08. Staller Sattel
Der Staller Sattel ist ein 2052 m hoher Grenzpass, der von italienischer Seite über das Antholzer Tal und von österreichischer Seite über das Defreggental erreichbar ist.
DATEN
Die Geschichte seines Ausbaus lässt sich in drei markante Epochen gliedern. Ursprünglich – und bis ins 20. Jahrhundert hinein – war die in der Nähe des Sattels gelegene Staller Alm lediglich über einen steilen, steinigen Weg von Süden her zugänglich. Dieser diente vor allem der Viehwirtschaft. Im Jahr 1938 wurde von Süden her eine Militärstraße zum Sattel gebaut. Ab 1971 war es möglich, den Sattel zu Fuß zu überqueren. Schließlich wurde 1974 die durchgehende Straßenverbindung zwischen dem Antholzer Tal und dem Defreggental für den leichten Personenverkehr fertiggestellt. Die feierliche Eröffnung fand am 14. September 1974 statt. Einer der Pioniere dieses grenzüberschreitenden Projekts war der Osttiroler Erich Heinzle.
Bis zum Inkrafttreten des Schengener Abkommens unterlag die Passstraße noch strengen Grenzkontrollen. Seither herrscht jedoch freie Fahrt für alle, die den Staller Sattel überqueren. Damit stehen die Zeichen günstig, dass die Straße ein Bindeglied zwischen den Menschen diesseits und jenseits der Grenze und in Europa bleiben könnte. So formulierte es auch Thomas Schuster, Bürgermeister von Rasen-Antholz, anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Passstraße im Jahr 2014.
Von St. Jakob bis zur Staatsgrenze beträgt die Strecke 6,3 km, bei einer durchschnittlichen Steigung von 4,9 %. Der Abschnitt von der Grenze bis nach Antholz Obertal verläuft in zahlreichen engen Kurven talwärts und misst knapp 8 km. Hier liegt die durchschnittliche Steigung bzw. das Gefälle bei 4,7 %. Auf beiden Seiten des Passes erreicht die Maximalsteigung 10 %.
Der Staller Sattel ist von Mitte Mai bis Ende Oktober durchgehend geöffnet. Aufgrund der geringen Fahrbahnbreite gilt auf italienischer Seite eine Einbahnregelung. Außerdem besteht ein Fahrverbot für Wohnwagen und Busse. Die Talfahrt von der Passhöhe nach Italien ist jeweils von der 1. bis zur 15. Minute jeder Stunde erlaubt, während die Auffahrt vom Antholzer See in Richtung Österreich zwischen der 31. und 45. Minute gestattet ist. Zwei Ampeln regeln den Verkehr. Eine besondere archäologische Aufwertung erfuhr das Gebiet rund um den Staller Sattel durch die Auffindung eines rund 1000 Jahre alten Einbaums, vermutlich ein Fischerboot. Er wurde von Südtiroler Tauchern bei einer Übung in etwa 8 m Tiefe im Obersee entdeckt. Bemerkenswert an diesem Fund ist nicht nur sein Alter, sondern auch der außergewöhnliche Fundort auf rund 2.000 m Seehöhe. Zudem handelt es sich um den bislang einzigen bekannten Einbaum, der aus Zirbenholz gefertigt wurde. Heute ist der Einbaum im „Archäologischen Talschaftsmuseum“ in St. Jakob im Defreggental ausgestellt.

