Obermüller Haus in Welsberger abgerissen

Nach dem bedauerlichen Abriss des Welsberger Gerichts wurde in Welsberg vergangene Woche ein besonders markantes Baudenkmal dem Erdboden gleich gemacht. Schon wieder wurde in Welsberg ein besonders markantes Baudenkmal dem Erdboden gleich gemacht. Die Rede ist vom historischen Holzer Haus, das im Kern 1665 erbaut wurde. Es war bis gestern Standort der Holzer Mühle. Der technikgeschichtlich bedeutsame Bau war mit seinem Erinnerungswert Ortsbild-prägend und wesentlicher Teil des Baubestands des Dorfes.
Anstelle des Obermüller Hauses soll ein Neubau mit sechs Wohnungen und Geschäften errichtet werden, wie der neue Besitzer, Hannes Oberstaller erklärte. Das Gebäude ist vor einigen Jahren von den Erben Holzer verkauft worden. Franz Holzer, Professor an der Tu in Graz, hat sich vergeblich für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt. Für das Projekt wurde kein geringerer als Stararchitekt Klaus Kada zitiert.
Auf Vorschlag des Kuratoriums für Technische Kulturgüter soll jetzt zumindest die Erinnerung bewahrt werden, die die Geschichte eines Dorfes mitgestaltet hat. Witterungsfeste Teile der alten Mühle könnten als Technikschauplatz im Vorfeld des Neubaues aufgestellt werden.
(Siehe Turbinendenkmal in der Bozner Claudia-Augusta-Strasse). Dazu braucht es aber die Unterstützung der örtlichen Verwalter und Entscheidungsträger der Gemeinde Welsberg. Franz Holzer verweist darauf, dass sich in den Mauern seines Heimathauses vormals eine Mühle sich befunden hat, die in der Realität und in der Enzyclopädie von Denis Diderot und D’Alembert, erschienen 1660 in Paris, immerhin materielles Zeugnis einer Technologie befindet, die damals eine Existenz für Generationen begründet hat.
Die entscheidende Frage beim Erhalt historischer Bausubstanz ist immer die Nutzung. Was man mit den Objekten macht, hängt vom Ideenreichtum jener ab, die am Hebel der Macht sitzen und Entscheidungsbefugnis haben. Meist kann man sich es nicht leisten, nur etwas herumstehen zu lassen.
Aus Sicht des Kuratoriums besteht heute die neue Chance durch die Verlagerung von Interessen auf den Bestand, durch eine kritische Haltung gegenüber den gängigen Klischees, durch das Festhalten an unseren Wurzeln, durch gezielte Information, auch solche Objekte, Gebäude und Landschaftsräume erlebenswert zu gestalten, die nicht in das klassische Bild passen, das häufig von Wirtschaftsspekulation bestimmt ist. Eine neue Form des Sehens und der Wahrnehmung wäre das Ziel.