21. Doppelbahnhof Auer

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21. Doppelbahnhof Auer

Auer
1859
Der 1944/1945 durch Bomben zerstörte Bahnhof von Auer, von der Straße und von der Schiene gesehen, wurde 1947 nach den Plänen von Roberto Narducci in veränderter und erweiterter Form wieder aufgebaut

Die beiden Bahnhöfe liegen direkt einander gegenüber. Der ehem. Fleimstalbahnhof ist bis heute erhalten. Der Bahnhof Auer wurde als wegen seiner wichtigen Lage zum Fleimstal ursprünglich als zweigeschossiges Gebäude auf quadratischem Grundriss angelegt. Das Erdgeschoss war in Porphyrsteinen, das Obergeschoß in Sichtziegeln gemauert, die Gebäudekanten mit bossierten Porphyrblöcken versehen. Das Dach war ein Walmdach. Gleichzeitig wurde ein großes Magazingebäude sowie ein kleineres hölzernes Abstellgebäude für die Betriebstechnik errichtet.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Auer
Aktueller Zustand: betriebstüchtig
Inbetriebnahme: 1859
AuftraggeberIn: K.K. Privilegierte Südliche Staats-Lombardisch-Venetianische und Centralitalienische Eisenbahngesellschaft (1859)
Projektant/Erfinder: Alois von Negrelli mit Moriz Löhr und Ernst Hranatsch

Die k. k. privilegierte Südliche Staats-Lombardisch-Venetianische und Centralitalienische Eisenbahngesellschaft errichtete in nur fünf Jahren – von 1854 bis 1859 – die Eisenbahnlinie von Verona nach Bozen. Dabei sollte der Bahnhof Auer, der nach den Plänen von Alois von Negrelli, Moritz Löhr und Ernst Hranatsch gebaut wurde, eine besondere Bedeutung in der weiteren Entwicklung der Südtiroler Bahnen erhalten: Noch im Ersten Weltkriegs wurde von 1916 bis 1918 aus strategischen Gründen die Fleimstalbahn von Auer nach Predazzo errichtet, um den Nachschub an die Dolomitenfront sicherzustellen. Die Bahnhofsanlage in Auer war beeindruckend: Sie umfasste eine Fläche von 1500 m Länge und 100 m Breite und musste wegen des moorigen Untergrundes auf 900 Pfählen errichtet werden. Damit war sie der größte Schmalspurbahnhof der Donaumonarchie.
Als leistungsfähige Kriegsbahn konzipiert und später für den Personen- sowie Güterverkehr ausgebaut, war die Strecke insbesondere auf den Holztransport aus dem bewaldeten Fleimstal ausgelegt. Zwar wurde der Betrieb 1963 eingestellt, doch der reizvolle Ausgangsbahnhof in Auer – in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof der Brennerlinie im Abschnitt Verona–Bozen gelegen – blieb erhalten und dient heute als kultureller Treffpunkt.

Der Bahnhof Auer wurde 2004 automatisiert. Das ursprüngliche Gebäude war 1944/45 durch Bombenangriffe zerstört und 1947 nach den Plänen des Architekten Roberto Narducci in veränderter und erweiterter Form wieder aufgebaut worden. Die beiden Bahnhöfe – jener der Brennerbahn und jener der ehemaligen Fleimstalbahn – liegen einander direkt gegenüber und bilden gemeinsam ein einmaliges bauhistorisches Ensemble. Ihre Architektur reicht vom Späthistorismus bis zu den frühen Ausprägungen des Jugendstils und demonstriert die Entwicklung der Formensprache im Bahnbau jener Zeit. Beim Bahnhof Auer gliedern Eckrisalite und Fensterrahmungen die Fassade und verleihen ihr eine klare Struktur. Sie werden beim Fleimstal-Bahnhof von einer freieren Form abgelöst und zeigen insgesamt eine funktionellere Ausdrucksweise der Gestaltung technischer Gebäude. Der Eingangsbereich im Erdgeschoss wird von einem Rundbogenportal mit einem skulptural gestalteten Eckpfeiler geprägt. Die angrenzende Trifora wird im Obergeschoss durch ein Dreibogen-Fenster weitergeführt. Das weit ausladende Walmdach überdeckt den signifikanten Baukörper. Das gesamte Bahnhofsareal wird heute seiner Funktion als wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Südtiroler Unterland gerecht. Das Magazin und die Werkstatt sowie die Lokomotivremise und der Wasserturm der Fleimstalbahn wurden nach landschaftsbezogenen Entwürfen des Architekten Heinrich Fanta in einiger Entfernung vom Bahnhof errichtet. Neu angelegt wurden Pkw-Parkplätze sowie überdachte Fahrradabstellplätze. Zudem wurden der gesamte Bahnhofsvorplatz und die Bahnsteige der Brennerlinie übersichtlich und barrierefrei gestaltet.

K.K. Privilegierte Südliche Staats-Lombardisch-Venetianische und Centralitalienische Eisenbahngesellschaft (1859)
Ab 1862 K.K. Privilegierte Südbahn Gesellschaft, unter Alois von Negrelli (1854 u. 1856-1858), Luigi Tatti (1855) und Karl von Etzel (1859). Fertigstellung:1859. Zerstörung durch Bombardierung 1944/45. Wiederaufbau um 1947 in veränderter und erweiterter Form.

Architekt: Alois von Negrelli mit Moriz Löhr und Ernst Hranatsch
Wiederaufbau des zerstörten Bahnhofes nach Plänen von Roberto Narducci.

Informationen:
Laura Facchinelli, Die Eisenbahn Verona-Brenner, Athesia, Bozen 1995
Elisabeth Baumgartner, Kleinodien alt-österreichischer Eisenbahnarchitektur: Die Hochbauten der Brennerbahn, in Christoph Bertsch (Hrg), Industriearchäologie, Haymon Verlag 1992.
Elisabeth Baumgartner, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Haymon Verlag 1990
Hans Jürgen und Carlo Rosenberger, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia 1993
Nutzungskonzept für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth Baumgartner, Koordination: Wittfrieda Mitterer.

Südtirol – Unterland
Bahnhofstr. 42 und 44
I-39040 Auer

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39100 Bozen
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