44. Schnalstaler Gletscherbahn

44. Schnalstaler Gletscherbahn

Schnals
1978
Die neue Pendelbahn “Funi Schnals” befördert die Gäste von Kurzras (2011 m) bis auf die 3.212 Meter hoch gelegene Grawand. Südlich davon liegt der Hochjochferner-Gletscher und die Fundstelle der Gletschermumie Ötzi. Die Bergstation befindet sich im Gletscherhotel Grawand, inmitten der hochalpinen Landschaft

Die Alpin Arena Schnals entwickelte sich seit den 1960er-Jahren zu einem bedeutenden Gletscher-Skigebiet. Einen entscheidenden Impuls setzte der Pionier Leo Gurschler mit der 1975 eröffneten Grawandbahn, die den Sommerskilauf im Schnalstal prägte. Seit der umfassenden Modernisierung 2023 bringt die moderne Pendelbahn Gäste in gut fünf Minuten von Kurzras auf 3.212 Meter Höhe – im Sommer auch als besonderes Open-Air-Erlebnis auf dem Kabinendach. Heute verbindet die Alpin Arena Schnals Wintersport, hochalpine Natur und eindrucksvolle Ausblicke auf die Ötztaler Alpen.

DATEN

Sammlung: Bergbahnen
Bezirk: Schnals
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1972
AuftraggeberIn: Leo Gurschler
Erbauer/Konstrukteur: Baufirma Garawenta (heute Doppelmayr)

Mit dem aufkommenden Alpin-Tourismus war das Schnalstal schon in den 1920er-Jahren ein Geheimtipp für Wanderer und Skisportler. Die überwältigende Bergwelt der Ötztaler Alpen, die Hüttenkultur und das Potenzial des hochalpinen Naturraumes hat in den 1960erJahren ein paar junge Unternehmer dazu bewogen, im Schnalstal ein Skigebiet aufzubauen. Zwischen 1956 und 1970 entstanden hier die ersten Liftanlagen. Der Zugang vom Etschtal ins Schnalstal ist vom Süden her der direkteste Weg ins polare Eis. Wie kein anderer prägte der Gletscherbahnpionier Leo Gurschler den Sommerskilauf in Südtirol. Seinen Plan, eine Seilbahn auf die 3.212 Meter hohe Grawand zu bauen, zog er zügig durch: 1972 erfolgten die Vermessungsarbeiten, wenig später fuhr Gurschler selbst mit einem Schaufelbagger auf der Lifttrasse zum Gipfel. Die schweren Baumaschinen konnten damals noch nicht mit dem Hubschrauber transportiert werden. Im Frühjahr 1973 wurde eine Materialseilbahn gebaut, mit deren Hilfe ab 1974 die Schwebebahn errichtet wurde. 1975 ging die von Hubert Zuegg geplante Seilbahn in Betrieb. Die Baufirma Garawenta, heute Doppelmayr, errichtete eine Bahn mit Doppelseilsystem und zwei Kabinen für 80 Personen, damals die größte Italiens. Die einzige Stütze ist 54 m hoch. Besonders durch den Sommerskibetrieb erhielt das Schnalstal einen enormen Aufschwung. Die Zahl der Übernachtungen stieg von 11.000 (1974) auf 255.000 (1981). Familienpensionen wurden aufgestockt, Bauernhäuser ausgebaut, Keller in Hallenbäder umgewandelt und neue Hotels errichtet. Als der leidenschaftliche Hubschrauberpilot Gurschler jedoch ein Großhotel und über 160 Appartements bauen ließ, ging es mit dem ungekrönten „König“ von Schnals unaufhaltsam bergab. Finanzhaie trieben ihn in den Konkurs. Im Oktober 1983 nahm er sich das Leben

Der vorerst letzte Schritt zur Modernisierung der Infrastrukturen und zu einer nachhaltigen Entwicklung für den Tourismus und für das Schnalstal wurde in den Jahren 2023 und 2024 gesetzt. Mit einer umfassenden Erneuerung der Bahn 2023 durch das Unternehmen Doppelmayr, die in nur acht Monaten Bauzeit realisiert wurde, gelang ein Neustart mit einigen Superlativen in Bezug auf Technik und Erlebnisintensität. In etwas mehr als fünf Minuten überwindet die Bahn mit modernsten Gondeln mit einer jeweiligen Kapazität von 80 Personen die 1100 Meter an Höhenunterschied von Kurzras (2011 m) hinauf zur Grawand auf 3212 m. Die Gondeln haben außerdem eine zusätzliche Eigenschaft: Im Sommerbetrieb können über eine spezielle Dachöffnung bis zu zehn Fahrgäste direkt auf das Dach der Gondeln gelangen und so eine OpenAir-Fahrt mit einmaligem Bergpanorama erleben. Im Zuge der Erneuerung wurde 2024 auch die Talstation neugestaltet, erweitert und modernisiert. 

Der Sommerskibetrieb am Schnalstaler Gletscher wurde 2013 bis zur Übernahme durch neue Betreiber im Jahr 2014 eingestellt. Seit 2018 ist die Athesia-Gruppe alleinige Mehrheitseigentümerin der Schnalstaler Gletscherbahn. Heute hat sich das Schnalstal auf den Winter- und Sommerskibetrieb eingestellt. Weitere neun Aufstiegsanlagen bieten ein breitgefächertes Angebot. Das 30 Hektar umfassende Gletscherskigebiet befindet sich am Hochjochferner, wo auch die rund 5.300 Jahre alte Gletschermumie „Ötzi“ gefunden wurde. Der Schafübertrieb zwischen dem Schnalstal und dem Ötztal, auch Transhumanz genannt, verläuft entlang der prähistorischen Wege, die seit Jahrtausenden den Siedlungsraum im Norden mit dem Süden verbinden.

Die Alpin Arena Schnals umfasst jetzt u.a. die moderne Pendelbahn von 2023, eine Umlaufbahn, fünf Sessellifte und vier Schlepplifte, 22 Skipisten, eine 8 km lange Talabfahrt, viele weitere Freizeitmöglichkeiten sowie den Iceman Ötzi Peak auf der Grawandspitze, der einen atemberaubenden Ausblick auf 126 Dreitausender erlaubt, und das höchstgelegene Hotel Europas, das Glacier Hotel Grawand auf 3212 m.