Das Kuratorium für Technische Kulturgüter hat die Tätigkeit auch im neuen Arbeitsjahr 2007 weiter ausgebaut, dies dank einer vernetzten Volontariatsarbeit und der Kulturpartnerschaften, die auf einer breiten, von der Bevölkerung mit Konsens bedachten Basis gründen. Wie auch in anderen Jahren werden Technikschauplätze erschlossen und ins Rampenlicht gestellt. Ziel ist es Technikdenkmäler und ?orte mit nutzungsbezogenem Öffentlichkeitscharakter einer breiten Bevölkerungsschicht nahe zu bringen. Die Initiativen und Projekte sind sorgfältig aufeinander abgestimmt, um so Technikkultur und Technikgeschichte verbunden mit dem Naturerlebnis zu vermitteln. Das erfreulich starke Echo der Aktionen und Veranstaltungen bei Publikum und Presse hat dem Kuratorium die nötige Schubkraft verliehen.
VIRTUELLES TECHNIK-MUSEUM
In Weiterführung der virtuellen Museumsprojekte, die real als Technikkulturmeile längs des Südtiroler Fahrradwegenetzes vorangetrieben werden, wurden Technikobjekte in den verschiedensten Kategorien (Bahnhöfe, Seilbahnen, Kraftwerke, Ingenieurbauten, Pioniere und Erfinder, Bergbau und Kommunikation) innovativ erfasst und einen zeitgeschichtlichen, kritischen Kontext gestellt. Sämtliche im Internet zugänglichen Objekte (orts- und zeitunabhängig) werden aus technischer, historischer und geografischer Sicht beschrieben und mit zeitaktuellen Informationen in Verbindung gebracht.
UMSETZUNG LEITSYSTEM FAHRRADWEGENETZ ?Film und Radführer
Das vom Kuratorium in Projektpartnerschaft mit der Fakultät für Design erarbeitete Leitsystem für Technikdenkmale längs der Fahrradwege wird schrittweise verwirklicht. Jeder Schauplatz wird durch eine einheitliche Beschilderung ausgewiesen. Von den insgesamt in einer ersten Liste erfassten 36 Technikschauplätze werden folgende als lohnende Ausflugsziele dargeboten: erstes unbemanntes Kleinkraftwerk Sachsenklemme (Übergabe Herbst 2007), weltälteste Druckerpresse in Brixen (Druckerei Weger), Kastelruther Haltestelle mit Kleinbahnhof, Bahnhof Klausen, Besucherkraftwerk der Etschwerke in der Eggentaler Schlucht, Enel-Kraftwerk Kardaun, Turbinenschauplatz Bozen Süd, historische Kornmaschinen in Rabland; Strompromenade Marling. Die gesamte Technikmeile wird in einem Radwanderführer, der im Kompass-Verlag erscheint (2008) beworben.
DREHMOMENTE ?MEILENSTEINE DER TECHNIK
Mit Kurz-Dokumentationen werden die Monumente der Technik längs der Radwege auch filmisch festgehalten. Die TV-Doku-Reihe ist darum bemüht, Technikkultur in einem allgemein verständlichen, zeitkritischen Kontext darzustellen, wobei auf geschichtliches, teilweise noch unveröffentlichtes Filmmaterial sowie Zeitzeugen ? und Historiker-Aussagen Wert gelegt wird.
Die Sendereihe ist in der deutschen Fassung bei einer Sendelänge von rund 9 Minuten pro Folge auf insgesamt 20 Folgen ausgelegt. 10 davon wurden bereits zwischen April und Juni 2007 gezeigt. In der italienischen Version TEMPI MODERNI werden wahlweise Schauplätze präsentiert, die in das Sendeschema passen. Die Sendereihe „“Drehmomente – Meilensteine der Technik““ ist in Zusammenarbeit mit dem Rai Sender Bozen und dem Kuratorium für Technische Kulturgüter entstanden, mit finanzieller Unterstützung durch die Stiftung Südtiroler Sparkasse und Sportler Bozen. Buch und Regie Gerd Staffler, Idee und Konzept, Witti Mitterer, Kamera Marco Polo Schnitt Videocap, Klaus Romen
BAHNHOFSENSEMBLE ? EUROPÄISCHES UNIKAT
Das Südtiroler Bahnhofsensemble im Kern aus der Zeit der Donau-Monarchie ist in seiner Geschlossenheit europaweit ein Unikat. Die 58 Bahnhofshochbauten, die nach der Privatisierung der Bahn auf das Land bzw. auf die Gemeinden übergehen, gehören zu den Juwelen der Südtiroler Technikgeschichte und müssen auch als solche erfasst werden. Der künftige Umgang mit der Bausubstanz, hat die Auseinandersetzung mit neuen Herausforderungen wie Erhaltung und Neunutzung historischer Bahnhöfe neu entfacht. Anlässlich eines internationalen Symposiums wird im November 2007 darüber nachgedacht.
Südtirol hat aus altösterreichischer Zeit einen einmaligen Bestand historischer Bahnhofsensembles geerbt, die auch in den letzten Jahren in der Ära der Modernisierungen mit weitgehender Automatisierung des Bahnbetriebs und zahlreichen Bahnhofsstilllegungen als Infrastrukturen mit öffentlichem Nutzungscharakter ihre Aufgabe erfüllen müssen. Mit Blick auf anstehende Großprojekte wie BBT + Zulaufstrecken, mögliche Verbauung des Bozner Bahnhofs, Wiederinstandsetzung der Vinschgaubahn und die Initiative „“Leihbahnhöfe an die Gemeinden““ stehen für die historische Bausubstanz jetzt Fragen und vitale Entscheidungen an. Beispielhaft soll in Zusammenarbeit mit der Rundfunkanstalt RAS die Bespielung des Vorzeigebahnhofs Klausen erfolgen, bei der ortsbezogene Kultur- sowie aktuelle Infos mit öffentlichem Nutzungscharakter sich ergänzen. Der Bahnhof soll wieder attraktiv und zum Mittelpunkt eines neuen Mobilitätsbedarfs werden.
BAHNHÖFE PUBLIKATION + AUSSTELLUNG
Eine Erhebung des Gesamtbestandes wertvoller Bahnhofsensembles in Südtirol wurde bereits in Angriff genommen und ist jetzt Grundlage für vertiefende Recherchearbeit, die in der neuen Publikation Eingang findet. In enger Zusammenarbeit mit der Universität Innsbruck, Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege, hat das Kuratorium eine Bestandsaufnahme historischer Bahnhofsbauten der Bennerbahn, sowie der Bahnen in Tirol, bei denen der Tiroler Eisenbahnvater Riehl Pate gestanden ist, auf den Weg gebracht. Die Dokumentation soll mit Nutzungsvorschlägen und Beispielen ergänzt werden, und den politisch Verantwortlichen sowie Interessierten als Entscheidungshilfe zur Verfügung stehen. Parallel dazu wird in fahrenden Zügen und in digitaler Form an den Bahnhöfen von Bozen und Innsbruck die
Ausstellung WEICHEN & WAHRZEICHEN, die Bahnlandschaft zwischen Bozen und Innsbruck gezeigt. Neben fantastischem Fotomaterial aus der Kamera von Walter Niedermaier gibt es historischen Fotobestand, der auf Privatarchive verteilt ist.
(grenze) BRENNER PASS
Aufgrund der Nachfrage wurde die Ausstellung „“(Grenze) BRENNER PASS““ nach den Ausstellungsorten in Innsbruck und Bozen auch am Brenner gezeigt. (14.5.07 -1.6.07). Teile des Bestands werden in der neuen Raststätte am Brenner in einer Dauerausstellung dargeboten. Es geht um die Veranschaulichung des letzten Beispiels gelebter Alltagskultur an der Grenze. Die Anregungen des Kuratoriums für eine Rekultivierung der Passlandschaft wurden am Brenner leider nicht umgesetzt. Die Produktion des Brenner-Films, bei dem prominente Zeitzeugen zu Wort kommen, ist abgeschlossen und wurde im Rai Sender Bozen und auf Rai Tre ausgestrahlt. Die Filme werden anlässlich einer Ausstellung über Grenzbauten (von Dueffepromozioni Roma in Zusammenarbeit mit der italienischen Parlamentskommission, für das Schengener Abkommen) im Sommer in Innichen und am Brenner gespielt.
E-WERKSBESPIELUNG in KARDAUN Im November 2007 wird das Kraftwerk wieder zum Technikschauplatz anlässlich der „“langen Nacht der Museen““. An Experimentiertischen werden Jugendliche Hintergründe rund um den elektrischen Strom aufzeigen.
DOKU-STELLE FÜR ZEITGESCHICHTE
Das Kuratorium für technische Kulturgüter besitzt einen nicht unwesentlichen Fundus an zeitgeschichtlichen Dokumenten in Film und Ton, das neben Neuzugängen in öffentlicher Verantwortung aufbewahrt, professionell archiviert und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird. Ein detailliertes Projekt wird derzeit separat über die Interreg-Schiene abgewickelt. Das Kuratorium will für die Einrichtung einer solchen in Südtirol fehlenden Stelle für Archivierung und Erschliessung auch von Rohmaterial Anschubhilfe leisten. Insbesondere wird die Medienkompetenz des Amtes für Audiovisuelle Medien genutzt werden.
Foto Dolomiten