Kraftwerk Ramini
Ein Schritt zur Selbstversorgung
Das Wasserkraftwerk befindet sich oberhalb des Dorfes im sogenannten „Ramini-Wald“. Das Kraftwerk präsentiert sich als ein schlichter eingeschossiger Baukörper von annährend quadratischem Grundriss mit Satteldachabschluss. Lediglich zwei Eingangstore und ein vergittertes Rechteckfenster gliedern die Fassade des nüchternen Zweckbaus. Die zwei riesigen Tore resultieren aus der inneren Gliederung des Gebäudes in zwei Räume: der Maschinenhalle und dem Funktionsraum für die Unterbringung des Transformators. Der Maschinensatz, der auf einem niedrigen mit roten Fliesen verkleideten Betonsockel aufliegt, nimmt fast den gesamten Hallenraum ein. Der Maschinensatz setzt sich aus einer Pelton-Turbine mit horizontaler Welle mit einer Leistung von 1397 KW und einem Synchron-Generator mit einer Leistung von 1800 KVA zusammen. Die kontrastierende Farbgebung der Kraftmaschinen unterstreicht ihre unterschiedliche Funktion und verleiht der sonst äußerst schlichten Maschinenhalle einen farblichen Akzent. In seiner funktionalen Erscheinung integriert sich das Wasserkraftwerk formal in die architektonische Landschaft des Gebietes.
Der Bau dieses Kraftwerkes war für die Gemeinde Latsch ein wichtiger Schritt in Richtung wirtschaftlicher Unabhängigkeit in der Produktion und Verteilung elektrischer Energie und ermöglichte die sinnvolle Nutzung der gemeindeeigenen Wasserquellen.
DATEN
Bereits im Jahre 1901 bauten zwei fortschrittliche und weitblickende Männer, Zeno Tanzer (Gasthof „Zum Hirschen“) und Peter Gamper, zunächst hauptsächlich für ihren Eigenbedarf ein Wasserkraftwerk. Auf Initiative der Gemeinde Latsch unter dem damaligen Bürgermeister Alois Schuler und dem Betriebsleiter Josef Fischer, kam es im Jahre 1910 zum Bau eines gemeindeeigenen Wasserkraftwerkes, das das Wasser der Etsch nutzte und eine Leistung von 45 KW erzeugte. Diese Energieproduktion war damals ausreichend die Gemeinden Latsch, Goldrain und Vezzan mit Strom zu versorgen. Das Gemeindekraftwerk wurde durch die Inbetriebnahme der Montecatini-Werke im Jahr 1949 stillgelegt, jedoch bereits zwei Jahre später unter dem damaligen Präsidenten Heinrich Wörnhart wieder in Betrieb genommen. Da dieses Werk der steigenden Nachfrage nach elektrischer Energie nicht nachkommen konnte, beschloss die Gemeinde ein neues Kraftwerk zu errichten. 1980 wurden erste Studien zum Bau des Kraftwerks Ramini durchgeführt. Die Wassermessungen und die Ausarbeitung des Projektes wurde von den Ingenieuren Dr. Günther Winter, Dr. Siegfried Pohl und Dr. Ernst Trojer vorgenommen. Im Jahr 1985 wurde mit dem Bau des Krafthauses, der beiden Wasserfassungen, des Tagesspeichers und den dazugehörigen hydraulischen Anlagen begonnen. Die Arbeiten schritten zügig voran, wenn auch einzelne Bauabschnitte größte Anforderungen an Material, Maschinen und menschlichen Arbeitseinsatz stellten. Bereits nach vierzehnmonatiger Bauzeit konnte das Kraftwerk in Betrieb genommen werden. Das Krafthaus wurde von den Latscher Bauunternehmen ausgeführt während die Betonarbeiten zum Bau des Speichers und der Wasserfassungen von der Fa. Schöpf Hoch- und Tiefbau AG aus Schlanders durchgeführt wurden. Sämtliche Kabelverlegungsarbeiten übernahm das Gemeindewerk in Eigenregie. Der Sonderbetrieb der Gemeinde Latsch ist neben der Produktion, dem Transport, der Umspannung, der Verteilung und der Abgabe von elektrischer Energie auch für die Beschaffung und Verteilung von Trinkwasser, den Bau und Betrieb der Anlagen zur Abwasserbeseitigung, der Funktion des öffentlichen Beleuchtungsnetzes in Latsch und in anderen Gemeinden zuständig. Das Wasserkraftwerk erreicht eine Höchstleistung von 1550 KW pro Jahr, die jedoch nicht ausreicht um den gesamten Stromverbrauch zu decken. Der Rest wird von der SELEDISON dazugekauft.
Der Tagesspeicher des Kraftwerkes Ramini mit einem Fassungsvolumen von 5200 m3 befindet sich oberhalb der Latscher Alm auf Kote 1760 m über dem Meer und wird vom Almbach und dem Falzeibach gespeist. Für den Bau des unterirdischen zylinderförmigen Tagesspeichers wurden 850 m3 Beton aufgewendet. Eine 3550 m lange Druckrohrleitung, die teilweise entlang des bestehenden Almweges und im letzten Abschnitt in extrem steilem Gelände von der Örtlichkeit „Platzleng“ hinunter bis „Ramini“ verläuft, überwindet ein Gefälle von 878 m; das mitgeführte Wasser treibt eine Pelton-Turbine mit horizontaler Welle an. Der obere Teil der Druckrohrleitung (von der Latscher Alm bis „Platzleng“) wurde in Gussrohren ausgeführt während die hohen Druckansprüche im unteren Streckenbereich die Verlegung von Stahlrohren notwendig machte. Das unter schwierigsten Bedingungen und mit dem Einsatz modernster technischer Hilfsmittel entstandene Kraftwerk ist voll automatisiert und wird von der Verwaltungsstelle im Dorf Latsch überwacht und ferngesteuert.
Typ der Anlage: Laufkraftwerk
Beschreibung (Umbauten): Das Kraftwerk hat seit seiner Inbetriebnahme keine Umbauten erfahren
Baubeginn: 1985
Inbetriebnahme: 1986
Eigentümer: Sonderbetrieb Gemeindewerke (SGW) Latsch
Architekt/Ingenieur: Dr. Ing. Günther Winter, Dr. Ing. Siegfried Pohl, Dr. Ing. Ernst Trojer
Bauausführung / Technische Ausführung:
Bau des Krafthauses: Bauunternehmen, Latsch
Bau des Speichers: Fa. Schöpf Hoch- und Tiefbau AG, Schlanders
Grabungsarbeiten: Fa. Ratschiller Johann, Latsch
Wasserkonzession: 1982
Gefällstufe: 878 m
Einzugsgebiet: 4,8 km2
Abgeleitete Bäche: Almbach und Falzeibach
Tagesspeicher: 5200 m3
Druckrohrleitung: 3550 m
Turbine: 1 Peltonturbine mit horizontaler Achse, Leistung: 1397 KW, Drehzahl: 1500 Upm, Hersteller: Maschinenfabrik Kössler Ges.m.b.H. St. Pölten
Generator: 1 Drehstrom-Synchron-Generator, :eistung: 1800 kVA, Spannung: 3 x 400 V, Hersteller: Firma ELIN-Union
Maximale Leistung: 1550 KW
Mittlere Jahreserzeugung: Je nach Niederschlagsmenge, zwischen 6 und 9 Mio. KWh
Das Kraftwerk läuft im Parallelbetrieb zum öffentlichen Netz und dient der Versorgung des Gemeindegebietes von Latsch. Es ist normalerweise nur ca. 8 Stunden zwischen 8 und 20 Uhr in Betrieb und erzeugt daher vor allem teuren Spitzenstrom.
Das Einzugsgebiet des Kraftwerks Ramini wird im Süden vom Gebirgskamm zwischen dem Vinschgau und dem Ultental begrenzt. Es umfaßt die Almtäler des Latscher Almbaches und des Falzeibach und reicht vom Hohen Dieb (2728 m) im Osten bis zum zur Blauen Schneid (2915 m) im Westen. Nach Norden reicht es bis auf eine Höhe vom 1760 m über dem Meer, knapp oberhalb der Latscher Alm (1715 m).
Die Wasserfassungen der Falzei- und des Latscher Almbaches befinden sich in je 1765 m Höhe, das Wasser wird in den 1760 m hoch etwas oberhalb der Latscher Alm gelegenen Tagesspeicher geleitet.
Das Kraftwerk befindet sich oberhalb der Ortschaft Tarsch auf in 877 m. Höhe über dem Meer.
Anfahrt
Von der Staatsstraße durch den Vinschgau beim Kreisverkehr nach Latsch abbiegen; von Latsch auf der Gemeindestraße nach Tarsch fahren, nach der Ortschaft gibt es Parkmöglichkeiten.
Wegbeschreibung
Vom Parkplatz gelangt man zu Fuß auf der Fahrstraße zur Tarscher Alm in ca. 15 Minuten zum Kraftwerk, das orographisch rechts vom Raminibach – so die Bezeichnung des Almbaches im unteren Abschnitt – liegt.
Kraftwerk Ramini
Hauptplatz 6
39021 Latsch
Tel: Tel. 0473 623120
Handy: 335 5347840
Fax: 0473 622030
E-mail: E-Mail: sgw.latsch @ rolmail.net
Webseite: http://