18. Röthelebrücke

18. Röthelebrücke

Barbian
1867
Röthele Brücke, 2013. Eine der beiden Brücken wird als Radbrücke genutzt.

Auf wenigen Metern wird hier mehrere 100 Jahre Südtiroler Mobilitätsgeschichte erlebbar: In diesem Abschnitt verlaufen Bahn, Radweg, Staatsstraße und Autobahn sowie zahlreiche Fußwege und auch der Wasserweg des Eisacks eng nebeneinander. Der Schauplatz „Röthelebrücke“ reiht sich damit als Technikjuwel in die Technikmeile ein, die dem verzweigten Radwegenetz des Landes Südtirol folgt.

DATEN

Sammlung: Brücken und Viadukte
Bezirk: Barbian
Inbetriebnahme: 24.08.1867

Die Gitterkonstruktion der 1867 zunächst eingleisig befahrbaren Röthelebrücke an der Grenze der beiden Gemeinden Waidbruck und Barbian weist mit 57 m die größte Spannweite der Brennerbahn im Eisacktal auf. Allein die Vorarbeiten zogen sich ab 1861 über fast drei Jahre hin. 1864 begann schließlich der Bau. Neben dem Ringen mit den Naturgewalten brachte ein weiterer Rückschlag Verzögerungen: Mitten in der günstigsten Bauphase des Jahres 1866 kam es erneut zu einem österreichisch-italienischer Feldzug, zu dem vor allem italienische Bahnarbeiter einberufen wurden. Dennoch konnte nach rund vier Monaten zwischenzeitlichem Baustopp die feierliche Eröffnung am 24. August 1867 stattfinden. Auch dem verheerenden Hochwasser im Krisenjahr 1882 trotzte die Brücke.

Seit 1908 war die Röthelebrücke wie die gesamte Brennerstrecke durchgehend zweigleisig befahrbar. Während des Zweiten Weltkriegs war die Röthelebrücke Ziel zahlreicher Bombenangriffe. Im Alltagsleben der Barbianer spielte die Brücke eine besondere Rolle: Bei herannahendem Wetterumschwung verstärkte sich das Dröhnen der vorbeifahrenden Züge – ein verlässliches Zeichen für nahenden Regen. Steigende Luftfeuchtigkeit verbessert die Schallübertragung, sodass das Geräusch intensiver und weiter hörbar wurde. So diente die Brücke den Barbianern einst als natürlicher Wetteranzeiger. Im Jahr 2007 verlegte die italienische Bahnverwaltung nach umfangreichen Bauarbeiten den Schienenweg in den neu errichteten Schlerntunnel. Heute verläuft über eine der beiden Brücken der Radweg, während die zweite Brücke stillgelegt ist. Die Röthelebrücke, ein klassischer Eisenfachwerkbau, ist wie viele andere Kunstbauten aus der Gründerzeit nahezu perfekt erhalten und hat technikgeschichtlichen Einmaligkeitscharakter. Am nördlichen Brückenkopf weist seit 2013 ein vom Kuratorium für Technische Kulturgüter errichteter Infopoint nicht nur auf die einstige Bahnstrecke hin, sondern rückt auch die architektonische Bedeutung der beiden historischen Bahnbrücken in den Fokus.