73. Die Trambahn Lana–Meran

73. Die Trambahn Lana–Meran

1906
Trambahn in Meran am Theaterplatz. 1906 erfolgte die Jungfernfahrt. Streckenlänge 7,6 Kilometer

Als typisches übergemeindliches Nahverkehrsmodell war die elektrische Trambahn Lana–Meran von Anfang an ein Marktrenner und eine verkehrstechnische Pionierleistung. Die Bahntrasse begann in Lana, verlief parallel zur neu erbauten Straße durch Tscherms, weiter an Marling vorbei zur Etsch, die sie auf einer Eisenfachwerkbrücke überquerte. Anschließend kreuzte sie die Bozen–Meraner Bahn, führte über die damals noch unverbauten Wiesengründe von Untermais und erreichte schließlich über die heutige Theaterbrücke den Theaterplatz in Meran.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Burggrafenamt
Aktueller Zustand: nicht betriebstüchtig
Baubeginn: 1905
Inbetriebnahme: 1906 bis 1950
Projektant/Erfinder: Ing. Luis Zuegg

Trotz anfänglichen Widerstands wegen der hohen Investitionskosten – das Projekt wurde 1905 bei einer Volksabstimmung von der Lananer Bevölkerung abgelehnt – gelang es dem Bahnbaukonsortium um Rechtsanwalt Jakob Köllensberger, den späteren Seilbahnpionier Ing. Luis Zuegg, Großhändler Martin Lösch, Hotelier Franz Stauder und Bauunternehmer Anton Guschelbauer schließlich, vom k. k. Eisenbahnministerium die Konzession für Bau und Betrieb der Bahn zu erhalten. Am 20. Jänner 1906 wurde durch das k. k. Ministerium des Inneren in Wien die Bewilligung zur Gründung der Aktiengesellschaft unter dem Namen „Elektrische Bahn Lana–Meran“ erteilt. Nach nur achtmonatiger Bauzeit konnte am 11. August 1906 die Trambahn Lana–Meran als erste elektrische Bahn Südtirols ihre Eröffnungsfahrt antreten.
Die Züge verkehrten im bequemen Halbstundentakt mit gleichzeitigen Abfahrten in Lana und Meran. Die Fahrzeit betrug 26 Minuten und war aufgrund der niedrigen Betriebskosten besonders günstig. Gäste wie Einheimische nutzten die Gelegenheit, die wildromantische Gaulschlucht zu erkunden oder direkt in die Südtiroler Obstgärten zu fahren. Ein Novum war auch der Kundendienst der Bahn: Sogenannte „Theaterzüge“ brachten die Besucher nach Vorstellungsende vom Theaterplatz zurück nach Lana.
Die Trambahn erfreute sich bald großer Beliebtheit und entwickelte sich zu einem treibenden wirtschaftlichen Impulsgeber im Burggrafenamt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte dieser positiven Entwicklung jedoch ein jähes Ende. Nach 1920 zeichnete sich wieder ein Aufwärtstrend ab; im Rahmen der 30-Jahr-Feier am 11. August 1936 wurde das öffentliche Verkehrsmittel noch allseits gelobt. Am 8. Mai 1950 jedoch wurde der Betrieb – den technischen Entwicklungen der Zeit geschuldet – eingestellt.
Projektant und Betriebsleiter sowohl der Trambahn Lana–Meran als auch des Kraftwerks in der Gaulschlucht war Ing. Luis Zuegg. Der Fuhrpark der Bahn bestand im Jahr 1906 aus drei Motorwagen und zwei Anhängewagen für Personentransport mit einer Kapazität von jeweils 40 Fahrgästen. Die Bahn wurde mit 600 Volt Gleichstrom betrieben. Die elektrische Energie lieferten zwei Maschinensätze mit je 120 PS im Kraftwerk Lana; bei intensiver Nutzung kam zusätzlich eine Pufferbatterie mit Bleiakkumulatoren zum Einsatz.

Die Spurweite betrug 1000 mm bei einer Streckenlänge von 7,6 km und einer maximalen Steigung von 3,3 %.