrensee im Höhlensteintal. Foto, Francesco Pozzato

Heute verläuft auf der Tasse der ehemaligen Bahn der beliebte Radfernweg „Langer Weg der Dolomiten“. Seit Jahren sorgeen Revitalisierungspläne Ampezzaner Unternehmer immer wieder, auch kürzlich, für Schlagzeilen.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Pustertal
Aktueller Zustand: nicht betriebstüchtig
Inbetriebnahme: 1914 bis 1963
AuftraggeberIn: k.k. Eisenbahnministerium
Projektant/Erfinder: Josef Riehl

Trotz der sich über den Tiroler Bergen zusammenbrauenden Gewitterwolken des Ersten Weltkriegs war das Touristenbarometer vorerst weiter im Steigen. Die von Karl Felix Wolff angepriesenen Tagesausflüge verführten selbst zögerliche Münchner zu einem Abstecher über den Brenner in den Toblacher „Sommersalon“ der europäischen Haute-Volée.
Mit dem Kriegseintritt Italiens änderte sich die Lage jedoch schlagartig. Die Ampezzaner Bahn wurde nun als strategischer Zubringer zur Dolomitenfront in einem dramatischen Wettlauf mit der Zeit gebaut. Der Abschnitt Toblach–Cortina lag im Schussfeld der Italiener und konnte nur während längerer Feuerpausen etappenweise vorangetrieben werden. Die Bautrupps mussten sich in Stollen unterhalb der Nasswand vor dem Artilleriefeuer in Sicherheit bringen.
Riehls Schmalspurbahn gingen frühere Pläne für eine Panoramabahn durch das landschaftlich reizvolle Höhlensteintal in die einsamen, damals noch unberührten Ampezzaner Dolomiten voraus. Schon 1869 wurde eine Pferdeeisenbahn diskutiert. Ernsthaft engagierte sich als Erster Fürst Alfred Wrede aus Wien, ein typischer Vertreter der mondänen Reiselust der Jahrhundertwende. Er plante bereits 1899 eine elektrische Stichbahn von Toblach nach Cortina – ein Vorläufer des späteren Riehl-Modells.
Verfolgt man die Entwicklung dieses Bahnprojekts im offiziellen Amtsblatt, fragt man sich, warum gerade der erfahrene Bahnstratege Josef Riehl mit seinem ehrgeizigen Plan trotz der 1905 erteilten Vorkonzession fast ein ganzes Jahrzehnt lang nicht vom Fleck kam – bis der Weltkrieg schneller war.
Im Jahr 1914 mussten sowohl der Tiroler Landtag als auch das k.k. Eisenbahnministerium in Wien ihre Budgetmittel für das Ampezzaner Projekt erheblich aufstocken – leider zu spät. Die 65 km lange Strecke Toblach–Cortina–Calalzo wurde zunächst zur Kriegsbahn, fiel nach Kriegsende an Italien und wurde – eine Ironie des Schicksals – mit österreichischen Reparationsgeldern fertiggestellt. Anlässlich der Olympischen Winterspiele 1956 konnte die Dolomitenbahn ihre Leistungsfähigkeit noch einmal unter Beweis stellen. Nach der schrittweisen Einstellung des Personen- und Güterverkehrs wurde die Linie 1963 endgültig geschlossen.

Mit Blick auf den Personenverkehr, der 1921 aufgenommen wurde, wurde die Dolomitenbahn zwischen 1919 und 1921 ein weiteres Mal auf 950 mm umgespurt. Sämtliche damit verbundenen Arbeiten mussten von Österreich als Teil der Wiedergutmachungsleistungen finanziert werden.