69. Bahnhof Aicha
Der ehemalige Bahnhof Aicha liegt zentral in der Ortsmitte, ist jedoch nur über einen Schotterweg von der Dorfstraße aus erreichbar. Der quadratische Zentralbau mit Walmdach und symmetrisch angeordneten Seitenflügeln unter Satteldächern stellt einen architektonischen Sonderfall dar. Zwischen den Bauernhöfen und Wohnhäusern des Dorfes hat diese Bauweise leider keine gestalterische Fortsetzung gefunden. Dennoch fügt sich das Gebäude harmonisch und zurückhaltend in das Ortsbild ein.
DATEN
In Anlehnung an die Entwurfsprinzipien des Bahnhofs Franzensfeste wurde auch der Bahnhof Aicha in verschindelter Holzfachwerkkonstruktion errichtet, um den militärischen Anforderungen der k.u.k. Monarchie zu entsprechen.
Der über die Seitenflügel hinausragende Mittelbau wird straßenseitig durch einen über alle Geschosse reichenden Vorbau akzentuiert, der den Eingangsbereich betont. Gleisseitig hingegen verzichtet man zugunsten einer ausgewogenen, sechsteiligen Fensterachse auf eine vergleichbare Betonung. Die Fenster mit ihren historisierenden Umrahmungen sind größer als üblich und verleihen dem Bau eine landhausartige Eleganz. Diese klare Gliederung setzt sich an Vorder- und Rückseite der Seitenflügel fort.
Der gesamte Bau strahlt eine klassizistisch anmutende Ruhe aus, deren Strenge durch fein ausgearbeitete Holzdetails – etwa am Kniestock und den Fensterumrahmungen – auf subtile Weise kontrastiert wird. Es handelt sich um eine sehr eigenständige und gelungene Interpretation landschaftsgebundener Architektur in einem funktionalen, technischen Kontext.
Seit nunmehr 15 Jahren wird das Gebäude nicht mehr genutzt; es verfällt zusehends. Dieser für Südtirol einzigartige historische Holzbau muss unbedingt erhalten, restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden.
K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1866 –1871 von Franzensfeste bis Lienz. Fertigstellung: 1871 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke bis Innichen)
Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K. Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit :Arch. Franz Wilhelm.
Informationen:
Francesco Pozzato, Il Treno in Pusteria, Athesia Bozen, 1990
Nutzungskonzept für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth Baumgartner, Koordination: Wittfrieda Mitterer. Workshop vom 15. Mai 2003 in Bozen.
Der Eisenbahnhochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K.privilegierten Süd-Bahngesellschaft, von Wilhelm von Flattich und Franz Wilhelm, Atlas, Lehmann & Wenzel, Wien.
Hans Heiss, Kurzer Höhenflug: Der Bau der Pustertalbahn 1871, in Mobilitätszentrum Bruneck, der Architekturwettbewerb für das Bahnhofsareal, 2001, Folio Verlag, Wien-Bozen.
Erich Irenberger, FS Brixen
Architekt Albert Willeit, ehem. Obmann des Heimatpflegerverbandes Pustertal,Bruneck
Architekt Bernhard Lösch, Beirat für Baukultur im Heimatpflegeverband und Vertreter Italiens bei Europa Nostra, Innichen
Josef Oberhofer, Geschäftsführer Heimatpflegeverband, Bozen
Helmuth Stampfer, Landeskonservator und Leiter der Abteilung Denkmalpflege der Landesverwaltung, Bozen
RFI-FS
39100 Bozen
Tel: +39 0471 976077
Webseite: https://www.rfi.it
