37. Kabinenbahn Reinswald–Pfnatsch
Der Wintertourismus in Reinswald entstand in den 1960er-Jahren durch den Pioniergeist engagierter Einheimischer. Aus ersten Hütten, Schleppliften und einer kleinen Seilbahn entwickelte sich ab 1974 ein gemeinschaftlich getragenes Skigebiet, dessen Anlagen 1975 eröffnet wurden. Heute bietet Reinswald ein modernes Ski- und Wandergebiet mit vier Aufstiegsanlagen, 22 Pistenkilometern, Rodelbahn und bewirteten Hütten – sonnig gelegen und von Bozen aus gut erreichbar.
DATEN
Die Anfänge des Wintertourismus im Sarntal gehen auf mehrere Initiativen in den 1960er-und 1970er-Jahren zurück. Einzelne kleine Skilifte wurden in der Nähe mehrerer Gastbetriebe und Bauernhöfe in Sarnthein sowie auch im Penser- und Durnholzertal verwirklicht. Einige Wirtschaftstreibende in Sarnthein liebäugelten sogar mit einem Anschluss an das Skigebiet Meran 2000, welcher aber nie umgesetzt wurde.
Auch im Bergdorf Reinswald wurde touristische Pionierarbeit geleistet. Die Interessent-schaft Morgenrast baute 1962 auf der Pfnatschalm eine neue Hütte mit Stall. Auf Initiative der Brüder Alois und Paul Hochkofler (Saur-Hof in Hinterreinswald) wurde diese Almhütte im Winter auch touristisch genutzt. Paul studierte damals an der Universität Bonn und mobilisierte seinen Bekanntenkreis mit der Absicht, erste Gäste auf der Pfnatschalm begrüßen zu können, was im März 1964 schließlich der Fall war. Nach den ersten Erfolgen wurde im Sommer 1966 auf der Pfnatschalm ein erster 400 m langer Schlepplift von den beiden Brüdern mit einfachsten Mitteln erbaut, angetrieben von einem 10-PS-Dieselmotor, welcher von einem benachbarten Bauern im Austausch für ein Kalb erworben wurde. Mit Mut und Weitblick erbauten die Brüder bis Dezember 1968 eine Seilbahn von ihrer Hofstelle bis auf die Pfnatschalm, um die Gäste besser und komfortabler transportieren zu können. Bis dahin war die Pfnatschalm im Winter nur zu Fuß und mit Pferdeschlitten erreichbar. Während sich der Wintertourismus von Hinterreinswald aus entwickelte, gab es dank der Familie Gruber in Reinswald ebenfalls eine Initiative, eine Aufstiegsanlage von Reinswald auf Pichlberg zu errichten. Die Erschließung von Reinswald mit einer Zufahrtsstraße im Jahr 1968 sowie die Eröffnung des Gasthofes Kircherhof von Stephan Gruber gaben diesem Vorhaben Auftrieb. Im Herbst 1973 fiel dann die Entscheidung bei einer Versammlung von insgesamt 50 Reinswaldern im Kircherhof, darunter die Familien Gruber und Hochkofler, gemeinsam den Pichlberg von Reinswald aus für den Wintertourismus zu erschließen. Alois Hochkofler übernahm ab da den Vorsitz eines Ausschusses, welcher die Koordination zur Gründung der Gesellschaft übernahm. Am 21. Jänner 1974 wurde schließlich die Gesellschaft Reinswalder Lift GmbH durch 15 Reinswalder gegründet, welche schließlich 2018 in die heutige Reinswalder Bergbahnen AG umbenannt wurde.
Sofort wurden drei Aufstiegsanlagen geplant und realisiert: Eine ZweierSesselbahn, auf der heutigen Trasse der Kabinenbahn, ein Übungslift an der Talstation und ein Skilift auf der Pfnatschalm. Der Zusammenhalt im Dorf Reinswald war groß, fast alle standen hinter dem Vorhaben. So war auch die Finanzierung nur gemeinsam möglich: Mehrere Gesellschafter finanzierten die Gesellschaft mit Darlehen zu reduzierten Zinsen; ausnahmslos alle Mitglieder des Verwaltungsrates bürgten persönlich für das aufgenommene Darlehen bei der örtlichen Raiffeisenkasse. Im März 1974 zeichneten 99 Mitglieder, fast ausschließlich Personen aus dem Dorf, Anteile der Gesellschaft.
Am 23. Februar 1974 beauftragte die Gesellschaft die Firma Doppelmayr aus Lana mit dem Bau der drei Anlagen, und im Frühjahr begannen die Arbeiten. Viele Reinswalder halfen beim Bau der Anlagen und legten – wortwörtlich – persönlich Hand an. Kurz vor Weihnachten 1975 gingen die Anlagen schließlich in Betrieb, nachdem eine Eröffnung für den Winter 1974/1975 an Genehmigungs- und Lieferverzögerungen scheiterte.
Bis heute wurde das Skigebiet in mehreren Etappen modernisiert sowie um Pisten und um eine Liftanlage auf das Sattele 1986 erweitert. Auch die Gesellschafterstruktur hat sich verändert, derzeit sind an der Aktiengesellschaft rund 400 Aktionäre beteiligt, darunter auch noch die meisten Gründungsmitglieder bzw. deren Nachkommen. Größter Einzelaktionär ist die Gemeinde Sarntal mit einem Anteil von ca. 17,5 % am stimmberechtigten Kapital.
Die 1997 erneuerte Ein-Seil-Umlaufbau verkehrt mit 6er-Gondeln von Reinswald zum Pichlberg mit einer Geschwindigkeit von 5 m/s. Die Fahrzeit beträgt durchschnittlich 6:40 Minuten, die Förderleistung maximal 1.800 Personen/h.
Das Ski- und Wandergebiet Reinswald besteht heute aus vier Aufstiegsanlagen, sechs bewirteten Restaurants- und Almhütten, 22 km Pisten, einer Rodelbahn mit 4,5 km, einer Skischule, einem Skiverleih und modernster Beschneiungstechnik für alle Pisten. Die gute Erreichbarkeit von Bozen, die vollständig sonnenexponierte Lage und die stets gut präparierten Pisten zeichnen heute das Ski- und Wandergebiet aus.




