Haltepunkt Kardaun
DATEN
Ursprünglicher Baubestand:
Von Bozen aus führte schon die Römerstraße und dann die alte Reichsstraße nicht über die gefährliche Schlucht des Eisacktales sondern von Rentsch auf den Ritten über Lengmoos um bei Kollmann das Eisacktal wieder zu erreichen. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts wurde vom Bozener Kaufmann Heinrich Kunter der Fahrweg durch die Eisackschlucht angelegt („Kuntersweg“) und für dessen Passage bei Blumau und Kollmann Wegzoll erhoben. Die Eisenbahn nahm später den gleichen Weg.
Zur Zeit des Baus der Eisenbahnstrecke über den Brenner und durch die Eisackschlucht war zunächst Blumau der nächste Bahnhof bei Bozen. Das neue Verkehrsmittel erforderte wegen seines großen Erfolges ein dichteres Haltestellennetz und so wurde bald auch eine Station bei Kardaun mit seinem Zugang in das Eggental errichtet. Es war ein kleiner hölzerner typisierter Bau mit Pultdach, wie er in ähnlicher Form sinngemäß auch an den Haltepunkten Völser Steg, Kastelruth, Albeins, Vahrn, Mittewald, Mauls, Pflersch und Brennerbad zu finden war. Er enthielt einen Warteraum und einen Raum für den Fahrdienstleiter. Beide Räume waren durch das Kassafenster in der Durchgangstür verbunden. Ein hölzernes Aborthäuschen befand sich freistehend auf der Ostseite während auf der Westseite über dem Eisack ein Magazingebäude dazukam.
Diesseits der Eisackbrücke errichtete die FS 1928 für ihre Mitarbeiter einen dreigeschossigen Wohnblock nach den Typenplänen des römischen Architekten Angiolo Mazzoni aus Porphyrquadern, Ziegelsichtmauerwerk und verputztem Mauerwerk unter einem Walmdach.
K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1863 – 1867 von Innsbruck nach Bozen unter Karl von Etzel (gest. 1865) und Achilles Thommen, Wilhelm Pressel, Julius Lott und Wilhelm Hellwag. Fertigstellung 1867, Haltestelle: 1898 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke ab Brenner).
Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit: Arch. Franz Wilhelm
Haltepunkt Kardaun (ehem.)
Informationen und Zitate aus:
Wilhelm von FLATTICH ?Der Eisenbahn-Hochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K. Priv. Südbahn-Gesellschaft? Wien, Lehmann&Wenzel, ohne Datum.
Elisabeth BAUMGARTNER ?Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn?; Fotos Walter NIEDERMAYER, in Christoph BERTSCH (Hrsg) ?Industriearchäologie, Nord-, Ost-, Südtirol und Vorarlberg?, Innsbruck, Haymon Verlag 1992, S. 49-77.
Elisabeth BAUMGARTNER; ?Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol?, Innsbruck, Haymon, 1990.
Gerhard und Josef DULTINGER, ?Die Brennerbahn, Gestern ? heute ? morgen?, Thaur/Tirol, Wort und Welt Verlag, 2. Auflage: 1989
Laura Facchinelli ?Die Eisenbahn Verona-Brenner? Athesia Bozen 1995
MART Quaderni di architettura ?Angiolo Mazzoni ? Architetto Ingeniere del Ministero delle Communicazioni? Skira Editore, Milano 2003.
Wittfrieda MITTERER ?Zeitzeichen der Technik? Edizione Raetia, Bozen 1993.
Siehe auch:
Günther ENNEMOSER, ?La storia di Colle Isarco con particolari riguardi agli anni 1850 ? 1914, tesi di laurea?, Padova, 1974/75.
Günther ENNEMOSER; Südtiroler Gebietsführer, Nr.39, Bozen, Athesia Druck, 1984.
Alois TRENKWALDER, ?Brenner ? Brennero, Gemeinde?, Gemeinde Brenner-Gossensass (Hrsg.) 1999.
Hans-Jürgen und Carl ROSENBERGER ?Die Eisenbahnen in Südtirol? Athesia; 1993.
Auskunftspersonen:
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv.
Rudi PLANK Vorsitzender des Eisenbahner-Freizeitvereins Dopolavoro FS, Bahnhof Sterzing
Südtirol – Bozen
I-39050 Karneid
(Eisacktal)
Ferrovia Statale FS – Direktion Region Bozen
39100 Bozen
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