52. Pendelbahn Verdins-Tall
Die Seilbahn Verdins–Tall erschließt seit den späten 1960er-Jahren das Wandergebiet am Fuße des Hirzers und verbindet die Bergfraktionen mit dem Tal. Sie erleichterte zunächst den Alltag der Bevölkerung und wurde später zum wichtigen Zugang für Gäste und Wanderer. Seit 2021 verkehrt eine moderne Pendelbahn mit Kabinen für 40 Personen über den Masulbach und bietet hohen Komfort sowie deutlich kürzere Wartezeiten. Zusammen mit dem nostalgischen Grube-Lift ermöglicht sie den Zugang zu Almen, Hütten und weiten Panoramablicken über das Meraner Land.
DATEN
Im Januar des Jahres 1967 wurde unter Federführung von Johann Illmer eine Gesellschaft gegründet, die den Bau und Betrieb einer Seilbahn von Verdins nach Tall zum Zweck hatte. Bis dahin waren die beiden zu Schenna gehörenden Fraktionen Verdins und Tall bis dahin ausschließlich über einfache Materialseilbahnen oder beschwerliche Fußwege verbunden. Künftig sollte nun eine „Drahtseilbahn mit Kabinen zum Transport von Personen und Sachen“ das Gebiet am Fuße des Hirzers erschließen. Der aus Lana stammende Seilbahnpionier Ing. Hubert Zuegg wurde zunächst mit ersten Studien und schließlich mit dem Ausführungsprojekt zum Bau der Bahn beauftragt. Der Bau wurde dann Ende der 1960er Jahre in Angriff genommen, und nach wenigen Jahren Bauzeit überspannte die Seilbahn Verdins – Tall fortan in beeindruckender Höhe von über 200 Metern den Masulbach und erfreute sich zunehmender Akzeptanz bei vielen Bergfreunden. Aber auch der Bevölkerung in den Bergweilern Prenn, Oberkirn und Videgg sollte die Bahn eine große Hilfe sein. Viele fuhren nun tagtäglich ins Tal zur Arbeit. Der sich in den 1970er-Jahren in Schenna entwickelnde „Fremdenverkehr“ machte sich auch am Berg bemerkbar. Nach wenigen Betriebsjahren – es gab bereits ein kleines Skigebiet am Fuße des Hirzers – wurde von der Bergstation der Pendelbahn ein kleiner Einersessellift bis zur auf 1800 m gelegenen Grube errichtet. Noch heute berichten gar einige Schenner und Meraner, wie sie mit dem „Verdinser Bahnl“ und dem „Grube-Lift“ ins Skigebiet fuhren, um dort ihre ersten Schwünge am Südhang der „Sonntagsweide“ zu üben. Nachdem der Skibetrieb in den frühen 1980er-Jahren eingestellt werden musste, entwickelte sich das Wandergebiet „TallHirzer“ zu einem der beliebtesten Wandergebiete im Meraner Raum.
Mittlerweile bieten 20 bewirtschaftete Almhütten, Buschenschänke und Gasthäuser ihren Besuchern willkommene Einkehr-möglichkeiten und locken mit einem unvergleichlichen Blick über den Meraner Talkessel, in den Vinschgau und hinab ins Etschtal. Auch der nostalgische Einer-Lift ist nach wie vor in Betrieb und wird gerne für den Aufstieg zu den Almen der Tallner Alm, Stafell und den Videgger Assen genutzt.
Nach knapp 50 Betriebsjahren wurde die Pendelbahn Verdins – Tall im Jahr 2020 ersetzt. Die Bahn war zwar alt, aber nach wie vor zuverlässig. Ihre Kabinen boten jedoch nur Platz für 15 Personen. Da die Bauarbeiten in die Zeit der Pandemie fielen, konnte die neue Seilbahn erst im Frühjahr 2021 kollaudiert werden und nahm schließlich am 8. Mai 2021 ihren Betrieb auf.
Der Streckenverlauf und die Positionen der beiden Fachwerkstützen blieben nach 2020 unverändert. Ebenso unverändert blieb der Bahntyp, wenngleich die neue Zweiseilpendelbahn mit Kabinen für 40 Personen und–erstmalig auf italienischem Staatsgebiet – nach dem Konzept der „integrierten Rettung“ ausgeführt wurde. Die stetige Verbesserung der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, die Steigerung des Fahrkomforts und vor allem ie erhebliche Reduzierung der Wartezeiten machen die Seilbahn Verdins-Tall zu einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen in dem zwischen Hirzer und Ifinger eingebettetem Wandergebiet.



