Kraftwerk Flodige

Kraftwerk Flodige

Toblach
1924
Das im Jahre 1924 errichtete Krafthaus ist noch im Originalzustand. Vor dem Gebäude befindet sich das später errichtete Beruhigungsbecken des Kraftwerks Schmelze. AutorIn/Copyright: Frenes Norbert, Bolzano

Das Kraftwerk Flodige (benannt nach dem Flodigebach, der am Nordhang des Dürrensteins entspringt) wurde in den Jahren 1923/24 gebaut. Da der Flodigebach in den Wintermonaten fast völlig versiegt, wurde die Wasserfassung (1702 m über dem Meer) an der Flodigequelle angelegt, die das ganze Jahr über eine fast konstante Wasserschüttung aufweist und somit in der kalten Jahreszeit die Grundversorgung des Kraftwerkes sichert. Das Werk hat einen Tagesspeicher von 8000 m³ Fassungsvermögen, der 1923/24 großteils von Hand in den Dolomitenfels getrieben wurde. Damit kann es als Spitzenkraftwerk betrieben werden, d.h. es läuft nur während der Stunden mit größtem Strombedarf. Vom Speicher führt eine 1099 m lange Druckleitung zum 385 m tiefer gelegenen Krafthaus. Das vom Werk abgearbeitete Wasser fließt direkt in das Beruhigungsbecken des Kraftwerkes „Schmelze“, das ebenfalls dem Toblacher Elektrizitätswerk gehört.
Im Werk befinden sich zwei Maschinensätze:
a) Maschinensatz I mit einer Peltonturbine der Firma J. M. Voith, St. Pölten aus dem Jahre 1924 (maximale Leistung 269 kW);
b) Maschinensatz II mit einer Peltonturbine der Firma Kössler, St. Pölten, Baujahr 1982 mit einer Leistung von 916 kW.
Das Krafthaus und der unterirdische Speicher befinden sich noch im Originalzustand.
Für weitere Informationen siehe „Festschrift“ zum 50jährigen Bestehen der Genossenschaft.

Die Besonderheit des Werkes ist der unterirdische Tagesspeicher, der fast ausschließlich in Handarbeit – ohne Verwendung von Sprengstoff – im Dolomitenfels an der Nordflanke des Dürrensteins herausgehauen wurde. Das Werk kann daher bei Spitzenbedarf eine Leistung von 916 kW erbringen.

DATEN

Sammlung: Kraftwerke
Bezirk: Pustertal
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 28.07.1923
Inbetriebnahme: 1924
Erbauer/Konstrukteur: Krafthaus: Fa. A. Foglietta; Stollen: Fa. Proclemer; Schaltanlage: A. Schuhmacher & Co., Bozen

Das Kraftwerk wurde in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg errichtet. Südtirol war inzwischen von Italien annektiert worden. Anstelle der österreichischen Kronenwährung war die italienische Lira gekommen: damit blieb Südtirol von der Hochinflation, die 1922/23 Österreich verarmen ließ, verschont. Der Faschismus hatte gerade die Macht in Italien übernommen, dennoch war ein gewisser wirtschaftlicher Aufschwung zu verspüren, obwohl die „goldenen Zeiten“ des Jahrhundertanfangs längst vorbei waren.
Im Mai 1922 befasste sich der Betriebsausschuss erstmals mit dem Plan, ein zweites Kraftwerk in der Flodige zu bauen. Noch im gleichen Monat wurde beschlossen, um 43.000 Lire die Wasserrechte von den Konzessionären zu übernehmen. Am 28. Juli 1923 wurde der Bau der neuen Zentrale endgültig entschieden und zu diesem Zweck bei der Raiffeisenkasse Toblach ein Darlehen von 300.000 Lire aufgenommen.
Die Firma Prolemer wurde mit dem Bau des Stollens betraut, die Rohre für die Hochdruckleitung lieferte die Firma Neumann & Kunze. Die Bauaufsicht übernahm Hermann Walch.
Während des Baues kam die Gesellschaft in arge Geldschwierigkeiten und war gezwungen, Wechseldarlehen aufzunehmen. Um neue Geldmittel zu beschaffen und zugleich das Absatzgebiet zu erweitern, wurden mit der „Cooperativa di Elettricità Cortina d’Ampezzo“, die im Gebiet von Cortina die Stromverteilung innehatte, Verhandlungen aufgenommen und am 13. Oktober 1923 ein Stromliefervertrag unterzeichnet, in dem sich die „Cooperativa“ verpflichtete, ein Viertel der Aktien des Toblacher Elektrizitätswerkes zu zeichnen. Bis Februar 1925 war die Fernleitung nach Cortina fertiggestellt. Schließlich musste zur Deckung der Kosten bei der Sparkasse Bozen ein Kredit von 1.200.000 Lire aufgenommen werden.
Obwohl das Unternehmen nunmehr zwei Kraftwerke besaß, reichte schon bald ihre Stromproduktion nicht mehr aus um das stark erweiterte Absatzgebiet zu versorgen (Toblach, Innichen, Niederdorf und Cortina d’Ampezzo). Daher wurden 1936 zwei Dieselmotoren zu je 500 PS in Triest angekauft. Wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten bei der Gleichschaltung mit den turbinenangetriebenen Generatoren waren die Dieselmotoren jedoch nur einen Winter lang im Einsatz.
1938 wurde der Stollen bei der Wasserfassung um einen unterirdischen Speicher von 4500 m³ erweitert um so genügend Wasserreserven für den Spitzenbedarf zu garantieren.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde eine Fernleitung über Frondeigen nach Pichl in Gsies und weiter nach St. Martin gelegt. Diese Leitung wurde nur wenige Jahre genutzt, da bald nach dem Ende des Krieges die Elektrogenossenschaft Gsies gegründet wurde.

Das Wasser wird mit Hilfe einer sogenannten „Tirolerwehr“ aus dem Flodigebach abgeleitet und gelangt über einen Kanal sowie einem Grobrechen zum unterirdischen Stollen, der zu einem ebenfalls unterirdischen, in den Dolomitenfels gehauenen Tagesspeicher (mit einem Fassungsvermögen von etwa 7000 m³) führt. Zugleich wird auch das Wasser der Flodigequelle, die sich gleich oberhalb der Tirolerwehr befindet, gefaßt und abgeleitet. In den Wintermonaten stellt sie den Hauptteil des Wassers, da der Flodigebach fast versiegt. Vom Speicher führt eine Druckleitung die Steilstufe hinab zum Kraftwerk, in dem sich zwei Maschinengruppen bestehend aus je einer Peltonturbine und einem Wechselstromgenerator befinden (in Betrieb ist außer bei Wartung oder Reparatur nur die zweite, d.h. neuere Gruppe).
Die erzeugte elektrische Energie wird über ein eigenes Leitungsnetz zu den Verbrauchern geleitet.
Die vorgeschriebene Restwassermenge beträgt 11 l/s.

Mittlere abgeleitete Wassermenge: 78 l/s
Nennfallhöhe: 385 m
Mittlere Nennleistung: 294,41 kW
Turbinen: einstrahlige Peltonturbinen mit horizontaler Achse; 1. Turbine von J.M.Voith, St. Pölten, Baujahr 1924, maximale Wassermenge 90 l/s, 269 kW, 1000 U/min; 2. Turbine von Kössler Ges.m.b.H., St. Pölten, 1982, 300 l/s, 916 kW, 1000 U/min.
Generatoren: Dreiphasensynchrongeneratoren: 1. ELIN, 355 kVA, 400/231V, 1000 U/min, 2. ebenfalls ELIN 1250 kVA, 400/231V, 1000 U/min
Gewässer: Flodigebach
Restwassermenge: 11 l/s

Das Werk ging 1924 in Betrieb und hatte folgende Merkmale:
Das Einzugsgebiet betrug 5,5 km². Das Werk war anfangs als Laufwasserkraftwerk ausgelegt: das Wassers wurde durch eine horizontale Sperre am Flodigebach abgeleitet und gelangte auf der orographisch linken Seite zum Druckrohr. Die Leistung betrug etwa 250 kW.
1938 wurde ein unterirdischer Speicher von ca. 7000 m³ Fassungsvermögen angelegt, um in der Zeit des Spitzenbedarf mehr elektrische Energie produzieren zu können. Die Tagesspeicher ist vollständig in den Dolomitenfels gehauen, wobei ein großer Teil in Handarbeit verrichtet werden mußte.
1955 wurde die alte Druckleitung, deren Durchmesserr 250 mm betrug, durch eine neue mit einem Durchmesser von 400 mm und einer Länge von 1.138 m ersetzt.
Da die alte Turbine nicht für die nunmehr erhöhte Wasserführung der neuen Druckleitung ausgelegt war, wurde sie im Oktober 1981 mit einer neuen Maschinengruppe, bestehend aus Peltonturbine und Drehstomgegenator, ausgetauscht. Auf diese Weise wurde der Wirkungsgrad der Anlage verbessert ohne die Konzessionsdaten zu verändern.
Das abgearbeitete Wasser gelangt in das Beruhigungsbecken der Kraftwerkes Schmelze, das sich unmittelbar vor dem Krafthaus auf der orographisch linken Seite der Rienz befindet.

Die Wasserfassung am Flodigebach befindet sich bei der sogenannten „Flodigequelle“ in 1702 m Seehöhe am Nordabhang des Dürrensteins. Das Bachbett ist an dieser Stelle extrem steil, das Wasser stürzt teils über Wasserfälle zu Tal. Da das Dolomitgestein typische Karsteigenschaften aufweist, kommt vermutlich ein beträchtlicher Teil des Wassers unterirdisch von der ausgedehnten Hochfläche der Plätzwiese. Das eigentliche Einzugsgebiet des Flodigebaches oberhalb der Wasserfassung beträgt nur 3,5 km² und wäre für eine mittlere Wasserführung von ca. 100 Liter/Sekunde viel zu klein.
Das Krafthaus liegt an der Rienz (orographisch links) in unmittelbarer Nähe des Kriegerfriedhofs im Höhlensteintal.

Die Wasserfassung mit unterirdischem Stollen und Speicher befindet sich in einer Steilstufe der Flodige in unmittelbarer Nähe des Wanderweges Nr. 4 zur Flodigealm in 1702 m Höhe über dem Meer. Das Krafthaus (1319 m über dem Meer) liegt am orographisch linken Ufer der Rienz an der Mündung des Flodigebaches etwa 500 m taleinwärts hinter dem Kriegerdenkmal (Erster Weltkrieg).

Anfahrt
Von der Pustertaler Straße (SS) in Toblach auf die Straße nach Cortina d’Ampezzo abzweigen (SS Alemagna), nach Kilometerstein 7 (etwa 300 m nach dem Kriegerdenkmal) rechts abzweigen, Parkplatzmöglichkeit vor der Brücke zum Kraftwerk.

Wegbeschreibung
Von der Abzweigung die Brücke über die Rienz überqueren, gleich dahinter befindet sich das Krafthaus und das Beruhigungsbecken des Kraftwerks Schmelze. Über den Wanderweg Nr. 4 erreicht man in ca. 1 Stunde die Wasserfassung, erkennbar am Druckrohr, das waagrecht die Felsen entlang führt. Vorsicht, die Fassung liegt großteils in steilem und ausgesetztem Gelände – Trittsicherheit erforderlich.

Elektrizitätswerk Toblach A.G.
Rathausplatz 1
39034 Toblach
Tel: 0474-972105
Webseite: http://