12. Kabinenbahn St. Christina – Col Raiser
Die Aufstiegsanlage Col Raiser in Gröden blickt auf eine bewegte Geschichte voller Innovationen zurück. Seit ihrer Eröffnung 1963 ist sie ein zentrales Bindeglied zwischen St. Christina und den sonnigen Almwiesen sowie den imposanten Panoramapunkten am Fuße der Geislergruppe. Die Bahn ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie technischer Fortschritt, Komfort und Naturverträglichkeit harmonisch miteinander kombiniert werden können. Von den ersten Körben im Jahr 1963 über die Pioniergondel von 1988 bis hin zur modernen und energieeffizienten Anlage von heute ist die Geschichte der Col Raiser Bahn geprägt von Pioniergeist, technischem Fortschritt und ständiger Weiterentwicklung. Sie ermöglicht Gästen aus aller Welt den besten Zugang zu einer der schönsten Berglandschaften Europas und bleibt ein Symbol für Innovation und nachhaltigen Bergbahnbau.
DATEN
Die Geschichte der Col Raiser Bahn beginnt im Jahr 1963 unter der Leitung von Luis Schenk. Damals wurde der erste Aufstieg realisiert: ein moderner Zweier-Korblift, der die Gäste in etwa 25 Minuten von der Tal- zur Bergstation brachte. Für die damalige Zeit war dies ein Meilenstein – in technologischer Hinsicht und auch für den alpinen Tourismus. Der Korblift eröffnete neuen Zugang zu Wanderwegen, Skipisten und hochalpinen Landschaften und legte den Grundstein für Gröden als moderne, international ausgerichtete Tourismusdestination.
Der Zweier-Korblift überwand einen Höhenunterschied von rund 550 m, wobei die Talstation auf 1.550 m Höhe lag und die Bergstation auf dem Col Raiser auf 2.100 m. Mit einer Kapazität von mehreren 100 Personen pro Stunde stellte diese Anlage einen damals herausragenden Fortschritt in der Seilbahntechnik dar.
Ein bedeutender Schritt in Richtung Benutzerfreundlichkeit erfolgte 1988, als der Korblift vollständig durch eine hochmoderne 8er-Gondel ersetzt wurde – die erste ihrer Art in ganz Europa. Diese Innovation brachte mehr Komfort, deutlich höhere Geschwindigkeit und eine größere Beförderungskapazität. Gleichzeitig ermöglichte sie eine ästhetisch gelungene Integration der Bergstation in die Landschaft und steigerte die Attraktivität des Col Raiser sowohl im Sommer- als auch im Wintertourismus erheblich. Im Jahr 2008 wurde die Gondelbahn umfassend modernisiert. Die Anlage erhielt modernste Technik, eine nochmals höhere Fahrgeschwindigkeit und einen barrierefreien Zugang, bei gleichzeitiger Anhebung der Standards von Komfort und Sicherheit. Auch die Infrastruktur wurde kontinuierlich weiterentwickelt. So wurde 2023 an der Talstation eine großflächige Photovoltaikanlage installiert, die es ermöglicht, bis zu 30 % des Strombedarfs während der Sommersaison durch Solarenergie zu decken. Dieses Engagement unterstreicht die nachhaltige und energieeffiziente Ausrichtung der Bahn.
Die 1963 am Fuße des Col Raiser erbaute Talstation bestand aus einem zweigeschossigen, auf rechteckigem Grundriss errichteten Gebäude mit Satteldachabschluss, das in seiner Ausrichtung der Fahrtrichtung der Kabinen folgte. Während die dem Hang zugewandte Ostseite und die südliche Schmalseite schlicht und verschlossen wirkten, war von nordwestlicher Seite die funktionale Innengliederung ablesbar. Von der Hangseite betrachtet öffneten sich zwei Drittel der nördlichen Schmalseite zum lang gezogenen Ein- und Ausfahrtsbereich für die Fahrzeuge, der sich über beide Stockwerke zog. Darin befand sich die Antriebs- und die Spannstation der Anlage, eine Brückenkonstruktion, die an den Betonträgern der Seitenwände auflag und durch seitliche Schienen beweglich war. Die Motorengruppe war auf dieser Brückenkonstruktion befestigt und über die Antriebswelle mit der fliegend nach unten angeordneten Antriebsscheibe verbunden. Über den Spannschlitten war die Seilscheibe mit den im hinteren Stationsbereich untergebrachten Spanngewichten verbunden. Im schmalen Gebäudestreifen rechts der offenen Stationshalle waren im Erdgeschoss verschiedene Funktionsräume, im Obergeschoss eine Dienstwohnung untergebracht. Die westliche Langseite war durch die Zugänge zu den Garagen im Untergeschoss und die regelmäßig angeordneten Fenster- und Türöffnungen der darüber liegenden Stockwerke gegliedert.
Die Besucher wurden entlang der westlichen Langseite über den balkonartigen Zugang zum Einstiegsbereich an der nördlichen Schmalseite gelenkt.
Die Bergstation auf 2.104 m war in einem eingeschossigen Gebäude mit Satteldachabschluss untergebracht. Zur Talseite hin öffnete sich der Stationsbau zu einem geräumigen Ein- und Ausfahrtsbereich, an den seitlich ein Schalterraum angrenzte. Das Herzstück der Anlage, die Umlenkscheibe, war am Ende des Einfahrtsbereiches auf einer stabilen Profileisenkonstruktion befestigt.
Bereits ein Jahr nach der Eröffnung der Linie St. Christina – Col de Reiser wurde die Bergstation durch einen schmalen Zubau neben dem Kassenbereich erweitert, in dem die Bar untergebracht wurde, die 1965 den Betrieb eröffnete. Im Jahr 1973 wurde das Schutzhaus Col Raiser in unmittelbarer Nähe der Bergstation errichtet. In dem dreigeschossigen Bau mit Satteldachabschluss sind ein Gastbetrieb samt dazugehörigen Funktionsräumen und 14 Gästezimmer untergebracht.
1963: Die gebaute Einseilumlaufbahn bestand aus ständig am Förderseil befestigten Fahrzeugen. Der Ein- und Ausstieg erfolgte bei relativ hoher Geschwindigkeit.
22 Stützen wurden benötigt, um die Gesamtlänge von 2.408 m und einen Höhenunterschied von 558 m zu überbrücken. Die Antriebs- und Spannstation befand sich im Tal auf 1.546 m, während die Umlenkstation am Berg auf 2.104 m stand. Die größte Steigung betrug 59%, die Anzahl der Fahrzeuge 168, die Fahrtgeschwindigkeit 2 m/s und die Förderleistung 501 P/h mit einer Fahrzeugkapazität von 2 Personen.
Die Fahrzeuge waren Stehkörbe für zwei Personen. Der Ein- und Ausstieg war über eine seitliche Schwingtür möglich, die vom Personal geöffnet werden konnte. Da die Fahrzeuge ständig am Förderseil befestigt waren und die Fahrtgeschwindigkeit somit auf der gesamten Strecke dieselbe war, bedurfte es beim Ein- und Aussteigen einiger Geschicklichkeit bzw. helfender Hände seitens des Personals.
1989 erfolgte ein Umbau zur Einseilumlaufbahn mit betrieblich lösbaren Kabinen. Zur Überbrückung der Gesamtlänge von 2.333 m und des Höhenunterschiedes von 545 m werden 24 Stützen entlang der Bahnlinie benötigt. Der Unterflurantrieb war in der Talstation auf 1.546 m, die Umlenk- und Spannvorrichtung in der Bergstation auf 2.091 m untergebracht. Es wurden 24 Stützen benötigt, die größte Steigung betrug 57%. Zwischen 74 und 196 Fahrzeuge waren in Betrieb mit einer Fahrtgeschwindigkeit von 5 m/s und einer Förderleistung von 1.846 bis 2.400 P/h. Die Fahrzeugkapazität beträgt 8 Personen.
Fahrzeuge: Die aus Fieber- und Plexiglas fabrizierten Kleinkabinen für 8 Personen haben eine rechteckige Grundfläche; die Seiten sind durch eine zur Mitte hin leicht bauchige Wandverkleidung mit breitem Fensterband geschlossen. Zwei Sitzbänke mit jeweils vier Sitzplätzen sind Rücken an Rücken in der Mitte der Kabine platziert, sodass alle Fahrgäste das Panorama genießen können. Zwei Drehflügeltüren sollen den Einstieg von acht Fahrgästen erleichtern und beschleunigen, sodass die Fahrtgeschwindigkeit nicht unter der Fahrzeugkapazität leidet. Die Ski werden außen im dafür vorgesehenen Skiträger mittransportiert.
Die 1989 neuerbaute Talstation am nördlichen Rand des Weilers Plan de Tieja besticht durch ihre funktionale Innengliederung: Das auf rechteckigem Grundriss errichtete Stationsgebäude vereint die eigentliche Stationsebene und das als überdachter Parkplatz genutzte Untergeschoss. Von der Hangseite betrachtet ist nur die Stationsebene zu sehen, die entsprechend der markanten Zweiteilung durch die versetzten Satteldachhälften als Magazin für die Fahrzeuge und als Stationsbereich genutzt wird. Der linke Hallentrakt öffnet sich zu einem geräumigen Ein- und Ausfahrtsbereich, der den Blick ins Halleninnere zur eigentlichen Stationsvorrichtung freigibt. Diese besteht aus einem massiven Stationsfuß, der als Stütze für die hufeisenförmig angeordnete Verzögerungs- und Beschleunigungsschiene und die an der zentralen Plattform montierte Antriebsscheibe fungiert. Eine durch ein Metallrohr geschützte Antriebswelle stellt die Verbindung zwischen der Seilscheibe und der im Untergeschoss befindlichen Antriebsgruppe her. An den Stationsbereich schließt sich nahtlos der Bahnhofstrakt an, in den die abgekuppelten Fahrzeuge mittels Förderkette automatisch eingefahren werden.
Heute ist die Col Raiser Bahn das Tor zum Naturpark Puez-Geisler, der seit 2009 Teil des UNESCO-Welterbes Dolomiten ist. Im Sommer erschließt sie ein weites Netz an Wanderwegen mit spektakulären Panoramablicken auf die Geislergruppe, den Sellastock, die Marmolada, den Langkofel und den Plattkofel. Im Winter bietet sie direkten Einstieg ins Skigebiet Dolomiti Superski und die legendäre Sellaronda.
1988 – 1988 Europapremiere
Die Eröffnung der neuen Einseilumlaufbahn im Jahre 1988 mit den von der Firma Leitner projektierten 8er-Kabinen war eine Europapremiere, die in Fachkreisen großes Interesse und beim Publikum viel Anklang fand.
Luis Schenk
Luis Schenk, ein Grödner Skilehrer und Bergführer, machte bereits im Jahr 1952 mit dem Bau des Skiliftes Mauron und wenige Jahre später mit dem Skilift Tiesa erste Schritte als Seilbahnunternehmer. Zu Beginn der 60er Jahre beschloss er, den Col de Raiser mit einem Korblift für den Skisport zu erschließen. Die Anlage wurde im Laufe des Jahres 1963 erbaut und eröffnet.
Premiere in Europa. La prima telecabina europea a 8 posti è una Leitner!
Herausgeber/Zeitschrift: in: Neve International, Nr. 3 – 3 Trimestre (Umschlag)
Erscheinungdatum: 1988
Leitnertag 1989 – Giornata Leitner
S. 16 und S. 63
Herausgeber/Zeitschrift: in: ISR (Internationale Seilbahnrundschau) 2/1989
Erscheinungdatum: 05.1989
Eröffnung der neuen 8er-Kabinenbahn
Anzeige, S. 25
Herausgeber/Zeitschrift: in: Tageszeitung Dolomiten
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 23.06.1989
Neuer Führer von Gröden
Kulturgeschichtliches – Beschreibungen der Kurorte – Sehenswürdigkeiten – Touristische Auskünfte
AutorIn: Moroder, Egdar
Herausgeber/Zeitschrift: Vallagarina – Arti grafiche R. Manfrini S.p.A.
Erscheinungsort: Calliano (TN)
Erscheinungdatum: 1974
Zimmer frei. Das Buch zum Touriseum
Der Katalog zum Tourismusmuseum Schloss Trauttmannsdorff, Meran.
AutorIn: Rohrer, Josef
Verlag: Athesia
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 2003
COLDEREISER S.r.l.
via Cisles 11, Cislesstr. 11
39047 St. Christina / S. Cristina
Tel: +39 0471 793069
Tourismusverein St. Christina / Associazione Turistica S. Cristina
Str. Chemun, 9
39047 St. Christina / S. Cristina
Tel: +39 0471 793046
E-mail: s.cristina@valgardena.it
Webseite: https://www.valgardena.it/
http://www.groeden.net/summer/deu/wandern.htm
Die Website zeigt u.a. Landkarten und Wanderwege auf.
http://www.museumladin.it/
Das ladinische Museum befindet sich im Schloss Ciastel de Tor in in St. Martin in Thurn. Es gibt umfassenden Einblick in Geschichte und Gegenwart der Dolomitenladiner, in deren Sprachgebrauch und -formen und auf die Wechselbeziehung zwischen Landschaftsformen und Lebensweisen.
Das Museum befindet sich im Gadertal, etwa 40 km von St. Christina entfernt.
https://www.leitner.com/
Das Unternehmen LEITNER wurde 1888 gegründet. Als einstiger Pionier in der Entwicklung von Seilförderanlagen und Pistenfahrzeugen zählt das Unternehmen mittlerweile zu den weltweit bedeutendsten Anbietern dieser Technologien.
http://www.funivie.org/
Die Website „www.funivie.org“ berichtet ausführlich über Planung, Bau und Fertigstellung der Standseilbahn. Zahlreiche Fotos illustrieren den Werdegang der ersten unterirdischen Standseilbahn in Südtirol. Die Texte sind nur in italienischer Sprache vorhanden.


