76. Die Tauferer Bahn
Vom Touristenbahn-Eldorado, das Ing. Josef Riehl für den Dolomitenraum vorschwebte, hat er kaum noch etwas erlebt. Die Tauferer Bahn war die einzige Friedensbahn im Dolomitenraum, die rechtzeitig verwirklicht wurde und noch vom aufkommenden Tourismus profitieren konnte. Als Nebenlinie der Pustertalbahn– Marburg–Franzensfeste hatte die Strecke Bruneck-Sand in Taufers einen direkten Anschluss an das überregionale Eisenbahnnetz
DATEN
Dank der landschaftlichen Reize, der wirtschaftlich gut gestellten Großbauern und der ausgedehnten Holzressourcen war das vom Brunecker Rechtsanwalt Hans Leiter initiierte Projekt sowohl für Fracht- als auch für Personenverkehr besonders attraktiv. Ein klares Indiz für die Rentabilität der Bahn war allein schon die Übernahme der Betriebsführung durch die private Südbahn-Gesellschaft. Gemeinsam mit der ebenfalls von Riehl errichteten Montafoner Bahn in Vorarlberg wurde die 15,4 km lange Tauferer Bahn 1908 eröffnet. Kurz zuvor hatte Riehl die Rittner Bahn vollendet. Noch im selben Jahr begannen in Sand und Uttenheim die Bauarbeiten. Drei Bauabschnitte wurden parallel von rund 300 Arbeitern realisiert – ein effizienter Ansatz, der eine Bauzeit von nur einem Jahr ermöglichte. Die Tauferer Bahn gehörte zu den ersten elektrisch betriebenen, also modernsten Vollspurbahnen Tirols – ein Beleg für Riehls Innovationskraft. Unterstützt wurde er dabei vom staatlich konzessionierten Elektrotechniker Josef Beikircher, der auch als Wegbereiter der industriellen Lodenproduktion in Erscheinung trat.
Die Bahn war 1908 in ihrer technischen Ausführung für ihre Zeit äußerst modern: Sie wurde elektrifiziert, mit leichten Triebwagen für den kombinierten Personen- und Güterverkehr ausgestattet und kostensparend nach den Prinzipien einer Lokalbahn errichtet. Die wirtschaftliche und touristische Entwicklung des Tauferer Tals wurde dadurch maßgeblich gestärkt.
Die Strecke wurde intensiv genutzt. Ein kleiner Nachteil bestand lediglich darin, dass sie nicht direkt durch die Ortszentren führte, sondern eher an deren Rändern verlief. Bedient wurden die Haltestellen Bruneck, St. Georgen, Gais, Uttenheim, Mühlen und Sand in Taufers.
Vielleicht wird die vom Kuratorium für Technische Kulturgüter angeregte Renaissance der Tauferer Bahn mit Schnellladetechnik, ohne Oberleitung und flurbündig eines Tages doch noch Realität.








