Die 51 Südtiroler Bahnhöfe haben europaweit Ensemblecharakter. Nur bei einer sinnvollen Nutzung kann der Erhalt der Gebäude langfristig gesichert werden Das Kuratorium für technische Kulturgüter, vertreten durch Wittfrida Mitterer, Andreas Hempel als Architektur-Experten und den Naturnser Bürgermeister Walter Weiss, hat heute Landeshauptmann Luis Durnwalder eine umfangreiche, über 200 Seiten umfassende Dokumentation über die Bahnhöfe der Linien Salurn ? Bozen , Brenner ? Bozen, Pustertal und Bozen ? Meran überreicht. Diese Bahnlinien und ihre Stationen, zu denen auch die Strecke Meran ? Mals durch den Vinschgau gehört (sie ist noch in Bearbeitung), zählen nicht nur zu den bedeutendsten technischen Zeitzeugen der Verkehrsbauten in Südtirol, sondern haben als bauliche Ensemble europäischen Rang ? nahezu fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit unseres Landes. Der Landeshauptmann nahm die Ausarbeitungen mit großem Interesse zur Kenntnis, da die Landesregierung vor dem Problem der Nutzung der Bahnhöfe steht, die nach längeren Verhandlungen mit der FS nun den Gemeinden zur Nutzung überlassen werden. Es wird die Aufgabe der Landesregierung sein, mit dafür zu sorgen, dass diese Bahnhöfe einer vernünftigen, wirtschaftlich tragbaren Nutzung zugeführt werden, um auch deren angemessenen baulichen Erhalt zu gewährleisten. Hierfür sollen auch Landesmittel mitbereitgestellt werden. Damit diese Mittel mit Erfolg und für alle Gebäude relativ gleichmäßig eingesetzt werden können, ist beabsichtigt, eine Auffanggesellschaft zu bilden, die mit den Gemeinden ein konzeptionelles Einvernehmen über die Nutzung und die damit verbundenen erforderlichen Renovierungen erzielt. Der Landeshauptmann ist davon überzeugt, dass nur bei einer sinnvollen Nutzung der Erhalt der Gebäude langfristig gesichert werden kann. Nach Auffassung des Kuratoriums sollten künftige Nutzungen möglichst öffentlicher Art sein, um die Zugänglichkeit der Gebäude gemäß ihrer vergangenen Funktion zu erhalten. die Darstellungen der Geschichte, des Zustandes, der gegenwärtigen Funktion, der gestalterischen Erscheinung und einer Gesamtwürdigung in Form eines Gebäudeblattes für jeden Bahnhof einnehmen. Die Studie trägt den Empfehlungen des Kuratoriums zur künftigen Nutzung Rechnung. Dabei kamen folgende Kriterien zur Anwendung: Öffentliche Nutzung als Prämisse. Diese sollte ? wie in der Vergangenheit der Bahnhöfe ? am besten öffentlich sein um den Mittelpunktscharakter der Bahnhöfe im städtebaulichen Netzwerk fortzuführen; gesamtheimliche Betrachtung, künftige städtebauliche Behandlung der Bahnhöfe, künftige bauliche Behandlung der Bahnhöfe; Aufsicht und Wartung. Das Kuratorium warnte vor der Gefahr der privaten Sonderbehandlung der 21 Leihbahnhöfe.Wirtschaftliche Interessen oder anderweitiger privater Druck könnten zu einer ?Privatisierung? der bislang öffentlichen Nutzung führen kann. Damit würden die Bahnhöfe ihre Aufgabe als Brennpunkte im öffentlichen Raum verlieren, was zu einer Verarmung des urbanen Angebotes für den Bürger führen wird. Hierauf ist besonders zu achten um ein lebendiges Angebot zu schaffen. Im Einzelnen wurden im Gespräch mit Landeshauptmann Durnwalder einige Beispiele stillgelegter Bahnhöfe diskutiert, die unbedingt erhalten werden müssten. Dazu gehört der schöne Bahnhof in Aicha, eine der wenigen großen Holzkonstruktionen, der seit 15 Jahren ungenutzt dasteht. Hier gilt es, das Interesse der Gemeinde Aicha für eine angemessene Funktion für dieses Baudenkmal zu wecken. In Plaus wird die Umnutzung des ehemaligen Bahnhofes in ein Jugendzentrum begrüßt. Es sollte aber geprüft werden, ob zumindest teilweise die baulichen Substanz erhalten und in kreativer und innovativer Weise in das Neunutzungskonzept integriert werden kann. Allerdings handelt es sich bei Plaus um ein Gebäude, das nicht die architektonische Qualität der übrigen Bahnhöfe entlang der Vinschgerstrecke aufweist. Der hölzerne ehemalige Haltepunkt von Kastelruth neben der gedeckten Holzbrücke über den Eisack verfällt seit der Stillegung zusehends. Mit Zustimmung des Landeshauptmannes wird angeregt, diesen kleinen Bau als zukünftigen Servicepoint des Ragweges Brenner-Bozen zu restaurieren. Eine sofort umsetzbare Renovierungsmöglichkeit wurde vom Landeshauptmann aufgezeigt und soll mit den betroffenen Gemeinden Ritten und Kastelruth abgesprochen werden. Durnwalder sicherte zu, dass die Bausubstanz der Bahnhöfe von Sigmundskron -im Strahlungsfeld des „“Messnermuseums““ und von Meran Untermais nicht angetastet wird. Abschließend wiesen die Mitglieder des Kuratoriums nochmals auf die einmalige Bedeutung der historischen Bahnhöfe hin ? sie bilden wie so viele andere bauliche Zeugnisse der Vergangenheit Südtirols eine Identifikation für die Bewohner unseres Landes.