Revitalisierung des Bahnhofs in Klausen als Kultur- und Wirtschaftsmagnet mit Service-Charakter Das neue Pilotmodell für die Aufwertung des Klausner Bahnhofs ist gestern im Gemeinderat von Klausen vom Kuratorium für technische Kulturgüter präsentiert worden. Ziel ist es, im Zuge der geplanten pfleglichen Sanierung des Gebäudes schwerpunktartig im Fahrgästebereich anhand einer Musealisierung altösterreichisches Bahnhofsflair einzufangen und gleichzeitig über eine innovative Kooperation mit der Südtiroler Rundfunkanstalt RAS zeitaktuell auf einer Medienwand Informationen öffentlichen Interesses, vermischt mit zeitgeschichtlichen Highlights, darzubieten. Der Bahnhof soll zur Visitenkarte des Ortes mit Service-Charakter werden. Die anbrechende Ära der unbemannten Bahnhöfe, die technische Automatisierung mit Stilllegung von Fahrdienstleitung, Fahrkartenschalter und weiteren Dienstleistungen hat auch am Klausner Bahnhof neue Fakten geschaffen. Außer den Räumlichkeiten für technische Apparaturen des Bahnbetriebs stehen sämtliche Räume des Erdgeschosses im Bahnhof für die geplante Aufwertung zur Verfügung. Von den insgesamt vorhandenen 225 m² können 130 m² neu genutzt werden. Mit einem eigenen Pilotmodell im Maßstab 1:33 wird das Neunutzungskonzept des Bahnhofs veranschaulicht. Typische Elemente wie Fahrkartenschalter, Gepäcksaufbewahrung, Fahrdienstleitung, Glockensignal, Weichenschlüssel, Erinnerungsstücke z.B. Fahrpläne, Zeichnungen und Skizzen aus der Bauphase, mit Hinweis auch auf die Grödnerbahn, die von Klausen aus über das noch erhaltene Viadukt bis 1960 nach Plan gedampft ist, sollen hinter eingezogenen vandalensicheren Glaswänden dargeboten werden. Auf interaktiven mit der Ras (zuständig für den technischen Support) vernetzten Wandflächen sollen Informationen von öffentlichem Interesse, wie Wetterbildkamera, Temperaturen, Verkehrsinfos, Pollenwarndienst, lokale Ereignisse und Kulturveranstaltungen sowie Spots über die Erfolgsgeschichte Eisacktaler Betriebe, in Verbindung mit weiterführenden Erklärungen über das Technikmuseum, gezeigt werden. Geplant sind auch Video-Installationen mit starkem zeitgeschichtlichem Bezug, die in Zusammenarbeit mit Klausner Lokalhistorikern erarbeitet werden. Ebenfalls im Erdgeschoss befindet sich der ehemalige Relais-Raum, der als Ambiente mit Mehrzweckcharakter genutzt werden kann. Ein beweglicher Raumteiler ermöglicht die zeitgleiche Nutzung unterschiedlicher Akteure. Interesse gezeigt haben die Klausner Modelleisenbahner, die den Raum für ihre Freizeitaktivitäten belegen möchten Das Pilotmodell wurde in Zusammenarbeit mit Architekturstudenten der Uni Innsbruck, Emanuel Vieider und David Preindl, sowie Andrea Pizzurro vom Staatsbahnarchiv realisiert und am 5. Juli 06 erstmals öffentlich vorgestellt. Das zerlegbare Modell soll in der Gemeinde Klausen ausgestellt werden, damit die Bevölkerung sich selbst kundig machen und Anregungen oder Kritik vorbringen kann. Im Anschluss an die gestrige Präsentation im Gemeinderat gab es durchwegs positive Reaktionen. Der Bahnhof Klausen zählt wie auch die anderen Bahnhöfe an der Brennerstrecke zu einem einzigartigen Ensemble technischer Bauwerke von europäischem Rang. Sie alle wurden nach Normplänen des k.u.k Architekten Wilhelm von Flattich gebaut. Der schlichte kompakte denkmalgeschützte Bahnhof Klausen ist aus Granitsteinen aus dem Steinbruch in Grassstein erbaut, ( aus dem sich die k.u.k. Südbahn für die Realisierung der allermeisten Bahnhofshochbauten bediente) die Fenster-, Türumrahmungen und die bossierten Eckrisalite sind aus Porphyr. Sehr schön erhalten ist auch die Holzverzierung im Dachbereich. Am Bahnareal selbst werden der Busbahnhof, die Freizeitanlage, das Fernheizwerk (in der historischen Lok-Remise der Grödner Bahn) und Wohnungen realisiert. Der im Vorfeld des Bahnhofs bereits vorbildlich restaurierte Gasthof Krone aus der Zeit des k.u.k.-Bahnbaues sowie die Platanenallee ? die Bäume wurden vor 150 Jahren gepflanzt- schließen das Ensemble. Aus der Sicht des Kuratoriums ist es Ziel, Alt mit Neu zu verbinden und dabei die bauliche besondere Ausstrahlung der Bahnhöfe zu erhalten. Sie sollen als Monumente der Technik und Kleindenkmäler im neuen urbanistischen Kontext des Verkehrs- und Kommunikationszentrums ?Bahnhof? verständlich und attraktiv gemacht werden.