Talferbrücke weihnachtlich beleuchtet

Die Lichtkulisse weihnachtlicher Blickfang der Stadt Bozen. Auch dieses Jahr zeigt sich die Talferbrücke bis zum Dreikönigstag im weihnachtlichen Kleid. Die Lichtmodule, die sich in stilisierter Form an den historischen Häuserfassaden der Sparkassenstraße inspirieren, haben sich als nachhaltiger Weihnachtsschmuck bewährt. Die Komposition der filigranen Struktur bildet entlang der Brücke eine Lichtkulisse, die zum Eintreten in die Bozner Altstadt einlädt. Dadurch wird das architektonische Ensemble von Talferbrücke und Sparkassenstraße als Gesamtkunstwerk vermittelt.Jedes einzelne Lichtmodul entspricht einem Gebäude des Straßenzugs. Die architektonischen Kernelemente werden dabei in ihrem Profil festgehalten. Die in Holz nachgebildete Linienführung vermittelt des nachts eine markante Lichtsilhouette.
Konzept und Idee stammen vom Kuratorium für technische Kulturgüter, Projekt und Planung vom Bozner Architekten Ugo Sasso, die Ausführung von den Schülern der Gewerbeoberschule G.Galilei und Geometerschule P. Anich in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bozen.
Die Licht-Module sind heuer erstmals an Stelle der herkömmlichen Glühbirnen mit 11.000 LED – Sparlampen bestückt. Dadurch ergibt sich ein Stromverbrauch von 1,8 kW/h. Unterm Strich im Vergleich zum Vorjahr ein Ersparnis von ca. 50kW/h.
Die einzelnen Module werden von einer Metallstruktur aus recycelten Aluminium gestützt. Das Gerüst wurde von der Firma „Sapa Profili“, ex Alumix, verwirklicht. Die Struktur wurde so aufgebaut, dass bei Querung der Brücke der dreidimensionale perspektivische Effekt gewahrt wird. Auf jeder Seite werden sechs verschiedene Lichtmodule angebracht, insgesamt sind es 12. Die Montage lag in den fachkundigen Händen von Franco Forrer und Ivan Moroder vom Amt für Mobilität der Gemeinde Bozen, begleitet von Adriano Ferro, der für die Statik verantwortlich zeichnet.
Die einzelnen Module sind leicht zu transportieren und montagegerecht gefertigt. Work in progress: Bei nachhaltiger Wiederverwendung können die einzelnen Elemente Jahr für Jahr nach Belieben zusammengestellt oder ergänzt werden
Geschichtlicher Rückblick
1898 wurde unter dem Einfluss der Wiener Ringstraßenarchitektur und der kreativen Mischung aus regionaler Baukultur und neubarocken, klassizistischen Formen die Sparkassenstraße als Jubliäumsstraßenzug anlässlich des 50. Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph der Stadt Bozen unentgeltlich übergeben. Es handelt sich dabei um die wohl ungewöhnlichste Straßenerschließung, die erstmals über eine Länge von 400 m und einer Breite von 15 m quer durch die Weingüter die Spitalgasse mit der Wangergasse verbunden hat. Die Sparkasse verkaufte die Grundstücke um rund 8 Gulden pro Quadratmeter an Bauwillige. Aufgrund des damaligen Wohnungsmangels entstanden in kürzester Zeit die ersten Bozner Bauten mit Betongerippe im Stil der Neugotik, des bayrischen Barocks oder Romanik und Renaissance. Fast zeitgleich, am 4. November 1900, wurde die Talferbrücke ihrer Bestimmung übergeben, fünf Jahre bevor ein Bozner das erste Auto besaß. Die Bauten in der Sparkassenstraße und die Talferbrücke (Projekt Wagner Birò, Graz, 1900) fielen in die überaus fruchtbare Amtszeit (1895-1922) des Bozner Langzeitbürgermeisters Julius Perathoner, der sich für die Modernisierung der Stadt eingesetzt hat.
Als Stadtbaumeister hinterließen Sebastian Altmann, Wilhelm Kürschner, Gustav Nolte und Walter Norden ihre unverkennbare Handschrift und machten aus dem vorwiegend bäuerlichen, kleinbürgerlichen Bozen erst die Talferstadt mit urbanem Charakter. Unterstützt wurde dieser Entwicklungsschub durch die eben angebrochene Ära des elektrischen Stroms und den Bau der Eisenbahn. Ein wirtschaftlicher Quantensprung.
An der Stelle vom Ansitz Hurlach, entstanden im südlichen Teil der Sparkassenstraße, ehemals Kaiserin Elisabeth Straße, das Museum im sogenannten Burgenstil (Entwurf Alois Delug, Baupläne von Musch & Lun), die österreichisch-ungarische Nationalbank (seit 1919 Banca d’Italia, seit 1998 Ötzi-Museum) und die Sparkasse (Wilhelm Kürschner) mit historisierenden barocken Formen, die dann 1938 von Francesco Rossi umgebaut und dem italienischen Rationalismus angepasst wurden: Flachdach, einheitliche Ziegelsteinfassade, Marmorreliefs und Entfernung der Dekorationen.
Die Häuser mit den Hausnummern 4 und 8 wurden 1905 nach Entwürfen der deutschen Architekten Strehle und Cassel errichtet, mit Mittel-und Seitenrisaliten, Erker, Ecktürmen, Fenstereinfassungen und Zierwerk in Beton; die Häuser auf Nr. 3, 5, und 7 lassen die neubarocke Formensprache durchklingen, die Gebäude Nr. 13 und Nr. 15 baute der Investor Albert Canal, Haus Nr. 18 Julius Mayreder aus Wien