Zentrale 2 – Welschnofen
Erstes Kraftwerk der Elektrizitätsgenossenschaft Welschnofen
Nach einer relativ langen Planungszeit wurde die Zentrale 2 1912 errichtet. Die Inbetriebnahme des Werkes war für die Dorfgemeinschaft ein besonderes Ereignis. Die Baugeschichte der Zentrale 2 ist in der 1962 herausgegebenen Festschrift (siehe Ressourcen) ausführlich beschrieben. Um 1985 wurde ein Generator durch einen Kurzschluss total beschädigt, daher war in der Folge bis 1999 nur eine Maschine in Betrieb. 1999 wurde der Generator repariert und das Kraftwerk erbrachte wieder seine volle Leistung, Außerdem wurde eine elektronische Regelung eingebaut und der neue Generator synchronisiert.
In Welschnofen produzierte zur Zeit der Errichtung des Kraftwerks „Zentrale 2“ zwar das Elektrizitätswerk des Karersee-Hotels schon seit einiger Zeit elektrischen Strom, es diente aber ausschließlich zur Versorgung des Hotels selbst. Mit der Inbetriebnahme des Werkes wurde das gesamte Dorf mit elektrischer Energie versorgt: von den Haushalten wurde diese Energie ausschließlich zu Beleuchtungszwecken verwendet; elektrische Maschinen waren zu dieser Zeit nur vereinzelt in Werkstätten vorhanden. Das Krafthaus befindet sich noch im Originalzustand.
DATEN
Von einem wirtschaftlichen Aufschwung Welschnofens kann eigentlich erst seit dem Bau der Eggentaler Straße im Jahre 1860 die Rede sein. Vorher war Welschnofen ein ausgesprochenes Bauerndorf, das zwar autark, aber auch in bescheidensten Verhältnissen leben mußte. Unter erheblichen finanziellen Opfern wurde im Jahre 1860 die Kunststraße durch das Eggental durch Ing. Schweighofer fertiggestellt und sogleich machten sich die ersten Anzeichen des beginnenden Fremdenverkehrs bemerkbar. Mit der Eröffnung der großen Dolomitenstraße 1895 nahm der Fremdenverkehr stark zu: 1894 wurde mit dem Bau des Grand Hotels Karersee begonnen und 1896 zu Ende geführt. 1897 wurde während der Sommersaison das Hotel bereits voll besetzt; unter anderen war auch die Kaiserin Elisabeth von Österreich dort zu Gast.
In den folgenden Jahren wurden in Welschnofen und am Karerpaß weitere Gasthöfe und Hotels erbaut. In Zuge dieses Aufschwunges sah man sich bald gezwungen, den Erfordernissen der neuen Zeit Rechnung zu tragen und eine elektrische Lichtquelle für das Dorf zu erschließen. Das Karersee-Hotel hatte sich bereits 1896 ein eigenes Werk gebaut (dort wo heute das Sägewerk Latemar steht). Das Werk erzeugte 200 PS. Im Jahre 1906 wurde durch die Vereinigung der Alpenhotels, der das Karersee-Hotel gehörte, ein neues Werk gebaut.
Am 30. November 1911 trafen sich die Herren Josef Knolseisen, Moserbauer; Johann Knolseisen (dessen Bruder), Josef Pattis, Pentner Seppl; Ferdinand Kaufmann, Kreuzwirt; Anton Dejori, Ribitzer; Alois Wiedenhofer, Rößlwirt, und Josef Pardeller, Vöstl, vor dem Notar Dr. Ignaz Taube in Bozen und gründeten die „Elektrizitätswerk-Gesellschaft Welschnofen, Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Am 10. Dezember 1911 traten die Gesellschafter das erste Mal zu einer Sitzung zusammen, wobei gurndsätzliche Beschlüsse gefaßt wurden: unter anderem wurde einstimmig beschlossen, den Bau des Werkes keiner Firma zu übergeben, sondern alles selbst zu besorgen. In der Sitzung vom 14. Januar 1912 wurden die eingelangten Offerte überprüft; die günstigsten waren für die elektrische Anlage: Siemens-Schuckert-Werke 9500 Kronen, für den Turbinenbau: Rusch und Ganahl, Dornbirn 12 420 Kronen.
Am 15. Juli 1912 leuchteten zum ersten Male im Dorf Welschnofen die elektrischen Lampen auf. Die ganze Anlage bestand aus einem Generator, der 110 PS Dreiphasenstrom lieferte. 1913 wurde die Anlage durch eine zweite Turbine und einen zweiten Generator mit gleicher Leistung ergänzt.
Am 1. September 1912 wurde Franz Zelger gegen ein Jahresgehalt von 2000 Kronen und freier Wohnung als Maschinist und Betriebsleiter angestellt. Am selben Tag wurde sogar der Beschluß gefaßt, nach Tiers eine Kabelleitung zu legen, falls dieses sich verpflichtete, für wenigstens 20 Jahre jährlich 16 kW zu nehmen und pro kW 350 Kronen zu bezahlen.
Die allgemeinen Stromlieferungsbedingungen wurden denen des Tobelwerkes in Sand in Taufers angepaßt, jedoch mit einem Zuschlag von 20 % und mit der Abänderung, daß die Beträge für den bezogenen Strom anstatt vierteljährig monatlich im nachhinein am Ersten des darauffogenden Monats eingehoben werden.
Für weitere Informationen und genaue Details siehe „Festschrift“ unter Artikel.
Die benutzte Wassermenge von maximal 230 l/s setzt sich aus dem Ausflusswasser der Zentrale 3 der Welschnofner Energiegewinnungsgesellschaft, andererseits aus dem vom Seebach mit Hilfe einer horizontalen Sperre abgeleiteten Wasser zusammen. Das abgeleitete Wasser fließt über einen unterirdischen, 320 m langen Kanal zum Beruhigungsbecken, wo die Druckleitung zum Krafthaus beginnt. Im Krafthaus befinden sich zwei Maschinengruppen, bestehend aus je einer Francisturbine mit zugehörigem Wechselstrom-Generator. Die mittlere abgeleitete Wassermenge beträgt 220 l/s, die Nennfallhöhe 45 m und die mittlere Nennleistung 97,06 kW.
Der elektrische Strom wird über ein eigenes Leitungsnetz zu den Verbrauchern geführt.
Die Mindestrestwasermenge, die zur Erhaltung der Fauna im Bach verbleiben muss, beträgt 50 l/s.
maximal abgeleitete Wassermenge: 230 l/s
mittlere abgeleitete Wassermenge: 220 l/s
Nennfallhöhe: 45 m
mittlere Nennleistung: 97,06 kW
verwendetes Gewässer: Pukolin- bzw. Seebach
Mindestrestwassermenge: 50 l/s
Das Wassereinzugsgebiet des Kraftwerkes wird durch die westseitigen Hänge des Latemar und dem südwestlichen Ende des Rosengartens gebildet, es beträgt 25 km². Das genutzte Gewässer ist der Karerseebach.
Die Wasserfassung befindet sich in 1232 m, das Krafthaus in 1186 m Seehöhe direkt am Karerseebach.
Bemerkung: Das Abwasser des Kraftwerkes „Zentrale 3“ (das zweite von der Gesellschaft erbaute Kraftwerk) fließt direkt in das Beruhigungsbecken der Zentrale 2.
Anfahrt
Von Kardaun kommend bis zum Ortsbeginn von Welschnofen; beim Zusammenfluss von Karerseebach und Rosengartenbach bildet die Straße eine scharfe Linkskurve, bei der die Forststraße rechts abzweigt. Von da aus zu Fuß in 15-20 Minuten zum Kraftwerk.
Wegbeschreibung
Ab der Linkskurve am Dorfeingang von Welschnofen erreicht man den rechts abzweigenden Forstweg, der den Karersee-Bach begleitet. In ca. 15 bis 20 Minuten Entfernung befindet sich das Krafthaus.
Festschrift
Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Welschnofner Energiegewinnungsgesellschaft
AutorIn: Welschnofner Energiegewinnungsgesellschaft
Herausgeber/Zeitschrift: idem
Verlag: Eigenverlag
Erscheinungsort: Welschnofen
Erscheinungdatum: 1962
Festschrift zur 50-Jahr-Feier der Welschnofner Elektrizitätsgenossenschaft. Es wird ausführlich auf die Dorfentwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, auf die Gründe, die zur Planung und Errichtung des Kraftwerkes „Zentrale 2“, auf die mannigfaltigen Schwierigkeiten, die vor, während und nach der Erbauung des Werkes zu überwinden waren, eingegangen. Außerdem wird die weitere Entwicklung der Genossenschaft bis 1962 geschildert. Sehenswert sind auch einige Fotos aus der Gründerzeit.
Beschreibung der Überlegungen, die zur Planung und Errichtung des Kraftwerkes führten. Ausführliche Darstellung der Baugeschichte und des weiteren Werdeganges der Genossenschaft bis 1962.
Welschnofner Energiegewinnungsgenossenschaft, Gen.m.b.H.
Karerseestrasse 15, 39056 Welschnofen
39056 Welschnofen
Tel: 0471/613237
Webseite: http://