33. Bahnhof Kastelbell

33. Bahnhof Kastelbell

Kastelbell-Tschars
1906
Schloss Kastelbell auf dem Felsvorsprung oberhalb der verkehrsüberlasteten Straße. Seit 2005 ist der Zug zumeist auf der Überholspur

Der Bahnhof Kastelbell liegt gut erreichbar im Ortsgebiet und wurde – vom Bautyp her identisch mit den Bahnhöfen in Algund, Marling und Naturns – am orografisch rechten Ufer der Etsch errichtet. Vom Aufnahmegebäude aus eröffnet sich wie durch ein Schaufenster ein eindrucksvoller Blick auf Schloss Kastelbell, das bereits 1238 urkundlich erwähnt wurde und weithin sichtbar auf einem mächtigen Felsblock am gegenüberliegenden Etschufer thront – genau an jenem Punkt, wo der Fluss aus der engen Schlucht der „Latschander“ in das weite Untervinschgau übertritt.

DATEN

Sammlung: Bahnen
Bezirk: Kastelbell
Für Publikum zugänglich: Ja
Baubeginn: 1903
Inbetriebnahme: 01.07.1906
AuftraggeberIn: Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Projektant/Erfinder: Bauausführung durch das Wiener Lokalbahnamt. Entwurf Hochbauten unter der Leitung von Baurat Konstantin Ritter von Chabert

3,644 km nach dem Haltepunkt Tschars folgt der Bahnhof Kastelbell, der als Gebäudetyp bereits von Algund, Marling und Naturns bekannt ist. Er wurde südlich der Etsch angelegt und ist von der Ortsmitte etwas umständlich am Ende einer Stichstraße erreichbar. Es besteht aber genügend Freifläche für die Anfahrt und das Halten.
Auf T-förmigem Grundriss sind die Warte- und Schalterräume im erdgeschossigen Seitenflügel unter einem Satteldach untergebracht. Der Zugang erfolgte an der Giebelseite vorbei gleisseitig unter einer hölzernen Loggia mit flachem Satteldach. Der breitere Querteil unter einem Krüppelwalmdach diente einer Wohnung für den Bahnwärter mit Zugang von der Straßenseite und ist unterkellert. Von dort aus erreicht man über eine steile Treppe das nicht ausgebaute aber mit Giebelfenstern versehene Dachgeschoss. Das Gebäude wurde aus verputztem Mauerwerk errichtet, mit flachen Eckrisaliten, Lisenen und Fenster- u. Türgewänden mit Gesimsabschluss. Besonders sorgfältig sind alle sichtbaren Holzteile der Dachkonstruktion und der Loggia detailliert. Ein freistehendes, gemauertes und verputztes Toilettenhäuschen ergänzte das Aufnahmsgebäude.
Noch weiter westlich folgte ein langgestrecktes Lagergebäude unter einem Satteldach. Die auf einem Natursteinsockel aufgeständerte Holzkonstruktion war zur Hälfte als offener aber gedeckter Lagerplatz vorgesehen, zur anderen Hälfte ein mit senkrechter Holzverschalung geschlossener Raum mit drei Doppeltüren.
Neben dem Aufnahmsgebäude wurde ein gusseiserner Trinkwasserbrunnen eingerichtet.

Das Gebäude besteht aus zweigeschossigen Hauptbau mit einem seitlich an eingeschossigen Anbau. Die Warte- und Schalterräume sind im eingeschossigen Seitenflügel unter einem Satteldach untergebracht. Der Zugang erfolgte gleisseitig, an der Giebelseite vorbei, unter einer hölzernen Loggia mit flachem Satteldach. Im Wartesaal, in dem auch der Fahrkartenautomat untergebracht ist, dokumentiert eine „Erinnerungsstrecke“ mit interessanten Ausstellungsstücken die Betriebszeit der alten Vinschger Bahn. Der breitere Haupttrakt diente als Bahnwärterwohnung mit straßenseitigem Zugang. Eine Treppe führt ins Dachgeschoss. Errichtet wurde das Gebäude in Mauerwerk, mit flachen Eckrisaliten, Lisenen sowie Fenster- und Türgewänden mit profiliertem Gesimsabschluss. Besondere handwerkliche Qualität zeigt sich in der sorgfältig ausgeführten hölzernen Loggia sowie in der offenen Dachkonstruktion. Ergänzt wurde das Aufnahmegebäude durch ein freistehendes, gemauertes und verputztes Toilettenhäuschen.
Westlich des Aufnahmegebäudes schließt ein langgestrecktes eiserner Trinkwasserbrunnen.
Die neue Haltestelle Kastelbell wurde mit einem Schutzdach und einem rückseitig angelagerten Fahrradabstellplatz ausgestattet. Im Zuge der Elektrifizierungsmaßnahmen der Vinschger Bahnlinie im Jahr 2018 wurden zudem die Bahnsteige verlängert und den neuen Anforderungen angepasst.

Vinschgauer Bahn AG.(konstituiert aus der Bozen-Meraner Bahngesellschaft und den k.k. Staatsbahnen, konzessioniert am 7. Juli 1903)
Heutige Eignerin: Infrastruktur: Land Südtirol / Gebäude: Land Südtirol, bis 2034 Nutzungskonzession für die Gemeinde Kastelbell

Informationen und Zitate:
Bestandsaufnahme Vinschgerbahn durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, Landesverwaltung, Abtlg. Denkmalpflege unter dem Abtlg. Direktor Dr. Helmut Stampfer, Bozen, 2000
Carmen MÜLLER; Meran-Mals, Vinschgau – auf den Spuren einer stillgelegten Bahnstrecke folio-, Verlag Wien Bozen, 2001
Hans WIESER, Bevor die Lok dreimal pfeift… – Gedanken zur Vinschgerbahn, Videodokumentation RAI Bozen
Elisabeth BAUMGARTNER, Eisenbahnlandschaft Alt-Tirol, Innsbruck, Haymon, 1990
Wittfrieda MITTERER Hrg., Zeitzeichen der Technik, Edizione Raetia, Bozen, 1993
Hans-Jürgen und Carlo ROSENBERGER, Die Eisenbahnen in Südtirol, Athesia, Bozen, 1993
Nutzungskonzepte für verwaiste Bahnhöfe, Text: Elisabeth BAUMGARTNER, Koordination: Wittfrieda MITTERER; Kuratorium für Technische Kulturgüter; Bozen, 2002

Auskunftspersonen:
Dr. Klaus KEMENATER, Geschäftsführer der STA, Bozen
Radames PANDINI, Bauabteilung der FS, Bahnhof Bozen, Planarchiv

Südtirol – Vinschgau
Bahnhofstr. 14
I-39020 Kastelbell

STA (Infrastruktur)
Gerbergasse 60
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-312811
Webseite: http://

SAD (Fahrbetrieb)
Italienallee 6/N
I-39100 Bozen
Tel: 0039-0471-450111
Webseite: http://