Aus Kuratoriumssicht handelt es sich beim Welsberger Gasthof Erharter um einen markanten Bau, der mit seinem Erinnerungswert Ortsbild-prägend und wesentlicher Teil des Baubestands des Dorfes ist. Der Welsberger Traditions-Gasthof Erharter wird nicht wie das Welsberger Gericht enden. Die Befürchtungen, dass der aus dem 15. Jahrhundert stammende und unter Denkmalschutz stehende Bau zum Abriss bestimmt ist, hat Besitzer Reinhold Prugger heute entkräftet. Im Bewusstsein, dass es sich um einen altehrwürdigen Baubestand handle, verdiene das Gebäude einen würdigen Umgang mit der Bausubstanz. Ziel sei es, das baufällige Gebäude nur dort, wo unbedingt notwendig, auszubessern. Schätzungsweise dürften an die 80 bis 90 Prozent der Baumasse erneuert werden. Laut Prugger werde vorerst eine fachkundige Bestandsaufnahme gemacht, um dann über eine Sanierung zu entscheiden. Aus Sicht des Kuratoriums gibt es, unbeschadet des Denkmalwerts des Gebäudes, Sonderfälle, wo ein Gebäude oder ein Objekt durch bestimmte Ereignisse und Geschehnisse Bedeutung für die Kulturgeschichte eines Landes erlangt. Beim Traditions-Gasthof in Welsberg handelt es sich um einen markanten Bau, der mit seinem Erinnerungswert Ortsbild-prägend und wesentlicher Teil des Baubestands des Dorfes ist. Die Erinnerung zu bewahren, die die Geschichte eines Dorfes mitgestaltet hat, ist Aufgabe der Eigentümer, lokalen Entscheidungsträger und der Dorfgemeinschaft.sowie von Politik und Verwaltung. Seit der Industrialisierung unterliegt unsere Gegenwartszeit immer schnelleren Veränderungen. Das bedeutet, dass alte Bauten auch schneller verschwinden. Sie erhalten daher einen neuen Wert, weil sie immer seltener werden. Ob es jetzt technische Bahnanlagen sind, historische Brücken, Strassen, Staudämme oder Architektur, es sind immer rarere Dokumente einer Entwicklung, die wir der Nachwelt erhalten wollen. Die entscheidende Frage ist immer die Nutzung. Was man mit den Objekten macht, hängt vom Ideenreichtum jener ab, die am Hebel der Macht sitzen und Entscheidungsbefugnis haben. Meist kann man sich es nicht leisten, nur etwas herumstehen zu lassen. Vielfach besteht heute die neue Chance, durch die Verlagerung von Interessen auf den Bestand, durch eine kritische Haltung gegenüber den gängigen Klischees, durch das Festhalten an unseren Wurzeln, durch gezielte Information, auch solche Objekte, Gebäude und Landschaftsräume lebenswert zu gestalten, die nicht in das klassische Bild passen, das häufig von Wirtschaftsspekulation bestimmt ist. Eine neue Form des Sehens und der Wahrnehmung ist das Ziel. Das Gasthaus Erharter, eine oberpustertaler Architekturjuwel , gehört zu den beliebten Traditions-Lokalen und ist seit Mitte Mai geschlossen. Es soll, so die Besitzer, auch künftig ein echtes Wirtshaus sein, das mit seiner ortstypischen Ausprägung zum Einkehren einlädt. mw