Südtirols historische Bahnhöfe als Technikschauplatz und Zeugnis der Alltagskultur mit einfachen Mitteln neu in Szene gesetzt: Bahnhofs-Parcours von der Ortler-Region bis zum Mountain-Museum in Bozen-Sigmundskron könnte der 2005 geplanten Vinschgaubahn-Wiederinstandsetzung Zugkraft verleihen Unter den Bahnhöfen im Vinschgau könnte Kastelbell zu einem Vorreiter werden: Die ideale Zentrumslage dieses Bahnhofs inmitten des Ortes und die Ausstrahlung dieses Bahnhofsensembles mit intakt erhaltenem hölzernen Lagerschuppen prädestinieren Kastelbell zu einem der vom Kuratorium geplanten innovativ-musealen Technik-Schauplätzen. Mit dem Wunsch, das Bahnhofsensemble möglichst zu erhalten und sinnvoll zu nutzen, hatten Vizebürgermeister Gustav Tappeiner und Verkehrsassessor Reinhard Pedross das Kuratorium dieser Tage zum Lokalaugenschein nach Kastelbell geladen. Während die Vinschgaubahn mit Mitteln des Landes technisch instandgesetzt wird, müssen die Gemeinden entscheiden, was mit den Bahnhofsbauten geschehen soll, die baulich und bezüglich Nutzung in ihre Zuständigkeit fallen. Wie andere Gemeinden hat Kastelbell eine Architektenstudie in Auftrag gegeben. Die Kosten dieser Bahnhofsrestaurierungen sorgen jedoch auch für Verunsicherung ? denn die Eigentumsübertragung an die Gemeinden sind zeitlich begrenzt und lassen noch Fragen offen. Mit einer Erhebung aller historischen Bahnhöfe Südtirols ? übrigens in dieser Geschlossenheit ein weltweit einmaliges Ensemble ? hat das Kuratorium für Technische Kulturgüter inzwischen neue Wege beschritten. Erstmals wird mit konkreten Vorschlägen aufgezeigt, wie Bahnhöfe im Zeitalter des weitgehend automatisierten Fahrbetriebs möglichst kompakt erhalten werden können, ohne sie ihrer Zeugnisse der Alltagskultur zu berauben. Kuratoriums-Pilotmodell für historische Bahnhöfe Das Kuratoriums-Pilotmodell soll Überzeugungsarbeit leisten, dass die Bahnhöfe ihren Charakter als historische Baudenkmäler und als öffentlicher Treffpunkt behalten. Typische Originalelemente wie Signale, Läutwerke oder die inzwischen geschlossenen Fahrkartenschalter sollten – ohne aufwendiges Wartungspersonal ? mittels Vandalensicherung, Lichtinszenierungen und interaktiven Informationsangeboten neu in Szene gesetzt werden. In Kastelbell würde sich der historische Wartesaal mit Blick auf das mächtige Schloss, also auf das uralte Wahrzeichen des Ortes, für eine solche Intervention anbieten. Eine weitere Attraktion ist der hölzerne Lagerschuppen mit überdachter Rampe und umgeben von viel Grün. Wegen der Bedeutung des Vinschgauer Obstexports bereits in historischer Zeit besitzt Kastelbell ein besonders großzügig bemessenes Bahnmagazin samt umliegendem Areal. Das könnte sich neu bezahlt machen. Die Nutzungsmöglichkeiten reichen vom Fahrradunterstand bis zu einem kleinen Guck-Kasten-Museum und überdachtem Veranstaltungsschauplatz mit intimerem Charakter ? also nicht in Konkurrenz zum vorhandenen Festplatz. Vinschgauer Bahnhofs-Kulturmeile verspricht touristisches Potential Entlang der Vinschgaubahn mit ihren zahlreichen, praktisch lückenlos erhaltenen historischen Bahnhöfen bietet sich die Chance zur Umsetzung des Kuratoriums-Pilotmodells in einmaliger Dichte und Vielfalt. In Partschins stehen historische Landwirtschaftsgeräte im Mittelpunkt, die an die Zeit erinnern, als der Vinschgau noch eine Kornkammer Südtirols war. In Laas haben sich Gemeinde und Kuratorium Gedanken gemacht, wie die Schrägbahn zum Marmorabtransport als einmaliges Technik-Denkmal neu zur Geltung gebracht werden könnte. Ein Bahnhofs-Parcours von der Ortler-Region bis zum Messner-Mountain-Museum in Bozen-Sigmundskron verspricht auch mit Blick auf die bis 2005 geplante Wiederinstandsetzung der Vinschgaubau neue touristische und bahntouristische Potentiale. Die Technik-Kulturmeile Nord-Süd wird vom Kuratorium als Interreg-Projekt entlang der Südtiroler Fahrradwege verwirklicht. Für die Entwicklung eines eigenen Corporate Identity konnten junge kreative Kräfte der Fakultät für Design unter Leitung ihres Dekans Kuno Prey gewonnen werden.