13. Haltestelle Kastelruth

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13. Haltestelle Kastelruth

Kastelruth
1871
Die Kastelruther Haltestelle am Radweg, der auf der ehemaligen Bahntrasse verläuft

Der Technikschauplatz Kastelruther Haltestelle zählt zu den Hochbauten der Bahn, die nicht wegen ihrer spektakulären Bauausführung ins Auge stechen, sondern deshalb, weil es sich hierbei um den einzigen in der Holzständerbauweise original erhaltenen Haltepunkt der Brennerlinie handelt und er damit Beispielcharakter hat. Die Anlage  geht auf das Jahr 1898 zurück und entstand im Zuge der Einrichtung zusätzlicher Haltestellen entlang der Brennerbahn.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Kastelruth
Für Publikum zugänglich: Ja
Inbetriebnahme: 1871
AuftraggeberIn: K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Projektant/Erfinder: Architekt Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Erbauer/Konstrukteur: Karl von Etzel

Beim Bau zusätzlicher Haltepunkte der Brennerbahn um 1898 erhielt dieser Haltepunkt den Namen St.Oswald-Kastelruth. Beide Orte wurden von dieser Stelle über eine gedeckte Holzbrücke südlich des kleinen Stationsgebäudes erreicht. Der faschistische Senator Ettore Tolomei veranlaßte im Zuge der Zwangsitalianisierung aller Südtiroler Ortsnamen unter dem Mussolini-Regime die Umbenennung in die sinnentstellende Übersetzung „Castelrotto“. Seit dem Zweiten Weltkrieg hieß die Haltestelle dann Castelrotto-Kastelruth.
Der kleine Bahnhof bestand aus einer verschalten Holzkonstruktion nach den Typenentwürfen Wilhelm von Flattichs, wie sie in ähnlicher Form zur gleichen Zeit sinngemäß von Brennerbad über Pflersch, Mauls, Mittewald, Vahrn, Albeins, Villnöss Querkopf Q Q und Steg bis Kardaun ausgeführt wurden. Auf der Nordseite des Stationshauses am rechten Eisackufer wurde das ebenfalls typisierte Aborthäuschen erstellt. Beide Bauten waren mit Pultdächern versehen und in ocker/brauner Farbe gestrichen. Das Stationsgebäude enthielt einen Warteraum und einen Raum für die Fahrdienstleitung. Beide Räume waren durch das Kassafenster verbunden.
In unmittelbarer Nähe zum Haltepunkt Kastelruth wurden nördlich und südlich davon je ein einfaches Wärterhaus errichtet, massiv in Porphyr gemauert.

Das kleine hölzerne Stationsgebäude am Brückenkopf wurde vor wenigen Jahren, nachdem es durch Verwitterung stark beschädigt war, abgetragen und 2017 gemäß den Plänen (1867) von Wilhelm von Flattich neu aufgebaut. Die Kastelruther Haltestelle bildet mit der historischen zeitgleich gebauten Holzbrücke samt dem Naturraum der Flusslandschaft, dem gemauerten Tiefbrunnen und der Zyklopenmauer, auf der die eingemeißelte Jahreszahl 1898 an den Ausbau der Brennerstaatsstraße erinnert, ein kleines einzigartiges Bahn-Ensemble.

Für Südtirols Autonomievater Silvius Magnago, dessen Familie die Sommermonate in Kastelruth verbrachte, endete zumindest in jungen Jahren die Zugfahrt an diesem Haltepunkt. Dann ging es zu Fuß, per Ein- oder Zweispänner bis nach Kastelruth.

Die historische Verkehrsinfrastruktur inmitten der Flusslandschaft wirkt für sich selbst. Der Radweg auf der Trasse der ehemaligen Bahnlinie und die angrenzenden Freiflächen erhalten eine lineare, die baulichen Elemente verbindende Struktur und verankern den Ort historisch. Auf der Nordseite des Stationshauses am rechten Eisackufer wurde das ebenfalls typisierte Aborthäuschen erstellt. Beide Bauten sind mit Pultdächern versehen. Das Stationsgebäude beherbergte einen Warteraum und einen Raum für die Fahrdienstleitung. Beide Räume waren durch das Kassafenster verbunden.

Ähnliche Haltestellen in Holzskelettbauweise gab es in Brennerbad über Pflersch, Mauls, Mittewald, Vahrn, Albeins, Villnöss, Steg und Kardaun. Die Kastelruther Haltestelle selbst befindet sich heute im Eigentum des Landes Südtirol.

Die bis 1970 in Betrieb befindliche Haltestelle liegt direkt am Radweg und eröffnet mit Blick auf den Radtourismus neue, spannende Potenziale für Besucher, z.B. als Rast- und Versorgungsstation. Beide am Berg liegenden Orte, Kastelruth und St. Oswald, sind von der Kastelruther Haltestelle aus über eine Holzbrücke und weiterführenden Straße erschlossen. Die mit Schindeln gedeckte Holzbrücke ist in Zimmermannstechnik (Hängesprengwerk) ausgeführt.

Ein weiterer Grund für die gute Straßenverbindung nach St. Oswald und den Anschluss an das Bahnnetz war der Porphyr-Steinbruch nahe Kastelruth, der von Ingenieur Josef Riel betrieben wurde. Für Riehl waren die ökonomische Verfrachtung der Steine per Bahn und die schiefe Ebene des Transportwes vom Berg ins Tal ein Vorteil.

K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1863 – 1867 von Innsbruck nach Bozen unter Karl von Etzel (gest. 1865) und Achilles Thommen, Wilhelm Pressel, Julius Lott und Wilhelm Hellwag. Fertigstellung: um 1898 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke ab Brenner).

Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit: Arch. Franz Wilhelm.

Informationen und Zitate aus:
Wilhelm von FLATTICH, Der Eisenbahn-Hochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K. Priv. Südbahn-Gesellschaft, Wien, Lehmann&Wenzel, ohne Datum.
Elisabeth BAUMGARTNER Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn; Fotos Walter NIEDERMAYER, in: Christoph BERTSCH (Hrsg), Industriearchäologie, Nord-, Ost-, Südtirol und Vorarlberg, Innsbruck, Haymon Verlag 1992, S. 49-77.
Elisabeth BAUMGARTNER; Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990.
Gerhard und Josef DULTINGER, Die Brennerbahn, Gestern – heute – morgen, Thaur/Tirol, Wort und Welt Verlag, 2. Auflage: 1989
Laura Facchinelli, Die Eisenbahn Verona-Brenner, Athesia Bozen 1995
MART Quaderni di architettura, Angiolo Mazzoni – Architetto Ingeniere del Ministero delle Communicazioni, Skira Editore, Milano 2003.
Wittfrieda MITTERER, Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen 1993.

Siehe auch:
Günther ENNEMOSER, La storia di Colle Isarco con particolari riguardi agli anni 1850-1914, tesi di laurea, Padova, 1974/75.
Günther ENNEMOSER; Südtiroler Gebietsführer, Nr.39, Bozen, Athesia Druck, 1984.
Alois TRENKWALDER, Brenner-Brennero, Gemeinde, Gemeinde Brenner-Gossensass (Hrsg.) 1999.
Hans-Jürgen und Carl ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia; 1993.

Auskunftspersonen:
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv.
Rudi PLANK, Vorsitzender des Eisenbahner-Freizeitvereins Dopolavoro FS, Bahnhof Sterzing

Südtirol – Eisacktal
Brennerstrasse
I-39040 Kastelruth

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