22. „Koundl“-Aquädukt
„Koundl“ ist die typische Bezeichnung in der Vinschgauer Mundart für einen Kanal (von canalis) – ein zentrales Element des historischen Bewässerungssystems, auf das das inneralpine Trockental in seiner landwirtschaftlichen Entwicklung angewiesen war. Über den „Koundl“ wurde Schmelz- und Gletscherwasser aus dem Laaser Tal von der südlichen auf die nördliche Talseite jenseits der Etsch geleitet. Dort diente es der Bewässerung der Felder, aber auch als Trinkwasser für Mensch und Vieh.
DATEN
Viaduktsystem aus dem 17. Jahrhundert im Vinschgau.
Der Koundl quert das Dorf Laas vom Nörderberg in Richtung Sonnenberg. Das einst markante Wahrzeichen von Laas ist heute nicht mehr zur Gänze erhalten: Ein Teilstück des früheren hölzernen Rinnenzugs aus Lärchenholz – etwa zwei Meter breit und knapp einen Meter hoch – wurde rekonstruiert. Es ruht auf gemauerten Pfeilern aus dem 18. Jahrhundert, deren Höhe zwischen drei und 15 bzw. 18 Metern variiert. Die künstliche Wasserleitung ist urkundlich erstmals im 16. Jahrhundert belegt, damals noch auf einem Holzgerüst errichtet. Es wird jedoch vermutet, dass bereits in der Römerzeit ein Aquädukt bestand: Bei Flurbereinigungen wurde ein unterirdisch verlaufendes Bogenziegel-Mauerwerk freigelegt.
Der „Koundl“ ist eng mit dem traditionellen Vinschgauer Bewässerungssystem der Waale verbunden. Diese leiten das Wasser aus den Gebirgsbächen am Bergfuß ab und verteilen es gleichmäßig über die Talsohle. Das Wasserrecht (Urbare), das die Nutzung des kostbaren Nass genau geregelt hat, ist bereits seit dem Mittelalter urkundlich belegt. Der Waaler überwachte die gerechte Verteilung des Wassers und sorgte für deren genaue Einhaltung.
Viaduktsystem bei Laas, mit dem von der wasserreichen Talseite auf die wasserarme Talseite das Wasser für die Bewässerung transportiert wurde.
