57. Bahnhof Toblach

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57. Bahnhof Toblach

Toblach
1871
In der Hauptachse des Aufnahmegebäudes liegt das Portal zum Grandhotel Toblach. Der Radweg kreuzt die Hauptachse

Der von Architekt Wilhelm von Flattich im Auftrag der k. k. privilegierten Südbahngesellschaft entworfene Bahnhof Toblach gilt als der reizvollste Bau entlang der gesamten Pustertaler Bahnstrecke. Seine besondere Wirkung verdankt er nicht zuletzt dem gegenüberliegenden Grandhotel – ebenfalls ein Werk der Südbahngesellschaft und gleichfalls von Flattich entworfen. Die im Jahr 1871 in Betrieb genommenen Bahnhofsanlagen wurden im Jahr 2006 mit großer Sorgfalt restauriert. Das gegenüberliegende Grandhotel dient heute als Tagungszentrum.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Pustertal
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1866
Inbetriebnahme: 1871
AuftraggeberIn: K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Projektant/Erfinder: Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)

Erwähnenswert ist, dass Toblach einst Sitz einer Radiofabrik war. Max Glauber gründete hier im Jahr 1925 die Firma UNDA-Radio, die in Südtirol Radiogeschichte geschrieben hat. Die Fabrik – samt Tischlerei zur Fertigung der Radiomöbel – befand sich im Erdgeschoss des Elternhauses Glaubers im Ortsteil „In der Rienz“, Gustav-MahlerWeg Nr. 13. Im Jahr 1940 wurde der Firmensitz von UNDA-Radio in Toblach geschlossen und der Betrieb nach Como verlegt.

Der Mittelbau des Bahnhofs Toblach beherbergt eine Bergsteigerschule. In der ursprünglichen Eingangshalle stehen den Reisenden Fahrkartenautomaten für Bus und Bahn sowie eine Bar zur Verfügung – ganz im Sinne der heutigen Funktion als moderne Mobilitäts- und Servicestation. Ein besonderes Augenmerk verdient die mustergültige Sanierung der beiden Wartesäle durch die Gemeinde Toblach. In neuem Glanz erstrahlen diese Räume und vermitteln wieder den eleganten Geist der Jahrhundertwende. Originale Petroleumlampen und florale Wand- und Deckenornamente erzählen von jener Epoche, als Gustav Mahler und die europäische Hautevolee Toblach zu ihrem Sommerdomizil machten.
Die neu adaptierte, gleisseitige Veranda mit großen Flügelfenstern gibt den Blick auf vorbeifahrende Züge frei. Eine bemerkenswerte Besonderheit stellen die historischen Schiefertafeln dar, auf denen früher Fahrpläne und Reiseinformationen angeschrieben wurden. Diese Tafeln lagen lange unter einer Mörtelschicht verborgen und wurden im Zuge der Sanierung freigelegt.
Die Räume der Fahrdienstleitung sind heute teilweise der Bahntechnik vorbehalten. Im westlichen Seitenflügel befindet sich eine Bar, im östlichen Trakt ein Fahrradverleih. Das hölzerne Magazingebäude dient derzeit als Holzlager und Abstellfläche, soll jedoch in naher Zukunft restauriert und neuen Nutzungen zugeführt werden. Von besonderem architektonischem Interesse ist die erhaltene Lokremise der einstigen Dolomitenbahn (Toblach–Calalzo), die sich ebenfalls auf dem Bahnhofsgelände befindet.

Hier verdichtet sich die landschaftliche Dramatik auf eindrucksvolle Weise: Zwischen den sanft geschwungenen Höhenzügen an der Nordseite des Pustertals, dem markanten Ortskern von Toblach mit seiner monumentalen Barockkirche und der majestätischen Kulisse der Sextner Dolomiten ist eine architektonische Komposition von außergewöhnlicher Kraft und Schönheit gelungen. Man kann die Pracht vergangener Zeiten, des Dolomitentourismus vor über hundert Jahren, noch richtig spüren.
Der Bahnhof Toblach liegt zudem an zwei wichtigen touristischen Routen: direkt an der bekannten Marathon-Loipe sowie am Radweg Toblach–Lienz–Maribor.

K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft (1862)
Bauzeit 1866 –1871 von Franzensfeste bis Lienz. Fertigstellung: 1871 Heutige Eignerin: Italienische Staatsbahn FS (seit 1919 für die Strecke bis Innichen)

Architekt: Wilhelm von Flattich (1826-1900)
Wilhelm von Flattich (1826-1900), Hochbaudirektor der K.K. Privilegierten Südbahngesellschaft. Mitarbeit :Arch. Franz Wilhelm.

Informationen:
Francesco Pozzato, Il Treno in Pusteria, Athesia Bozen, 1990
Nutzungskonzept für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth Baumgartner, Koordination: Wittfrieda Mitterer. Workshop vom 15. Mai 2003 in Bozen.
Der Eisenbahnhochbau in seiner Durchführung auf den Linien der K.K.privilegierten Süd-Bahngesellschaft, von Wilhelm von Flattich und Franz Wilhelm, Atlas, Lehmann & Wenzel, Wien.
Hans Heiss, Kurzer Höhenflug: Der Bau der Pustertalbahn 1871, in Mobilitätszentrum Bruneck, der Architekturwettbewerb für das Bahnhofsareal, 2001, Folio Verlag, Wien-Bozen.

Erich Irenberger, FS Brixen
Architekt Albert Willeit, ehem. Obmann des Heimatpflegerverbandes Pustertal,Bruneck
Architekt Bernhard Lösch, Beirat für Baukultur im Heimatpflegeverband und Vertreter Italiens bei Europa Nostra, Innichen
Josef Oberhofer, Geschäftsführer Heimatpflegeverband, Bozen
Helmuth Stampfer, Landeskonservator und Leiter der Abteilung Denkmalpflege der Landesverwaltung, Bozen

Südtirol – Pustertal
Bahnhofstr. 3a
I-39034 Toblach

Ferrovia Statale FS – Direktion Region Bozen
39100 Bozen
Tel: 0039-0471-976077
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