Bei Eingriffen in die historische Bausubstanz soll Alt mit Neu kreativ integriert werden. Bauliche Eingriffe, die unseren Lebensraum verändern, sorgen immer häufiger für Schlagzeilen. Das Kuratorium möchte in diesem Zusammenhang einen Beitrag leisten und weist auf einige erfolgreiche Ansätze in den Bereichen von Urbanistik und Stadtraum-Wiedergewinnung bzw. Aufwertung hin, die zu folgenden Leitgedanken geführt haben: – in die gewachsene Bausubstanz von Dorf- und Stadtkernen, die bereits ihr inneres Gleichgewicht gefunden haben, sollte nur mit äußerster Vorsicht und Behutsamkeit eingegriffen werden; viele neue Siedlungsgebiete bieten genügend Spielraum für eine Aufwertung mittels neuer Baumassnahmen; – zu den politischen Zielsetzungen der öffentlichen Verwaltung gehört es, dafür zu sorgen, dass sich die Bevölkerung mit ihrer engeren Umgebung vertraut fühlt; dieser Prozess wird nicht durch tiefgreifende Veränderung, sondern durch Festhalten an den eigenen Wurzeln und Langfristigkeit, unterstützt; – es geht um die Sicherung von Bauten, Ensembles und Orten, die der Gesellschaft etwas bedeuten, auch abgesehen von ästhetischen, architektonischen, funktionalen, rationalen oder organisatorischen Werten; – die Qualität des öffentlichen Raumes besteht nicht sosehr in der Summe von qualitativen Werten als vielmehr in der Beziehung der einzelnen Elemente zueinander; jede Baumassnahme, die sich nicht prioritär mit anderen Bezugspunkten in ihrer Umgebung auseinandersetzt, kann zum Bruch und zu einem Ungleichgewicht führen; – trägt das Gebäude nur der eigenen Funktion und Organisation Rechnung, kann es schwerlich in ein historisch gewachsenes Gesamtbild eingefügt werden; – qualitativ hochwertige Bausubstanz und architektonische Eingriffe, die auch von der Bevölkerung mitgetragen wurden, sind dann gegeben, wenn Neu mit Alt kreativ integriert wird; Beispiele, die Schule machen dürften sind das ex GIL-Gebäude, heute Sitz der Eurac in Bozen, einige Bahnhöfe der Vinschgerbahn, insbesondere die Bahn-Remise in Mals, oder der geplante Umbau des Brunecker Bahnhofs. Drastische urbanistische oder architektonische Eingriffe, oft auch finanziell sehr aufwendige Maßnahmen, haben in den seltensten Fällen zu einer Aufwertung der Bausubstanz oder des engeren Lebensraumes geführt. Der umsichtige Umgang mit den Ressourcen und baulichen Gegebenheiten hat in einigen Fällen in der Vergangenheit vor Negativeffekten bewahrt. Nur nach zähem Tauziehen ist es vor Jahren gelungen, die Talfer-Brücke zu retten und eine autobahnähnliche Flussüberquerung zu verhindern. Heute ist die Brücke ein kleines architektonisches Juwel. Das Kuratorium ruft daher dazu auf, die anstehenden Probleme im Mittelpunkt der politischen Diskussion mit einem kulturell- verantwortungsvollen Ansatz zu lösen und Lebensräume im urbanen Gefüge zu schaffen, die Nachhaltigkeit und Wohlfühlqualität haben. Dies gilt für den Bozner Bahnhof, für das historische Kernensemble rund um den ehemaligen Schlagbaum am Brenner, den Küchelberg-Tunnel, das Hotel Bristol in Meran, das Trojer-Areal in Algund, das Athesia-Gebäude in der Bozner Museumstrasse, die geplanten Wasserkraftwerke in der Gemeinde Franzensfeste und in Ratschings und jenseits jeder politischen Instrumentalisierung auch für die Pascoli-Schule in Bozen. Das Kuratorium appelliert nochmals daran, bei Eingriffen in die historische Bausubstanz mit grösster Vorsicht vorzugehen und wann immer möglich Alt mit Neu kreativ zu integrieren.