40. Bahnhof Spondinig-Prad

40. Bahnhof Spondinig-Prad

Schluderns
1906
Bahnhofsmeile Spondinig. Das Gesamtensemble mit dem Bahnhof mit repräsentativer Veranda wurde mit Blick auf den Nobel- und Hüttentourismus am Ortler errichtet. Die Bahn wurde im Ersten Weltkrieg für den Nachschub an der Ortlerfront zum wichtigsten Zubringer.

Nach ca. 3,344 km erreicht man vom Bahnhof Eyrs den Bahnhof Spondinig-Prad. Dieser Bahnhof wurde ca. 2,5 km vom Ort Prad an der Kreuzung der Vinschgauer Staatsstraße und der Stilfserjochstraße angelegt. Neben ihm entstand das schöne Hotel Post-Hisch. Der 2006 sanierte Bahnhof, mit seiner eleganten Veranda und dem Flair des Ortler-Tourismus der Jahrhundertwende, ist eines der architektonischen Kleinodien der Vinschger Bahn.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Schluderns
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1903
Inbetriebnahme: 01.07.1906
AuftraggeberIn: Vinschgauer Bahn AG (konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Projektant/Erfinder: Bauausführung durch das Wiener Lokalbahnamt. Entwurf Hochbauten unter der Leitung von Baurat Konstantin Ritter von Chabert

Der Bahnhof Spondinig-Prad, der auch das nahe gelegene Tschengls bedient, baut zwar auf der Typologie der Bahnhöfe Töll, StabenSchnalstal, Latsch und Schlanders auf, wurde aber wegen seiner verkehrstechnischen Bedeutung an der Straßenkreuzung zum Stilfser Joch baulich erweitert. Der Seitenflügel des T-förmigen Grundrisses wurde durch eine Giebelquerung in dem langgestreckten Satteldach vergrößert und nahm mehrere Betriebsräume auf. Straßenseitig erhielt dieser Bauteil ein hölzernes Vordach über dem Eingang. Gleisseitig wurde ihm eine hölzerne Loggia mit Pultdach vorgesetzt, das von einem Satteldachteil unterbrochen wurde.
Der zweigeschossige Querbau, ebenfalls unter einem Satteldach, verfügte über zwei Wohnungen. Das Gebäude wurde in verputztem Mauerwerk mit bossierten Lisenen und feinen Profilen ausgeführt. Die Giebelseiten der Obergeschosse des zweigeschossigen Bauteils strukturierte eine Fachwerkkonstruktion mit einem schön detaillierten hölzernen Balkon auf der Südseite. Die Giebelseite des eingeschossigen Bauteils wurde holzverschalt. Fenster und Türen wurden mit kräftigen Lisenen eingefasst und der Wohnteil erhielt Eckrisalite.
Westlich anschließend wurde ein massives Betriebsgebäude unter einem Satteldach mit zwei kurzen, seitlichen Flügelbauten errichtet, ebenfalls mit Satteldächern. In seiner Architektur ist dieser Bau dem Aufnahmegebäude angeglichen, jedoch symmetrisch gegliedert: Der leicht erhöhte Mittelbau weist vier Fensterachsen mit zentralem Eingang auf, die Flügelbauten haben jeweils nur eine Fensterachse. In diesem Gebäude wurden die Toiletten untergebracht.
Einige Meter weiter wurde ein Lagergebäude auf niedrigem Steinsockel gebaut, überdacht von einem beidseitig weit auskragenden Satteldach, das die vorgelagerten Laderampen schützt. Die Holzkonstruktion wurde vollständig mit senkrechter Brettschalung verkleidet und erhielt auf jeder Seite vier zweiflügelige Tore sowie eine Tür auf der Ostseite.
Im Rahmen der Elektrifizierungsarbeiten der Vinschger Bahnlinie wurden 2017 die Bahnsteige verlängert. Außerdem wurde eine Fußgängerunterführung unter die bestehende Bahnlinie eingebaut und eine direkte Verbindung zum Fahrradweg geschaffen.

Die Eröffnung der Bahnlinie war eng mit dem Aufschwung einer leistungsfähigen Hotellerie und Gastronomie verbunden – der vormals bitterarme Vinschgau erlebte einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung. Der Bahnhof Spondinig/Prad entstand rund 2,5 km vom Ort Prad entfernt, an der Kreuzung der Vinschgauer Staatsstraße und der Stilfser-Joch-Straße. Unmittelbar daneben wurde das elegante Hotel Post-Hirsch mit den Nebengebäuden der ehemaligen Poststation errichtet. Das Hotel am Tor zum Stilfser Joch steht seit 1985 unter Denkmalschutz. Vier Ecktürmchen, in der Mitte der Südfassade ein größerer Turm, ein Speisesaal mit reich verzierter Täfelung und historisierende Raumgestaltung sind charakteristisch für die historisierende Formensprache.

Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Heutige Eignerin: Infrastruktur: Land Südtirol / Gebäude: Land Südtirol, bis 2034 Nutzungskonzession für die Gemeinde Spondinig/Prad

Informationen und Zitate:
Bestandsaufnahme Vinschgerbahn durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesverwaltung, Abtlg. Denkmalpflege unter dem Abtlg. Direktor Dr. Helmut Stampfer, Bozen, 2000
Carmen MÜLLER; Meran-Mals, Vinschgau – auf den Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke folio-, Verlag Wien Bozen, 2001
Hans WIESER, Bevor die Lok dreimal pfeift… – Gedanken zur Vinschgerbahn, Videodokumentation RAI Bozen
Elisabeth BAUMGARTNER, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990
Wittfrieda MITTERER Hrg., Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen, 1993
Hans-Jürgen und Carlo ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia, Bozen, 1993
Nutzungskonzepte für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth BAUMGARTNER, Koordination: Wittfrieda MITTERER; Kuratorium für Technische Kulturgüter; Bozen, 2002

Auskunftspersonen:
Dr. Klaus KEMENATER, Geschäftsführer der STA, Bozen
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv

Südtirol – Vinschgau
Vinschgauerstraße
I-39026 Spondinig / Prad am Stilfser Joch

STA (Infrastruktur)
Gerbergasse 60
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-312811
Webseite: http://

SAD (Fahrbetrieb)
Italienallee 6/N
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-450111
Webseite: http://