Kraftwerk Priel
Bereits um 1900 baute die Elektrogesellschaft Malser Haide ein kleines Wasserkraftwerk am linken Etschufer in Göflan. Das Wasser wurde von der Etsch abgeleitet und einer Francis-Turbine, die an einem Gleichstromgenerator gekoppelt war, zugeführt. Das Kraftwerk hatte eine Leistung von 80 kW. Im Jahre 1904 wurde Schlanders erstmals mit elektrischem Strom versorgt.
Im März 1971 nahm das Wasserkraftwerk Priel Wiesen unter dem damaligen Präsidenten Ludwig Gurschler und dem technischen Leiter Robert Privora seinen Betrieb auf.
Die gesamte Anlage (Bauten, Trinkwasserversorgung, Stromproduktion und die Bewässerungsanlage) ist aufgrund des sehr steilen Geländes des Schlandrauntales und der beschränkten technischen Mittel als technische Pionierleistung zu bezeichnen.
DATEN
Bereits um 1900 baute die Elektrogesellschaft Malser Haide ein kleines Wasserkraftwerk am linken Etschufer in Göflan. Das Wasser wurde von der Etsch abgeleitet und einer Francis-Turbine, die an einen Gleichstromgenerator gekoppelt war, zugeführt. Das Kraftwerk erzeugte eine Leistung von 80 kW. Im Jahre 1904 wurde Schlanders erstmals mit elektrischem Strom versorgt. Da diese Leistung den steigenden Strombedarf nicht decken konnte, wurde von der Elektrogesellschaft Malser Haide Strom dazugekauft. Im Jahre 1953 lief der Vertrag mit der Elektrogesellschaft Malser Haide aus und der Verwaltungsrat und der damalige Bürgermeister Josef Benedikter beschlossen, den Bau eines eigenen Wasserkraftwerkes. Josef Pobitzer, ehemaliger Elektriker der Elektrogesellschaft Malser Haide und Robert Privora übernahmen zusammen sämtliche Bauarbeiten des gemeindeeigenen Kraftwerks. In den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts bildete sich eine Interessentengemeinschaft bestehend aus Schlanderser Bürgern und Wasserrechtsbesitzern, welche den ersten Lokalaugenschein zum Bau eines Kraftwerkes unter der Führung des damaligen Bürgermeisters Dr. Erich Müller im Schlandrauntal vornahmen. Im Jahr 1961 übergab man der Firma General Pioggia in Bozen die Planung des Gemeindewerks Schlanders. Der Projektant Ing. Ercole Volante sah ein großes Kraftwerk mit einer Leistung von 4000 kW vor. Damit es nicht zu einer Übernahme des Werkes durch die im Jahre 1963 gegründete ENEL (Ente Nazionale per l’energia elettrica) kam, wurde auf Rat des Senators Dr. Karl Tinzl um eine Konzession zur Nutzung des Werkes als Trinkwasserwerk angesucht. Man reduzierte die Leistung des Kraftwerks auf 1000 kW und wandelte das Gemeindewerk in einen munizipalen Betrieb um. Die Bauarbeiten wurden im November 1969 begonnen und bereits im März 1971 nahm das Wasserkraftwerk unter dem damaligen Präsidenten Ludwig Gurschler und dem technischen Leiter Robert Privora seinen Betrieb auf. Ende der Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts begann man in Eigenregie die alten Freileitungen und Elektrokabinen durch ein modernes Erdkabelnetz und Fertigkabinen zu ersetzen. Das Wasserkraftwerk erreicht eine Höchstleistung von 1000 kW, die jedoch den Stromverbrauch nicht abdeckte und so vereinbarte man 1985 den Parallelbetrieb mit der ENEL. Das Kraftwerk des munizipalisierten Betriebes Schlanders versorgt mit den Industriezonen Schlanders und Vetzan, den drei Handwerkerzonen und den Haushalten, insgesamt 2390 Kunden mit elektrischer Energie.
Das Wasserkraftwerk befindet sich, in einen steilen Hang gebaut, am rechten Ufer des Schlandraunbaches oberhalb der Prielwiese und ist gänzlich vom umgebenden Wald eingeschlossen. Die Standortwahl des Werkes erklärt sich durch seine Dreifachfunktion als Stromerzeugungs- und Trinkwasserversorgungswerk dessen Restwasser Bewässerungszwecken diente. Die Maschinenhalle präsentiert sich als ein schlichter eingeschossiger, rechteckiger Baukörper mit seitlich angegliedertem Funktionsraum in dem verschiedenste technische Ersatzteile und elektrische Materialien untergebracht sind. Der Bau wird von einem schrägen flachen Blechdach, das über die Halle hinausragt, abgedeckt. Vier, fast die gesamte Wandfläche einnehmende, in Bleiverglasungen gliedern die Fassade und belichten die eher düstere Maschinenhalle. Im Inneren befindet sich links vom Eingang der Transformator, der die Maschinenspannung von 3000 V auf die Übertragungsspannung von 10000 V umformt. Im hinteren Hallenbereich befindet sich die Maschinengruppe, bestehend aus einer Pelton-Turbine mit einer Leistung von 1460 kW und einem Synchrongenerator mit einer Leistung von 1500 kVA der Firma ELIN-UNION. Die Schalterkästen sind unterhalb des erhöhten Balkons, der in Beton ausgeführt und mit eisernem Geländer umgeben ist, untergebracht und dienen der Überwachung des Kraftwerkes. Über eine eiserne Treppe gelangt man auf den Balkon wo sich die Lastverteileranlage befindet und von wo man die Maschinenhalle überblicken kann. Der in Terracotta-Fliesen ausgeführte Fußboden und der dunkelblaue Maschinensatz beleben durch den starken farblichen Kontrast die sonst eher nüchtern und verschlossen wirkende Maschinenhalle.
Das Wasser des Schlandraunbaches wird in einen Tagesspeicher geleitet, der sich auf 1760 m über dem Meer befindet. Vom Speicherbecken führt eine 5080 m lange unterirdische Druckrohrleitung mit einem Durchmesser von 300-150 mm das Wasser in den Maschinenraum. Dort prallt es mit großer Wucht, hervorgerufen durch das Gefälle von 960 m, auf die eingesetzte Pelton-Turbine. Das abgearbeitete Wasser gelangt über einen Unterwasserkanal in die Bewässerungsanlagen. Das Kraftwerk ist voll automatisiert und wird von der Verwaltungsstelle in Schlanders überwacht und ferngesteuert.
Das Wasserkraftwerk erreicht eine Höchstleistung von 1000 kW, die jedoch den Bedarf nicht abdecken und so vereinbarte man 1985 den Parallelbetrieb mit der ENEL.
Sämtliche Planungsunterlagen und technische Dokumentationen liegen in der Gemeinde Schlanders auf.
Fotos, Dias und technische Berichte befinden sich im Privatbesitz von Robert Privora.
Typ der Anlage Speicherkraftwer (mit Tagesspeicher)
Beschreibung (Umbauten) Das Kraftwerk hat seit seiner Inbetriebnahme
keine Umbauten erfahren.
Baubeginn November 1969
Inbetriebnahme März 1971
Eigentümer Gemeinde Schlanders
Architekt / Ingenieur Ing. Ercole Volante
Wasserkonzession 1972
Gefällstufe 960 m
Einzugsgebiet 30,4 km2
Abgeleitete Bäche Schlandraunbach
Tagesspeicher 1600 m3
Druckrohrleitung Länge 5080 m
Turbine 1 Peltonturbine horizontal
1460 kW, Fa. Georg Beikircher, Mühlen Sand in Taufers
Generator 1 Synchrongenerator 1500 kVA, 3000 V der Firma ELIN- Union, Wien
Fliehkraftregler 1 der Fa. Kessler
Erregermaschine 1der Fa. ELIN-Union, Wien
Transformator 1 1500 kVA, 3000/ 10 000 V der Fa. STEM
Betriebsart Seit 1985 Parallelbetrieb mit Enel
Verteilergebiet Schlanders, Göflan und Vetzan (Privathaushalte,
Industrie- und Handwerkerzonen)
Maximale Leistung 1000 kW
Mittlere Jahreserzeugung 5 Mio. kWh
Das Wassereinzugsgebiet umfasst 30,4 km². Das Wasser des Schlandraunbaches wird in ein Speicherbecken mit einem Fassungsvermögen von 1600 m³ geleitet. Es liegt auf 1760 m über dem Meer.
Das Kraftwerk befindet sich in einem Steilhang am rechten Ufer des Schlandraunbaches oberhalb der Priel Wiese und ist gänzlich vom umgebenden Wald eingeschlossen. Die Standortwahl des Werkes erklärt sich durch seine Dreifachfunktionen als Stromerzeugungs- und Trinkwasserversorgungswerk dessen Restwasser Bewässerungszwecken dient.
Gemeinderundschau Nr. 6-13
Herausgeber/Zeitschrift: Organisationskomitee Gemeinderundschau
Verlag: Hauger-Fritz
Erscheinungsort: Meran
Erscheinungdatum: 2001
100 Jahre Strom im Vinschgau
Herausgeber/Zeitschrift: Informationsheft des Vinschger Museum in Schluderns
Verlag: Athesiadruck G.m.b.H.
Erscheinungsort: Bozen
Erscheinungdatum: 2001